Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 28. (13.7.1894)
- Date
- 1894-07-13
- Page
- Seite 110 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- Tunis 1× ep/1048155
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110 Theil der Funde ist dem Britischen Museum als Eigenthum zugefalleu, meist Gegenstände kleinerer Dirnension von den Zeiten des mittleren Reiches an bis zu der Epoche der griechischen Ptolemäer und Römer hin. Seihst die unscheinbaren Reste vereinigen sich, um Tunis als eine der grössten Städte der alten Welt erscheinen zu hissen, deren politische Stellung und deren Handel und Wandel, besonders mit dem Orient, ihr eine ungewöhnliche Bedeutung verlieh. Das geht vor Allem aus den in den einzelnen ausgegrabenen Häusern entdeckten Schriftstücken hervor, von denen z. B. in einem derselben (No. 35, nach Petrie's Nummerirung) nicht weniger als 150 entdeckt worden sind und deren Inhalt in liieroglyphischen, hieratischen, demotischen und griechischen (in schöner Unzial-Schrift) Schiiftzügeu abgefasst ist. Für die Entzifferung derselben öffnet sich dadurch der gelehrten Schriftforschung ein weites Feld. Das oben nach seiner Nummer 35 näher bezeichnete Haus, wie alle übrigen aus Nilziegeln erbaut, lag in einer der Hauptstrassen der Stadt auf der östlichen Seite des grossen Tempels. Zu seinen ehemaligen Besitzern gehörte, nach den Vorgefundenen Schriftstücken ein eingeborener ägyptischer Rechtsanwalt. Seine Lebenszeit, wie der englische Gelehrte es aus der zufälligen Erwähnung einer Privatperson Namens Hadrian in einem der im Hause gefundenen Schriftstücke schliesst, muss etwa nach der Regierung des Kaisers Hadrian gefallen sein, der bekanntlich Aegypten im Jahr 130 durch einen Besuch beehrte und damit die Gelegenheit bot, nach alter Sitte den damals geborenen Kindern seinen Namen zu verleihen. (Fortsetzung folgt.) Der Bann im talmudischen Schriftthum.*) 1. Begriff des Clierem nach talmudischer Anschauung. Zur näheren Erläuterung mag vorerst bemerkt werden, dass wir den bisherigen Begriff Cherem in ganz demselben relativen Sinne im Talmud wiederfinden wie im A. T.; oder klarer ausgedrückt: Cherem bildet im talmudischen Schriftthum einen Punkt, weleher nach wie vor als »Weihung« behandelt wird. Es findet auch hier eine ebensolche Verschiedenartigkeit statt, wie in den mosaischen Abstufungen; was in den betreffenden, weiter anzufiihrendeu Stellen je nach den fraglichen Fällen (tlieils götzendienerischen, theils weilienden, opfernden) erörtert werden wird und zwar vorwiegend von dem ursächlich-theokratischen Motive aus als Kriegsweihung. Für die talmudische Auffassung gilt also, dass Cherem nicht etwa schlechthin Aus- Schliessung bezw. Excommunieution bedeutet. Für letztere findet sich wieder eine spezielle Bezeichnung und Abtheilung, worauf noch zurückzukommen sein wird. Nun scheint es offenbar paradox, dass Cherem nicht »Ausschliessung״ bedeute, da ja nachgewiesenermüssen bei Esra eine ähnliche Massregel daraus gemacht wurde. Haben nun die Talmudisten ein bestimmtes Priuzip hierbei verfolgt und welches war dieses V Ehe wir antworten, sei hiermit auf die Meinungsverschiedenheit hingewiesen, welche unter den Bibelforschern **) gerade hierüber obwaltet. Es wird 0 Zwei 11*1• Thpil der in den Nummern II —14 dieses Mattes verülfcntlichten Abhandlung: ►Bas Anathema im jüdischen Schrift thu m« von S. Mandl in Erlangen. **) Vgl. Vitringa: Be synagoga vetere |>. "•'!!* s׳{U., Ahrabanel zu Ia־vit 27, 28, s. auch Einleitung. Gegenstand unserer weiteren Untersuchung sein, Bedeutung und Charakter des späteren Bannes im rechten Lichte darzustellen. Nach dem in der Einleitung Bemerkten wäre hier iin Allgemeinen zu constatiren, dass die daselbst erwähnte Methode nur ein dem betreffenden Tractat angehöriges Thema zu behandeln gestattete. Dies gilt nun ebenso vom Cherem. Derselbe wird nach wie vor als altmosaischer Gesetzespunkt als Weihung, Gelübde in den entsprechenden Büchern behandelt. Die Stellen, die also hierfür in Betracht kommen, finden sich: Nedarim p. 47b, Erachin p. 2Sa und b, Temurah p. 32 a. *) Wenden wir uns nunmehr dem eigentlichen talmudisclien Anathema zu. Dieses kommt im Talmud am häufigsten unter der Bezeichnung: כנידה, נדוי **) vor. Zwar findet sich auch מיחרש und מחרימץ als ähnliehe Massregel (Moed Katan p. 15 a und p. Hia); jedoch lediglich als Inbegriff und Bezeichnung des Fluches. Es wird dies in der That an letzterer Stelle aus den Worten: אורי ארור (Jud. 5, 23) entlehnt. Ferner ergiebt sich dies aus der hierfür wichtigsten Stelle (Moed Katan 13 b). Hier werden alle diejenigen angeführt, denen es gestattet ist, au deu Zwischenfeiertagen das Haar schneiden zu lassen; unter Anderen auch מנודה, nicht aber מוחי״ם. Hieraus dürfte hervorgehen, dass im Talmud für Bann vorwiegend die Be- Zeichnung נדד gebräuchlich ist. So im babylonischen Talmud. Im Jerusalem. Talmud scheint jedoch, entgegen der Annahme Gildemeister’s, keine Theilung, sondern eine Identificirung beider Begriffe נדד und חרם vorzu walten. Er fasst dies huf als eine von Esra statuirte Vorschrift. (Dies ergiebt sich deutlich aus Talin. Jerus. Nedarim p. 1,) (Fortsetzung folgt.) Beiträge zur vergleichenden Gnomoiogie. Von Dr. K1 e in p e rer-Berlin. III.1) CSabb. 67, Jaik. § 587) חמרא וחיי לפיס רבנן ,חיי וחמרא לבום רכנןם ולפו תלמידהון• Auf die Frage, ob das bei den Griechen übliche »Zutrinken« nicht als Nachahmung heidnischer Gebräuche zu verbieten sei, giebt der Talmud an der angeführten Stelle die Antwort: »rein,חיי ודומרא אץ בו משום דרכי אמורי, die Formel Wein und Leben in den Mund der Rabbiner“ sei als solche nicht anzusehen«. Im Anschlüsse daran wird nun erzählt, dass R. Akiba bei dem Hochzeitsmal seines Sohnes den Trinkspruch ausbrachte, der in diesem Refrain ausklang. Ich habe in meinen »Beiträgen zur vergleichenden G110mologie« (deren erstes Heft im Calvary’schen Verlage demnächst erscheint), auf S. 34 darauf hingewiesen, wie der lebensfrohe, dem Judentum ureigentümliche Optimismus auch nach der Katastrophe der Tempelzerstörung wohl gedämpft aber nicht völlig unterdrückt werden konnte. *) Bezeichnend ist schon die Thatsache an sich, dass מנודה, «דיי vorwiegend in Moed Katan Aufnahme gefunden, einem Tractat, der lediglieh Arbeit, Trauer, Trauergebrauche an den Zwisehenfeiertagen behandelt, wahrend חים bezw. חרמים in Nedarim sich findet, wo thatsächlich nur von Gelübden, Schwüren u. s. w. die Kode ist, vorgl. E. Schürer a a. 0. I. S.!)0, Strack, Einleitung in d. Talm. S. 20 IT. **) Von der Wurzel נדה, bedeutet: ausstossen, ansschhessen. Es bekundet inuthrnasslich die Absicht der Mischnah, indem sie für Kxelusion einen Ausdruck wählt, welcher mehr strafenden Charakter (Aus- Schluss) involvirt, im Gegensatz zu חים, dessen Bedeutung, wie schon erwiesen, synonym ist, und zwar beides: Weihung und Fluch, ähnlich wie קדש und קדשה Zwiefaches ausdriieken kann. Vgl. Ilaudissin’s Studien zur semitischen Keligionsgesrhichte III, S. 20. Mit 'נדו in erwähntem .Sinne wären folgende Stellen zu vergleichen; Jes. 00, 5, Ainos 0, 3. ') In vor. Nr. ist sub II, Z. 7 st. »geweckt« z. 1. »geredet.*