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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-22 · No. 25. (22.6.1894) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 25. (22.6.1894)
Date
1894-06-22
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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100 braucht und hat die Herren Uebersetzer zu dem Irrthuni verleitet, עליון im ersten Satze nicht als Subject auffassen zu können. Die Verse 11, 12, 13 und 14 sind die Fortsetzung der früheren Verse und schildern die Vortheile, die der Mensch aus dem Gotteschutze gewinnt. Vom Vers 15 bis zum Schlüsse des Psalms ist die Bedingung aufgestellt, unter welcher wir Menschen uns aller der genannten Vortheile erfreuen können, und zwar als ob Gott uns sagen Hesse aus des Dichters Mund: Wisse, o Leser, nur der, der nach mir begehrt., wer sich meinem Schutze an vertraut, wer mich liebt und ehrt, den rette ich, den erhebe ich, den erhöre ich wenn er ruft, und sättige ihn mit langem Leben 1 Dass der Psalm in’s Ritual bei Leichenbegängnissen aufgenommen wurde, scheint mit Rücksicht auf die Verse (5—7 und 11—13 geschehen zu sein. Fassen wir das Gesagte zusammen, so ist der Inhalt des 91. Psalms folgender: Der unsichtbare Weltengott ist für uns der sicherste Schutz, der sich in allen Lagen und Gefahren des Lebens auf’s treueste bewährt; jedoch nur demjenigen, der in seinem Herzen unerschütterlich an der Ueberzeugung festhält, dass Gottes Schutz und Beistand der sicherste und beste ist, denn nur der wird sich durch die Prüfungen des Lebens an der Ueberzeugung von Gottes Walten und Wirken nicht irre machen lassen. Wie ganz anders der Heuchler und ZweiHer! R c c e n s I 0 11 c 11. Wohlsteill, Dr. Josef, Rabbiner, Schüttenhofen (Böhmen). Dämonenbeschwörungen aus nachtalmudischer Zeit, inschriftlich auf Thongefässen des Künigl, Museums zu Berlin. Berlin 1894. Emil Felber. SW., Anhaltstrasse 4t i. Das vorliegende Erstlingswerk des Herrn Verfassers beschäftigt sich damit, die aramäischen Inschriften auf den Schalen, welche das Königl. Museum zu Berlin im Jahre 18Kb in Bagdad erworben hat, initzutheilen, zu übersetzen und zu erklären. Fünf Inschriften werden uns vorgeführt: No. 2422 beschäftigt sich mit der Herauf- Beschwörung von Genien zum Zwecke der Heilung von Hautkrankheiten, No. 241b mit der Heilung von bösem Flusse und dem nachtheiligen Einflüsse von Dämonen auf dem Wege überlieferter Formel (Kihla). No. 242b bietet mit einem Spruche ein Schutzmittel gegen finstere dämolösche Gewalten. No. 2414 enthält eine Ansprache an die Dämonen, dass sie den Behafteten verlassen und lieber dorthin sich begeben sollen, wo es gute Mahlzeiten giebt. Geschickt wird vom Verfasser (S. 52) die Parallele Megilla HO11 angewandt, wo einem von Dämonen beängstigten Menschen der Spruch empfohlen wird: הני עזי דבי טבחי שמני מנאי 'die Ziegen im Schlächterladen sind fetter als ich.« Die Dämonen sollen wohl ein besseres Gelage sich aufsuchen, als in dem Hause, wo sie nur Furcht und Schrecken verbreiten. No. 2417 enthält eine Beschwörung der Geister Verstorbener. Der Herr Verfasser hält die Inschriften, dem Ursprünge nach, der Sekte der Mandäer angehörig, welche der Sprache nach dem Talmudismus, dein Geiste nach dem Parsismus verwandt sind. Ich möchte aber keineswegs den Verfasser der In- Schriften für einen Juden halten; da der Inhalt derselben mit dem Judenthum nichts gemein hat als die monotheistische Idee, welche durch den Glauben an Engel und Dämonen sehr getrübt ist. Finden sich auch im Talmud Momente der Angelo- und Dämonologie, so sind diese unbedingt auf den Parsismus zurückzuführen. Auf diesem Gebiete giebt das Buch des jüngst verstorbenen sei. Rabbiners Dr. Kohut *) willkommenen Auf- Schluss. Meinem Dafürhalten nach hat der Glaube an die göttliehe Substanz, welche mit den Attributen des Gedankens und der Ausdehnung ausgestattet ist, tim durch Wechselseitige Einwirkung von Geist und Form eine unendliche Fülle von Wesen und Erscheinungen hervorzubringen, die gute und böse Kräfte äussern, zur allmählichen Personifikation dieser Kräfte und Austattung derselben mit den Namen selbstständiger, lichter und finsterer Geister, geführt. So hatte der Glaube an Engel und Dämonen mancher Talmudstelle allmählich sein Gepräge verliehen und die Kabbalah, welche ursprünglich metaphysische Ethik gewesen ist, bis zur Unheimlichkeit zersetzt. In gleichem Falle aber war, meiner Meinung nach, die theoretische Kabbalah vor der praktischen entwickelt und nicht, wie der Herr Verfasser (S. 11) meint, umgekehrt. Auch halte ich dem Herrn Autor gegenüber den Gaon Haja für zu rationalistisch im reinen Glauben, als dass er, der nach dem Mischnah-Commentar zu Ukzin 3, 4 nöt medicinischen Werken vertraut war, an die Heilkraft von Beschwörungsformeln hätte glauben sollen. Hatte doch auch Maimonides in der Codification Alles weggelassen, was einen aus dem Talmud herzuleitenden Glauben an die Einwirkung guter oder böser Geister hätte erwecken oder begünstigen können. — Ueberdies hat der Talmud nur knapp gefasste Sprüche (Megilah HO1’, Pesachim 112,l)zur Anwendung gebracht, um böse Geister zu bannen, den Namen des einzigen Gottes angewandt (Baba bathra 78״), das böse Verhängniss auf einer Seereise zu beseitigen, niemals aber grosse Beschwörungsformeln im Gebrauch gehabt, die mit ihren einleitenden Worten »im Namen des barmherzigen Gottes« mehr an eine Sure des Koran als an eine jüdische Liturgie erinnern. Aus der Inschrift No! 2417 wäre ich geneigt zu folgern, dass auch die andern Thongefässo auf Grabesstätten aufgestellt gewesen waren, welche dem Cultus der Engel und Dämonen einen willkommenen Mittelpunkt geboten haben mochten. Gehörte es doch zu den Merkmalen eines vom Dämon Besessenen, auf Leichenstätten zu übernachten. (Chagiga 8»׳). Die gelehrte Schrift verdient bestens empfohlen zu werden, sie bietet in sprachlicher und historischer Hinsicht viel Wissens- und Beachteilswerthes. Dr. 8. Nascher. קול שמחה Stimmen der Freude, Reden, Toaste und Lieder bei freudigen Gelegenheiten von Prediger Lion Wolff; Frankfurt a. M. bei A. J. Hoffmann. Der bekannte Autor, der nach einem 25jährigen Wirken ebensoviele Werke und Handbücher für seine Amtsgenossen geschrieben, bietet in diesem Buche den jüdischen Cultusbeamten eine reiche Auswahl von Tisohreden uud Toaste für Beschneidungsfeier, Verlobungen und und Hochzeiten. Neu sind die Themen und Erklärungen fast siimmtlich vorkommender Männer- und Frauen-Namen, woraus Jeder ein passendes Thema für eine Tischrede finden wird. Eine grosse Anzahl Vorlagen für Festzeitungen »nach bekannten Mustern«, sowie 20 Carinina sind sicher eine erwünschte Zugabe. Eine Fülle von Witz und Laune ist die »Hochzeits-Hagadah,« für jede Hochzeit passend. Das Buch ist schön ausgestattet und bei dem Umfang von 240 Seiten durchaus preiswürdig. -n. *) l'eber Angelo- und Dämonologie. Inhalt: Das Judenthum Im Dienste der Menschheit. Von Dindrabhiucr 1)1. ■I. Hamburger. (Fortsetzung.) — Bubers neueste Midrasch-bditlon und der »Ia׳kaeh-Tob«des K. Tobia. Von Rabbiner Dr. (loldfabn. (Schluss.) -- Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Dr. Herzei, Recenslonen. Wohl*tein, Dr. Jusuf, Kaboiner, Schlittenhnfon (Böhmen). Diimonenbcsehwörungon aus nachtalmudischcr Zeit. — Lion Wolf, Stimmen der Freude, Reden, Toaste und Lieder bei freudiger üelegonlieit._ UM־ InbeAigter Nachdruck ans dienern Blatte int nicht gestattet. Vcrantwertl. Kodauteur Dr. M. Kalunor, Druck Leistner & Drewi's, Verlag Walther Niomann, sämmtlich in Magdeburg.

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