Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 38. (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/5367336-6582189-5991481--2576-5369391- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
150 losen Concummz. in der unbedingten wirthsohaftliclum Freiheit. Mendelssohn beruft sieii auf Holland zum Nachweis, dass der Wohlstand da am üppigsten blühe, wo der Staat sieh am wenigstens um die Kin/elheiten des kaufmännischen Verkehrs kümmere, wo der Ausgleich durch die freie Bewegung der wirthschaftlichen Kräfte stattfinde. So weiss Mendelssohn geschickt und suchkundig das allgemeine Wohl der Bürger mit dem seiner G laubimsgimossim zu verbinden. Ueberhaupt ist die Vorrech• zu der Uebersetzung einer Schrift Manasse• ben Israels wohl das Beste, was aus Mendelssohns Feder geflossen ist. in ihr wird der Grumlgcdnnke des Buches Jerusalem , die Negirung jeder kirchlichem (lewalt, jedes Glaubenszwanges, mit wunderbarer Klarheit dargestellt. Aber dies vortreffliche Buch .Jerusalem enthält, auch einen andern Gedanken Mendelssohns, der geradezu verhiingnissvoll für die Entwicklung des Berliner Judcnthums in der nachmendelssohn'schen Zeit geworden ist. Mendelssohn hatte den starren Offenbarungsbegritf. wie• ihn die strenge• Orthodoxie ausgebildet hatte•. Während wir schon im Talmud Spuren einer Tlmedogie• linden, die die Otfembarung als!•inen innerem Seelen Vorgang, als eine in uns sieh vollziehende wenn auch durch iiusscrc Erscheinungen mit voranlasste• plötzliche Erlemeditung auffasst, hat Menehdssöhn iibiT elas Wessen de־r OtYembarung kenne• andern Vorstellungen als die streng orthodoxem. Gott steigt vom Himmel beruh und theilt K1‘inc Verorelnungim mit. Wer so gemtfemharte* Religion auffasst. ele*r wird Alles von ihr ausschlie>ssem, was de*r Mensch einfach elurcli ernstes U»‘b<‘rh‘gen aus seinen• eigenem Veumunft schöpfen kann. Nun aber galt die• Ee־hre• vom Dasein Getttcs. von eleu• Inmaten'ialität und von der Unsten-bliedikeit der Seede•. von denn freiem Willen, unserm Memdedssolm als hewensbar, sie waren ihm Be>staueltheile• eleu• natürliehen Religion, die zu verkünden Gott nicht nöthig hatte. Und diese Verkündigung Gottes dachte• sich den• Philosoph als etwas ganz Ausserordentliches. durchaus Wunde*rhare‘s. so dass keine• Brücke• und Verbindung vorhanden war zwischen eleu• Erkemntniss, elie wir sonst im Lehen elurcli Anwendung unserer Veumunft erweu-bem und dem Eehrsiitzen, elie elurcli die Otfembarung dem Mensedien übermittelt worden sind; Dadurch ist e1s gekommen, dass derselbe• Mann, eleu• elas Judeuthum durch sedm■ Persönlichkeit durch mannigfache literarische Arbeiten, elurcli elie• Bed'redung ve»n manchem mittelalterliuhen Ballast hochcrbohim hat. e׳s in sednem gedanklichen System tief erniedrigt. Glücklicherweise sind die günstigen Wirkungen Mendedsseihn's nahezu ganz unabhängig von seinem pliilee sophisehem Systeun. Abeu• dieses he-elingte. elass für sein Jiielemthum edgeuitlich nur elas (Vrem1e>11iulge*se*tz übrig blieb, dass seiweild ehe• grossem Wahrhedten wie auch die• greisseui. elie• ganze• Memsedihedt ums ' •n lledfnungem aus sednem redigiöseui Bekennt iiiss ausschieden. I)ie>se׳ Wrarmung der Religion fied viedledcht Meneledssohli sedhst. ehr mit riihreuieleu• Eiedie• eleUl Traditieeneui <h־s Jnehmtliiuns ergebeui war. gar nicht auf. Aber edu <ie*se-hle־e-ht wuchs heran, deun «las ('crcmoniulgi'sctz gleichgültig wurele*; elie Ledirem eleu׳ mit iirliediem Hedigion. see hat Memehdsseihn virkiimlid. mithiedliui sednin elie• (! ruml wahrlndtem, wededii* uns elie* Wedt und elie idgemi• Se*ede• e-rkläreui. War e>s ela zu viu'wunelern. elass ihn• Auliamg. elmsich auf ihn heried', aus ihm Lehren ,Mmnhdssohn's Schlussfolgerungen zog. elie• dein wedsen und frommen Mann in tiefster Seele zuwider waren und die doedi nicht ganz zurückgewiesen werden können. (Fortsetziin;׳ fol^t.) Ueber Heinrich Heine’s Abstammung schreibt Herr Prof. Dr. K a u f m a 1111 «du sehr interessantes Feuilleton in 11er N. Fr. Pr.•«, dem wir Folgcmles über ele-s Dichters Ahnen entnehmen : Kaiser Leopold I. hatte in der Notli der Türkenkriege elie Juden wieder vertragen gedornt. Der grosse* Jammer verschlang die kleinen Jämmerlichkeiten. Wenn elie Geschütze ohne Pulver, eli«• Festungen ohne Lebensmittel, die Soldaten ohne Sold standen, musste man zur Hilfe selbst dann greifen, wenn sie von den Juelen geboten wurele. Der grosse• Veu’wilderer der Sitten, 11er Krieg, war hier als Mileie ■rer und Versöhnen■ aufgetreten. 11170 waren die Juelen aus Wien und Nieelerüsterreicli vertrieben worden. 1GS7 begann man sie wieder zurückzuberufen oeler wieder einzulassen. Um diese Zeit, da Samuel Oppenheimer und Samson Wertheimer aus Worms im Iteiche als Verptleger dm• kaiserlichen Armeen sich in Wien unsiededn durften, be'gann in Pressburg Simon Michel, Heines Vorfahr, sieh bemerkbar und durch Darlehen an elie Hofkammer, das damalige Finanzniinisterium. wie durch Lieferungen an elas Herr 1111entbehrlich zu machen. Mit Land und Leuten bekannt, wurde er in den Jahren des ungarischen Kebe־llionskrie*ges, wo es inmitten einer den Kaiserlichen feindlichen Bevölkerung galt. Truppen und Festungen mit Proviantzufuhr zu versehen, durch Findigkeit und Unerschrockenheit eine• bewährte Stütze der in Ungarn stehenden Armee. Der Münze in Wien hatte er das nötliige Silber zur Ausprägung zu liefern unternommen und so als Münz- und Proviant-Lieferant, wie er betiledt wurde, mehrfach Veranlassung, bei den Wiener Amntern zu verkehren. Ein ständiger Freipass öffnete ihm die Tliore, wie ihm auch von 11er Militärbehörde, dein Hofkriegsrath. mit den Seinen während der Rebidlionsunruhen freies Geleit zu beliebigem Aufenthalte, wo immer er sich anzusieeleln gedächte, zug«.*siche1־t war. Sein Gesichtskreis reichte aber elamals schon über eins Lieferungsgeschäft, elas ihn in Anspruch nahm, weit hinaus. Am 1‘2. Mai 17OH empfiehlt die llofkammer der ungarischen Kammer das Gesuch um Errichtung eines Bankhauses, einer wexelstuhen , wie es in der Bittschrift 11i«*ss, die Simon Michel im Verein mit den damals bereits bekannten Breslauer Münzjuden Samuel Hirschei und Herz Lehmann in seiner Vaterstadt Pressburg eröffnen wollte. Die Gründe, mit .denen daä Gesuch unterstützt wird, zeugen von der Weite seines Blickes' und den höheren Gesichtspunkten, von denen er begleitet wurde. Jetzt, wo Ungarn den Türken entrissen sei, bedürfe es solch eines Geldinstituts, um den Handels- und Wechselverkehr mit eien wichtigstem Plätzen des Auslandes, den cs so lange entbehren musste, endlich pflegen zu können. Es würde eladurch mehr Gelel in das Lunel gi'zogen und hier dann ebenso leicht beschafft weiden können wie in Breslau, Prag und an anderen Orten. Während je*lzt Geldsendungen im Lande nur unter grösste•!• Gefahr bewerkstelligt werden könnten, würde e 1 e• 1* Handel aufbliihon. wemn der Wechselverkehr!las Cursiren 110s Gehles erleichterte‘. Die Bank müsste freilich in der Staelt selbi‘1• errichtet winden, da sie in!11*1• Vorstadt niedit sicher wäre*. Mit den• Staelt Pressblirg stand Simon Mielud elurcli elie• Salzlieferung, elie* 11־• elort übernommen hatte, ohnehin schon in engem Beziehungen. Der Regierung hatte er im heftigsten Kuruzenaufstanele, den Heister m wiederholten Fehl- 90