Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 28. (13.7.1894)
- Date
- 1894-07-13
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 28. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur ■Blatt. Zur ßrlpuchtunK ftllcr Jurionthum und Juden betreffonden lfu?rari»chen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philo- Sophie,Geschichte, Kthnopruphie, Theo* logie, Orientalin, ExegOHp, Homiletik, Liturgik u. Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmcr. Magdeburg, den 13. Juli 1894. Bücher der einschlägigen Litteratur, welche der Redaction zugesandt werden, finden ln diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions-Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei Walther Niemann} pro Quartal: 2 Mark, dor Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf• für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer, welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Auf dem Felde von Zoan. Von Heinrich Brutsch. (Fortsetzung.) Das ausdrücklich also bezeichnet« »Feld von Zoan« hat für die Wissenschaft seinen eigenen Werth, denn mit denselben Worten, wie Brugsch in seinen geographischen Untersuchungen zuerst es nachgewiesen hat, bezeichneten die alten Aegypter die weidereichen, daher hauptsächlich von Rinderhirten bewohnten Marsehen, welche sich von Zoan an ostwärts bis nach der heutigen Richtungslinie des Kanals von Suez ausdehnten. Anf einer Bildsäule, welche unter den Trümmern von Tanis aufgedeckt worden ist und gegenwärtig eine Hauptstelle in der Sammlung des Museums von Bulak einnimmt, nennen die eingegrabenen Schrift- Zeichen den Dargestellten, einen Beamten aus dem achten Jahrhundert v. Chr., Namens Zeho (Teos im griechischen Munde), einen Generalgouverneur der Gegend, mit allen seinen Titeln und Würden. An der Spitze derselben erscheint mit unverkennbarer Deutlichkeit seine Erwähnung als eines »Grossen in seiner Stadt, eines Hochgestellten in seinem Gau, eines Gouverneurs der Ortschaften des Feldes von Zoan«. Es bleibe nicht verschwiegen, dass auf der Aussenwand einer Tempelruine aus der Epoche des zweiten Ramses »das Feld von Zoan« als ein besonderer Bezirk aufgeführt wird, als dessen Hauptstadt die viel besprochene Hyksosstadt Avaris mit aller Zuverlässigkeit genannt wird. Der verstorbene Direktor des Bulak - Museums, August Mariette, war der Erste, welcher in dem Anfang der sechsziger Jahre einen längeren Aufenthalt auf den Schutthügeln der versunkenen Stadtruine nahm, um systematische Ausgrabungen ausführen zu lassen und den Grundplan der Anlagen nach ihren Hauptlinien festzustellen. Nach seinein eigenen Geständniss überraschte und verwirrte ihn die Ausdehnung der weit über den alten Boden zerstreuten Reste der Vorzeit in einem so hohem Grude, dass er in den ersten Tagen seiner Anwesenheit an Ort und Stelle kaum im Stande war, die notliwendigen Anweisungen für die Ausgrabungen zu ertheilen, da allenthalben der verborgene Schoss der Trümmerstätte die reichste Ausbeute zu versprechen schien. Zersprengte Obelisken, stehende und liegende Säulen, erhaltene oder zerbrochene Bildwerke und Sphinxgestalten, Baustücke von gewaltigem Umfang, und das Alles aus dem härtesten Granit von röthlicher, grauer und schwarzer Färbung, gehören zunächst den Ueberresten einer grossen Tempelanlage an, deren Umfassungsmauer 250 Schritt iu die Länge und 150 in die Breite misst. Zwei andere Heiligthümer, wenn auch von geringerem Umfange, liegen im Osten und Süden des Haupttempels. Auch deren Bau lässt Granit als Baumaterial erkennen; die zahlreichen Säulen aus einem Stein erheben sich in einer Höhe von 21 Fuss, der Würfel nicht mit eingerechnet. Mit einem Worte, das Kolossale und der monumentale Anstrich zeigt sich im Ganzen wie in den einzelnen Theilen und lässt selbst das Zerstörungswerk eines Theodosius räthselhaft erscheinen, auf dessen Befehl die heidnischen Tempel in Tanis von Grund aus der Vernichtung Preis gegeben wurden. Die Strassen und Häuser aus Nilziegeln der ehemaligen Bewohner von Zoan sind meistentheils unter den gewaltigen, mit Scherben übersäten Schuttbergen begraben, welche die Tempeltrümmer umgeben und zugleich Zeugniss von dem alten Umfang der Gesammtanlage abgeben. Der Weg von einem Ende der Stadt bis zum entgegengesetzten nimmt für den Fussgänger inehr als eine volle Stunde in Anspruch. Kein Zweifel, dass vielleicht, nur Memphis und Theben ausgenommen, die Stadt Zoan die grösste Stadt des Landes bildete, in welcher ein Ramses II. seine glanzvolle Residenz aufgeschlagen hatte und Moses seine Wunder verrichtete. Fügen wir noch hinzu, dass nach glaubwürdigen Zeugnissen dieses und jenes Papyrusbriefes aus der Epoche des Königs Ramses und seines Nachfolgere Menephthes in der Nähe der Stadt und an der Ausmündung des (anitischen Nilarmes in den Menzaleb-See sich ein Hafen als Flottenstation für die königlichen Meerschiffe befand, so wächst die Bedeutung der Stadt auch nach der Richtung des maritimen Verkehrs hin. Die Erwähnung der Stadt mit den biblischen Ueberlieferungeu von Zoan gab für die englische Ge- Seilschaft the Egypt. Exploration Fund in London den Beweggrund ab, eines ihrer Mitglieder, den Herrn M. W. Flinders Petri, mit einer genauen Untersuchung und mit der Aufnahme eines Planes der Ruinen von Tanis zu betrauen. Er führte die schwierige Arbeit der Nachgrabungen in steter Verbindung mit pliotographischen Aufnahmen der gefundenen Denkmäler und der durch Nachgrabungen blossgelegten Bauten bis zu den Häusern hin in echt englischer Weise, d. h. auf das Sorgfältigste in den Jahren 1883/84 aus. Die Steine der Trümmer des grossen Tempels sind beispielsweise der Reihe nach mit Nummern versehen und ihre Lagen auf das Genaueste auf seinem Plane eingezeichnet. Der erste Tlieil seines Berichtes (Tanis. Part L 1883/84) erschien im Jahre 1885, der zweite wird in Kurzem so weit hergestellt sein, um demnächst der Oeffentlichkeit übergeben werden können. Der grösste