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Das jüdische Literaturblatt · 1894-12-21 · No. 51 (21.12.1894) · p. Seite 200

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 51 (21.12.1894)
Date
1894-12-21
Page
Seite 200 (sequence 2)
Language
German
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200 von Berlin wohnenden Freunden sich zu der Abfassung des Sendschreibens zu bekennen. Vor einigen Jahren ist ein Briefwechsel Friedländers mit einem Glogauer Israeliten Meyer Eger, der aus Fürth stammte, veröffentlielit worden, der einerseits sehr gut das grelle Entsetzen schildert, das jüdische Freunde Friedländers über sein Gebühren empfanden, und andererseits es beweist, wie sich Friedländer um die Autorschaft herumredet, wie er nicht den Mutli und aus Eitelkeit nicht die Lust hat, sein Werk zu verleugnen und wie er wieder aus einem Rest von Schamgefühl sich fürchtet, seine Tliat, seine Unthat zu gestehen. Es ist wahrhaft rührend, wie dieser Glogauer Geschiiftsfreund, der ganz gut wusste, dass Friedländer zu den Aufklärern par excellenee gehörte, der ihn aber nicht geradewegs für einen Verriither hielt, seiner Freude Ausdruck giebt, als er die allerdings falsche Nachricht bekam, Friedländer habe das Sendschreiben nicht verfasst. Dieser in Glogau in einem engen geistigen Bezirke wohnende Kaufmann hatte die richtige Empfindung, dass Friedländer Juden und Judenthum verrathen habe, und während er sonst die platten Scherze Friedländers über religiöse Dinge sich hatte gefallen lassen, konnten, als er vernahm, dass Friedländer sich offen zur Taufe anbot, ihn alle die Redensarten, mit denen Friedländer seinen Abfall verdeckt und verbrämt hatte, ihm nicht die Ueberzeugung rauben, dass ein Frevel geschehen sei. Heine hat Friedländer richtig taxirt, als er mehrere Jahrzehnte nach Abfassung des Friedländer’sehen Sendschreibens Friedländer mir deswegen als dem Judenthum sicher bezeichnete, weil er alt sei und bald sterben werde. Das Urtheil über ihn ist nicht schwankend, wenn auch hin und wieder eine Stimme zu seinen Gunsten sich erhebt; diese Stimme rührt von denen her, die gleich ihm ohne inneren Beruf in jüdischen Dingen ihr Urtheil abgeben, die gleich unfähig sind, sich vom Judentlmm loszusagen, als sich innig ihm anzuschliessen, die vielleicht nur deswegen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft bleiben, weil sie in ihr durch irgend welche äussere Umstände etwas bedeuten und wenn sie abfielen, anderwärts ganz— abfallen würden. _ (]•01׳ts.>t7.m1g l״l״t.) Erklärung unklarer Bibelstellen. Von l)r. H1׳rz01 - üroily. Sam Hel II Cup. 11. V. 11—1:i. '.Vas wollte die Frau aus Tekoa dem Könige David damit sagen, dass sie ihn (im Vers 11) auffordert, an Gott zu denken (וכר נא הדל;־ אי־! ד.' אי*); wann und wo hat er sich denn, wenn wir von den menscliliehen Verirrungen —denen auch ein König ausgesetzt ist — abstrahiren. als gottvergessener Mensch gezeigt, dass er erst durch die Klugheit und den Freimuth eines Weibes daran erinnert werden musste, Gottes zu gedenken? Bei näherer Betrachtung der ganzen Angelegenheit, um die es sich in diesem Capitel handelt, glaube ich, dass wenn wir von der hergebrachten Ansicht über die Bedeutung des Stames זלר absehen und ihm eine andere Bedeutung, zumal) in seiner Zusammensetzung mit dem Gottesnamen beilegen, so wird uns der Zweck der gebrauchten Redeweise klar und wir erlangen ein richtiges Verständniss für das Erzählte. Joab bmerkte, dass sich das Herz des Königs allmählich dem Absalom zuwendete, d. 11. Sehnsucht nach ihm empfand, um ihn zu sehen; der Ausdruck לב המלך על אבשלום im ersten Verse dieses Capitels deutet darauf hin, denn על ist hier soviel wie אל (cfr. Jesaias 14, I). Es bedurfte nur eines klugen und geschickten Vonvandes, um der Sehnsucht des Königs zu Hilfe zu kommen, und die Skrupel desselben zu zerstreuen. Zu diesem Zwecke bedient er sich der Frau aus Tekoa, die als Wittwe verkleidet, vor dem Könige erscheint und ihm den fingirten Brudermord, der in ihrem Hause vorgekommen sein soll, erzählt. Der Fall ist, wenn nicht vollkommen gleich der im Hause des Königs vorgekommener. Brudermord-Scene, so doch fast analog, und hat den Zweck, dem Könige, den die Worte der unglücklichen Wittwe rühren und ihm zu Herzen sprechen, ein für den verfolgten Sohn der Wittwe günstiges Urtheil abzuringen, was auch geschieht. Der König spricht: »Gehe nach Hause, ich werde die nötliigeu Befehle ertlieilen. auf dass Deinem Sohn kein Leid zugefügt werde.« Die kluge Frau weiss aber, dass durch Dazwischenkommnisse, Einflüsse oder andere Umstände selbst Könige verhindert werden können, ihr gegebenes Wort einzulösen und möchte deshalb ein bindendes Versprechen dem Könige abringen und spricht abermals: ׳Ueber mich und meine Familie könnte das Unheil (des gänzlich Vernichtetwerdens), hereinbrechen, während der König und seine Regierung frei von Schuld wären, es müsste sofort dem vorgebeugt werden«. Und der König sagt: »Wer Dich mit einem Worte nur bedroht, deu bringe vor mich!« Aber auch dieses Königswort genügt ihr nicht, und sie verlangt — des Königs Eid! Sie sagt (V. 11): Nenne, o König, den Namen Gottes, d. h. schwöre mir. מהרבה דאל דדם ובו אהבד »Dass der blutverwandte Rächer des Ermordeten meinen noch lebenden .Sohn nicht tödten und nicht von der Erde vertilgen werde!« — Darauf antwortet der König: ח״ הי »Ich schwöre bei Gott, dass Deinem Sohne kein Haar gekrümmt werden wird! Nachdem nun die kluge Frau dem Könige dieses feste, heilige Versprechen abgenommen hatte, beginnt sie nochmals und fragt mit verständigem Sinn (V. 13): Wenn Du so liebevoll und gnädig gegen das Volk gesinnt bist, warum verurtheilst Du Dich selbst und machst Dich zum Schuldigen? ומדמה ימלד הלב־ הזה באשם d. h. Wie kannst Du solche Urtheile dem Volke sprechen, ohne Dich selbst zu verurtheilen, indem Du Deinem verstossenen Sohne die Rückkehr nicht gestattest?!■: Dass aber das Zeitwort זכר auch die Bedeutung »schwören« hat, dafür glaube ich noch nachstehende Beweisstelle anführen zu können: Jesajas 21 i, 13 לבד בך נזביר שבך Gott und Herr, es beherrschen uns verschiedene Herren, aber nur bei Deinem Namen schwören wir! Josua ermahnt in seiner Abschiedsrede die Israeliten zum Festhalten an den Geboten, die uns Gott gegeben hat, und sagt unter Anderem; Schliesset keine Ehebündnisse mit den Völkern, unter denen ihr lebet, schwöret nicht bei ihren Göttern und beschwöret keinen Menschen bei diesen Götzen!« Und so erkläre icn denn auch das Verbot (Exod. 23, 13): לא תזכירו לא ישמע דל פיוי Den Namen fremder Götter sollt Thr nicht alsSchwur gebrauchen, er darf zu solchen Zwecken nicht ansgesprechen werden«; dennG ötzennamen citirt doch die heilige Schrift viele Male und wir lesen und sprechen sie aus: z. B. Moloch, Asclitarot, Kemosch, Dagon u. a. m. Ich neige um so mehr zu dieser Auffassung, als das Capitel II. M. 23 vom Anfänge bis zum 13. Verse nur vom Gerichte handelt und die Hauptstütze zurEruirung der Wahrheit vor Gericht ist der Eid!

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