Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 21. (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- Seite 81 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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81 Talmud 11ml Midrasch sehr oft Aram für Rom gebracht wird. Der Grund dieses Namenwechsels war nicht bloss, wie der selige Dr. M. Sachs annimmt, weil das nahe anklingende Aram sich bequem zur verhüllenden Umschreibung des Namens Roma bot, sondern auch weil sich allmählich in Folge agadischer Deutungen das Wort: Aram bezw. Aramäer zu dem Begriffe. Judenfeind, Juden Verderber entwickelt hatte. 1111 Midrasch Rabba4-) zu 1 M. 24, 00 bringt R. Berechja (im Namen des R. Levi) Hiob 20, 13 mit 5 M. 20, 5 in Verbindung, deutet in beiden Versen אובד transitiv:(״ ״der Verderber“ und bezieht die fraglichen Worte Hiobs auf den Segen, welchen die aramäischen Verwandten der Rebekka ertheilt haben. ״Der Segen des Verderbers“, das ist Labans, denn so heisst es: der Aramäer war der Verderber meines Vaters, ״kam über mich“, das ist Rebekka — und aus der Deutung: ״derAramäer war der Verderbei• meines Vaters ward die Deutung: ein Aramäer ist, wer der Verderber, Verfolger meines Vaters ist, so dass der Midrasch Tanchuma41), welcher Laban mit Bileam identitizirt, erklärt, Laban werde darum Aramäer genannt, weil er die Israeliten vernichten wollte. Darum wurde auch Rom, welches Israel so oft vernichten wollte, Aram genannt,45) und darum identitizirt auch der Verfasser des Midrasch Agada Römer mit Aramäer. Zu 1 M. 25, 23 benützt unser M. A. einen Aussprach des Talmuds4״) und setzt für das קיסרי Cäsarea des Talmuds רומי Rom. Wie es scheint, hat er, der Verfasser des M. A., die Bedeutung von קיסרי auch nicht mehr genau gekannt. Zu 3 M. 21,1 citirt er eine Erzählung über den Tod und das Begräbniss des Rabbi Akiba. Diese Erzählung, auf welche ich weiter unten noch ein Mal zurückkomme, hat er, der Verf. des M. A.. wie bereits Buber nachgewiesen hat, dem ״Midrasch Mischle“47) entnommen. In dieser Erzählung w ird einer Localität in oder bei Cäsarea gedacht; welche Localität gemeint sei, kann mit Sicherheit nicht angegeben werden, weil das betreffende Wort in den Ausgaben und in den Handschriften variirt. Die Ausgaben, welchederVe.nezianischen Kdition des Midrasch Mischle folgen, lesen אנטיפטרס; ,)alkut Scliimeoni a. 1. lies: אנמפרס: die Constantinopler Ausgabe liess: טריפילין und die Handschriften, ‘8) welche Buber zu seiner Edition des Midi־. Mischle benützt hat: מרפילון. Fine den zwei letztgenannten Lesearten gleichlautende Leseart muss auch dem Verfasser des Midrasch Agada Vorgelegen haben und hat das fragliche Wort mit מטרפולין identitizirt und mit Rücksicht auf Megilla folio 0 a. aus מטרפולין של בסרין ein אפריון של כיפר gemacht, er hielt also דסרין und ריסרי für den Plural von קיסר Cäsar Kaiser49) Zu 1 M. 30,43 erklärt er, d. M. A., מגדיאל mit רומי und fügt dieser Erkärung einen Stossseufzer Sprachmul Alterthumsforschung II, 145 — wo jedoch anstatt seet 79 gelesen werden muss: 78. - *■) Cap. 60.!;! 13• — ״) Vgl. Sifre zu M, 26. 5 und die Parallele in der Pessachhagada. — ״) zu I M. 81, 52 ed. Stettin 1864, 5j, •3• Seite 1(14; vgl. Targnm jer. zu 4 M. 22. ß. — 4•'■) Arnheim!■lozeroth, 1840) hat. darum mit Unrecht: הארמי in der: אהנה für שיוירא in: אדומי geändert. Zum polemisch-apologetischen Uharacter der fraglichen אהבה vergleichen meine Bemerkung zu Bachers Budapester Programtnarbeit, 1885, .,Lehen und Wirken des Abulwid Merwun Ihn Gauak" (ung. Ausg.) Seite 25—20 Anm. 149), in der ״Magvar-Zsido-Szetnle“ 8. 449. Beachtenswert ist auch die Deutung des Midras'h Rabba zu 1 M. 25,23. cnp. 63, )5 7: Von Noah stammten Nationen, von Dir, Rebekka, werden akstammen: J ud en uu d Aramäer:;מנך יקומו; יהודאין וארמאי Die spezielle Auslegung dieses Midrasch behalte ich mir für eine andere (lelegenheit vor. — w) Megilla Folio 6a—47 — 4’) cap. 9,2 ed. Buber S. 61—62, — *") Bei der Bearbeitung des Midrasch Agada hatte Buber die Coustupl. Ausgabe und die Handschriften des Midrasch Mischle noch nicht gekannt, da er blos auf die Venezianer Ausgabe redektirt. 4״) Derselbe Irrthum ist auch dem: מהרש א bei, woraus zu ersehen ist, dass der Verf. den Druck des römischen Reiches bitter empfunden hatte. — Dass der Verfasser des M. A. im heiligen römischen Reiche gelebt habe, zeigt auch seine Deutung zu 1. M. 15,!»—lü. Erbeniitzt zu dieser Deutung die bereits oben besprochenen Deutungen desMidrasch Rabba und der Pirkedr. Elieser50). lässt aber Ismael das mo hamedanische Reich, auf welches die Pirke dr. Elieser שור תר bezogen hatten weg und deutet es auf Edom-Rom. Im Gegensätze zum Rabba, welcher גוזל auf Edom-Rom mit der aktiven Bedeutung: Räuber bezieht, deutet er wieder mit Pirke dr. Elieser גוזל ..junge Taube“ auf Israel mit dem Hinzufügen, die letztere Bezeichnung beziehe sich darum auf die Israeliten, ־.veil die, erwähnten vier Reiche es (Israel) berauben, also גוזל in der passiven Bedeutung: Beraubte. Der Verfasser hatte demnach von den Plünderungen und unter dem Druck, unter den Geseroth, der Angehörigen des römischen Reiches zu leiden, während er Uber das mohamedanische Reich (welch’ letzterem er auch nicht gewogen ist), weil er dessen Druck nicht ummittelbar empfunden hatte, hier an dieser Stelle stillschweigend hinweggeht. Aus diesen meinen Ausführungen folgt meines Erachtens evident, dass, wie ich bereits bemerkt habe, im M. A. zu 1 M. 27, 3 übereinstimmend mit dem L e k a c h T 0 b die Deutung auf E dom- R o m daru m fehle, weil der Verf. des M. A. hier den L T., ohne die (Quelle des letzteren nachzulesen, einfach ausgeschrieben habe. (Fortsetzung folgt. 1 Recensionen. Lenz, Der Jude im Handel und Wandel. (Münster, 1894). Der Verf. hat die fixe Idee, Schriftsteller sein zu wollen und jedes Mittel zur Erreichung dieses Zweckes ist ihm recht: da heutzutage auf keinem Gebiete leichter Lorbeeren zu erringen sind, als auf denen der Behänd- und Antisemitenliteratur, so hat er in richtiger Selbsterkenntniss und Schätzung seiner geistigen Kraft diese breitgetretene Heerstrasse gewählt. Aber auch auf dieser bequemen Literaturstrasse kann er nicht allein gehen, sondern er bedarf der Stütze, ja einer sehr starken Stütze, und während er im vorigen Jahre der Schultern des verstorbenen Alban Stolz zur Anlehnung sich bediente, humpelt er diesmal auf den beiden Stelzen: Rohling und Sebaslian Brunner — in seiner Unsicherheit tappt er immer auf mindestens einem Toten herum, dem sich diesmal ein Moralisch-Toter hinzugesellt — und mit seinem Angstproduct stellt er sich nunmehr auf dem Biichertisch ein. Mit HiO kleineren und grösseren (!Raten stoppelte er ein winziges Schriftlein mit anerkennenswerter U11gesc.hicklichkeit zusammen, sucht sich in ihnen die schwächsten Seiten seiner Gesinnungsheiligen zusammen und bemerkt mit seinen blöden A ugen nicht einmal, dass begegnet, in der Glosse zn Megilla Folio 6a, 8. v. במרבו בה מייבי — 50) Unser Verfasser, wie auch Itaschi, hei dem dieselbe Krklünmg zu linden ist, hat *מגדיאי mit 1די••; Thurm identitizirt, was im jer. Targnm a. 1. ausdrücklich gesagt ist, Nachmaniies a 1. a' er nicht erkannt hat. Die von Nacbmauides zitirre Stelle aus den Pirke dr. Klieser findet sich cap. 38 ed. Broda, Lemberg 1870. Der römische Kaiser: י־טיינוס, wie Rabba a 1. cap. 83, tj 4, oder 1מינוס', wie Jalkut Schimeoni a. 1. liest, ist weder Diocletian, wie Urätz, Montschr. 1879 Seite 6—7 und Zunz, ,.Gottesdienstl. Vorträge“ 2 Ausg. 8. 185 Anm. Zusatz auniinmt, noch auch Valentini a u II, was Löw. Leop. ges. Schriften II S. 41 behaupte(, sondern: L icinius, dessen Namen R. Ami von lieium ableitet, und mit 1מ גדי אי, das er von גדיל ableitet, indentitizirt. Der Traum des R. Ami gewinnt dadurch ein social-politisches Interesse.