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Das jüdische Literaturblatt · 1894-11-09 · No. 45. (9.11.1894) · p. Seite 176

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 45. (9.11.1894)
Date
1894-11-09
Page
Seite 176 (sequence 2)
Language
German
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176 gründe seiner Meinungen zu überfüheen, oder dich überführen zu lassen. Wenn Religionsirrthümer Vorouniintiiss nach sich ziehen könnten, und wo ich nicht iire, ist Dieses die Meinung, worin ihr am meisten übereiukommet, so ist die Pflicht desto dringender, auch einander von dem wahren Glauben zu überführen. Nach meiner Religion könnet ihr Beide Kinder der ewigen Glückseligkeit werden, wenn ihr die heiligen Gesetze der fugend beobachtet. Die Unitarier müssen wir fast als Glaubensbrüder betrachten, und haben um so weniger Recht, sie im Herzen zu verdammen, wenn auch der Geist der Verdammung unsrer Religion eigen wsi.ro. Wenn sie von ihrer Seite billig sind, so können die noch streitigen Punkte zwischen uns immer dahingestellt bleiben. Weder die Tugend noch die Wahrheit kann dabei verlieren. Was dürfen wir also streiten?« Schreiben an den Herrn Diakonus Lavatcr zu Zürich von Moses Mendelssohn. Mendelssohn bekundet die ganze Energie und Eleganz seiner Schreibart weit mehr in seinen kleinen Schriften als in seinenBüchern. Dies Schreiben an Lavater ist einMeisterstück, weil es die grösste Urbanität׳ in der Form mit der Schärfe des Gedankens verbindet. Freilich bleibt auf dem Standpunkt Mendelssohn'» die Schwierigkeit: jede Wahrheit soll allgemein werden, diese Tendenz muss jeder haben, der eine Wahrheit erkannt, die noch nicht allgemein ist. Natürlich sollen Gedanken auf dom ihnen geinässen Wege verbreitet werden, nicht durch Feuer und Schwert, oder durch alle die sanfteren, aber nicht minder durchaus unmoralischen Mittel, die man in civilisirten Landen zu diesem Zwecke anwendet. Eine Religion kann auf Propaganda nicht verzichten. Die isolirte Rettung, die Mendelssohn für das Judenthum in Anspruch nimmt, dass er nur für sich existiren will ohne einen bestimmten nachweisbaren Zweck im Getriebe der Welt, ist unhaltbar. Mendelssohn bleibt dieser Ansicht nicht treu, er giebt sie zum Tlieil auf in seinen Betrachtungen über Bonnet'8 Pnlingenesie. Je lebhafter die Anerkennung ist für den Eifer, das Talent, die Saclikenntniss, die Mendelssolin bei der Vertheidigung des Judenthums entfaltet, um so nothwendiger ist es, diese Schwäche seines Systems aufzudecken, die, wäre es auch eine Schwäche des Judenthums, diesem die Lebensfähigkeit nehmen möchte. Dass Mendelssohn gegen seine Gegner höflicher war, als sie es verdienten und als er wohl von ihnen dachte, lag an dem Drucke der öffentlichen Verhältnisse, unter denen er lebte. (Fortsetzung folgt.) Hebräische Handschriften in Sofia.*) Von l)r. M. tirfiawald, (Jrossraliimir von llulgarion. Herr Abraham Dänen, Lehrer des Hebräischen an der hiesigen Talmud-Thoraschule und gleichzeitig Buchhiindler für Judaica in Sofia, brachte mir vor einigen Tagen ein Manuscript, das, wenn auch nicht ein Unicum ist, immerhin der Beachtung der Forscher würdig ist. Dieses Manuscript ist, wie die meisten hier im Privatbesitz belindlichen Handschriften unvollständig,**) es enthält in zierlich geschriebener Handschrift die Mathematik des aragonisehen Juden Jizohak, Sohnes des Mosche *) Sänuntlchc von uns I>08el1ri01>0ne Hanclseliriftcii sind Eigentlium des hiesigen Kahhinerseminars, mul werden den betreffenden l'onu-liern vom Schreiber dieser /eilen gerne auf die Zeit von 4 Wochen leihweise überlassen. **) 1 )io Jlendsehriften sind unvollständig, weil die llesitzer, den Werth dieser Handsehrifteii!lieht kennend, dieselben nicht gebührend hüteten. Eli, des Sefardi aus der Provinz Orihuela im Königreiche Aragon, (יצחק בב״ר משה עלי נ״צ הספרדי ממדינת אוריאולה ממלכות ארגו׳) und zwar zerfällt diese abgekürzte Mathematik in zwei Tlieile; der erste Theil heisst *ספר המספי »Buch der Zahl« und schliesst mit den Worten: תם ונשלם ספר המספר חזק הסופר ואמיץ הקורא und der zweite Tlieil heisst חכמת המספר »die Weisheit der Zahl d. h. die praktische Anwendung und Durchführung der in der ersten Abtheilung aufgestelltun Theorie. Das Manuscript ist auf starkem Papier, 15 Centimeter breit und 22 Centimeter lang und das ganze Manuscript ist drei Centinu-tcr dick, Die Schriftzüge sind spanisch-jüdisch. Alter des Manuscrifts erhellt aus fol- ״enden Zeilen, die den Schluss der zweiten Abtheilung des סחכמת המספר bilden und die lauten: ( 5229) בחדש אב ביום ראשון בכ״א בו כשנת ה״ר״ב״ט נשלם חכמת המספר צל ידי לי משה שרקי מקהל ויטון וכתבתיו בקונשאנטינא לדי מירכי כומטיינו וה׳ יזכהו להגות בו וזרעו תי־ע זרעו כדכיתו• לא ימוו מ״ו אמר ה׳ מצתה וצד צולם ,אמן. »Im Monate Ab, am ersten Tage der Woche (Sonntag) im Jahre 5229 nach Erschaffung der Welt (1409 n. d. g. J.) wurde das Buch, die »Weisheit der Zahl« durch mich den Schreiber Mosche Scharki aus der Gemeinde Seitun vollendet; und ich habe es in Constautina für Rabbi Mordecliaj Comtino geschrieben; Gott möge ihm das Verdienst zu Tlieil werden lassen, darin zu forschen, ebenso seine Nachkommenschaft und die Nachkommen, wie es!in der heiligen Schrift geschrieben steht: »Sie (die göttlichen Worte) werden nicht weichen von Deinem Munde, von dem Munde Deiner Nachkommenschaft und der Nachkommen Deiner Nachkommenschaft von nun an bis in Ewigkeit, spricht der Ewige. Amen. Amen. Amen.» Das Manuscript besitzt demnach das ehrwürdige Alter von 425 Jahren. Die Biographie des Schreibers hingegen ist mir unbekannt; vielleicht wird Herr Dr. M. Stein- Schneider Auskunft darüber geben. Hingegen ist der Namen der Person, für welche das Manuscript geschrieben wurde, in der jüdischen Literatur wohlbekannt (siehe Steinschneider'» Hebräische Bibliographie V. p. 129 Marco Mortara’s Indice alfabetico dei rabbini 0 scrittori isrneliti di cose giuduichc in Italien und p. 10). Der Familienname Comtino wird bald mit einem, bald wiederum mit zwei Jod geschrieben, manchmal sogar mit dem Alef Prolongation!», also בומטיינו בומטינו כומטייאנו. R. Mordcluij Conitini schrieb einen Commentar zu Maimonides’ Abhandlung über Logik, femar einen (lummentar zu Ihn Esras מורא T1D\ sowie einen weiteren Commentatator zu Aristoteles םיהשמצ In letzterem zeiclineten מרדכי בן אליעזר כומטינו. Manuscripte dieser Arbeiten finden sich in Neubauers Catalogue NM. 19117, 21073 und 1235, 4. Nach M. Mortara's Indice 1. c. ist bis jetzt nichts an R. Bordenluj Conutio duoli den Druck veröffentlicht worden. Unser Manuscript enthält jadoeh ausser dem Buche über Mathematik von Rabbi Jizohak C. Mosclieh, des hochinterssanten philosophisch - politischen Werkes von Alfarahi, das den Titel ספר התחלות הנמצאות »Buch der Anfänge« der von Philippowski im Jahr 1820 in London veröffentlicht nach M. Steinschneiders competenten Urtheil (die hebräischen Kennzeichen p. 291) nicht correct genug ist. Die Schrift ist klar und deutlich und cs ist immerhin ein Vortheil ein neues Manuscript dieser wichtigen Arbeit bclmfs Collationirung zur Verfügung zu haben.

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