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Das jüdische Literaturblatt · 1894-11-02 · No. 44. (2.11.1894) · p. Seite 173

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 44. (2.11.1894)
Date
1894-11-02
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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173 y. 1: נפש באייל תנת (mit כי לך wäre das Metrum allenfall s intact; es ist aber אליך zu lesen). — V. 2 חל סודר : v. 4: בשיר ידידות (also speciell auf den *gegenwärtigen Gesang zu beziehen); v. 8 וישיגוץ)וישנקד לפי ג־עשיך wäre nicht übel; vielleicht ist es eine Verstümmelung davon); v. 18 כית; v. 20 עמסב und ebenso עטדם ,ענדם; v. 25 י־וי־ דוד לעם דורשיד בראש; v, 29: צדיק ובביר; v. 30: ואתה. V. Mss. Nb. 1049 (Opp. 165, olim. 1068) Machs. für Jom. Kippur, Schir ha-Jichud ohne Sch. ha-Kabod enthaltend; dieser Gesang war von einer späteren Hand am Rande hinzugeschrieben, der Codex ist aber vom Buchbinder so henungeschnitten, dass von den Randversen nur einzelne Worte übrig sind. Erhalten sind: v. 18 בית תפארתו, v. 30 ואהה. VI. Ms. Nb. 1112 (Opp. 157, 01. 1007), Siddur, sehr sorgfältig geschrieben und prachtvoll ausgestattet, נדבת. Fast gar keine Varianten; bemerkenswert!! v. 26 המון שירי (jedenfalls besser als ש־רי, da המון hier nicht »Menge« sondern »Schall« bedeutet. VII. Nb. 1114 (Opp. 156, fol.) enthält die Gesänge auf fol. 96a ff. und der Ueberschriftj שיר היחוד דר יהודה ההסיד זיל. Die Varianten beschränken sich auf v. 11 וידיו; v. 13 וקווצותיו; v. 15 בתם פז טהור, t. 18 בית; v. 20 wie iv; v. 25 ראש דברך־ אמת וקו־א מייאש דור ועם דורשך דרוש (ein zweites דור ist über der Zeile angefügt); v. 28 כשיר אשר לל ק׳־ und mit anderer Tinte corrigirt יושר; v. 31 יערב שיחי נא. VHI. Nb. 1150 (Opp. 672, 01. 1569), eine Jozeroth- Sammlung nebst allerhand Gebeten und Ritualien; ziemlieh alter (wenigstens recht unsauberer) Codex, ganz nachlässig punktirt. v. 18: בית; v. 20; עמום־ם; v. 25: (דור דורים ודור ועם) דורשיך דרוש, die eingeklammerten Worte durchstrichen und darüber: (?)דור וצם רד. IX. Nb. 1197 (Laud. 182, Uri 291), eine Techinoth, unpunktirt. v. 18: צבי; v. 20: צמום*ם; v. 30: ואותה. X. Nb. 1200 (Can. Or. 61), Schir ha-Jichud allein (nebst פי המן); nach jedem Tag: .מצמדוד, alt; sorgfältig geschrieben, v. 6 דמית הוד כבוד רודד; v. 12 חובש; v. 15 שם כבוד; v. 18 בית; v. 20 עמוסים; v. 25 כשיר יושר: v. 30 בברבת* .. ואתה. XI. Nb. 2343 (Opp. add., 4°, 127): Sclnr ha-Jichud. mit Varianten; ohne אנ1״מ. Abgesehen von den hier angeführten, verhältnissmässig unbedeutenden Abschwächungen stimmen alle Verse in sämmtlichen Editionen und Mss. mit unserm recipirten Text überein. Wir müssen uns nun mit dem Gedanken versöhnen, dass dieses im Wesentlichen gut erhalten ist. Die Wiederholung zweier Buchstaben des Alphabets deutet keinesfalls auf eine Interpolation hin. Solche Wiederholungen kommen in akrostichischen Piutim oft genug vor, sogar bei Verfassern, welche in der Form viel herumzukünsteln pflegen. Vor mir habe ich z. B. gegenwärtig den (handschriftlichen) Diwan des Salomo Bonfed (Cod. Mich. 155 809), der mit einer erstaunlichen Virtuosität seine Verse genau in bestimmte Formen und Maasse zu fassen weiss, und dem es nichtsdestoweniger passirt,!lass z. B. (Fol. 55 a) in einem Akrostichon שלמה בונפיד חזק zwei Buchstaben doppelt vertreten sind. Was das Versmaass betrifft, so erscheint es rein überhaupt nur im Vers 5 (אספרה) und in einigen Halbversen erhalten zu sein (nämlich יתד וחניצה dreimal und zwei Tenuoth als סוגר;, vergl. die 8. Form in Saadja ihn Denan’s Poetik,2) בחר אלמתקארב No. 1. Der Verfasser unserer Hymne scheint auf die Durchführung des Metrums verzichtet zu haben; in manchen Versen würde es sich durch leichte Correcturen herstellen lassen, in anderen ist das Metrum bis auf eine Sylbe richtig. Da das Metrum nur ungenau (meist als achtsylbiger Vers) angewendet ist, so kann es nicht zum Kriterium für die Echtheit des einen oder des anderen Wortes erhoben werden. So viel ergiebt sich im Allgemeinen: dass die so populären Verse des ש״הב weder sehr alt, noch sehr verbreitet, noch — wenn man die nunmehr als echt verbürgten Unregelmässigkeiten in Betraciit zieht — besonders kunstvoll abgefasst sind; aber — Habent sua fatal Recensionen. Der Untergang Israels. Von einem Physiologen. Zürich 1894. Verlags-Magazin. Lange nicht 80 gruselig, wie die Aufschrift vermuthen lässt, nimmt sich das aus, was der anoyrne Verfasser ausführt. Wir stehen seiner Kundgebung viel sympathischer gegenüber, als der Schrift des Herrn Albert Marcus*), wenn auch das jurare in verba magistri uns hier unmöglich ist. Wir müssen namentlich gegen die schiefe, einseitige, ungerechte Auffassung, die der Verf. dem Talmud gegenüber geltend macht, energisch Front machen. Verf. findet »die Satzungen des Talmuds mitunter geradezu unsinhig, oft nur als Ergüsse rabbinischer Rechthaberei und Grössensucht anzusehen.« Befangener und schiefer lässt sich der Talmud in seinem Verhältnisse zu den Satzungen des Judenthums wohl kaum auffassen. Von diesem einseitigen ungerechten Urtheile abgesehen, ist es hochinteressant, die Ansichten des Physiologen über Stellung, Bedeutung und Mission des Judenthums zu belauschen. Es hat einen eigenen fesselnden Reiz für uns, wahrzunehmen, dass das Judenthum nach der Ueberzeugung des Verfassers, der ausschliesslich den physiologischen, ethischen, socialphilosophischen Standpunkt urgirt, seine Daseinsberechtigung längst documentirt hat und dass es dieselbe um keinen Preis aufzugeben hat. Es ist bemerkenswerth genug, dass hier der moderne Physiologe zu einer Verherr- ]ichung des alten Israels gelangt und den entscheidendsten Werth darauf legt, dass das moderne Juda zum Zwecke der Selbsterhaltung die Satzungen des alten Israel gewissenhaft respectire. »Es wäre thöricht« — schreibt der Verf. — »heute zu behaupten, dass die mosaischen Vorschriften Unheilbringende gewesen oder dass ihnen keinerlei Bedeutung beizumessen, oder aber, dass sie nicht mit voller Absicht, mit Ziehung der Consequenzen, gegeben worden seien.« Im weiteren Verlaufe der wenig umfangreichen, aber belangvollen Abhandlung vertritt er die Anschauung: »Die Hasser des Judenthums, die, welche es vertilgen wollten, sind von jeher seine grössten Wohlthäter gewesen, gerade weil sie es vertrieben. So ist der ewige Jude, Ahasver, ein Sinnbild des sich ewig verjüngenden Judenthums.« »Aus solchen und ähnlichen Zweckmässigkeitsgründen« — sagt der Verf. an einer anderen Stelle — »ist die mosaische Lehre entstanden; so däucht sie mich die ratio nellste Gesetzgebung aller historischen Zeit.« Ueber das peinlich berührende Bestreben mancher modernen Juden, sich augenfällig in christliche Kreise einzudrängen, äussert sich unser Anonymus wie folgt: »Die Juden unserer Zeit bestreben sich, wo immer es möglich ist, Eingang in hochgestellte christliche Familien zu gelangen, wobei sie gewohnlich immer mehr von ihren Eigenthümlichkeiten ablegen und sich gegenseitig darin überbieten, es den Christen, von denen sie was abgesehen, nachznthiui. Dies fordert in vielen Fällen den Hohn derselben Christen heraus, die diese Sorte Juden der Verachtung preisgeben. Liess man es von bestimmter Seite dabei bewenden, nur Diejenigen zu missachten, die es als Individuen verdienen, so wäre dies nicht mehr wie billig, von einzelnen Sprossen jüdischer Familien aber auf die ganze Sippe zu schliessen, ist weder christlich noch weise. Wäre sich der neuzeitliche Jude zielbewusst, was keineswegs der Fall ist, bo würde er es vermeiden, den nachbarlichen Nicht-Juden nachzuäffen.« — — »Können denn die Juden und namentlich diejenigen unter ihnen, die im westlichen Europa aufge- *. 1׳ י! die ltecension in vor. No. 7) Neubauer, M'leclieth ha-Sehir, Breslau 1865, p. 12•

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