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Das jüdische Literaturblatt · 1894-12-07 · No. 49. (7.12.1894) · p. Seite 192

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 49. (7.12.1894)
Date
1894-12-07
Page
Seite 192 (sequence 2)
Language
German
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Hebräische Handschriften in Sofia. Von I)r. M. Oriimvald, Grossrabliiner von Bulgarien. 11 ') Tn den sefardischen Gemeinden bestellt die schöne Sitte, an Samstagen und Feiertagen, vor Beginn des Gottesdienstes — als Ersatz der davidischen Psalmen — Lieder (Pismonim, Pijjutiin, Bakasclioth) in hebraischer, spanischer, arabischer oder aramäischer Sprache zu recitiren. Da solche Lieder, obwohl grosstentheils religiösen Inhalts, nicht eigentlich zum Gottesdienst gehören, wurden sie nicht durch den Druck veröffentlicht, und circuliren bis zum heutigen Tag in H andschriften, die in der Regel als Familienerbstück von Vater auf Sohn vererbt werden. Zwei solcher Liederhandschriften wurden mir präsentirt; die eine erhielt ich in Widdin vorn Lehrer Tschalibi Tschiprut und die zweite von dem hiesigen Kaufmann Nissim bechar Schemuel Gerschon. Die erste Handschrift (aus Widdin) 2)— ebenfalls unvollständig — enthält gegenwärtig von mir paginirte 09 Quartblätter — 21'/2 Centimeter lang und 17 Centimeter breit — die zweite (aus Sofia) enthält 85 Blätter in klein Octav. 14 Centimeter lang und 10 Centimeter breit. Die Widdiner Handschrift beginnt mit den Worten מפלט* * מאויבי, וגם מרודפי קמי, הקשיבה נא בקול נאומי, הארך ימי. בחמלה וגילה, צור דר במרומי »Der Du mich vom Feinde errettet und auch von meinen Verfolgern und Gegnern, vernimm doch die Stimme meiner Rede, verlängere meine Tage, in Barmherzigkeit und Jubel, Hort, der in den Höhen thront.« Blatt 1—(> enthalten Lieder in hebräischer Sprache; Blatt 7 ist ein spagniolisches Liebeslied, dessen erste Strophe lautet: Tu eres amor priinero (Du bist meine erste Liebe), Primero y postero (meine erste und meine letzte), Mos comprastes sin denero (hast uns ohne Geld gekauft), Por primer amor (für die erste Liebe). •אתה מושלי ראתה חושני אהובי חביב (Du mein Herrscher, Du mein Choschen4), mein Geliebter, mein Theurer.) Blatt 8—12 hebräisch; Fol, 13 spagniolisch; Fol. 14—25a hebräisch. Blatt 25 ist wiederum ein spagniolisclies Liebeslied (Cantiga de amor), das mit den Worten beginnt: Con quien a vos aina (Gegen den, der Dich liebt), Non seach de infrente (Steh nicht kalt gegenüber), Mi si arranca la alma (Die Seele wird mir zerrissen). De ver vos d’infrente (Dich mir gegenüber kalt zu sehen). Blatt 27 enthält die »Kethuba de Ilaman הרשע.« Dieselbe beginnt mit den Worten: בסימן מ*", כ0*מ| קללה י) Cfr. No. 3611• ■15. (In dem letzteren Artikel sind!bittende Druckfehler zu berichtigen: S. 176, Col. 2, Z. 20 v. 0. z. lesen: כדכתיב לא ימושו: z,. 24 V. 0. Constantina; Z. 20 v. 11. Comtino; Z. 16 v. 11. zeichnet er: Z. 15 v. 11. i»t nach den Worten »findet *ich« hinzuzufügen; verzeichnet; Z. 12 v. n. ist st. R. Bordenlaj Conutio zu lesen: Mordechaj Comtino: Z. 9 v. 11. st. des z. 1, das; Z 3. v. u. nach dem Worte »Schrift« hinzufiigon; des Manuscri ptos. s) Wir bezeichnen der Kürze halber die Widdiner Handschrift mit W, die aus Sofi 1 stammende mit S. :l) Gemäss dem biblischen והוא ימשי1 בך (der Gatte soll über Dich herrschen) 1. Buch Mosis Cap. 3 Vers 16. *) Der Choschen sollte beim hohen Priester auf der Brust bleiben; ebenso der Gatte stets im Herzon der Gattin. 6) l)io spagnolischen Liebeslieder werden wir demnächst in einem besonderen Hefte veröffentlichen. יאפלה. ( »Unter bitterem Vorzeichen, zur Zeit des Fhiches und der Finsterniss.«) Jede wirkliche Kethuba1'׳) beginnt bei den Spagnioien mit den Worten: בסימן טוב בשעת ברכה והצלחה »Unter gutem Vorzeichen zur Zeit des Segens und des Glückes.« Seite 28 b beginnt mit einem hedräischen Lied dogia senor Abraham. Die Worte dogia und segia (דוגייאה — שימאה> bedeuten, dass das Gedicht ein Akrostichon enthält.7) Blatt 32a—35b enthält coplas di Purim') in spagniolischer Sprache und beginnt mit Worten: »Enpesar quiero contar Dichos del nio alto, de loche cliiero mentar (Beginnen will ich die Sprüche des hohen Gottes zu erzähleu, diese will ich erwähnen).« Blatt 3li—47 a enthält hebräische Lieder, Blatt 47b ein spagniolisches Lied, beginnend mit den in Ueber- Setzung hier wiedergegebenen Worten: »Ich würde Montag aufstehen, Montag erhob ich mich, ging meine Hände waschen und mit diesen mein zartes Gesicht.« Die erste und zweite Strophe dieses Liebesliedes sind spagniolisch, die dritte ist neugriechisch und die vierte wiederum spagniolisch. Das 48. Blatt, 1. Seite enthält in der ersten Hälfte ein Lied in hebräischer Sprache, das mit den Worten אני בד,' אעלוזה, אגילה באלהי ישעי ישוב תוך קריה עליזה beginnt. Die zweite Hälfte der ersten Seite des Blattes 48 enthält ein griechisches Lied (Grega cantiga). Die zweite Seite des 48. Blattes bis Blatt 50 a enthält türkische Lieder. Dass sowohl das Neugriechisehe wie das Türkische mit spagnolischen Lettern geschrieben ist, braucht wohl nicht erst bemerkt werden. Blatt 51b—(i2b enthalten hebräische und aramäisehe Lieder, Blatt G3 a einen Brief in spagnolischer Sprache, worin um die Fortsetzung der Sendung von weiseren Liedern ersucht wird. Blatt 04—(!8 hebräische Lieder; Blatt 08b bis (59b (Ende des Manuscriptes) enthält die midrasch-artige Uebersetzung der Haftara, die am Tischäb’Aw gesagt wird und die sich in der Liturgie für den Jahrestag der Zerstörung Jerusalem’s (bei den Sefardim) bis auf den heutigen Tag erhalten hat. (Siehe Wien 1880 p. 191—202 סדר ארבע תעניות). (Fortsctzun«׳• folgt.) Recensionen. Grabreden von Oberrabbiner Dr. M. Güdemann während der letzten fünfundzwanzig Jahren in der Wiener israelitischen Gemeinde gehalten. Wien. Alfred Holder. 1894. 75 Seiten. Ein hoher Offizier kam einst an einem Sonntag zur Uebernahme seines Amtes nach einem Orte und besuchte dort sogleich nach seiner Ankunft den Militärgotte* dienst. Davon war der Geistliche natürlich entzückt, dies Entzücken stieg, als der hohe Herr sogleich nach dem Gottesdienste den Geistlichen zu sich “) Dio Sefardim haben auch eine Kethuka — in zwei Fornuilaren — für dio zwei Tage des Wochenfestes (Schiibuoth), worin Gott als Ehemann und die Gesanuntlieit Israels als Gattin gefeiert werden. Diese Ketlmbot worden auch hentzrtage am Schabuot/oste rocitirt. — Die Kotlurba von Ilaman haraselia findet sich angezeigt in M. Roest’s Lottorbode (VII, p. 5) und zwar in dem Aufsatze M. Steinschneider's »Purim und Parodie.« ’) Giar heisst im Spanischen führen — so gia bedeutet daher als Führer für den Recitator diene dor Name X. N. ") Wio bei 6 — aber sehr mangelhaft bei Steinschneider — die Coplas de Purim (Couplets über Purim).

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