Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 26. (29.6.1894)
- Date
- 1894-06-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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No. 26. Jüdisches Jahrg.XXm. Litteratnr-Blatt. Zur Beleuchtung aller Jmlenthum und Juden betreffenden Htter&rtachen Kr* leliclnungen auf dem Gebiete der Philosophie, Gesehiehte, Ethnographie, Theologic, Orlcntalia, Exegese, Homiletik, Liturgik u. Pädagogik. Hernusgeg eben von Rübliiner Dr. Moritz Rahme!׳. Magdeburg, den 29. Juni 1894. Bücher der einschlägigen Littcratur, welche der Redaetlon *ugesjunlt werdet», Hilden in diesem Blatte eingehende Besprechutig. Bei KJnsondung von zwei Reccnsions-Exemplaren erfolgt ein malige kurze (Tratls-Inaertion. Dh8 ״Jüdische Litteratur-Blatt“ erscheint wöchentlich. Preis bei allen Buchhandlunsen (in Magdeburg bei Walther Niemann' pro Quartal: 2 Mark, der Einzelnummer: 15 Pfennig. Abonnenten der »Israelitisc.licn Wuclirnsrlirift«, die vierteljährlich boi allen Pnstaiistalten und Biiehlinndlunjren 3 Mark zahlen, erhalten das -Jiidisehc Litteratiir-Blatt» gratis. — Inserate worden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an dio Expedition dieses Blattes zn senden. Buchhändler n. , Lehrer, welche direkt oder durch Walther Niemann Inserate einsenden, erhalten 25 % Rabatt. Das Judenihum im Dienste der Menschheit. Vertrag, gehalten im Verein für.Ueachichtejund I.itterntnr des! Judenthums in Hamburg, von Landrahbiner t)r. J. Hamburger•' iStrelitz (Mecklenburg). (Schluss.) Nicht minder wichtig erscheinen ihm die Gesetze über den Fremden und den Feind, die von einer höhern Menschenliebe zeugen. Es befiehlt das Gesetz, dem Fremden, Proselyten, der nach Ablegung seiner heidnischen Sitten und Gebräuche den Göttern den Rücken kehrt und in das heilige Land einwandert, als Theilnehmer an allen materiellen und geistigen Gütern, als Genossen in Freud und Leid, zu betrachten und ihn als Glied eines und desselben Körpers alle Vorteile desselben gemessen zu lassen. »Ich will es nicht besonders hervorheben, dass das Gesetz anordnet, dem Eingewanderten Speise, Trank, Kleidung nebst allen andern zum Leben nöthigen Sachen zu reichen, denn das ergiebt sich von selbst, in einem Staate, dessen Bürger die Eingewanderten wie sich selbst achten undschützen.« (PhiloPhilanthrop.I. nach2. M.28,10.11.). »Die gegen den Feind zu erweisende Menschenliebe be fehlen die Gesetze (2. M. 23,4. ».): die verirrten Thiere des Feindes dem Eigenthümer zuzuführen; dem Esel des Feindes, der unter seiner Last hinstürzt, auf zuhelfen, was nicht nur dem Feinde, sondern auch dir von Nutzen wird. Wer eine Wohltliat empfängt, ist zur Versöhnung geneigt, und wer sie erteilt, fühlt sich zu dem hingezogen, dem er sie erteilt, und so erwacht das-Gefühl der Annährung, das dem Einzelnen und der Gesammtheit zum Heile ist. « (Daselbst.) Einen anderen Zug der Menschenliebe erkennt Philo in dem Gesetz, dem Tagelöhner seinen Lohu am Abend sofort auszuzahlen (5. M. 24,14; 3. M. 1D. 14). »Wird dieser ihnen zur Zeit gezahlt, so erzeugt dieses nicht bloss eine augenblickliche Freude bei den Empfängern; es macht sie auch arbeitsfroher für den kommenden Tag; in anderem Falle werden sie verstimmt und untauglich für die Artbeit.« (Daselbst.) So wurde Pliilo mit seinem Schrifttlium ein herrlicher Sendbote des Judenthums, ein grossartiger Dolmetscher seiner Lehren an die gebildeten Kreise der damaligen Welt. Nächst ihm war der Geschichtsschreiber Flavius Josephus ebenfalls ein Sendbote des Judenthums an die gebildete Welt Roms. Syriens und Griechenlauds. Flavius J/osephus oder Joseph Sohn Math ja'8 wurde im Jahre 37 n. C11. geboren; er stammte miitterlieber Seite aus dein Fürstenhause der Husmonäer und gehörte zu den vornehmsten Familien Jerusalems. 1111 Kriege gegen Rom erhielt er den Oberbefehl über Galiläa. Seine Thätigkeit daselbst war keine rühmliehe; er gehörte der Friedenspartei an, wollt« den Vermittler zwischen Rom und den Juden spielen und nahm eine zweideutige Stellung ein. Desto verdienstvoller für das Judenthum waren seine schriftstellerischen Arbeiten. Er schrieb: 1. sieben Bücher über den jüdischen Krieg; 2. zwanzig Bücher Alterthümer des jüdischen Volkes; 3. eine Schutzschrift gegen die Anklagen und Schmähungen des Judenthums von Apion, und 4. eine Selbstbiographie. Uns interessiert hier seine dritte Schrift gegen die Schmähungen Apions. die den Titel führte: »An die Hellenen«, oder »liebe:־ das hohe Alter des jüdischen Volkes gegen Apion«. In seiner Schrift die Alterthümer l(>.(i. 8. sagt er: »Ich thue von solchen Dingen Meldung, um die fremden Völker mit uns auszusöhnen und den bei manchem Unverständigen tief eingewurzelten Widerwillen gegen uns und unsern Gott zu bekämpfen. Da unsere Gesetze die vollkommenste Gerechtigkeit haben, so müssen wir durch dieselben, falls wir sie recht hoachten, gegen alle wohlwollend und herzlich werden. Daher machen auch wir Anspruch auf gleiche Behandlung und könnet! es nicht billig finden, wenn man uns um der Verschiedenheit unserer Einrichtungen willen als geduldete Fremdlinge betrachtet. Vielmehr verlangen wir in diesen Einrichtungen den Geist der Humanität anerkannt zu sehen, die von allen Völkern auf gleiche Weise angestrebt wird«. Mit scharfen Waffen bekämpft er die in den feindlichen Schriften gegen die Juden oder das Judenthum vorgebmehten Fabeln und falsche Angaben, und weist entrüstet die Schmähungen gegen die jüdische Religion zurück. Die Zeit hat für den tapferen Verfechter Josephus ent schieden. Es ist hier nicht der Raum, die Angriffe Apions in ihrer Breite und die geschickte Wiedcrlegung derselben durch Josephus zu bringen. Wir notieren davon das Hauptsächlichste. »Es wird, sagt er, wie ich glaube, klar hervorgehen, dass wir Gesetzt‘ haben, die am meisten geeignet sind, Gottesfurcht. Zusammenleben mit Andere, allgemeine Menschenliebe, Gerecht igkeit. Ausdauer in Leiden und Todesverachtung zu er zielen•׳■. Br beweist dies in Folgendem: Der Tempel unseres Gottes, ist Allen geöffnet, weil Alle nur den einen Gott haben. Wir bringen Opfer, aber nicht, dass wir uns dabei sättigen und uns berauschen. Die Anrufung Gottes ist nicht bloss zur Erlangung des Guten, das erhält der Mensch auch ohnehin. Das Gesetz gebietet zur Ehe die natürliche Verbindung des Mannes mit der Fruu. aber setzt auf unnatürlichen Umgang mit Männlichen den Tod; ebenso auf Ehebruch; dem Gebote der Ehrfrucht vor Eltern räumt das Gesetz die höchste Stelle ein, sie setzt es nach dem Gebote der Ehrfrucht vor Gott; auf gleiche Weise wird dio