Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 21. (25.5.1894)
- Date
- 1894-05-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jß. 21. Das XXIII. Jahrg Zur Beleuchtung aller Judenthum und Juden betreffenden literarischen Erschei* nungen auf dem Gebiete der Philosophie. Geschichte, Ethnographie. Theologie, Orientalia, Exegesse. Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Herausgegeben von II a 1) b i n e v 01\ M o v i t /, K a I» in e r. Magdeburg, den 25. Mai 1894. Bücher der einschlägigen Literatur, welche der Redaktion zugesandt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung. Bei Einsendung von zwei Recensions• Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische Literatur-Matt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig Lei Kobert F rieset pro .lahrgang S Mark. Abonnenten!1er ״Israelitischen Wochenschrift,“ die vierteljährlich bei allen Postanst ilteu und Buchhandlungen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatnr-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 2.'» Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״Expedition dieses Blattes1“ zn senden, Buonhänc' er und Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ״/״ Rabatt. Bibel, hebräische Sprache und Judenthum im Zeitalter der Reformation. Von Rabbiner l)r. S. K oh'n - Pest. III. Die Sahb&tharirr. 111 Böhmen tauchten schon um das Jahr 1 f>;(0 .Sabbatharier aut, welche ,.die Sabbathruhe mit einer solchen ängstlichen Genauigkeit betrachteten, dass sie an diesem Tage nicht einmal ein Splitterchen, das ihneir zufällig ins Auge gerathen war, wieder entfernen mochten“.1) Solche Sabbatharier ( S a bbotn ik i). oder Judenzer traten bald darauf auch in Schlesien, Polen und Russland auf; in letzterem, wo sie in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts häufig zum .ludentliume übertraten, haben sie sieb bis heute erhalten.2) Aelmliehen Secten begegnen wir um 104") unter den Quäkern in England2). Mehrere Führer und Prediger der von alttestamentarischem Geiste getränkten Puritaner haben den Ruhetag ebenfalls vom Sonntag auf den Samstag zurückverlegt, ja sogar die Forderung erhoben, dass das Alte Testament als Staatsgesetz anerkannt werde4). Die ebenfalls in Kngland aufgetaucliten Christen- .luden, die im Jahre lü(il zum Theil nach Deutschland aus wunderten und sich in der Nähe von Heidelberg niederliesseu, glaubten wohl an Jesus, den sie als Krlüser verehrten, dabei aber feierten sie den Sabbath und beobachteten auch die alttestamentarischen Speisegesetze, ja sogar den Ritus der BeselineidungJ In Rühmen *entstanden, wahrscheinlich aus den Feherresten der unterdrückten Hu’ssiten, die sogenannten Abraliamiten, die zuletzt, vor etwas mehr als hundert Jahren mm 1780), in der grausamsten Weise in die südlichen Grenzgebiete Ungarns geschleppt, und vereinzelt internirt wurden, wo sie, aufs strengste überwacht, hinnen Dieser der Anszenwelt zumeist in die Augen springenden, strengen lieobaclmng des jüdischen Sabbath verdanken die verschiedenen judaieireutlen Secten den Namen Sahh a tliar ie r . wollt zu unterscheiden von ״Sabbatianeiy“ womit mau die Anhänger de■- jüdischen Pseudomessias Snhhutai Xewi zu bezeichnen!>11 •gt. ■1 S. Joseph l.ugossy, I j Magy. Muzeum (Neues 1111g. Museum) Jahrg. 1800 I, II. S. VI. Joseph Henk״, Tratisilvauiu, II. S. 241. Allgeiu. Zeitung d. Judenthums, .Iahe. XXVU1. S. 398 Hermann Sternberg, Besch. 11er ■luden in Polen il.eipz. 18781 S. 110—128 und 'Wilhelm Henkel, Beilage z. Allgemeinen Zeitung 1 München, früher Augsburg 1889. No. :12:1, 8. 2.) Bezüglich der Indenzcr Sabbatharier und .Molokauer in Russland vergleiche man •lie herretfenden Kapitel des 2; Bandes von Leroy-Reatt Iie u La llussie. ) S. die (juellpn hei Schild r, a. a. < >, I. 538. ') Duellen bei B raetz, a. a. •1, i. 95. '1 Sehudt. a. a u. 1. 22J. 11. ausführlicher das. I. Conti. Kurzem untergingen. Ihre religiösen Ansichten uiul Uebungen waren derart jüdisch, dass ihre Zeitgenossen sie mit Recht als solche bezeichneten, ״die nicht einmal dem Namen nach verdienten, Christen genannt zu werden“.6) 1111 Jahre 1 750 gründete Johanna Soutlicote die Secte der Englischen Sabbatharier, oder Ne n-Israel i ten , welche durch die Beobachtung jüdischer Riten das Wiedererscheinen des Erlösers herbeizuführen hoffte und noch 18:51 Gläubige fand. Unter den englischen und amerikanischen Baptisten linden sich noch heutigen Tages kleine Gemeinden, welche neben dem Sonntag auch den Samstag als Ruhetag begehen,7) während die ״Ailventisten vom siebenten Tage“, eine rein sabbatharische Secte in Amerika, welche gegenwärtig nach Tausenden zählen soll und eifrig bemüht ist, auch in Europa Gläubige zu gewinnen, obwohl sie Christus als Heiland verehrt, ausschliesslich den jüdischen Sabbath feiert. IV. Entstehung des Sabbatharierthums in Siebenbürgen. So lange man sich damit begnügte, das Sabbathariertliuin in Siebenbürgen als blosse.Cui iosität zu betrachten und seineExistenz einfach zu eonstatiren, pflegte mau es mit der einen oder anderen der oben erwähnten jndaisirenden Secten in Verbindung zu bringen. Namentlich sollten es die polnischen oder russischen Sabbatharier gewesen sein, deren religiöse Ansichten in!las Nar.libarlaml Siebenbürgen drangen und dort Verbreitung und Anbänger fanden. Diese naheliegende und darum bis in die jüngste Zeit festgehaltene Ansicht musste aber fallen gelassen werden, als . man vor ungefähr vier Jahrzehnten ,zum erstenmale einen• Einblick in die b'is dabin unbeachtet, gebliebene sabbatharische Literatm־ gewann. Schon .loset Lugossy, der Erste, der eine sabbatharische Handsehrift wissenschaftlich untersuchte, sprach sich in einem 1850 gehaltenen Vortrage dahin aus, er glaube, ״dass die Entstehung des Sabbatliariertliums in Siebenbürgen eine spontan־׳ gewesen, und auch ohne äussere Einlliisse, bloss aus dem Gedankengange eines menschlichen Geistes zu erklären;<1.־‘sj l'elier ilie Dogmen und letzten Schicksale dieser wenig gekamiteu Secte l. Beschichte der Ahrahantiu-n. Israeliten und Christen in Böhmen u s. w. 1783 1s. I.) des obenangelühite 1 'itat des S, 55. '1 Herzog. Realeticycl. s. v. Sahbatharier. ') Der in der l.'ng. Akademie d. \\ isseusch. gehaltene Vortrag erschien 11 d. T.: ['eher ein Sabbatharisches Besauglmeh in dem von der Akademie herausgegebenen Netten Ung. Museum 1850—1 S. CVI—i'IW. Die. trotz mannigfachen Irrtliüiiiern höchst lehr• reiche \rbeit hat das Verdienst, die Aufmerksamkeit, zunächst der ungurisclum wissenschaftlichen Welf, auf die bis dahin kaum heachteten siebeiibürgis! hen Sahhntharier gelenkt zu nahen.