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Das jüdische Literaturblatt · 1894-08-31 · No. 35. (31.8.1894) · p. Seite 139

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 35. (31.8.1894)
Date
1894-08-31
Page
Seite 139 (sequence 3)
Language
German
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können in dieser Saclie so sprachen und schreiben, und sind daher glücklicher, als andere ehrliche Leute, die den Umsturz des abscheulichsten Gebäudes von Unsinn nicht anders als unter dem Vorwände es neu zu unterbauen, befördern können.« (Fortsetzung folgt.) Bubers neueste Midrasch-Edition und der Lekach- Tob des R. Tobia. Von Rabbiner I)r. Goldfahu, IX. Nachträge and Berichtigungen. Mehrere Wochen, nachdem ich meine in der Ueberschritt genannte Studie an den Herrn Redacteur dieses »Lttbl.« abgesendet hatte, sandte mir Herr Professor Dr. W. Bacher Bogen 19 und 20 des 27. Th. der »Revue des dtudes juives. worin seine Recension der neuesten Midrasch-Edition Bubers erschienen war. Es freute mich, dass ich in vielen Punkten zu demselben Resultate gelangt war. zu denen auch Prof. Bacher gelangt. Gleich nach Empfang der »Midrasch Agada« schrieb ich Herrn Sal •mon Buber, meines Erachtens sei der Name des Werkes מדרש התירה, dooh Herr Buber antwortete am 6. November: Es freue ihn, dass ich das Werk im *Lttbl.« recensiren wolle; aber וראישנהשם הספר רק כאשר כניתיו ״מדרש אנדה" כי שמו נאה רו. Diesem Wunsche fügte ich mich auch und behielt den Namen »Midrasch Agada« bei. Wie ich nun aus der freundlichst zugesendeten Rezension ersehe, ist auch Prof. Bacher aus demselben Grunde zu dem gleichen Resultate gelangt, dass der eigentliehe Name des Werkes מדרש התורה sei. In manchen Punkten war aber Herr Prof. Bacher zu ganz anderem Resultate gelangt, als zu welchem ich gelangte, so namentlieh 1. hinsichtlich der äprachkenntnisse, 2. hinsichtlich des Landes, wo? und 3. hinsichtlich der Zeit, wann? der Verfasser des fraglichen Werkes gelebt hatte. Auf diese drei Pnnkte will ich nun kurz reflectiren. Herr Prof. Bacher meint, die Umgebung des fragliehen Verfassers seien griechisch sprechende Juden und der fragliche Verfasser sei des Griechischen vollkommen mächtig gewesen. Dass aber der Verfasser des Griechischen nicht mächtig gewesen war und dass er die Bedeutung derjenigen griechischen Worte, welche in seinen Quellen- .schritten enthalten waren, nur aus dem Zusammenhänge errathen hatte, Hesse sich leicht durch eine Besprechung der Stellen evident beweisen. Ich trete jedoch diesen Beweis nicht an. Erstens darum nicht, weil die Besprechung der zahlreichen hierhergehörigen Stellen einen zu grossen Raum in Anspruch nehmen dürfte; zweitens darum nicht, weil, wie mir Herr Prof. Bacher brieflich mittheilte, dies Epstein in der »Revue des etudes juives« bereits nachgewiesen haben soll. Mir steht die »Revue des etudes juives« nicht zu Gebote, ich weiss daher nicht, wie Herr Epstein den Beweis geführt habe, und möchte darum nicht die Worte Epsteins einfach wiederholen. Nur auf einen Punkt will ich hier reflecliren. Der Hauptbeweis, den Herr Prof. B. dafür erbringt, dass der fragliche Verfasser t es Griechischen mächtig gewesen wäre, soll die Bemerkung /u 1. B. M. 31,40 sein, wo der Verfasser angeblich zur Erklärung des Sachverhaltens eines griechischen Wortes sich bedient. Herr Prof. B. hat aber übersehen: 1. dass i.as fragliche Wort, wie Buber selbst in Anmerk. 10 an-;iebt, im Manuscripte verstümmelt ist; 2. dass die betreffende Stelle defect ist, dass das betreffende l'remdwort gar nicht die Erklärung von יום מעונן sein s.ll, sondern die von: ווהמא דשמשא resp. זיהא oder K“Vn und dem lateinischen siccitas, plur. siccitates oder einem entsprechenden mittelalterlichen italienischen Worte entspricht.1) Obgleich Herr Prof. Bacher selbst zugiebt, dass ארם Aram, Aramäer, in der Agada für Ro m, Römer gebraucht werde, will er doch, weil im Texte von wirklichen Aramäern die Rede ist, dass die Aramäer, von denen der M. A. zu 1. B. M. 24,60, spricht, wirkliche Aramäer seien und behauptet demnach, der Verfasser habe in Syrien gelebt. Ich habe aber, wie ich glaube,oben4) evident nachgewiesen, dass auch an der fraglichen Stelle von Römern die Rede sei und dass aus der Bemerkung zu 1. B. 15, 9 — 10 entschieden zu folgern sei, dass der Verfasser des M. A. unter dem Drucke der Römer zu leiden hatte. Aus dem Stoss- Seufzer zu 1. B. M. 25,18 folgt nicht, dass der Verfasser unter der Machtsphäre der Mohammedaner gelebt habe, wie Herr Prof. Bacher annimmt; denn die betreffende Deutung bezieht sich, wie ich oben*) nachgewiesen habe, auf die Entweihung des Tempelberges. Selbst die zwei arabischen Worte, welche in dem M. A. Vorkommen, beweisen nicht, <ta8s der fragliche Verfasser des M. A. unter uiiinittelbarem arabischen bezw. mohamedanischen Einflüsse gestanden habe. Zu der Legende über den Tod und die Grabstätte des Prof. Jeremia, welche der Verfasser des M. A. zu 4. B. M. 30,2 ff. mittheilt, bietet Herr Professor Bacher die sehr ansprechende Conjectur, es sei anstatt: החמנוחיים zu lesen: התמסחיים (Plural des aramäischen Wortes: תמסאח—Krokodil.4)) Zugegeben, die Veimuthung Prof. Baohers sei richtig, so kann doch der Verfasser des M. A. den Namen mit der Legende überkommen haben. Ferner bleibt noch immer die Möglichkeit, dass die Conjectur Bachers, so ansprechend sie auch erscheine, dennoch nicht richtig sei, weil: »8»תמנו חיים) »das Leben hat aufgehört•, das Lebensende«, eine hebräische Uebertragung des Namens des Krokodile« sein kann, wie meines Erachtens die syrische Uebersetzung dieses Wortes bei Nestleחח־נאדרף (״ eigentlich heisst: das Schrecknis«, welches sich bewegt, das sich bewegende, regende, flatternde Schreckniss, wie das Volk noch jetzt. von »fliegenden Drachen« spricht. (Fortsetzung folgt.) Recensionen. Kaufmann, Dr. Ezechiel Hermann. Die Anwendüng des Buches Hiob in der Rabbinischen Agada ') Die fragliche Erklärung entspricht der Erklärung Raschi’s im En Jakob (8. v. שרוריז תופי״ר (זיהרא, welche Worte iu den Tttlmudausgaben, Joma 28b 8. v. RÖnM fehlen. J) No. 21 S. 80—81. •י) No. 22 8. 87. *) Die citirtc Stelle Ihn Ezra zu Exodus 8,2 kann ich in meinem Exemplare des Cummentars des 1. E. nicht linden. s) 3 תמנו• Pers. plur. praet., wie Klagelieder 3,22. ") Brovis linguae ajriacae grammatica l. Auag. 1881, Chrestomathia 8 f)5 Aus der Umarmuug der 8chla»go und des חרדון entsteht das Ungeheuer חבר3ר (Jerus. Rerachot 12b; Rahha zu 1. B. M. 30.54 cap. 82 § 15). Anstatt חררה tlndet sich Babli, Chullin f. 127 a הצב und anstatt ריבייבר heisst es dort ער1ד. Die Peschitto übersetzt 3 הצב. B. M. 11,29 חרדלא und im Sifra z. 8t. gehört חברכד zu den Arten des הצב• Während dos Gebetes des B. Chaninn b. Josa verendet der חברבר (Jer. Berachot 9a), welche Sage zur liegende vom Gebote Jeremias gegen dio Krokodile vielleicht in gewisser Beziehung steh•׳. Die Form, in welcher diese Sage im Bobli, Bcrach. 33a, erscheint, erinnert lebhaft an die Sagen und 1.0־ genden von deu Kämpfen der Heroen und der Heiligen gegen die Drachen. Als Mitfel gegen den Biss eines חברכד empfiehlt der jerus. Talmud Berachot, schnell zum Wasser zu laufen uud sich iu dasselbe zu tauchon. Im Babli wird wieder als Ursache des Todes vom Bisse des "IV~~ diu Sünde bezeichnet. Mit beiden Meinungen vergleiche man, was Hippolytes, (refutatio nmnium haeresium ed. Duncker und Schneidewin über. 9!15 ן pag. 400) von Elnai berichtet, dass dieser gelehrt hätte, wenn Jemanden ein wüthendor, rasender Hund, in dom der Geist des Verderbers hause, gebissen habe, so laufe der Betreffende zu einem Flusse oder einer Quelle, tauche sich samuit den Kleidern in das Wasser und bete mit gläubigem Herzen zum höchsten Gott u. s. w.

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