Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 26. (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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102 Ehre der׳ Alten, die Liebe ״egen Fremde, die Unbestechlichkeit des Richters, die Wohlthätigkeit gegen Arme und Bedürftige 11. a. m., eingeschärft. Schön ist es, «ns er über die Vergeltung sagt: »Jene, die alles nach dem Gesetze thun, erwartet nicht Silber und Gold als Lohn, nicht Oel und Epheukronen, sondern cs trügt Jeder das Zeugniss des Bewusstseins in seiner Brust, dass Jene, die das Gesetz hüten und für dasselbe sterben, wieder bei Gott erstehen und eines besseren Lebens theilhaftig werden. Aber dieser mächtige Sendbote des jüdischen hellenistischen Schriftthums hätte seine Wunder, die Umwandlung der Völker zur Religion des Judentlnims, nicht vollbracht, wäre nicht ein dritter Sendbote hinzugekommeti. den das Judenthum nunmehr ausgesandt; es war das jüdische Volk in seiner Zer- Streuung unter die Völker das in seinem Leben und Wirken Zeugniss von allem dem ablegte, was das jüdische hellenische Schriftthum den Heiden vei•- kündete. Des Propheten Ruf an Israel: Ihr seid meine Zeugen, ob es einen Gott ausser mir giebt«, (Jesaia 44,H) schien sich zu verwirklichen. Das jüdische Volk mit seinem ihm eigenen Zug nach dem Idealen, mit seinem in die Religion nufgehenden lieben, mit seinen Tugenden der Massigkeit. Enthaltsamkeit. der Keuschheit in der Familie, der strengen Zucht im Hause — mit dem sieh ihm wiederholenden Märtyrerthuni in den Zeiten der Religionsverfolgung unter Trajnn und Hadrian war der lebendige Zeuge der Wahrhaftigkeii seines Gottesglaubens, der so mächtig auf die nicht jüdische Kreise gewirkt und sie für!las Juden thuni gewonnen hat. Ein Volks- und Gesetzeslehrer des 2. Jalirh.. R. Jose, bemerkte in Bezug darauf: Gott hat Israel in das Exil unter die Völker geschickt, damit es an Proselvten zunehmc, denn es heisst (Hofen 2. 2:'>): Ich werde es int Lande aussiien und mich des Nicliterbarmton erbarmen. Säet doch der Landniann ein Mass Getreide aus, um einst mehrere Mass Getreide zu ernten!« Unterstützt wurde dieser Drang der Heiden mich dem jüdischen Glauben durch die freundliche entgegenkommende Weise der Volks- oder Gesetzeslehrer bei der Aufnahme von Proselvten. So wird von dem Gesetzeslehrer Hillel erzählt, dass er einem sieh bekehrenden Heiden in Betracht der Menge der jüdischen Gesetze das eine Gebot der Nächstenliebe (1$ M. PJ. IS.) mit der dasselbe erkürenden Angabe: Alles was dir unlieb ist. fügt• nicht dem Andern zu als Hauptgrundgcsetz des Judenthnms aufstellte unter dem Zurufe: Alles andere folgt daraus,, gehe und lerne! (Sabbatb S. 31a). Einen andern Proselvten, der nur das Schriftgesetz ohne die traditionellen Bestimmungen desselben anerkennen wollte, wies er nicht zurück, sondern suchte ihm begreiflich zu machen, dass selbst die Kenntniss der Buchstaben und das Lesen derselben auf Tradition beruhe. (Sablmth S.;51 a). Endlich sucht(1 er einem Dritten, der auch Jude werden wollte, in der Absicht, das hohe Priesteramt zu erlangen, dnrzuthun. welche Verant- Wörtlichkeit mit dieser Würde verbunden sei. sodass er selbst׳ davon Abstand nahm. (Daselbst). Der Synhedrial Präsident R Jocluunnn 11. S, bestimmt(‘, dass der Proseht hei seiner Aufnahme nach dem Aufhören des Opfcrkultus von dem üblichen Opfer des Prnsclyten dispensirt sei. so dass er nicht einmal den Geldhetrng desselben zu erlegen brauche ( Keritlinth S. Sa). Einem Heiden rief er zu: die Proselvten unter euch sind eure Propheten, und ihr habt keinen Grund zurückzubleiben•■ (Midrasch rahha;5. M. Alisch. 2). Im An fang des 2. Jalirh. kam es auf Befürwortung dos Gesetzoslehrers K. Josua in einer Synhediialsitzung zum Beschluss, dass das Gesetz in 5 M.'23 der Nichtaufnahme der Ammoniter und Moabiter in die׳ Gemeinde in-Betracht der durch dje Eroberungen Sanheribs entstandene VölkOrverpflauzuitgen mit Völkermischungen als aufgehoben zu betrachten sei (Berachoth). •Bei einer andern Gesetzesverhandlung behauptet R. JoSua, dass der Prostdvt auch ohne Beschneidung durch den Akt dos Tauchbades allein als ins Judenthum aufgenommen zu betrachten sei, da auch die Stammmütter durch das Tauchbad allein ins Judenthum aufgenommen wurden (Jebamoth S. 4<>). Aohnliehes berichtet Josephus von einem jüdischen Gelehrten Anania, der den zum Judenthume sich bekennenden KönigT'zates in Adiabene wegen der Beschneidung beruhigte: lzate'8 könne Gott auch ohne Boschneidung verehren, wenn er die gottesdienstlichen Gebräuche der Juden beobachte, welches die Hauptsache sei.״ (Joseph. Aiitt. 20. 2. 5.). 1111;5. Jahrhundert war es der Lehrer R, Jochanan, der da lehrt(1: Jeder der den Götzendienst verleugnet wird •Jude« genannt « (Megilla S. 13a). Früher schon stellte der Patriarch R. Simon ben Gamaliel den Grundsatz auf: Kommt ein Fremder (Heide), um Proselyt zu worden, so strecke ihm freundlich die Hand entgegen, um ihn unter di(» Fittige der Gottheit einzieh(‘]! zu lassen ’). Der Erfolg war ein segensvoller. Ein Zug nach dem jüdischen G ottesglauben, ein Drängen zu dessen Altären bemächtigt(1 sich der Völker, ln ili’oi Welt! heilen: Vorderasien, Afrika und Europa sah man Asiaten, Griechen und Römer sich zu dem jüdischen 4Hauben bekuuien, di(1 Synagogen aufsuchen, den Gott Israels anboten, die Vorlesungen aus der Thora nnhüroti und auf die Worte des jüdischen Lehrers lauschen. Es berichten darüber die bedeuteinlsten griechischen und römischen Klassiker in den ersten zwei Jahrhunderten. So lesen wir bei Philo (Vita Mosis 137): Das ist unstreitig bewundernswürdiger, dass ausser den Juden auch fast alle Fremden, besonders diejenigen, denen die Tugend am Herzen liegt, unsere Gesetze billigen und sie in hohen Ehren halten. Sie erlangen eine ausserordentliche Anerkennung, w׳ie sie keinem anderen Gesetzgeber zutheil wurde. Denn weder in Griechenland, noch im Auslande giebt es einen einzigen Staat, der die Gesetze eines andern ehrt .... Nur unser Gesetz erkennen sie Alle an; alle Menschen unterwirft es sich und ermahnt sie zur Tugend, Barbaren. Hellenen, Festlands- und Inselbewolinor, die Nationen des Ostens wie des Westens.« »Gewiss ist. berichtet Flavins Josephus, bei der Menge seit lange ein grosser Eifer für unsere Religion aufgekommen; es giebt keine griechische oder barbarische Stadt, nicht ein Volk, zu welchem nicht die Sitte der Sabbathfeier gedrungen ist. Wie Gott sieh durch die Welt ergiesst, so ist das Gesetz durch die Menschheit gegangen. In Antiochien erzählt er, zogen di(1 Juden fortwährend eine grosse Menge Helenen zu ihrem Gottesdienst(1 heran und machten sie in gewissem Sinne zu einem Uestaudtheil ihr(1!• selbst.*) Tacitus sagt: •Diejenigeii, «(1lebe zu ihrer Religion übergehen, haben dieselben Sitten. :!); ferner: Dem Judenthum wurden ergeben die Töchter der Gens Fulvia Valeria, zu denen auch die Gemahlin des Kaisers Nero, die Poppiia, gehörte; sie verlangte als Jüdin bestattet zu werden, was auch geschah•1׳). Nach Juvenal (Satyr. 14, ‘.Mi—1015) war in Rom. Alexandrien, Antiochien und Daiifciskus die Zahl der Judenfreunde so gross wie die Zahl der 1 h S. IT;». .litHcjili. I). j. VII. :i. M. Tacit. Hist! V. I. 4) Tacit. Annal.!0. t».