Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 27. (6.7.1894)
- Date
- 1894-07-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 27. Jüdisches Jahrg. XXIII. Litteratur-Blatt. Zur Bulouohtunfr «Hur Juüuntlmm und Juden l>otronVnd<*n litterftrisdien Kr• s<־huinuw«*n auf d<*!n (;ebioto der Philo• BOjdiio.fiesehiehto, Kthno^raphio, Theo* lojde, Orientalia, Kxojreso, Homiletik, Utiutfk u. RiWlavogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahnicr. Magdeburg, den 6. Juli 1894. Biiohor der «*insuhlflpijron Utteratur, welche der Redaetlon 7.Uf׳usnn1lt worüun, finden in diesem Blatte eingehende Bosprerhung. Bei Kimtendung von zwei Reoensions Kxcmplaron erfolgt einmalige kurae Oratls-lnsertion. Das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlungen (in Magdeburg bei Walther Niemann) pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitischen Wochenschrift«, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das »Jüdische Litteratur-Blatt« gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Pe.titzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expodition dieses Blattes zu senden. Buchhändler u. Lehrer» welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate einsenden, erhalten 25°/0 Rabatt. Auf dem Felde von Zoan. Von Heinrich Brutsch. ■ .. Im 78. Psalm wird in •zwei Versen das Volk der Israeliten daran erinnert, wie Gott vor ihren Vätern Wunder gethan habe im Aegypterland, im Felde Zoan«, (V. 12.) und mit Wiederholung desselben Gedankens, wie er seine Zeichen in Aegypten gethan hatte und seine Wunder im »Felde Zoan׳ (V. 43). Der Name derselben Oertlichkeit kehrt an einer anderen Stelle (4. B. Mos. 13., 22.) wieder, wonach Hebron »sieben Jahre vor Zoan in Aegypten« erbaut worden ist. Beide Angaben enthalten deutliche Fingerzeige für die Bedeutung von Zoan in der Geschichte der Israeliten. Hebron, sieben Stunden von Jerusalem im Gebirge Juda gelegen, war eine der ältesten Städte, welche in der Bibel erwähnt werden und verdankte seinen besonderen Ruf der Ueberlieferung, dass Abraham, Isaak und Jakob daselbst ihre Wohnstätte auf geschlagen hatten. Von Hebron aus war Jakob mit seiner Familie auf gebrochen, um seine Uebersiedelung nach Aegypten zn vollziehen. Zoan, die Stadt, ist ihrer Lage und ihrem Namen nach bei den profanen Schriftstellern und auf den ägyptisch-assyrischen Denkmälern wohl bekannt. Auf den letzteren führt sie den Namen Zo an, genau wie im Hebräischen, und Griechen und Römer bezeichneten die »grosse« Stadt mit dem Worte Tanis. Die heutige Benennung ihrer gewaltigen Trümmerreste als San hat an der alten Namensform wenig geändert und die Gelehrten weit hat niemals Schwierigkeiten gefundeu. die Zusammenstellung dieses jüngsten Namens mit seinen klassischen und vorklassischen Vorgängern zu bezweifeln. Ihr er Lage nach befinden sieh die gewaltigen und weit ausgedehnten Trümmerreste von Zoan in der Nähe des sogenannten Menzaleh-Sees an der nordöstliehen Ecke des ägyptischen Marschlandes. Wer von Port-Said aus die Fahrt auf dem Suezkanal zurücklegt, hat längen* Zeit die Gelegenheit vom hohen Deck des Dampfers aus die trüben und unheimlichen Lagunen des Sees in Augenschein zu nehmen, dabei die zahlreichen oft mit verfallenen baulichon Anlagen bedeckten Inseln und [nstdehen im See kennen zu lernen und in der wasserreichen Jahreszeit die Legionen von Strandvogoln unzustuuncü, welche über die still(* Wasserthielit* hinwcgfliegen oder an den Rändern des Sees und der Eilande in seiner Mitte reihenweise Stellung genommen haben, um sieb im Glanze des Tageslichtes zu sonnen oder dem Geschäft(; des Fischens obzuliegen. Denn der Mcnzaloh •See ist überaus fischreich und Tausende und aber Tansende röthlich schimmernder Flamingos und silberweisser dickschnäbli^er Pelikane ' fiiiflen ih'rö" Rechnung bei der Arbeit. Nicht weniger auch der Mensch, welchen Geburt und Schicksal nach diesen einsamen Gegenden an den Rändern der Sümpfe verschlagen hat. denn ihm bietet sich reiche Ausbeute bei seinem Gewerbe als Fischer und die eingesalzenen Bewohner des Sees werden in ungezählten Mengen nach Stadt und Dorf im Innern des Landes versendet, um in den Bazaren der Bevölkerung als Zuspeise feilgeboten zu werden. Die Fischer selber gehören altangesessenen Familien an, deren Typus den europäisclien Reisenden vielfach aufgefalleu ist. Es sind die Nachkommen jener königlichen Malakiten, einst treue und ergebene Anhänger der orthodoxen christlichen Kirche, welche im achten und neunten Jahrhundert den Heeren der Chalifen hartnäckigen Widerstand leisteten, und auch nach ihrem Uebertritt zur Religion Mohammed s die ältere Bezeichnung als Malakijin bis auf den heutigen Tag weiter führten. Etwa nach der Mitte des südlichen Seerandes zu ergiesst ein Kanal zur Zeit der Uebersehwemmung die überflüssigen Wasser des Nils in die breite Sumpflache. Man kann seinen Oberlauf über die grosse Eisenbahn- Station von Zagazig hinaus bis zur Eimnündungsstelle in den Damiettearm des heiligen Stromes verfolgen. Er zeigt noch heute die Richtung an, welche der tanitisclie Arm, ein er von den sieben des Delta, im Alterthnm eingeschlagen hatte, bevor er seine Wasser in die Lagunen ergoss. Er führte seine Bezeichnung nach der oben erwähnten Stadt Tanis, deren Trümmer, etwa zwei deutsche Meilen vom Seestrande entfernt, sich auf der östlichen Seite des Kanals ausbreitou, aber trotz ihrer Grossartigkeit nur selten das Ziel europäischer Reisenden bilden. Nur Gelehrt(* oder hesondere Liebhaber der antiken Welt in ihren letzten Trümmern scheuen nicht die Schwierigkeit der Beförderung nach dieser abgelegenen und zugleich ungesumlcstcn Stelle im ägyptischen Deltugebiet. Tn der zweiten Hälfte des dritten Jahrtausends zählte Zoan-Tanis bereits zu den berühmten Städten des altiigyptischen Reiches. Der weltbekannte Koloss des Königs Usortisen 1. ans schwarzem Granit im Lichthof unseres Berliner Museum hat die Wanderung von Tunis aus nach unserer R-eiehshauptstadt in dev Mitte der zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts ungetreten und gehört seitdem zu den Zierden unserer antiken Sammlungen. Und Usortisen I. nebst lnelnvmi anderen Königen der zwölften Dynastie altiigyptiscber Herrscher war der Erst(*, welcher den Hnupttempel der ältesten Stadt gründet(* und den ganzen Platz zu einem Bollwerk gegen di(* von Osten her ein wundernden