Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 27. (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
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10G und (‘infallenden semitischen Stämme und Völker umgestaltete. Ham und Sem stritten sich an diesen Stellen um den Besitz der damals blühenden, weide- und fischreichen Gegend und es ist erklärlich, dass bei den Aegyptern in Folge ihres späteren Unterliegens in ihrem Kampfe gegen den Erbfeind die Stadt Tanis und die tanitisclie Mündung in den Verruf des Semitismus. mythologisch ausgedrückt des Typhonisclien gelangte. Eine zweite Glanzperiode der Stadt entwickelte sich etwa ein Tausend Jahre später unter der Herrschaft des vornehmsten und bekanntesten aller ägyptischen Tempelerbauer und Städtegründer, des Königs Ranises II. Er ist es, dessen Prinzessin-Tochter das Knüblein Moses im Schilfe am Ufer des Stromes fand, so dass mit allem Fug und Recht Ranises als Pflegevater des grossen jüdischen Gesetzgebers angesehen werden muss. Die in der Bibel erwähnten Stellen, welche von den Zeichen und Wundern im Lande und im Felde von Zoan reden, an deren Echtheit nicht zu zweifeln ist, lassen es als sicher erscheinen, dass Moses vor dem Sohn und Nachfolger Ranises II., dem König Meneplites, nach der griechischen Umschrift seines ägyptischen Namens Menepteh. am Hofe zu Tanis erschienen war, um die Erlaubnis Pharao s zum Auszug der Juden zu erbitten. (Fortsetzung folgt.) Hebräische Eigennamen in der Bibel. Shakespeare lässt den Helden einer seiner Stücke ausrufen: »Was ist in einem Namen?« und doch fabricirt er hie und da in seinen Dramen Wortspiele mit den Namen, welche die darin Auftretenden dramatis personae führen, woraus hervorgeht, dass er jenen keineswegs jede Bedeutung abspricht. Folgendes ist eins der mehreren vorhandenen Beispiele, welche das Besagte bestätigen. Indem ersten Acte seines Heinrich IV. schiebt Shakespeare dem Fallstaff eine Bemerkung hinsichtlich des John v. Gaunt in den Mund, worin es heisst: »Ich habe John v. Gaunt (zu Deutsch: der Hagere) gesagt, dass sein Name ihn vollständig personilicire, denn man könnte ihn sammt seinem Anzuge in eine Aalshaut stecken«. — Ebenso haben im klassischen Alterthum manche griechische Autoren, namentlieh Sophokles, Aeschylus und Kuripides, manchen Helden in ihren Tragödien Namen beigelegt•, welche ihre Träger in physischer oder geistiger Beziehung charakterisiren, oder zuweilen einen entscheidenden Moment in ihrem Leben andeuten. Wir erinnern hier blos an den Namen niv&eo; (Eur. Bacch. 508), welcher dem Verb kIvS-eü) (ich trauere), entstammt. Dasselbe nehmen wir bei 'EXivYj (Aescli. Agam. 671) war, welcher Name von 'eXelv (mitleiderregen) abgeleitet wird: ebenso passt der Name IloXuveixo{ (Soph. Ant. 110) zum Temperament des Trägers desselben, wenn man den Ursprung VEtxew (»ich hadere«) in Betracht zieht. - In weit frappanterer Weise tritt dieser Umstand in manchen Eigennamen hervor, die wir in der Bibel antreffen, und es dürfte daher von Interesse sein, solche hier etwas näher zu betrachten und einige darauf bezügliche Bernerkungen zu machen. Schon in den ersten Kapiteln der Genesis begegnen wir Namen, denen scheinbar ein gewisser ethischer Zweck zu Grunde lag, oder die gleichsam mit einer prophetischen Voraussicht auf einen künftigen entscheidenden Moment im Loben der Träger derselben hindeuten. So wurde der erste Mensch von Gott אדם (von אדמה, die Erde) genannt, und der Gedanke, der diesem Namen zu Grunde liegt, scheint in den Worten ausgedrückt zu sein: »Staub bist Du, und zu Staub sollst Du wieder werden« (Gen. cap. III v. 19). Der Name Abel (הבל Hauch, Himmelwölken) deutete schon im Vornherein auf die spätere, allerdings unerwartete und doch prophetisch verkündete kurze Lebensdauer des Trägers desselben. Dessen Bruders Nachkommen ובל ,יבל* und תובל erhielten merkwürdiger Weise Namen, welche das ausdrücken, womit die Inhaber derselben in ihrem künftigen Lebensberufe sich wirklich beschäftigten, nämlich Ackerbau, Viehzucht und Handwerk oder Productionen verschiedener Gattung. Noah (TO) war schon bei seiner Geburt bestimmt, seine Mitmenschen, wie sein Name besagt, in schwerer Zeit zu *beruhigen« und zu »trösten« — זה ינחמנו — (Gen. cap. V. v. 29). Dem neugeborenen Söhnchen Terachs wurde der Name אבדם gegeben, als ob man schon früh mit prophetischem Blicke vorausgesehen hätte, dass dieses Kind einst der *Vater eines grossen Stammes« und der Stifter einer wichtigen Religion werden würde. . Der unliebsame Name Jacob (יעקב), welcher an »Hinterlist« erinnerte, wurde später in den Ehrennamen Israel (ישראל) »der Gotteskämpfer« umgewandelt; und ebenso ,sollte der Name Moses (משה), in den Annalen der Geschichte eine edle That verewigen, welche die egyptische Königstochter an ihrem Schützling ausgeübt hat und welche in, den Worten beschrieben und. angedeutet wird: Wm: המים p כ »denn aus dem Wasser habe ich ihn herausgezogen« (Ex. I, 10). Sehen wir uns etwas weiter im Pentateuch um, so begegnen wir den Namen Balak und Bileam (בלק ,בלעם), worin schon die alten jüdischen Commentatoren der Bibel eine frühe Verkündigung der künftigen schlechten Lebenstendenz der Träger desselben erblickten, und in Korah (קרח), dem heftigen Opponenten Mosis, haben wir ein Epitheton, das auf »Kälte«, »Gefühllosigkeit«, »Kahlheit« hinweist. Ebenso bemerkenswerth sind die Namen Achan oder Eckar (עכן oder עכר), welche »Betrug« oder »Betrübniss« bedeuten uud Maclilon und Kiljon (מחלון ,כליון) »der Kränkelnde« und »der Hinsiechende« sind ihrem Namen gemäss eines frühen, unzeitigen Todes gestorben. Dem David (דוד) wurde es, wie es scheint, schon in seiner Wiege prophezeit, dass er einst ein »Liebling« seines Volkes werden würde, und in Verbindung mit demselben möge hier ein Wortspiel erwähnt werden, das bisher ganz unbeachtet geblieben zu sein scheint. Als der gemüthskranke König Saul, der bekanntlich David von der Seele hasste, einst seinen Sohn Jonathan vorwurfsvoll fragte: מדוע לא בא בן ישי אל הלחם »Warum ist denn der Sohn Jisai's nicht Mahle (wörtlich zum Brode) gekommen?« da antwortete jener mit feiner Ironie: נש* ל נשאל דוד מעמדי עד בית לחם, womit er seinem erzürnten königlichen Vater angedeutet haben zu wollen scheint, dass David ein Heim in ביתלחם habe, wo er »Brod« in Fülle hatte, und dasselbe in Ruhe und Frieden geniessen konnte. Dass solche Wortspiele der Bibel nicht ganz fremd sind, beweisen wenigstens die zwei folgenden, nämlich בתי אכזיב לאכזב (Micha I, 14) und עקרון תעקר (Zephanja 11. 5.), wobei die Absicht der Autoren, Wortspiele zu bilden, ganz klar und deutlich hervortritt. Von der Stadt עקרה sprechend, so fällt einem sofort der Name ihrer Gottheit בעל ובול »der Fliegenbeherrscher« ein, welches Epitheton weder für diesen Götzen noch für dessen Anbeter sehr schmeichelhaft ist. Schliesslieh sei noch der Name Esra (עורא) erwähnt, der »Hilfe« bedeutet, weil dessen Träger während seines Lebenslaufes grosse Hilfe leistete; und ־• מלאכיmein Bote. Merkwürdigerweise finden sich in der Bibel auch Namen, deren Eigenthümer die Hoffnungen nicht erfüllt haben. So war Absalom (אבשלום) »Vater des Friedens« im spätem Leben gerade das Entgegengesetzte von dem, was dieser Namen besagt; so findet man auch, dass Reliabeam (רחכעם) »der Volksvergrösserer«, während seiner Regierung durch seine harten Maassregeln die Zahl seiner jüdischen Unterthanen bedeutend verringerte. Ebenso konnte Naomi (נעמי, »die