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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-29 · No. 26. (29.6.1894) · p. Seite 103

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 26. (29.6.1894)
Date
1894-06-29
Page
Seite 103 (sequence 3)
Language
German
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103 Juden selbst.« An einer andern »Stelle (VI. 541.) bericbtet er: »Man lauseht dem Kannen des ■׳reisen Juden, dein Gemurmel der alten Jüdin mit heiliger Andacht.׳ Endlieh erzählt er (III. 2!H>). dass er auf der Strasse an geredet wurde: Wo im Ket hause treffe ich dich, Jude?« Ferner, ׳dass alle von schweren Träumen Beängstigten zu den Juden ihr!' Zuflucht' nehmen.« Bei Horaz (Satyr. 1. ff. 70.) lesen wir, dass Hausväter ihr(* Söhne und Sklaven dem Judenthume zuführen, fasten Donnerstag, ruhen am Sabbath und halten sieh streng an den Speisengesetzen. Der Dichter Ovid (ars ainat. 1. 75) ruft erstaunt aus: Die Schönheit der Stadt sucht man in den Synagogen!« Dio Cassius (ö7. 14) hat den Bericht, dass der Kaiser Domitian seinen Verwandten Flavins Clemens hinrichten liess, weil er auf Abwege der jüdischen Sitte geraten war. »So schienen die Worte des Propheten Jeremia (lli, lt> 21) sich zu erfüllen: Zu dir kommen die Völker von den Enden der Erde, und sprechen: ׳ Lüge ist’s. was unsere Väter uns vererbten; Nichtiges, was uns nichts nützt.« Es war das Judenthum nahe daran, eine Weltreligion zu werden. Warum ist es nicht geworden? Verschieden hören wir darauf antworten. Die Einen meinen, die grosse Masse der jiidisehen Gesetz(• wäre ein Hinderniss gewesen. Die Andern glauben, dass die damaligen Völker noch nicht reif genug waren für die Lehre vom Gesetze der Humanität, der Fremden- und Nächstenliebe, deren Vollziehung das Judenthum von seinen Bekcnnern unerlässlich fordert. Mir scheint der Grund des Nichtsnfsteigens des damaligen Judenthums zur Weltreligion ein anderer zu sein. Die Verquickung des Judenthums mit dem Nationalen, so dass der Proselyt mit seinem neuen Bekenntniss zur jüdischen Religion auch ein Nationaljude werden musste, der auf die Wiederherstellungdes jüdischen »Staates. der Erbauung Jerusalems und des Tempels beten und hoffen sollte — war der Stein des Ausbisses, der Grund der Unmöglichkeit dieser Verwirklichung. Wie konnten die Römer, die Griechen u. a. m. so ihre Nationalität verleugnen? Das war für Einzelne wohl möglich, aber nicht für die Masse des Volkes, das seinen: Vaterlande innig ergehen und stolz auf seine Nationalität gewesen. Das Cliristenthum scheint, dieses wohl erwogen zu haben und hat mit seinem Aussprüche: »Mein Reich ist nicht von dies(•!• Welt!« die Trennung des Nationalen von dem Religiösen zum Grunde seines Baues erhoben. Das Judentlium hat fortan die Bekehrung der Völker dem ans ihm hervorgegangenen Christeiithume überlassen, aber es hörte dennoch nicht auf, auch ferner im Dienste der Menschheit zu arbeiten und zwar durch die Pflege der Wissenschaften. Was das Judenthum während des Mittelalters durch di(* PHoge der Wissenschaft der Menschheit für Dienste geleistet hat. das nachzuweisen, sei einem besonderen Vor• trag(* Vorbehalten. Den heutigen wollen wir mit einem Glcichnissschlicsscn: «Es wetteten einst der Sturm mit der Sonne, wessen Mucht-arärkcrsci. An einem vnriiberziehen- (11*11 Wanderer wollten sie die Probe ihrer Macht vorsuchen. Wer den Wanderer zwingen würde, seinen Mantel von sich zu werfen, der hätte die Wette ge- Wonnen. Die »Sonne trat hervor und warf ihre glühenden Strahlen auf den Wanderer, dem es bald zu heiss wurde, er warf den Mantel als eine lästige Bürde von sich. Da versucht(• der »Sturm seine Macht; er blies heftig, liess seine kalten Winde gegen ihn los. Sofort sucht(• der Wanderer nach seinem Mantel, den er hastig von der Erde aul'hoh. um sich in denselben zu. hüllen.« Meine hochverehrten Zuhörer! Der Sturm, »ler sich in unserer Zeit gegen das Judenthum erhebt, wird hoffentlich dazu dienen, den uns schützenden Mantel, di(• Religion, sollten wir ihn in sonnigeren Tagen von uns geworfen haben, wieder aufzuuehmen und uns desto fester in ihn zu hüllen. Notowitsch und sein indisches ״Leben Jesu“. Durch Vermittelung englischer Zeitungen ist die Kunde von Notowitsch'» Buch auch nach Kaschmir gedrungen und mm erhalt die »Daily News aus hell in Endak ein Schnallen, das wir nachstehend im Wortlaut mittheilen wollen: hell (Eadak! via Irinagar, Nord-Indien, 15. Mai 1HÜ4. Geehrter Herr! Meine Aufmerksamkeit ist auf eine Mittheilung in Ihren! Blatte gelenkt worden, wonach ein gewisser Nicolas Notowitsch, als er in Endak reiste, heim Homis-Klostor das Bein gebrochen habe, worauf ihn die Mönche gepflegt und ihm ein Pali-Manuscript, enthaltend ein Eelien Issa's«, eines von den thibetanisehen Buddhisten verehrten Heiligen, gezeigt haben soll. Dieses Werk 8011 ein Eelien Jesu Christi enthalten und in französischer Ueber- Setzung veröffentlicht worden sein. Diese Mittheilung —mehr habe ich nicht erfahren können — klingt sehr vag; trotzdem bitte ich Sie, Ihre Aufmerksamkeit auf folgende Punkte zu richten: 1) Ich wohne in Eeh seit November l Kt Ml; seit dieser Zeit hat Niemand des Namens Notowitsch Eadak besucht. '2') Wissenschaftlich(• Reisende holen ständig Informationen aller Art in der Mission der Mährischen Brüder. Das amtliche Verzeichnis» der Mission, das bis auf 1885 zurückgeht, enthält viele Namen solcher Besucher, aber nicht denjenigen Notowitsch'». it) Das Heinis-Kloster liegt nur 2<l Meilen von Eeh. Es ist nicht glaublich, dass ein Kcisender durch Zufall hincinkain und von den Mönchen gepflegt wurde, statt dass er sieh nach Eeh bringen liess, wo er durch den englischen Arzt und die englische Apotheke besser(• Pflege gehallt hätte. -4) Sorgfältige Nachfrage unter den Einwohnern hat nicht ergehen, dass ein solcher Beinhrueli in den leizten zwanzig Jahren sich ereignet habe. 5) ־ lssa ist der muhamedanische Name für Jesus, und die Buddhisten verehren ihn keineswegs, ti) Die Mönclu* behaupten, dass ihre alten Bücher vor fünfzig Jahren von den Dogras .vernichtet worden seien; ihre gegenwärtigen Bücher seien lauter neue Ausgaben. 7) Die Pali-Sprache ist in Eadak unbekannt; Niemand kann sio losen. Dio Mönche selber können nicht wissen, was in einem Pali- Band steht, selbst wenn ein solcher existirt.. H) Das Hemis- Kloster ist in den letzten vierzig Jahren häufig von M'issionären der Mährischen Brüderschaft besucht worden; die Existenz eines solchen Bandes Pali, das vom Sanskrit und vom Thibetanisehen so sehr verschieden ist, hätte ihnen nicht verborgen bleiben können. Ihre Eeser werden nunmehr in der Eage sein, sieh über die Echtheit der angeblichen Entdeckung (•ine Meinung bilden zu können. Hochachtungsvoll: K. B. Sliawe, Missionär der Mährischen Brüderschaft.« - Hierzu bemerkt di(* Krankf. Ztg.«: Der Umstand, dass der evangelische Missionär nur eine kurze Zeitungsnotiz und nicht das Buch Notowitseh’s selbst vor sich hatte, ist Schuld daran, dass die Zuschrift Einig(*» widerlegen will, was Notowitsch gar nicht, gesagt oder von dem er das gerade Gegentheil gesagt hat. So stellt z. B. in dem Buch(* ausdrücklich, dass lssa (lein Volke ganz unheknnut. ist und nur den .Mönchen als Heiliger gilt; so ist ferner nicht von einem förmlichen Beinbruch di(* Kode, sondern von einem Kuss-l'nfall, bei dem einorsoits ein Transport auf zwanzig Meilen nicht möglich ist und den andererseits doch die Bewohner nicht als wichtiges Ereignis» im Gedächtnis» behalten. Manches, was der »Missionär vorbringt, ist freilich beachtenswerth, aber es stellt di(* Erzählung Notowitsch'» doch nicht als pure Erlindung hin. Es ist möglich, dass den Mährischen Brüdern ein Kcisender entgangen, dass das Kall nicht so ganz unbekannt ist und dass die »Mönche des Heinis Klosters ihr«• heiligen Bücher lieber einem Enien als ihren Kollegen von der protestantischen Konkurrenz zeigten. Im l'chrigen ist kinzlieh aus l.ondon berichtet worden, dass eine dortige gelehrte Gesellschaft di(• Untersuchung der Sache in die Hand genommen und sich auch bereits mit

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