Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 38. (21.9.1894)
- Date
- 1894-09-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 38. Jüdisches Jahrg. XXm. Litteratur ■Blatt. Zur ßcl<M1<‘ht11t1K aller Juilonthum und Juden!wtn*fl'eud<‘11 littpr»rl«*rh<*n Krsrhelnnimen auf dem (•et»iete der Hiilo* sophir.ftosrhjrhu*. Ethmumipliip, Theoloirio Orientalin, Kxetfese, Homiletik. IJmrjrik 11. ttiiliiKnjrik. Herausgi’gebi■ n von Rabbiner I)r. Moritz Kalimcr. Magdeburg, den 21. September 1894. Riieher «ler oinsehlüfrfKen l.itteratur, \v«*leheder Hedaetion r.upt"*andt werden, finden in diesem Blatte eingehende Re־ spreehung. Rt*i Einsendung von zwei Ke1־ensions Exemplaren erfolgt einmalige kurze <1 ratis*Insertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ urschoint wöchentlich, Preis l«״i allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei der »Expedition der lar. IVnelienselirirt ) pro Quartal: 2 Mark, der Einzeinnninier: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich hoi allen Postanstalten und Huchhnndinngcn 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische I.itteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden■ mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Kxjicditinn dieses Blattes zu senden. Buchhändler n Lehrer, welche direkt an die Kx|>editinn Inserate rinsenden, erhalten 25 ״/״ Rabatt. Moses Mendelssohn und sein Zeitalter. Von B. R. VII. Wir werd«*n bei dem Stande der damaligen öffent־ liehen Meinung und der Gefiihrliehkeit. »eine Ansichten frei y.u iinssern, ein 11m 80 grösseres (Jewicht auf die Briefe legen müssen; und so lesen wir denn in einem Briefe Mendelssohn s folgende Bemerkung: »Ich werde immer mehr in dem Gedanken bestärkt, dass die Menschen von jeher nicht■ wohl getlian, dein Lehramt der Tugend und Weisheit einen besonderen Stand zu widmen und Spalding’s Schrift »von der Nutzbarkeit des Predigtamts hat mich mehr von der Nutzbarkeit als von der Nützlichkeit derselben überführt. Wie kann eine Tugendlehre frommen, eine Vermaltnimg Wirkung haben, wenn derjenige, der sie mir giebt, dieser Empfehlung Amt und Würden, Brod und Ansehen zu verdanken hat? Und welche Kraft hat Tugend und Weisheit in dem Munde eines unbiirtigen Redners, der sie beide nur aus seinen Schulbüchern kennt? — Wer seine Zeit und seine besten Kräfte dem Staate aufgeopfert hat. der trete auf und rede von der Liehe des Nächsten! Wer im Dienste des Menschengeschleelits Gefahr und Tod nicht gescheut hat, der rede von Religion, Aufopferung und Verachtung des Todes! Wer Beruf verspürt, wird auch unbesoldet auftreten, und wer diesen Beruf nicht in seinem Innern hat. wird immer ein tönend Erz bleiben.« Diu wirtschaftliche Seite der Judenfrage behandelt Mendelssohn mit der Sachkenntniss, wie sie dem Manne zuzutranen ist, der ja in erster Reihe Kaufmann gewesen ist. Er entwickelt hierbei wirtliscliaftliclie Ketzereien, die in dem Staate Friedrichs des Grossen, in dem gelobten Lande der Monopole und der kleinlichsten Vexationen, noch gefährlicher waren 111s religiöse Ketzereien. Er bespricht den alten Vorwurf, die Juden bringen nichts hervor, sie seien nur Verzehrer und meint, was die Zwischenlüinde und ihr Verhältnis zum Hervorbringen und zum Verzehren betreife, so getraue er sieh zu behaupten, dass sie für beide, für den Erzeuger sowohl als für den Verzehrer nicht nur nicht michtheilig, sondern höchst nützlich und fast unentbehrlich sind, wenn der Missbrauch verhindert wird. Wenn der Missbrauch verhindert wird . dies»* Aeusserung hört sieh so an, als wolle Mendelssohn eine Reihe von Massregeln Vorschlägen, als wolle er ganz im Stile Friedrich s II. durch Gesetze dem Missbrauch steuern, als oh Mendelssohn den Staat zu Hilfe rufe, um durch ein H«*er von Voroniiiuiig«*!! die V<*1•- hinderung des Misshrauehs zu versuchen. Aber wir selten sogleich, «lass Mendelssohn s reiche kaufmännische Erfahrung ihn zu einer der Friedericianisclien völlig entgegengesetzten wirtliscliaftliclien Anschauung geführt hat; er leugnet nicht die Missstände des Zwischenlmndels. dass gewinnsüchtige Zwischenhändler das Schicksal der Produeenten in ihre Gewalt zu bringen wissen, dass sie suchen, Herren und Meister über die Preise der Waaren zu werden, solche in «11*11 Hüiulen der ersten Besitzer 11erahzus«*tzen und in den ihrigen in die Höhe zu bringen Dies sind gross«* Uehel, so meint Mendelssidm, die den Fleiss des Hervorbringers, sowie den Mutli des Verzehrers zu Boden drücken und denen durch Gesetze und Polizei entgegengearbeitet■ werden muss. Das hört sieli ganz an, als w«dle Mendtdssohn energische Prol1ihitivmassreg«*ln Vorschlägen, ah«*r wir erfahren sogleich, dass Mendelssohn in Wirklichkeit von der wirtliselmftliclien Freiheit allein «las Heil erwartet und wahrscheinlich mit Absicht die Worte ungeschickt wählt, um seine Ketzerei zu ver- Schleiern. Denn nicht durch Verbot, Attsschliessung oder Hemmung, am wenigsten durch bewilligten oder begünstigten Allein- oder Vorkauf will er den Missbrauch steuern. Dergleichen Vorkehrungen hefö1,d«*r11 entweder die Uehel noch, die man durch sie abzuwenden sucht, oder bringen neue hervor, <li<* noch schädlicher sind. Man suche vielmehr alle Ein- Schränkungen, soviel sich tliun lässt, zu vermindern, die Monopolien, Vor- und Attsscliliessungsr«*chte uufzuhchen, dem geringsten Aufkäufer mit dem grössten Ilandliingsliaiise gleiche Rechte und Freiheit zukommen zu lassen, mit einem Worte die Concurrenz unter den Zwischenhandel׳!! auf alle Weise zu befördern, einen Wetteifer zwischen ihnen zu erregen, wodurch der Preis der Dinge im Gleichgewicht gehalten, der Kunstfleiss von der einen Seite aufgcmuntert, von der andern Seite jeder Verzehrer in «11*11 Stand gesetzt wird, «len Fleiss seiner Nehenmeiischen ohne übermässige Anstrengung zu gemessen. Nur durch (,oncunvnz, unbeschränkt«! Freiheit mul Gleichheit in den R«*cl1t«11׳ des Kaufs sind dit*s<* Kndzwt*ckc zu erreichen, und sonach ist <l«*1׳ gewöhnliche Trödler und Aufkäufer, «ler geringste h«*rumwander11d«‘ Jmle. der den rohen Stoff vom Laiulmann zum Fabrikanten oder «l«*n!)«*arbeiteten von di«*s«*m zu j«*m*m bringt, zur Hebung <l<*s Landbaims. «l«*r Kiinst«*, Manufncturcn und Handlung von s«>111• beträchtlichem Nutzen. Der g«*ringste Hundi'lsjudt* ist in <li«*s«*r B«*zi«‘hung kein hlosst*r Verzehr«*!•, sondern ein nützlicher Einwohner (ich «lurf nicht sagen Bürg«*r) des Staat«*s, ein wirklielier Ii «*rvorhringer. Hier wird dem Prot<*ktionssvstcm Friedrichs der Krieg «*rkliirt. lind «li<* VerliimliTung des Misshrauehs heim Zwischenhandel besteht einfach in «ler schranken