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Das jüdische Literaturblatt · 1894-05-11 · N° 19. (11.5.1894) · p. Seite 73

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 19. (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
Seite 73 (sequence 3)
Language
German
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— 73 — das Blut der Beschueidung getreten and die Eltern, welche ihre Söhne beschneiden, Gott das angenehmste Opfer darbringen, und zu l.M. 47,29 wird, wie Buber bereits nachgewiesen, die aus dem Midrasch Rabba entlehnte Deutung angeführt, nach welcher die Beschneidung der Beobachtung sämmtlicher Ge- und Verbote der Thora gleichkomme, weil das Wort ברית, womit im Allgemeinen die Beschneidung bezeichnet wird, den Zaldemverth von fil2 habe und die Be• schneidung als das fragliche Gebot hinzugerechnet die Zahl 613, die Zahl sämmtlicher Ge- und Verbote, ergebe.7) Die Vergleichung der Beschneidung mit dem Opferaltare, welcher Vergleich, wie ich oben (in der vorletzten Anmerkung) nachgewiesen habe, dem Verfasser bereits Vorgelegen hatte, benutzt der Verfasser nicht nur dazu, um die hohe Bedeutung der Beschneidung an sich zu demonstriren, sondern er benutzt diesen Vergleich auch dazu, um einzelne bei der Beschneidung übliche Einrichtungen und Bestimmungen zu kräftigen und zu unterstützen8). Zu den seit den Zeiten der Geonim vielfach ventilirten casuistischen Fragen hinsichtlich der Gebräuche uud Gepflogenheiten bei der Beschneidung gehörten die Fragen: 1) ob, wenn die Beschneidung an einem Fasttage stattfand, die Fasttags - Selicliotli rezitirt werden dürften: 2) ob, wenn die Beschueidung an einem Fasttage stattland, bei der Namengebung der Segensspruoh über einen Becher Wein gesprochen werden dürfe? und wenn ja, wer den Wein trinken müsse, bezw. was mit dem Weine im Segensbecher g-schehen solle0). Der Verfasser des מדרש אגדה bezw. seine Vorlage ist der Ansicht, dass im Worte ״ מזנהAltar,“ dem die Beschueidung gleiche, die Antwort aut die genannten Fragen gegeben sei, es könne als Abkürzung, Notarikon, der vier Worte: .מילה׳ זבור, ברבה, היד angenommen werden, welche also besagen, wenn eine מילה. Beschneidung, an einem Fasttage (ausser Jom hakkippurim und 9 Abh?) stattfinde, werden die Selicliotli,(זכור) gesagt, der Segen (ברבה) über Wein gesprochen und der Kindbetterin, היה,“') der Segensbecher zum Trinken gereicht. Seite 131; צברי ד.יקצ• ed. Ruber 377 הירייה $ '.I; Miilr. zu 11. l’sal. 112, S 2 ed. linber. ■lalkut Scliisneom 1 il. 17,1, lf. S 81 liest wie A. b. J. im איציור. 7) Im רהזור ויצרי S 503und 507 und •1211 cd. llurvitz (Meki/.e Nirdamim) Seite: 024,028 und 520 wird diese Deutung als allgemein bekannte ohne t^nellenangabc angeführt. 8) Auch hierin dienten die lahmidischeQ und inidraschisclion Agadoth als Vorbild, wie ich in meiner Artikelreibe: ״ Eine alte Synagogenorduuug•‘ bereits liachgewiesen habe und in den Fort• Setzungen, 8. 0. w., noch nach/.uweisen gedenke. Von massgebenden Fachmännern wurde mir zu dieser Arbeit gratulirt. Der selige Dr. Jellinek ע : hat in diesen Rlätrern No. 4:1 Jahrg. 1802 auch nur dagegen Einspruch erhoben, dass ich auch den ״Anfang der Genesis llabba“ zu diesen Aeadoth rechne: i.n fiebrigen fand auch er meine iu dies. RI. niedergelegten Austiihrangen begründet. Wahrend des Krscheiiiens der vorläufig letzten Fortsetzung der genannten Artikelreihe, des Artikels über Sch.ibbath l'avaschatli .Sehekalim und Snchor, um 4. Oktober 189.1, schrieb mir Dr. Jellinek. y נ,: ,.Ich lese Ihre Arbeiten mit sehr grossem Interesse: sie sind sehr 1111• regend und gründlich,“ er forderte mich auf, einen fortlaufenden ('ummentur zum Talmud uud zum Midrasch zu schreiben initderschmeiclielhaften Itemerkung: ״Sie werden dadurch die moderne wissenschaftliche .Methode zu Ehren bringen“. Der selige Dt. Jellinek beschränkte sich aber nicht bloss auf leere Auerüeuuuugsworte, sondern in den letzten Wochen vor seinem '1’0(16הנר עי דאנדין! sandte er mir fast jede Woche eine Sendung Bücher, von denen er voruussetzte, dass ich sie nicht besitze, welche liUcier aber meine ״gründliche Forschung“ fordern kiinnteu. 9) Zur Literatur vgl. רהזור ויצרי ed. llurvitz (Mekize nirdamim) 502—501, Seite 024—25 nebst den Bemerkungen llurvitz, wozu iiinzuzufugenist: הינוה גדייות ed. Hildesheimer;Mekize Nirdamim) Seite 40 nebst den Anmerkungen Hildesheimers: האיצכוי ed. Auerhach Theil 11, Seite 129 und צביי ה^קצ• (ed. Ruber) ה״כות צייה t; 4 und 5. Seite 375-76. 10) So ist anstatt: דיים zu lesen. Mit זנור werden datum die Selichoth bezeichnet, weil dorr, wo an einem Fasttage bei einer Der vorliegende ״Midrasch Agada“ stimmt aber nicht bloss in Ausführung und Zweck der Bearbeitung mit dem Lekach Tob des R. Tobia überein , sondern der ״Midrasch Agada“ hat, wie ich im Nachfolgenden zu beweisen glaube, den ״Lekach Tob“ benützt und ziemlich ausgebeutet. Der Herausgeber, der sehr gelehrte Salomon Buber, bat bereits in der Einleitung und sodann an zahlreichen Stellen in den Noten zu dem ״Midrasch Agada“ auf die vielen gleichlautenden Deutungen und Auslegungen im ״Lekach Tob“ und ״Midrasch Agada“ hingewiesen, ohne dass er, Buber, über das wechselseitige Abhängigkeitsverhältniss der beiden Autoren eine bestimmte Meinung geäussert hätte. Ich glaube nun zwei evidente Beweise gefunden zu haben, dass der Autor des ״Midrasch Agada“ den ״Lekach Tob“, nicht aber R. Tobia, der Verfasser des ״Lekach Tob“, den ״Midrasch Agada“ benutzt habe. Zu 3 M. 25, 1 hat der ״Midrasch Agada“, II, Seite 5s 59, ein grosses Stück einer an Koheleth, 9, 18 טובה הבמה u. s. w. anknüpfenden Agada, welches Stück sich wortgetreu iin Lekach Tob z. a. St. ed. M. A. Padova (Wilna 1880) III, Seite 138 findet. Da nun bekanntlich R. Tobia mit Anspielung auf seinen Namen jede Sidra mit einem Verse, welcher mit: טוב ,טובה u. ä. beginnt, eröffnet, so muss der Autor des M. A. dieses Stück nothwendig dem Lekach Tob entnommen haben. Einen ferneren Beweis dafür, dass dev Autor des M. A. den Lekach Tob benutzt habe, bietet folgender Um־ stand. Der Midrasch Rabba deutet I B. M. 27,3 auf die vier Reiche de Feinde Israels. Diese Deutung benutzt auch der Lekach Tob ztir a. St., lässt aber, wie Buber z. St. bemerkt, die Deutung: ״Gehe hinaus auf’s Feld, das ist: Edom“ (Rom) weg. Dasselbe ist auch der Fall in dem vorliegenden M. A., der auch hier den Lekach Tob nahezu wortgetreu copirt. Es scheint mir ganz unwahrscheinlich zu sein, dass die Gopisten des L. T. und die unseres M. A. gerade liier denselben Schreibfehler begangen halten sollen; ich glaube vielmehr, dass R. Tobia, der Verfasser des L T., die fragliche fehlende Deutung mit Absicht, weggelassen hatte und der Autor unseres M. A. wieder, ohne dass er die Quelle des L T.. den Midrasch Rabba, nacligelesen hätte, den L. T. einfach ausgeschrieben habe, obschon der Grund, aus welchem der L T. die fragliche Deutung weggelassen hatte, den Verfasser des M. A. durchaus nicht angegangen hat. Ii. Tobia, der Verf. des L.T., das hat Buber") evident nacligewiesen, lebte in Bulgarien unter der Machtsphäre des oströmischen byzantinischen Kaiserthumes, welches bei den mittelalterlichen rabbiiiisclieu Schriftstellern : יון dis ״griechische Reich“!ף genannt wird,weshalb auch Abraham Ihn Ezra R. Tobia zii den Rabbineu, Gelehrten Griechenlands, (הבמי יון), rechnet. Seckel Bambergers Ansicht,, dass R. Tobia in Mainz geboren worden sei und erst in Folge der Drangsale in den Kreuzz gen nach Bulgarien ausgewaudert sei!*), ist durch nichts begründet. Die Art, wie R. Tobia des Mainzer Blutbades gedenkt) zeigt aber, da s R. '1'. nie in Mainz gewesen. 1 Fortsetzung 1012t.) Besclnieidung .Selicliotli 8;<״ igt werde», wie «las jetzt bei uns auch üblich ist, iu die Selicli >111 bei dem vom Verfisser »llegi rteu Verse 5 15. M. 9,27, ei 1c auf die Itesdmeidtiug bezughabende Selicha eiugefiigt wurde. II) Einleitung zum Lekach Tobli S 5, Seite IS—22. 121 l’erles' Abhandlung: ״.lüdisclt-Bvzautische Beziehungen“ ist mir nur dem Namen nach bekannt, 11a mir Krunzbarher's ״Byzanti11isc.be Zeitschrift׳ nicht zu Gebote steht. — 15) Einleitung zum ״Lekach T״bl1“ zu ״Kutli“ Leipziger Doctordissertation Seite 13 — 14; Karpeles Gesell, der Lit. und ״llascbschacliar,“ welche 15.1111berger zitirt, stehen mir nicht zu Gebote. —

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