Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 20. (18.5.18949
- Date
- 1894-05-18
- Page
- Seite 78 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/5367336-6582189-5991461--2488-5369321- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
liocli sammeln za seinen Gesammelten.“ — R. Tobia berechnete daher, dass, nachdem der zweite Tempel im Jahre 3828 68, wie R. Tobia annimmt־״’*), zerstört worden ist, das Jahr 4858 1098 tausenddreissig Jahre nach der Zerstörung das letzte Jahr der Zer- Streuung sei und im Jahre 4859 1099 die Rückkehr der Juden nach Jerusalem erfolgen weide. In den Leiden der eisten Kreuzzüge in den Jahren 1096—97 sah er die Wehen der Messiaszeit. Seine Berechnung hatte sich aber auch als falsch erwiesen. Nicht nur, dass die Juden der Zerstreuung nicht nach Jerusalem zurückkehrten, sondern im Jahre 1099 eroberten die Kreuzfahrer Jerusalem und ermordeten viele tausend Juden, welche unter dem Schutze der Araber in Jerusalem gewohnt hatten. Zum Tröste, zur Erbauung und zur Ermahnung seiner Glaubensgenossen schrieb R. Tobia sodann seinen Lekach Tob zum Pentateuche und zu den vier Megilloth: Ruth, Schir-ha-Schirim, Koheleth und Eclia. Zu Ester schrieb er, wie ans den besprochenen Worten der Einleitung sich ergiebt, im Jahre 1097 bis 98 seinen ('ommentar, weil er, wie er andeutet, in den in der Megillath Ester geschilderten Ereignissen ein Vorbild der Ereignisse seiner Zeit ei blickt hatte. In dem biblischen Buche Ester, behauptet er zu Ester 9,29seien bloss die Ilauptfakta verzeichnet, die zahllosen Nebenumstände enthalten die mündlichen Uebeilieferungen, welche in den Agadoth zum Buche Ester sich befinden. Damit nun seine Zeitgenossen ein möglichst vollständiges Bild von der für sie typischen Zeit haben sollen, schnei! er den Lekach Tob zur kannte Autorität auf dem Gebiete der jüd. Theologie ist, eröffnet die Reihe der liter. Artikel mit einem Aufsatz, der die Aufschrift führt: ״Some Aspects of Rabbinic Theology“ (Manche Ansichten der rabbinischen Theologie). In dieser Arbeit, die eine Einleitung zu mehreren in Aussicht gestellten Fortsetzungen bildet, versucht der Verfasser hauptsächlich nachzuweisen, dass das Judenthum zu keiner Zeit die Unfehlbarkeit seiner Lehrer begünstigt, oder durch den Hinweis auf die Schwächen und Schattenseiten anderer Religionssysteme seine eigene raison d’etre begründet habe. Freilich haben zuweilen d'e Exponenten des Judenthums den Exponenten anderer Religionen gegenüber eine anscheinend polemische Stellung angenommen, dies aber, meint der Verfasser, sei eher zum Zwecke der Selbstvertheidigung geschehen, als in der Absicht, ihre gegen sie erbitterten Gegner anzugreifen. Andererseits ist Herr Schechter aufrichtig g״;:ug einzugestehen, dass die von Vielen gebilligte Ansicht, als hätten die Mischnah - Lehrer hauptsächlich moralische und ethische Grundsäzte aufstellen und verbreiten wollen, keineswegs auf Thatsachen beruht. Denn seiner Meinung nach, die übrigens nicht vereinzelt dastellt, haben jene Weisen des jüd. Alterthums in weit höherem Grade das Interesse des Oeremonialgesetzes im Auge gehabt, obschon auch letzteres in mancher Beziehung einen ethischen und moralischen Zweck verfolgt. Dieser Arbeit folgt eine gelehrte und höchst lesenswert he Abhandlung von M. Montefiore über die im Neuen Testamente einverleibten Briete und Lehren des Megillath Ester.7״) 1 Fortsetzung f'ol״t.) Recensionen. The Jcwish (|uarte1׳Iy Review, edited by J. Abrahams and 0. G. Montefiore Vol. VI. No. 2:1, April, 1894. London: D. Nutt, 27U— 271. Strand, W, G. Das vorliegende Heft enthält einige recht interessante literarische Beiträge und Notizen, die ,Männer von klangvollen Namen in der jüd. und christl. Gelehrtenweit zu Verfassern haben. Herr Schechter, der eine hewenn zu Ende sein wird die Zerstreuung“ das Wort: נפץ nach seinem Xnlilemvcrte: : fünfzig: ׳. פtclizig ttnd 00(! ץ (neunhundert) zusammen 1030. Nach?אי ist: י in Folge des darauffolgenden: כ in יגיותינו ausgefallen. I>ass R. Tohia die Finalbuchstahen als Zahlen für .000 -0וי<ז benützt, darauf hat bereits 15)'Seite 2.0 m1'f!11erk.sTu!)' geinaVhf. 1'1intsVtv. 'V'udiW'sd.1 wiwlw'tuv• anspielt, ersieht man aus der Anwendung der Bibelworte ־> M. 32,36 in der fraglichen Deutung zu 2 M. :1,20 und der Deutung zu n M. 32,36, welche in! Anschlüsse an Sifiv z. St. den fraglichen Vers aus Daniel herbeizieht, ln der Einleitung des K. Tobia zmu Lekach Tobh“ zu Esther bildet sich noch ein wesentlicher Schreibfehler, den Buber gleichfalls nicht bemerkt hat. R. Tohia sagt 1. 1. Seite 88: Zwanzig (עשרים) Jahre des Darius, des Meilers, drei Jahre des t'vms und 14 (vierzehn) Jahre des Ahasveros seien zusammen 11 e u!1 z e 1! n J a h r e wahrend 20 n. 3 u, 14 37 ist. Die zwanzig Jahre des Darius sind einfach ein Schreibfehler. R. Tohia schrieb: ב zwei; daraus wurde י zwanzig und ein spatei er Copist setzt•׳ anstatt des Buchstahen ב das Wort עשרים, zwaii/i1״ (35 — ׳Lekach Tubli“ z. 11. M. 3,20 mul dazu Buber Kii.leit’s. 7. Seite 23.-36) ed Buber Seile 111-37). Voran ging allerdings die Schrift über die llcruclnmiig des Goluth, in welcher Schritt R. Tobia wohl die siimmt'ichen chronologischen Stellen in der Bibel untersucht hatte; (בינוקי בספרי איקינו) sagt er zu 2 M. i 20. Aus dieser Schrift lies« er dann hei der Ausarbeitung seines ״Lekach Tobh“ zum Pentateuche die fraglichen Stellen durchseinen Schreiber copiren, welcher dann an den Hand das spätere Datum der Abfassungszeit. 11. L. 1׳’, notirte. Darum linden sich zu allen Stellen Varianten tu den Handschriften, nur nicht zu 2 M. 3.20, weil .eben zu dies, m Datum keine Variante notirt war uud auch nicht notirt. werden konnte. Verantw Apostels Paulus. Mr. M., dessen ״Hibbert Lectures“ vor Kurzem in diesen Blättern von mir besprochen wurden, ist mein׳ als jeder andere'jüd. Gelehrte der Gegenwart auf dem fraglichen Gebiete zu Hause, und was wir in der in Rede stellenden Abhandlungen lesen, giebt uns in ausführlicher Weise eine Jdee vom Verhältnis der Lehren Paulus zum Judenthume und von ihrem eigenen ethischen Werth und Gehalt. Der Verfasser citirt zum Schlüsse die Worte eines jüd.-spanischen Arztes, Namens Nunens, die ihre höchste Bewunderung für den Gehalt des dreizehnten Kapitels der Briefe Paulus au die (Jorinther ausdrücken. Der betr. Arzt war derart davon begeistert, dass er sie in jedem jüdischen Hause mit goldenen Buchstaben eingravirt wissen wollte. Dies ist etwas zu viel des Guten, und kann keineswegs als das summum bonum in der Existenz eines ungetauften Juden angesehen werden. Die nächste liter. Arbe-it \11 der'VOVlicgenden Review keftid' OVSStnkVf igV und der Deutung gewisser mnemonischer Formeln, welche verschiedene jüd. Gelehrten und Grammatiker, die der Zeitperiode 892 bis 1746 angehören, gebraucht haben, um das Studium der hehr. Grammatik, namentlich deren Regeln hinsichtlich der Stellung der verschiedenen Buchstaben im hebr. Alphabeth zu erleichtern. Der erste dieser Grammatiker war Saadia Gaon, der trotz der tausend Jahre, die seit seinem Tode verflossen sind, noch immer in blühendem Andenken '11 der jüd. Gelehrtenwelt bleibt, und als letzter unter ihnen wird Salomon Hanau genannt, dessen Tod im Jahre 1746 erfolgte. Im Ganzen sind es fünfundzwanzig solcher Formeln, die der Verfasser seinen Lesern vorliihrtund dabei dieselbe Meisterschaft in der Kunst, schwere Probleme harter liebr. Prosa zu lösen, bekundet, wie in seiner m Veröffentlichung des Ihn Esra. und Uebersetzung der liebr. Poesien (Sc. luss folgt.) ortl. Redacteur. Dr. Rah 111er, Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Comp., Magdeburg. Verlag Rob. Friese Leipzig.