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Das jüdische Literaturblatt · 1894-05-25 · N° 21. (25.5.1894) · p. Seite 80

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 21. (25.5.1894)
Date
1894-05-25
Page
Seite 80 (sequence 2)
Language
German
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80 Dies*; Ansicht, die der verdienstvolle Forscher, ohne die übrigen Krzeugnis.se der sabbntharischen Literatur zu kennen, aus einer, dazu noch ziemlich mangelhaften Handschrift schöpfte, hat sich als die richtige erwiesen. Das diesbezüglich mittlerweile zu Tage geförderte, reichhaltige historische und handschriftliche Material bekräftigt die Annahme, dass das Sa bb athariert hum in Siibenbürgen ein urwücli siges Product des Szekle.r Volksgeistes ist. Ks findet seine ausreichende Rrklärung in den durch die Iteformntion geschaffeiien allgemeinen Verhältnissen, welche seine Knt- Stellung verbreiteten und ermöglichten, sowie in sjiecitisch siebenbiugischen und gewissen localen Verhältnissen, welche sein Inslebentreten zur unmittelbaren Folge hatten, und seine Verbreitung und Fortentwicklung bebegünstigten und bedingten. Die Reformation hatte nämlich in Ungarn so rasch Eingang gefunden, dass bereits der im J. l'>2:$ zu Ofen abgehaltene Landtag Veranlassung hatte, sich mit der neuen Lehre zu beschäftigen, indem er über die Anbänger Luthers die Todesstrafe und Vermügensconfiscaction verhängte. Nichtsdestoweniger hatdieReformation, t zumeist in Folge der zerrütteten politischen Verhältnisse, die nach der für Ungarn verhängnissvolleu Schlacht von Mohärs 11520) platzgriffen, auch hier feste Wurzel gefasst: namentlich in den nordöstlichen Landestheilen, noch mehr aber in dem mit Ungarn geographisch und geschichtlich enge verbundenen Schwesterlande Siebenbürgen hat sie sich überraschend schnell verbreitet. Und da ähnliche Ursachen, unter ähnlichen Verhältnissen, auch ähnliche Erscheinungen hervorzurufen pflegen, sind die dem Judentlmme und den Juden günstigen Wirkungen der Reformation, die wir als begleitende Etscheinungen und als Folgen derselben kenntn gelernt haben, auch hier zu Tage getreten. Während vordem, nach den bezeichnenden Worten eines ungarischen Dichters der Reformation ,,die Bibel kaum genannt wurde und das Breviarium Alles war“, tönt uns aus der hierauf folgenden Strophe das Losungswort einer neuen Zeit entgegen: Die heil'ge Bibel her! Hart was .sie spricht! Ansonst entgeht ihr Gottes (leissel nicht! Nur sie zeigt Gottes Willen, lehrt, was Pflicht, Was Gnade bringt, und was Strafgericht.‘■') Die Anhänger der Reformation begründeten ihren Austritt aus der bestehenden Kirche in der Regel damit, sie seien ״durch die gelehrten Erklärer der Heiligen Schrift“ überzeugt worden, ״dass sie bis jetzt im Irrthum befangen und auf dem fälschen Wege menschlicher Erfindungen gegangen waren.“1״) Die katholischen Dogmen und Riten pflegten sie vorzugsweise mit dem Argumente anzugreifen: Siehe. Nichts davou stellt in den hefigen Schriften.< 1) Selbstverständlich musste nun die Kirche das Entgegengesetzte nachzuweisen suchen, ln den religiösen Disputationen und Streitschriften, die damals auch in Ungarn und Siebenbürgen an der Tagesordnung waren, entlehnte man auf beiden Seiten die stärksten und am häutigsten hervorgesuchten Argumente ,.den Propheten und dem (fesetzbuche Moses“, wobei sich der Streit nicht, selten um die richtige Deutung eines hebräischen Textwortes drehte, welches jede Partei nach ihrer Auftässung erklären wollte. Auch die Kanzelreden gingen — > יי) Szkh.'irosi (spr. Skaroschii in Rcgi Magy. Kiiltök Tara (Bibliothek der alten ung. Dichten 11. S. 22h. >״) Alexius .lue ab. David!•Yrencz ilete (Leben des Franz Davidus) S. 11. ") S/.kharosie, a, a. O. II S. I. B.;; aucu 111er immermelir Dememgut Aller, ein Volksbuch ן im eigentlichen Sinne des Wortes. Aus den Zeiten vor der Reformation kennen wir bloss Bruchstücke einer ungarischen Bibel, die im besten Falle von höchstens zwei Uebersetzungen herrühren. Seit Luthers Auftreten erscheinen in rascher Aufeinanderfolge die verschiedensten ungarischen Uebersetzungen, welche bald die ganze Bibel, bald einzelne Theile derselben dem Volke zugänglich machen.1-) und in den Kirchen sang man die Psalmen Davids, welche bereits im Jahre 1548 in ungarischer Uebersetzung gedruckt wurden. (Schluss folgt.) 1a) Das chronologisch geordnete Verzeichniss der ung. Bibel- Übersetzungen s. bei M. Ballagi. N'yelvtudomanyi, Küzlemenyek (Sprachwissenschaftliche .Mittheilungen) 111. S. 39—42. Buber s neueste Midrasch-Edition und der ״Lekach-Tob“ des R. Tobla.; Besprochen von Kabbiuer Dr. Goldfahn. IV. Es lässt sich aber auch noch andeiweitig nachweisen, dass als R. Tobia seinen Lekacli Tob zum Pentateuch schrieb, die Mohammedaner nicht im Besitze von Jerusalem gewesen waren, dass er also seinen Lekacli Tob zum Pentateuch nicht vor dem Jahre 1100 geschrieben haben kann. Auf die Frage: warum von Jsmaöl 1 M. 10, 12 gesagt werde* vor allen seinen Brüdern wird ep wohnen, und l M. 25,18: vor aller, seinen Brüdern liess er sielt nieder, (wörtlich: 1נפי fiel er hin)? — giebt der Midrasch“*) drei Ant- Worten. R. Tobia benutzt die fragliche Deutung des Midrasch im Lekacli Tob zu 1 M. 16. 12, lässt aber die zweite Antwort des Midrasch, ,.bevor er, Jsmael, an dem Heiligthum e sich vergriffen hatte, wohnte er, nachdem er sich an dem Heiligtlmme vergriffen, fiel er hin. bezw. wird er fallen “, weg9״), wahrscheinlich deshalb, weil als R. Tobia seinem Kommentar zum Pentateuch schrieb, weder Jerusalem noch der Tempelberg im Besitze der Mohammedaner, d. i. .Tsmaels, war. 111 einer ganz anderen Umgebung lebte der Verfasser des Midrasch Agada; er wohnte, wie ich bereits!׳Jen bemerkt habe, höchst wahrscheinlich in Mitteleuropa, vielleicht in Italien, wie aus einigen Aeusserungen sich ergiebt. Zu 1 M. 24, 00, zum Segen, welchen die Verwandten der Rebecka ertlieilen: Dein Same erobere das Thor seiner Hasser, fügt40) unser Midrasch Agada hinzu: ״Denn wer hatte die Israeliten mehr gehasst als die Aramäer, wovon Du Dich täglich überzeugen kannst. Der selige Dr. Sachs41) hat bereits darauf hingewiesen, dass im י") liabba zu beiden Stellen Cap. 45. S, 9 und Cap. 62 Und«* ed. Wilna 187S. Diese Stellen verdienen eine besondere Beachtung; denn wenn sich berausstellen sollte, was ich vermuthe, das diese Bemerkungen des Midrasch sich auf den Chalifen Omar beziehen, welch letzter auf dem Platze, auf welchem das Heiligthmn gestanden!mite, eine Moschee erlutuen liess und den Juden verwehrr hatte, sich in Jerusalem niederznlassen (vgl Griitz V 2. Seite 1101. so wird man die Redaktion des Bereschith Rabba nicht in das 6. Saeeulum (Zunz Gttd-Vortr. 2. A. Seite 186), sondern in die 2. Hälfte des siebenten verlegen müssen. — ״•) Zum Sifre S, 322, zu 5 M. 82, 27 bemerkt Friedmann in Anm. 8, dass im Lekacb 'fob a. 1. der auf die Araber bezügliche Passus fehle; in der mir vorliegenden Edition M. A. Padova findet er sieh aber ja. Divergiert hier die Edition Vrnetiae 1516 wirklich von der Edition M. A. Padova's Wilna 1880V und wenn ja, woher hat M. A. Padova die divergirende l.eseart V — <״) I, Seite 60. — 4') Beitrüge zur

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