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Das jüdische Literaturblatt · 1894-05-18 · N° 20. (18.5.18949 · p. Seite 77

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 20. (18.5.18949
Date
1894-05-18
Page
Seite 77 (sequence 3)
Language
German
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Die landläufige •Behauptung, welche besonders S. Bamberger20) mit grosser Bestimmtheit vorträgt, dass li. Tobia ״im Jahre 109« bereits an seinem Werke arbeitete,“ ist nichts weniger als begründet. Zu III. B. M. 22, 32, 32 benutzt R. Tobia den Sifra z. St., wo die Meinung deducirt wird, dass man zum Märtyrer für den Glauben nur dann werden müsse, wenn es in Gemeinschaft mit vielen (במרובין), bezw. in Gegenwart von vielen Israeliten, geschehe und dass das Märtyrertum unbedingt, nicht etwa blos in Anwartscliaft aut das Eintreten eines besonderen Wunders Gottes, zu übernehmen sei. Als Beispiele solcher unbedingten Uebernahire desMartyrertumeswerden: Chananja, Mischael u. Azarja21) undPappus undLulianus(Julianus)22) angeführt. Diesem fügt nun R Tohia hinzu, nachdem die Weisen des Talmud und Midrasch das Märtyrertum des Lulianus und Pappus im Sifra verzeichnet haben, so wolle er auch in seinem Werke aus seiner Zeit das Märtyrertum der Heiligen des höchsten Gottes, der Gemeinde Mainz, aufzeichnen, wo nicht blos viele23) sondern die ganze Gemeinde, Männer, Frauen, Söhne und Töchter zur Heiligung des Namens Gottes an einem Tage sich dem Tode weihten und gleich einem Manne liingeschlachtet wurden im Jahre 4856 nach Erschaffung der Welt, als die Bewohner des Landes sich vereinigten hinaufzuziehen, um die Wohnungen des Höchsten zu erobern,“ worauf R. Tobia noch im Anschlüsse an den Talmud24) Joel 4, 21 und Jesaja 60, 7 auf die Mainzer Märtyrer deutet. Man braucht diese Stelle nur genau zu lesen, so erkennt man leicht, dass R. Tobia dieselbe erst einige Jalne nach dem Blutbade in Mainz geschrieben, was auch Buber zugiebt 25). Ganz so verhält es sich mit dei zweiten Stelle, auf welche S. Bamberger sich beruft. Zu Hohelied 1, 3 benutzt R. Tobia wahrscheinlich20) die Deutung des Midrasch,27) welch letzterer: עלמות in ״ על מותbis in den Tod“ umdeutet und auf die Märtyrer der liadrianischen Verfolgungszeit bezieh!; daran knüpft dann R. Tobia die Bemerkung, welche Buber und Bamberger zitiren, ״wie es geschehen in unseren Tagen, d. h. Zeiten, in den Gemeinden Deutschlands im Jahre 856 (= 4856 m.), als die Söhne Seirs sich vereinigten nach dem gelobten Lande zu ziehen und an den Gemeinden, an den Juden, welche sich zur Heiligung des Namens Gottes hinschlachten Hessen, sich vergriffen haben. Man braucht diesen Bericht auch nur genau ,1יי lesen, um zu erkennen, dass aioaö Roiyiorl'iin«׳ erst 01™״^{LiVÖRoAvcli den .o-esclnlderteii logischen Bemerkungen, w^SvJkh.jer‘-«) zm Ermitte|ung der Abfassungszeit des ״Lekach Tob“ zum Pentateuche aufführt, ist, da in den übrigen die Lesearten wesentlich ) A. a. I). Seite 15. Am ■venEsten war gerade Bamlierger zu dieser Behauptung berechtigt; denn er, B., behauptet ja, dass R. Tobia aus Deutschland stammte, dem Blutbild« zu Mainz am 25. Mai 109(i als Augenzeuge zugesehen habe und infolge dessen nach Bulgarien ausgewandert sei. Ich glaube kaum, dass K. Tobia mit einem directen Expres.s-Sch11e"'lzu״-e nach Bulgarien gereist und dass fiir ihn in Bulgarien eine lfeoueme und sorgenfreie Häuslichkeit vorbereitet gewesen wäre. — ״ le ich übrigens bereits oben bemerkt habe, war R. Tobia nie m Mainz. , , 1,,1'״1 ,(,גV'l Kal'•;i E'b die Note M. A. Paduva’s zum ״I.eksich Toblr‘ a. I. ”) Vgl. Grätz Geseh. IV'-' Seite 1:17 in die Religionsgeschichte,“ 1, Seite 19 ff. ff.: Joel. ״Blieke ■ S.^ Darauf liegt der Xachdruek, was meines Wissens bisher nicht beachtet worden ist. - Bosch-Haschsclmna Folio 23 a - ) 'Einleitung z. L. T. Seite 25. - •״׳) Die betreffende Stelle ist meines Wissens nicht gedruckt, Manuscripte stehen mir aber nicht zu Gebote. — Kabba a. I. — '■1״ Einleitung z. E T Seite 23 —26. von einander abweichen, bloss die chronologische Benierknng zu II B. M. 3, 20, weil hier sämmlliche Hamlschrifteil übereinstimmen, kritisch zu verwerthen. Merkwürdigerweise hat weder Buber noch Bamberger diese Bemerkung eingehend betrachtet, sonst hätten sie beide nicht behaupten können, R. Tobia habe bereits 1096 an dem Commentare zum Pentateuche gearbeitet. R. Tobia sagt daselbst, er habe im Jahre 4857 rnundi (= 1097), d. i. im Jahre 1029 seit der Zerstörung des zweiten Tempels, im 12. Jahre des 256 Machsor (Cyclus) in den Gotteschriften nach derDaner des Galuth geforscht., nun aber seien alle Berechnungen der Erlösungszeit zu Ende und die Erlösung hänge nur ab von der Busse allein, was aus Schriftstellen belegt wird. Hier sagt, also R. Tobia ausdrücklich, er habe im Jahre 1097 die Dauer des Galuth zu berechnen gesucht, aber auch seine Berechnung habe sich als unrichtig herausgestellt, nunmehr sehe auch er ein,29) dass alle Berechnungen nichtig seien. Als R. Tobia seinen Oommentar30) schrieb, war die berechnete Er-• lösungszeit demnach bereits vorüber, er kann also nicht im Jahre 1097 und noch weniger im Jahre 1096 an dem Commentare z. Pentateuche gearbeitet haben. Wir mussten also wissen, in welchem Jahre die von R. Tobia berechnete Erlösungszeit vorüber gewesen war, um dann den Zeitpunkt bestimmen zu können, wann er, R. Tobia, an die Bearbeitung seines Connnentars zum Pentateuche gegangen war. Wunderbarerweise ■ist sowohl Buber, der sie drucken Hess, als auch Bamberger, dem sie ausser im Manusciipte auch gedruckt Vorgelegen hatte, die Stelle entgangen, wo R. Tobia ausdrücklich sagt, welches Jahr nach seiner Berechnung das letzte Jahr des Galuth sein werde. In der Einleitung zum Lekach Tob31) führt R. Tobia aus, dass beim Tode Belschatzars, des babylonischen Königs, seit der Zerstörung des ersten Tempels nur 51 Jahre verflössen waren und auf die Zeit zwischen der Zerstörung des eisten und dem Beginne des Aufbaues des zweiten Tempels siebenzig Jahre gerechnet werden müssen, die fehlenden neunzehn Jahre kämen demnach: zwei Jahre auf Darius, den Meder, drei Jahre aufCyrus und vierzehn Jahre auf Ahasveros, den Gemahl der Ester, und im 71. Jahre, im ersten Jahre des Darius, des Persers, sei der Tempel erbaut worden, woraus folge, dass die ״Megillath Ester“ dem Baue des zweiten Tempels um zwei Jahre vorausgegangen war und fügt dann hinzu: ״So wie Gott damals Haman auftreten Hess, um Israel zur Rückkehr zum Guten zn veranlassen32), so werde Ordnungen gleich denen Hamans sehr hart sein werden, um die Israeliten vor Ankunft des Messias, des Sohnes Davids, zur Umkehr zum Guten zu veranlassen. Und das seien die Wehen des Messias, dass die Völker über Israel aufsfelien werden um die Zeit der Rechnung33), seit der Zerstörung des Tempels: 34,נפץ) das ist am Ende der Tage, der Jahre eintausenddreissig des Galuth, da werde der Einsammler der Verstossenen Israels mehr w) Vgl. mein ״Justin Martyr uml die Agada“ Seite 10 bis 11. — s״) Das Ziel, das sich R. Tobia mit seinem Commentale gesetzt, war auch wahrscheinlich, die verzweifelten (iemüter aufzurichten nnd den Eäuterungsprozess zur wahren‘ aufrichtigen Busse zu fördern; seien sie, die Juden, auch nicht makellos, so seien sie doch besser als ihre Feinde, ihre Verfolger: sie, die .luden, mögen sich also bestreben, ganz makellos and lautern Herzens zu sein. (Vgl. Einleitung des, ״Eckaeb Tobh“ zur Sid'ra Berescbith.) ״•) Sammlung agadischer Oomment.are z. Buche Ester ed. Buber Seite 85—88. — s-) Vgl. Synbedrin Folio 97 b., jer. Taanith Folio 63d. — “*) Vgl. ״Lekach Tobh“ zu 11 M. 19, 1, die an die Mechilta a. 1., ed. Friedmann Seite tila, anschliessende Deutung. s4) K. T. deutet demnach Daniel 12, 7:;וננ-־ות :£׳ uud

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