Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- No. 22. (1.6.1894)
- Date
- 1894-06-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 87 — gelesen nml mit älteren Uebersetzungen verglichen. (Jleichzeitig forderte er ihn inif. diese seine nützliche und heilsame Beschäftigung auch weiterhin fort zusetzen . Durch diesen Correspondenten stand der Fürstprimas von Ungarn sogar in mittelbarem Verkehr mit dein in Italien lebenden jüdischen (! eiehrten Elijah Levit-a. der wegen seiner hebräischen Sprach- Kenntnisse in christlichen (ielehrtenkreisen ein vielgesuchte!• Lehrer war. an den man sich in jüdischen Dingen von weit und breit um Auskunft wendete. Mit der erhöhten Bedeutung, zu welcher die Bibel und die Sprache der Bibel gelangte, begann auch in Ungarn allmählich die tiefe Verachtung zu schwinden, mit welcher bis dahin auf das Volk der Bibel herabgesehen wurde. Es gab in der damaligen christlichen Welt, vielleicht mit Ausnahme Englands kein zweites Land, in welchem das Judenthum und dessen Bekenner so viel Anerkennung, ja Verlier!•- Hebung gefunden hätten, als in den von Szeklern bewohnten Theilen Siebenbürgens. Buber’s neueste Midrasch-Edition und der ״Leckach-Tob“ des R. Tobia. Hcspruclicn von Kubluner Dr. (in I!1 f:1 1111.*׳ V. Bisher habe ich nachgewiesen, dass der vorliegende .Midrasch Agada, weil er den Lekach-Tob« zum l’entateuclie benutzt hat (der nicht vor dem Jab 1־e elfhundert geschrieben worden) nicht vor dem Anfänge des zwölften Jahrhunderts verfasst worden sein kann. Ich will nun aber auch zeigen, dass der M. A. nicht vor dem Ende des zwölften Jahrhunderts verfasst worden sein kann. Ich habe bereits oben darauf hingewiesen, dass der Midrasch Babba51) auf die Frage, warum 1. M. 1(5,12 von Ismacl gesagt werde, vor allen seinen Brüdern wird er wohnen und 1. M. 25.18: vor allen seinen Brüdern liess er sich nieder, wörtlich: fiel er hin, drei Antworten giebt und die zweite Antwort auf die Herrschaft der Mohanunedaner in Jerusalem und auf die Moschee auf dem Platze des gewesenen Heiligthums hindeute. Der »M. A.« benützt an beiden fraglichen Stellen5-) die Deutung des Midrasch Babba und zwar nur diu gegen den Besitz Jerusalems und gegen die Entweihung des Tempelberges polemisiremle Deutung und fügt an letzterer Stelle5״) noch den Wunsch hinzu: השם יפילהו בקרוב אמן. Zur Zeit der Abfassung des M. A. müssen also die Ismaeliten (Mohammedaner) Jerusalem zurückerobert *) J'olgoml« Note ist zum Schluss dor Note 50 in voriger Nummer zurückgeblieben: Kabba a. 1. cap. 44, § 1.5: l’irko dr. Klieser oap. 28 cd. A. A. Ilroda 1870. Ks ist bdebst auffallend, dass Huber, der doch selbst, in dor Vorrede Seite 7, darauf himveist. dass der Al, A. zu 1. M. 25,1:1 dio l'irko dr. Mieser ausdrücklich nennt, nicht bemerkt bat, wie fleissig der Verfasser des M. A. die l’irko dr. Klieser benutzt hat. Kr, Huber, hätte dann nicht so oft bemerken müssen, die Quelle des AI. A. Bei ihm (Huber) nicht bekannt, so z. H. in Anm. 7 zu 2. M. 15,11, wo er sagt: das, dass Pharao den fraglichen Vers gesprechen habe, lindo sich nirgonds, während sich das ausdrücklich in l’irko dr. Klieser cap. 42 mul 43 findet. Allerdings findet sich auf derselben Seite 1,14(1 die noch merkwürdigere Anmeikung Hubers!28) zu 2. M. 14,30, dass das. was der M. A. dort von den Israeliten behaupto, sieh sonst nirgends Hube, während der M. A. den Talinud, Arachin 15a (vgl. l’cssaebim llSb; ■lalkut Seliim. zu Kiehtor 5,21, i; 53) wortgetreu exccrpirt. ’,י) Zu beiden Stellen eap. 45, § 9 und cap. 02 Kode. — r'־') I. Seite 30; 0t. An erstorer Stelle muss anstatt: 1עד ש־^א נפל פשט gelesen werden: עד שר*א פשט. i;‘) z. 1. M. 25,18 1, Seite (51. Hitton um Rückkehr nach derusalem, um die Herrschaft d0B Messias, <168 Nashknmmen Davids und um Wiederaufbau des Heiligthumes finden sich am Endo der Sidroth תצוה, ויקהל1 ,פקוד', כהר (I, 177; 189; 192; II. 95) u. a. 8. St. gehabt• haben, was nicht vor 1187 der Fall gewesen sein konnte, da bekanntlich Jerusalem um 1 OH!) bis 1187 ein christliches Königthum war. Der AI. A. kann demnach nicht vor 1187 gesell rieben worden sein, wahrscheinlich aber erst mehrere Jahre n a c h h e r. Mit den! Nachweise, dass der M. A. erst Ende des zwölften evt- Anfang des dreizehnten Jahrhunderts verfasst worden sei, erweitert sich auch der Kreis seiner Quellenschriften, zu denen ausser Lckach-Tohh, Basehi und jüngeren Midraschim auch Werke der mystischen und philosophischen hebräischen Literatur gerechnet werden können. So hat der M. A. z. B. zu 1. M. 4,22 mit der Deutung des Midrasch Babba die Erzählung der jünger» Midraschim 54) combinirt. Zu 3. M. 12.2 sind neben den Stellen aus dem Traktate Nidda, auf welche Buber bereits verweist, die Buber merkwürdigerweise entgangen e Stelle Berachot Folio 60a und der »Tractat von der Bildung des Kindes«55) die Quellen des M. A. Zu 3. M. 25,4 benutzt der M. A. den »Perek Schirah« und giebt. ohne dass er den Wortlaut in extenso mittheilt, eine sehr ansprechende Deutung des Liedes der Erde. Diese danke Gott zunächst dafür, dass ihr, der Erde, Wachstlmm zur Erhaltung siimmtlicher Geschöpfe diene: dann ]!reise «ns Gott dafür, dass die Frommen auf ihr wandeln; schliesslieh klage sie darüber, dass so viele gottlose Menschen durch ihre Schlechtigkeit sie, die Erde, in Mitleidenschaft ziehen. Auch sonst, finden sich in unserem M. A. viele Stellen, wo der Verfasser durch Kinsehielmng einzelner Worte und seihst ganzer Sätze das Verstiindniss der henutzten Agadoth zu erleichtern sucht.. Besonders geschickt sind die Cumpositionen 5,'׳) verwandter Agadoth zu einem neuen Ganzen vermittelst kurzer Zwischenbemerkungen. Eine solche geschickte Composition ist die Deutung zum Beginn unseres Midrasch Agada. Er componirt. die im Tanclnima57) mitgetheilte Agada, der Prophet Jeremia habe Gott gefragt, ob er, Gott, die Israeliten wirklich verwürfen habe, wie die Völker frohlockend behaupten und darauf habe Gott geantwortet (Jeremia 31,37): So wenig die Himmel von (dien ausgemessen und die Grundfesten ־'•*) Vgl. .lalkut Sebimeoui z. 1. M. 9,2, S 44: Fragmente des מדרש אבייר cd. Huber IS83, Ne. 7: .Idlinek Heth-Hani. IV, Seite 127—28; V, Seite 159. ■’״'■) Vgl. .lellini'k Hi'tb-Hnm. I, Seite 153—5S. Ks ist ein merkwürdiges ZusammontrolVrn. dass der selige Dr. .Mlinek an <U111 Tage, au welchem ich obige li«׳m«rkung mir notirte. mir das 1•אבקת רוג cd. Amsterdam 1719, zum (iesebonk sandte, mir also das Hüchloin naiv/, gelegen kam. was ich auch dem seligen .lellinek nebst obiger Heluerkuug noch drei Wochen vor seinem raschen Hinscheiden, mitget heilt habe. Diesen!'instand bat Huber nicht beachtet, darum konnte er die Quellen so vieler Deutungen nicht linden. Doch bat Huber oft merkwürdigerweise, wie ich bereits wiederholt bemerkt habe, aueli dort nicht dio Quelle linden können, wo dor Verfasser dos M. A. aus bekannten Midraschim und aus dem Talmud wortgetreu eitirt. leb will hier nur noch auf zwei Stellen aufmerksam machen. Die Zahlondoutung zu 2. Al. 20,2 und ■I.M. 1,1 von אנכי ist nicht Einentlmm des Verfassors, wie Huber, Einleitung, Seito 8, meint, sondern der 1‘osiktu Kabbathi zu 2. Al. 20,2 cd. Friedmann pan- 101a entlehnt. Das Citat dos Al. A. batte Eriedmann a. a. (>. (vgl. Anm. 80) nute Dienste leisten können. Zu 3. Al. 19,30, wo der M. A. (H. «Seite 3K—41) Kestimnuingcn über .Inni-hakkippurim und über dio llussu mittlieilt, berichtet, er, 11, Seite •10, über die Kerul'ung des Hosea zum Propheten. Dieser Herir.ht, behauptet Huber, Anm. 47, soi des AI. A. eigeno Erfindung, während der Ai. A. den Talmud, Pos8achim Folio 87 mit den nüthigen Kürzungen und nothdürftigen Kitisehiobungen excerpirt: der A’orwurl, den Huber dem Al. A. in Anm. 18 macht, dass in der Itibel nirgends stehe, tiutt habe llosea befohlen, AVoib und Kinder wogzusehicken, trillt nicht den Verfasser des M. A.; denn dieser bat dieses «lern Talmud 1. 1. entnommen. r״) Zu 2. M. 22.21 ed. Sttin äj 11 : Kabba a. 1. cap. 31, S 10. A'gl. Midrasch Abba (iorjon und Jaikacb Tobli zu Esther 3,7 ed. Ifuher nebst Parall.