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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-22 · No. 25. (22.6.1894) · p. Seite 101

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 25. (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
Seite 101 (sequence 3)
Language
German
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99 am Sabbath Paraschath Mattoth als am ersten der sogenannten Strafsabbathe als Haphthara gelesen wird. Als Einleitung zu diesen Excerpten erzählt er die Legende, welche ich in ähnlicher Perm — daselbst aber fitst wortgetreu — blos in der syrischen Uebersetzung'■'״) >der Biographien der Propheten« von (Pseudo)- Epiphanios von Cypros gefunden habe. Nach dieser Legende hätten die Israeliten Jeremia, weil er sie zurechtgewiesen hatte, gesteinigt in Aegypten. Die Aegypter, welche Jeremia sehr verehrten, weil sein Gebet sie von den Fischen התמנו חיים im Nil errettet hatte, begruben Jeremia. König Alexander (der Grosse) liess die Gebeine des Jeremia ausgraben und in Alexandria begraben. So auffallend wie diese Legende ist auch die daran gefiigte Bemerkung: »Nicht nur diesen Propheten haben die Juden umgebracht, sondern noch andere viels«, deren Namen der M. A. sodann aufzählt. Am interessantesten ist der sonst nicht vorkommende Zusatz100) zu der Legende über den Tod und über das Bogräbniss des R. Akiba, welche Legende ohne den fraglichen Zusatz im Midrasch zu den Sprüchen Salamonis sich findet.101) In diesem Zusätze wird erzählt: Nachdem R. Akiba bestattet war, sah R. Josua b. Garsi, welcher in Gemeinschaft mit dem Propheten Elijahu die Bestattung des R. Akiba vollzogen batte, neben der Lagerstätte des R. Akiba eine noch schönere Lagerstätte als die des R. Akiba. I)a frug R. Josua den Propheten Elijahu, wem diese Lagerstätte gehöre? worauf der Prophet Elijahu geantwortet haben soll, die Lagerstätte sei bestimmt für die Frau des Titus (טיטוס), für das viele Gute, welches diese Frau R. Akiba im Gefängnisse erwiesen hatte. Titus, dessen Frau R. Akiba im Gefängnisse so viel Gutes erweist, ist natürlich nicht der Flavier Titus, welcher den zweiten Tempel zerstört hat, sondern Titus Annius Itufus, der tyrannische Statthalter Hadrians in Cäsarea, welcher R. Akiba hat hinrichten lassen. Der selige Prof. Dr. Grätz hat mit seinem gewohnten Scharfblicke in der trefflichen Notiz: 10-) »Die Frau des Turnus Rufus« aus verschiedenen anderweitigen agadischen Winken und aus den talmudischen 103) Berichten, dass der Reiclithum R. Akiba’s zum Theile von der Frau des T. Rufus stamme und dass die Frau des T. Rufus später zum Judenthume übergetreten und die Frau des R. Akiba geworden war, die geschiehtliehe Thatsache construirt, dass die Frau des Turnus oder Ticinius oder Titus Annius Rufus Sympathien für die ”") Mitgi'theilt von E. Nestle in der »Oirestoniatliia* zu seiner »brevis linguae syriaoeae grainniatiea« 1881, S. 54—55. Diu zweite Ausgabe der Nestle’selien Syr. Grammatik, kenne ich blos dem Namen nach; ich weiss also nicht, ob diu Hoffnung Nestle’s in der Vorrede zur ersten Ausgal>e. dio »fliograpliien dor l'ropheten« vollständig, syrisch und griechisch, herauszugeben, in Erfüllung gegangen ist. Der schon längst gedruckte Text des Psomlo-Epiphanios stellt mir gleichfalls nicht zu Gebote. Die הדגים התמנו חיים sind die Krokodi 10 des I’sondo-Kpiphanios. 100) Zu 3. M. 21,1. Hand II. S. 52. "״) Zu Cap. 11,2 od. Huber 8. (11—Ii2. Ich habe bereits oben darauf hingowiesen (vgl. Anm. 47 u. •1K), dass die lawarten in der Hezeichuung des Ortes, wo H. Akiba begraben worden sei, in den Drucken und in den Handschriften wesentlich dill'eriren. l״h glaube, R. Akiba sei nach der fraglichen Agada in den unterirdischen Gängen des Hafens von Cäsarea begraben worden; darauf weist die Angabe hin, sie, K. Josua und Elijahu, stiegen drei Stufen (מדרגות) hinunter und drei Stufen hinauf. Vielleicht ist das vcrstümmolt« Wort: אנטיסיס טג־יפ^ין, was dann gleich wäre mit: מבנגד טפרסלין seil. Wort: אנטיסיס טג־יפ^ין, was dann gleich wäre mit: מבנגד ממדיין seil. קפדי, dass in 11er Tossoplita, tiliolotn 1»,1ä eu. /.ucKormanuei pag. (117 sich findet. Wio Zuckermandel I. c. notirt, linde sich auch dort neben טטרסלין dio lx.8׳art:;'*מפרסי; wo, sagt Zuckermandcl nicht. |"•) Erankel-Grätz Monatsschrift, Jahrg. Ti, 1884 S. iiH—42. 1״;l) Nedarim Eol. 50h; Abnda Sara Fol. 20a. Die letzt!׳ Stelle ist dem sei. l’rof. Grätz entgangen, darum sagt er, dio 1!egende, dass R. Akiba die Krau dos T. Rufus geheiratet habe, sei nur in nachtalmudischcn Schriften zu linden. Juden gehegt sabe und ihrer Vermitteluug sei es zu verdanken gewesen, dass nach dem Tode Hadrians die Bedrückung der Juden nachgelassen hatte. Unsere Agada bestätigt das Resultat der trefflichen Arbeit des seligen Prof. Dr. Grätz. Es ist aber auch eine merkwürdige Erscheinung in der Geschichte der Juden, dass diesen von dort aus, von wo aus sie bedrückt werden, auch ihre Retter kommen. Die Tochter Pharao’s rettet und erzieht den Befreier der Juden aus Aegypten, Moses; die Frau des Tyrannen Rufus erweist dem Märtyrer R. Akiba viel Gutes und wird Fürsprecherin der Juden. Ich kenne Frau Dr. Nahida Remy nicht persönlich, habe auch ihre Vorträge nicht angehört und besitze auch ihre Schriften nicht. Aber nach dem, was die israelitischen Blätter über sie berichten, scheint die Frau, welche von Berlin aus, von wo die Bosheit des Antisemitismus ausgegangen ist, Deutschland bereist und über die hohe Bedeutung des Judenthums spricht, mit der Tochter Pharao’s und der Frau des T. Rufus die dritte im Bunde edler Frauen zu sein, welche die Vorsehung zu Schutzengeln der Juden erwählt hat. Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Dr. Herzel ltrody. VIII. Der 91. Psalm. Dieser Psalm hat ein merkwürdiges Geschick: er wird an Sabbath- und Festtagen und zugleich auf dem Woge zum Grabe, wohin wir unsere Lieben und Freunde begleiten, recitirt. Er ist allgemein bekannt, schwebt gleichsam auf den Lippen aller, die noch hebräisch beten können und wollen und wird doch in seinen Einzelheiten wenig verstanden. Er bereitet allen Bibel- Übersetzern grosse Verlegenheit und die allergrösste den Bibelexegeten. Der Psalmist spricht gleich zu Beginn (Vers 2) zu Gott (אומר לה׳) und in demselben Satze von Gott (אלהי אבטח בו). Ich will es versuchen, dieses Dunkel aufzuklären. Ich will es versuchen, dieses Dunkel aufznklüren. Zu diesem Zwecke muss ich aber Folgendes vorausschicken. 1. Das ל׳, das vor den Hauptwörtern steht, ist zumeist eine Abkürzung von אל. Es ist aber auch oft eine Abkürzung von ל*,'. Dieses bedeutet aber nicht nur auf, sondern auch von, über, in Bezug auf etwas z. B. בי בן צוה לו המלך (Ester 3,2) denn so hatte der König seinetwegen, in Bezug auf Haman, befohlen«. 2. Es muss bei diesem Psalm zunächst wieder eine vollständige Satzanalyse vorgenommen werden,־ um den Satzinhalt zu finden. Der Vers 1 ist ein hypothetischer Satz, der über Gott etwas behauptet, was eigentlich allgemein bekannt ist, nämlich, dass Gott dem Menschonauge unsichtbar ist, und ist so zu eonstruh’en: עליון ישב בסתר — שדי יתלונן בצל• »Der Allerhöchste wohnt im Verborgenen, — der Allmächtige weilet im dunkeln Schatten,« d. 11. er ist unsichtbar. Dieser Satz entspricht der biblischen Anschauung (Exod. 40, v. 34, 3f>; Kge. I, S, v. 10, 11, 12). Der Psalmist fährt dann fort: Obgleich Gott unsichtbar ist, behaupte ich von Gott, dass er mein Schutz, meine feste Burg, mein Gott ist, auf den ich vertraue; fürwahr er allein rettet Dich (frommer Beter!) aus den Schlingen des Nachstellers, vor der verderblichen Pest u. s. w. Im Satze 10 unterbricht sich der Dichter und ruft: »Wahrlich. Du, o Gott, bist auch mein Schutz, obgleich Du hoch erhaben Deinen Thronsitz hast. >־ עליון שמת מעונך. Dieses^ עליון ist adverbialiter ge

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