Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 26. (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- Seite 104 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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104 Kaschmir in Verbindung gesetzt hat; bis sie gesprochen hat, wird man also sein endgültiges Urtheil schon anssetzen dürfen. Auf die obige Zuschrift des Missionärs Shawe, der in derselben hat feststellen wollen, dass Notowitsch niemals in Ladak war, haben jetzt die >I)aily News« die Zuschrift eines Engländers erhalten, den sie mit den Buchstaben A. R. bezeichnen und der ihnen Folgendes schreibt: »Herr Notowitsch besuchte Indien im Jahre 1887. Kr führte sich als Korrespondent des russischen Blattes »Nowoje Wremja« ein, und man wusste, dass er Offizier bei den Kosaken war. Sein Name wird Vielen bekannt sein, die zu jener Zeit in Simla waren. Nachdem er Simla verlassen hatte, besuchte er Quetta und andere Orte des nordwestlichen Indiens und reiste dann nach Kaschmir. Von dort erfuhren wir in Simla eines Tages, dass er auf der Reise durch Ladak heim Reiten einen Unglücksfall erlitt, indem er den Fuss brach. Von dem angeblichen Pali-Manuscript ist damals nichts bekannt geworden. Wenn ich mich recht erinnere, hat sich Herr Notowitsch bis zu seiner völligen Wiederherstellung in Srinagar aufgehalten und dann Indien verlassen.« Aus dieser Zuschrift ist jedenfalls ersichtlich, dass der Missionär Shawe in seiner Einsendung zu viel beweisen wollte, und das ist immer der Sache schädlich, die man vertreten will. Recensionen. Lehrbuch der jüdischen ReligloiiNgcschichte für die höheren Klassen der Mittelschulen von Dr. A. Weiss, Religionslehrer am k. k. akadein. Gymnasium in Wien. 1. Theil: Von der Offenbarung bis zum vorläufigen Ab- Schlüsse des biblischen Kanons. Prag 185)4. (Verlag Brandeis.) Wenn auf irgend einem Gebiete, 80 war auf dem des israel. Religionsunterrichtes — was den Unterricht in der jüdischen Geschichte auf der Oberstufe des Gymnasiums betrifft — ein nur den Zwecken der Schule entsprechendes Lehrbuch geradezu dringendes Bedürfniss. Es muss daher jeden Schulmann mit aufrichtiger Freude erfüllen, in dem Eingangs genannten Lehrbuche ein — wie er bald daraus ersehen wird — recht treffliches und gutes, vor allen Anderen aber ein Schulbuch zu finden. Denn von den derzeit im Gebrauche stehenden Büchern — sic mögen noch so gelehrte Verfasser-Namen an der Spitze tragen — sind die einen nur allzu kurze Leitfäden, die den I»ehrer vor die Alternative stellen, entweder wichtige Dinge unbesprochen zu lassen, oder aber in seinem Vorträge weit über den Inhalt des I^ehrbuches hinauszugehen, andere wieder durch ihren allzu wissenschaftlichen Charakter und die vielen Details, die sie enthalten, sowie aus anderen pädagogischen Gründen, die hier nicht erörtert werden mögen, für den Lehrgebrauch in der Schule gar wenig geeignet. Unser Autor hat in richtiger Erkenntniss und Würdigung dieser Umstände aus seiner vieljährigen Erfahrung geschöpft und ohne durch wissenschaftliche Dotails zu ermüden, ein Lehrbuch geschrieben, das doch auf wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut ist, denn es entspricht dem jetzigen Stande der Wissenschaft und der Verfasser ist in gewissenhafter Weise immer auf die Quellen selbst zurückgegangen. Es enthält nach einer kurzen Einleitung 3 Abschnitte. Der 1. reicht von den Anfängen des israel. Volkes bis zum babylonischen Exil. Der II. vom babylonischen Exil bis zur erneuerten Herstellung eines selbstständigen Staatswesens. Der III. von der Herstellung des selbstständigen Staatswesons bis zum Abschlüsse dos hihlischcn Kanons. Es tritt bei der Behandlung dieser 3 Zeiträume eine übersichtliche Gruppirung \1nd systematische Eintheilung a) der äusseren, b) der inneren Verhältnisse desselben deutlieh hervor. Als besonders rühmenswerth darf die Diction im Buche'bezeichnet worden, dieselbe ist immer eine gewählte, klare und schöne, ohne Schwulst und Phrasen. Auch die richtige Vertheilung zwischen der politischen und der Religionsgeschichte, sowie Genauigkeit und Deutlichkeit bei der Erklärung der Entstehung religiöser Einrichtungen hat der Verfasser sorgfältig im Auge gehabt. Besondere Vorzüge des Buches sind die Wärme des Tones, die Hervorhebung aller ethischen Momente, welche in der mos. Gesetzgebung, in dem Wirken der Propheten, in dem Leben und den Lehren der Gesetzeslehrer zum Ausdruck kommen. Auch die Ausstattung des Buches lässt nichts zu wünschen übrig. Nur wenige Druckfehler fallen auf. Das Buch könnte durch eine Kürzung vieler Kapitel in einer nächsten Auflage an praktischem Werthe für die Schule noch gewinnen. Schliesslich wünschen wir, dass das Buch in Schulkreisen die verdiente Beachtung und Verbreitung finde und dass der Verfasser bald die . Müsse und Ruhe gewinne, dem I. Theil die weiteren — voraussichtlich noch 3 — baldigst folgen zu lassen. Des Dankes der Lehrer und der studirenden Jugend mag er gewiss sein. Wien. I)r. H. Pollak. Litterarische Notizen. Unter dom Titel »Gesammelte Abhandlungen zur biblischen Wissenschaft von l)r. Abr. Kuenen. weiland’-Professor zu Leyden« hat der Strassburger Professor Dr. K, Budde eine Ucbersetznng sämnitlieber in den Annalon dor königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam erschienenen Abhandlungen des berühmten, der Wissenschaff leider zu früh entrückten Theologen heransgogeben. Die Sammlung enthält: »Ueber die Zusammenstellung dos Sanhedrin« (18(i0), »Der Stammbaum des Masoretischen Textes des alten Testaments« (1873), »Ueber die Männer der grossen Synagoge« (1876). »Hugo Grotius als Ausleger des alten Bundes« (1883). »Die Melechet des Himmels im 7. und 44. Kapitel von Jeremias« (1888); »Chronologio der jiidischon Geschichte« (1880). Ferner sechs Studien aus der theologischen Zeitschrift: »Dina und Sichern« (Genosis XXXIV). »Manna und die Wachteln« (Exodus XVI), »Kritik des Hexateuch und die Geschichte von Israels Religion«, »Verisimilia?«, »Die jüngsten Thesen der Kritik Hexateuchs«, »Drei Woge, Ein Ziel«. »Geschichte dor Priester Jahwe’s und das Alter des priesterlicken Gesetzes«. Aus80rdom hat Herr Buddo verschiedene ursprünglich in französischer oder englischer Sprache erschienene Abhandlungen in die Sammlung aufgenoramen, zu welchem Zweck ihm von der Familie Kuenen das ursprüngliche holländische Manuscript zur Verfügung gestellt wurde. Dem interessanten Buche ist oine längere Vorrode fibor die wissen• schaftliche Bedeutung Kucncns vorangeschickt, und Horr Budde nennt die hier gesammelten Abhandlungen »Kabinettstücke, die für alle Zeit Vorbilder echter kritischer Arbeit bleiben werdon, wie es die von Ixissing bis auf den houtigen Tag geblioben sind«. Aus der Vorrede geht zugleich hervor, dass Herr Budde auch der Uobersetzer von Kucncns »Hibbert 1/ectures« ist, die letzterer im Jahre 1888 in London gehalten hat. Durch mehrfache an mich gerichtete Zuschriften angeregt, erlanbe ich mir in Bezug auf Dr. Wiesingers »Bildergailerie« zu bemerken, dass der dem Antisemitismus mit ganzem Herzen und ganzer Seele ergebene Hr. Verfasser S. 21 von dem unsterblich•)! I.essing behauptet, die Fabel der »drei Kipge« sei nicht »anf Leasings Mist gewachsen« sondern Booeuccio entlehnt; da lawsing überhaupt »viele Anlehen bei fremden Dichtem machte, was ihm in der grossen Bibliothek zu Wolfenbüttel leicht gelingen konnte«. Seite 29 citirt Herr Dr. Wiesinger eine Aeusserung Goethe s aus »Wilhelm Meisters Wanderjahre« über das jüdische Volk, das »an Selbstständigkeit, Fertigkeit, Tapferkeit und wenn alles das nicht mehr gilt, an Zähigkeit seines Gleichen sucht.• Der Herr Autor setzt nun zu dem Aussprüche des Dichterfürsten l>eim Worte »Tapferkeit« ein Fragezeichen und macht diesen zum antisemitisollen Bundesgenossen. — War mein jüdisches Urtheil über das »(’hristenwort« (No. 22 d. g. Bl) nicht gerecht? Dr. N. Berichtigung. In vor. Nr. des Litteraturbl. 8. 100 2. 8p. Z. 15 v. 0. ist »in gleichem Falle« zu leson: »jeglichem«. Inhalt: Oas Judenthum im Dienste der Menschheit. Van l-andrabbiner I)r. .). Hamburger. (Schluss.) — Notowitsch und sein Indisches ״Leben Jesu“. Von F. ß. Shawe. Recensionen. Lahrbuch der jüdischon Religionsgosehichto für dia höheren (Hassen dor Mittelschulen von Dr. A. Weis8. — Literarisch« Notizen: Kuenons gosammelte Abhandlungen._ UM־ Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. Vorantwortl. lledao'.our Dr. M. Ralimer, Druck Leistncr & Drewfs, Verlag Walther Niemann, sämmtlich in Magdeburg.