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Das jüdische Literaturblatt · 1894-06-08 · No. 23. (8.6.1894) · p. Seite 91

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
No. 23. (8.6.1894)
Date
1894-06-08
Page
Seite 91 (sequence 3)
Language
German
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91 Buber’s neueste Midrasch-Edition und der ״Leckach-Tob“ des R. Tobia. Besprochen von Rabbiner I)r. (io 1 «Ifa 11 n. VI. Die Benutzung philosophischer Exegesen beweisen die Einschiebungen zur Erläuterung der benutzten agadischen Deutungen. Zu 3. M. 22,27 benutzt er, der M. A., die Deutung der Tanchuma01), dass Gott der Opfer nicht zum Essen gebrauche, beweise Moses, der während der vierzig Tage im Himmel nicht gegessen habe, weil er den Engeln gleich geworden war und fügt nach dem Worte Moses ein: dass er aus den vier Elementen geschaffen gewesen wäre. Auf diese Bemerkung, dass der Mensch im Gegensätze zu den Engeln aus den vier Urelementen geschaffen sei, treffen wir bei dem M. A. auch zu 2. M. 33: hier benützt der M. A. die Deutungen des Sifre,״-) setzt aber für das האדם, כשמוען־ in der Deutung des R. Akiba:האדם, זה הנלקה מארבע היסודות und fügt zu der Deutung: והי אדו מלאכי השרת hinzu: שהם חיים לעולמי עד. Diesen Lieblingssatz, dass alle Geschöpfe der Erde aus den vier Elementen zusammengesetzt seien, scheint der Verfasser des M. A. von Salomo Ibn Gabirol entlehnt zu haben. Zu 3. M. 22,27, unmittelbar vor der bereits citirten Bemerkung, componirt der M. A. die Deutung des Tanchuma °3) mit dem Spruche des R. MeirlU) nach Beendigung des Buches Hiob und fügt zur Erläuterung hinzu: ולא יתכן שום נברא מארבעה היסודות שלא יפרד ויחזור כל יסוד ליסודו שג׳ משם יפרד והיה לארבעה ראש׳• Diese Schlussworte erinnern lebhaft an die Worte Salomo Ibn Gabirols im Kether Malchutli06). Auf Salomo Ibn Gabirol dürfte auch eine andere liierhergehörige Bemerkung des M. A. zurückzuführen sein. Zu 2. M. 22,24—26 benützt der M. A. wahrscheinlich eine Deutung des Midrasch Jelamdenu,00) welch letzterer Ps. 35,10 c1) Tanchuma a. 1. ed. Bubor $ 20: cd. Sttin § 15. "־) Zn 4. M. 12,8, § 101, was Bubor entgangen ist. Ueber diese Stelle und ihr Verhältniss zu Sifra 3. B. 1,1 Perek, 2, 12, ed. Weiss 2, Folio 4a. vergleiche den Commentar des R. .lehuda b. Barzilai zum Sepher Jezira ed. Halberstam (Mekize Nirdauiim) Seite 36—37. (Vielleicht entschliesst sich Herr Prof. Dr. Bacher dazu, seine Arbeit über »die Bibelexegese des R. J. b. Barzilai« in der Fortsetzung seinor »Bibelexegese der jüd. Religionsphilosophen« aus der »Revue des Etudes Juives« neu abdrucken zu lassen.) c:l) a. 1. ed. Buber, § 21: ed. Sttin 15: vgl. Rabba zu Koheleth, 3,19; Pesikta dr. Kahana S. 75 a: Tanchuma a. 1. § 9: 17 ed. Bnber nebst Parll. Die Behauptung Bubers zum M. A. (a. 1. Anm. 4), dass sich die betreffende Deutung im Tanchuma nicht finde, ist un• genau; es sind im M. A. nur einige Zeilen, welche die fragliche Deutung des Tanchuma enthielten, ausgefallen. ״*) Berachot f. 17a (vgl. Dikduke Sofrim a. 1. A. ע.) “) Vgl. Bacher, die Bibelexogese der »jüdischen Religionsphilosopben« (Budapester Programm 1892, S. 55 Anm. 3). Munks, Kaufmanns und Guttmanns Schriften über S. J. G. und Gabirols; תקון מדות הנפש kenne ich blos aus Bachers Citaten. M) Die eigentliche Deutung, welche am Ende des fraglichen Stückes gestanden, ist durch Irrthnm der Copisten ansgefallen. Dass sie aber hier gestanden und dass sie der Anlass gewesen, die sonst nicht hierher gehörige Agada hier anzufügen, braucht Kennern der Midrasohlitteratur nicht orst bewiesen zu werden. Aus dem Tanchuma und dem Rabba a. 1. kann man übrigens genau ersehen, dass die betr. Verse wiederholt von den Agadisten benutzt ׳ worden sind, gegen hartherzige Gläubiger zu predigen. Das vom M. A. erhaltene Stück findet sieh in der Pesitka Rabbathi ed. Friedmann S. 32a und, was Buber entgangen ist, Midrasch zu Psalm 18, § 2 ed. Buber. Der Midrasch zu Psalm 35,2, don Buber vergleicht, stimmt in der Form viel weniger. In der Pesitka Rabbathi ist der Midrasch bereits verändert und die Deutung, dass der »Arme• Israel sei, in die Mitte gerückt worden, um den Anschluss an den Psalmtext der Pesitka Rabbathi, 1’8. 61,1, zu gewinnen. Die Deutung, dass der Arme (Ps. 35,10) der Trieb zum Guten und der Vergewaltiger und Räuber der böse Trieb sei, findet sich bereits Positka dr. Kahana ed. Buber pag. 80b, Rabba z. 1. M. 21,22 cap. 54 Anfang und Midrasch zu Ps. 34, § 2, ed. Buber nebst Parll. bei Buber. Die Behauptung Bubers (M. A. a. 1. Anm. 24). die Deutung des Armen auf die Seele, sei des M. A. eigene Produktion, ist wieder ungenau; der M. A. hat nur für תור סוב gesetzt נפש und für תור הרע hingegen גוף. Das ursprüngliche תור טוב und תור הרע kommt auch ein Mal zum Vorschein in den von mir unterstrichenen Worten. im Anschlüsse an 2. M. 22,24—26 auf hartherzige Gläuhiger armer Leute bezogen hatte. Vorher geht aber, wie das sonst häutig in den Midraschim geschieht, eine andere Deutung des fraglichen Psalmverses, wonach der Arme, von dem der Psalmist spricht, der Trieb zum Guten bezw. die Seele des Menschen sei, der Vergewaltiger der böse Trieb, (der Körper) wäre. Hieran knüpft der M. A. die erklärende Bemerkung: »In demselben Sinne (dass unter dem: עני, Armen, der gute Trieb bezw. die Seele zu verstehen sei) habe man auch erklärt (וכן פירשו) Zacharia 9.9: »Arm und reitet auf einer Eselin* d. h. die Seele ist gesetzt über die Materie (ההומר) oder aber die Bedeutung von »reitet auf eine Eselin« ist: die Seele »beschämt den Körper und sagt sich los von den kosmischen Yergnügungen; ihm helfe Gott (יושיעו) aus der Macht des bewältigten (הננו״) Körpers und aus seinem bösen Rathe* und fährt dann fort: כימיו תושע (Jerem. 23,6) כי כן כתי׳ יהודה הוציא מיהודה ד׳ שהוא ארב׳ יסודות. ונשאר השם הנכבד וכהנצלו ... (Rieht. 1,2)והנורא,.וזהו ויאמר ה׳ יהודה יעלה בראש מעצת הגוף יעלה למעלה במדריגה העליונה ועל זה אמר דוד המלך ע׳יה מציל עני מחזק ממנו. — Derselben Erscheinung, dass die eigentliche zugehörige agadische Deutunng von den Copisten irrthümlich weggelassen wurde und nur die beiläufig mitaufgeführte Agada übrig blieb, begegnen wir auch im vorliegenden M. A. zu 4 B. 24,4. Dort07) findet sich folgende Deutung: ירושלים שנעשית במדבר w‘w! ד א את; במדבר ארז Das ד״א setzt dort voraus, dass vorher eine andere Deutung des fraglichen Jesajaverses gestanden hat; in der vorliegenden Ausgabe findet sich aber keine Spur davon und auch Herr Buber sagt nicht, dass sich an der angeführten Stelle eine Lücke befinde. Auch lässt sich nicht erkennen, wieso diese Deutung hierher gekommen sei. Die einfache Lösung dieses Räthsels ist aber die, dass die eigentliche zugehörige vom M. A. benutzte Agada von den Copisten irrthümlich weggelassen wurde und nur die beiläufig mitangeführte übrig blieb. Wir sind auch in der Lage, zn constatiren, welches die eigentliche zugehörige Agada war, welche durch den Irrthum des Copisten ausgefallen sei: Im Talmud09) beweist Rabba b. R. Huna, dass es zehn Arten von Cedern gebe, aus dem fraglichen Jesajaverse, während R. Joehanan diesen Jesajavers auf Jerusalem, welches die Feinde zur Wüste gemacht, deutet. Der M. A. hat an der citirten Stelle zu den Worten Bileams, dass die Israeliten den Cedern gleichen, die erwähnte Deutung des Rabba b. R. Huna von den zehn Arten Cedern benutzt und beiläufig auch die Deutung des R. Joehanan mit angeführt. Die Copisten haben aber die Deutung des Rabba b. R. Huna irrthümlich weggelassen und es blieb die andere (ד׳א) beiläufig angeführte Deutung des R. Joehanan. —; Es ist wirklich höchst auffallend, dass der gründliche und genaue Forscher Salomon Buber nicht bemerkt hat, wie mangelhaft die Handschrift des M. A. geschrieben worden sei. So lautet die Erklärung zu 4. M. 23,12: 70אותו אשמור לרבר. שלא אומר אותו אם הוא טוב שיכול) J' " Sinn. Ganz natürlich. Der Anfang ist eine Erklärung des Verses 12 und die zweite Hälfte ist eine Erklärung des Schlusses von Vers 21 im Anschlüsse an den Tanchuma71), dass Bileam zu Balak gesagt habe, dass auch unter dem Nachfolger Moses, unter Josua, den Israeliten nicht beizukommen sein werde. Es scheint in der Vorlage des Copisten wenigstens ein Blatt gefehlt zu haben, was der Copist nicht bemerkt, woraus dann die ״) II. S. 142. - ד Jesaj. 41,19. ״“) Rosch hscli. fol. 23 a: vgl. das Parallelenverzeiehniss und Jeruschalmi, Kethuboth fol. 31a; Tanchuma zu 2. M. 26,16 ff. § 9; Rabba zu 1. M. 2,8 cap. 15 Anfang. — 0ז) II. S. 139. ,b ed. Buber § 22 nebst Paroli, bei Buber 1. c. Anm. 135.

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