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Das jüdische Literaturblatt · 1894-05-11 · N° 19. (11.5.1894) · p. Seite 74

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 19. (11.5.1894)
Date
1894-05-11
Page
Seite 74 (sequence 4)
Language
German
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Recensionen. Grundriss der theologischen Wissenschaften. Zweiter Tbcil. Erster Band. C. H. Cornill, Einleitung in das Alte Testament. Zweite neu bearbeitete Auflage. Kreibnrg i. B. 1892. Akadeui. Verlngsbnchhdlg. von J. C. B. Mohr (Paul S iebeck.) Besprochen von Dr. H. Koenigsberger-Breslau. (Schluss.) Es ist mir aufgefallen, dass der Verfasser garnicht die Frage berührt, ob die Darstellung im ,Buch Hiob als dramatische aufzufassen sei, trotzdem doch vor nicht zu langer Zeit diese Anschauung behauptet wurde (vgl. Horn in ,,Deutsch-evang. Blätter“ 1892. Oules, le livre de Job. Montauban. 1891). Auch ich billige dieselbe, zumal durch sie die Elihureden, die auch der Verf. für ursprünglich hält (S. 291 ff.), für authentisch erklärt werden können. Dass Elihu nicht im Eingänge genannt wird, bildet dadurch seine genügende Erklärung; dass er aber am .Schlüsse (42, 7 ff.) unerwähnt bleibt, erkläit sich daraus, dass Elihu dem Verfasser des Buches nahestand und ja das Auftreten Gottes selbst angekündigt hat. Gegen ihn durfte, sich Gottes Zorn nicht wenden. So lässt sich eig. auch eine gute Antwort auf die vom Verf. (S. 233 unten) aufgeworfene Frage geben: Weshalb hat der Dichter überhaupt die Lösung des Problems durch eine n Menschen gelten lassen? Dein Dichter stand eben die Person des Elihu sehr nahe!*) — Aus der Bern׳- tlieilnng der Dichtnngsform des Hohenliedes (S. 241), wie seinem Stillschweigen beim Buche lliob lässt sich schliessen, dass der Verfasser die dramatische Form für durchaus ausgeschlossen hält. Ich mag nun nicht verhehlen, dass mir beim § 43 ״Das B. Esther“ die einleitenden Worte des Verf. : ״An dem Buche Esther ginge der christliche Ausleger des A. T. am Liebsten ganz vorüber, und beschäftigt sich wenigstens mit ihm nicht■ mehr als uuumgänglich nüthig . . .“ Ist das Buch nur t ir Christliehe Theologen geschrieben? Es soll doch für Alle bestimmt und obje.ctiv sein. Ein solches Urtheil hätte man sicherlich in einem wissenschaftlichen Buche nicht vermisst. * Wenn man nun auch dem Verf. beipllichten kann, dass die Kedigirung des Buches sehr spät erfolgt sei — hier wäre die hochinteressante Arbeit von J. S. Bloch, d. hellenistische ITsprung und Charakter des Buches Esther, im ״.Jüdischen Literaturblatt“ (J. L.-B.) 1877, Nr. 27—39 (vgl. dazu Nr. 47, 48 ff.) zu nennen gewesen — so habe ich trotz der Uebereinstiminung ״aller wissenschaftlich freier Forscher“ denn doch noch meine Bedenken gegenüber der Annahme, dass Esther u 11 z weife 1 h a f t nur ein historischer R 0 m a n sei (S. 253). Dass wir das erste sichere Zeugniss für das Fest in 2. Makkab.-Buch 15, 36 haben, beweist noch nicht alles. Der Anlass zum Feste kann alt gewesen sein, vielleicht sogar persischen Ursprungs, und es fragt sich eben nur: wann gingen die nachexilischen Leiter des jüdischen Volkes daran, das Fest als nationales festzusetzen. Denn nur für die Fest- Setzung desselben beweist die Stelle im 2. Makk.- 1 Andeutungen einer Theodicee (!>. 230 ob.) timten sich Ex. 0,22 f, 32,12, iS um. 11,21 f. — p. 23S Anni. nennt tler Verl, als vox memorialis ftlr die 3 Bücher: I’sahnen, l’roverbieu und Hiob die Bezeichnung c בשיי תא. Nach der Reihenfolge in uuseren Bibelangilben, der auch Cornill folgt, müsste sie ר,מ א lauten. Sie wird übrigens auch א:: ת genannt, ln unseren Jalkutuusgaben ist die Reihenfolge thatsächlich: Psalmen, Hiob, Prov. (also 5תא). Vgl, auch Buhl, Kanon u. Text des A. T. 5. 39 (nach Ochla weochlu). B.—Lagarde, der das Purimfest mit dem p ersi s ch e n Farwardigän zusammenlegt (in seinen ״Mittheilungen“ hält L. nicht mehr so fest an seiner Deutung) — vgl. noch A. K 011111, les fetes persanes et babyloniennes mentionnGes dans les Talmuds de Babylone et de Jerusalem, in ״Revue des Etudes juives“ XXIV (1892), 256 — 71 — und H. Zimmern, der für die Identificirung mit dem babylonischen Neujahrsfest plaidirt, erschlittern die Annahme der völligen Ungeschichtlichkeit des Festes, wenn sie auch übersehen, dass hier weder von einem Neujahrsfest, noch von Allerseelen die Rede ist, sondern von einem Feste, dessen Daten hinsichtlich ihrer ominösen Bedeutung stark an die persische Magie anklingen. Näheres in meinem Aufsatze: ״Neujahrsfeste in jüdischen Quellen.“ — llebersehen hat der Verf., wie es scheint, auch den Aufsatz von Scholz, die Namen im Buche Esther, in ״Theol. Quartalschr.“ 1890, 209—64. Wasden Psa 1 te ranlangt,so rührt dieBezeichmiiigü^nn nicht vom Autor, sondern vom Sammler her. Und da wäre vielleicht die Gesammtüberschrift des Buches von dem Ps. 145 als Ueberschrift vorkommenden תהרה (vgl. auch v. 21) zu unterscheiden. A11 letzterer Stelle ist es in dem Sinne gemeint, den ich in meinem Aufsatze ״Gotteslästerung und Gottesverehrung“ (Israel. Wochenschi1892 .׳, No. 25 — 27) Ausdruck gegeben habe, während die Titelüberschrift des Bestimmung desselben als Gesangbuch ausdrückt. (Dies zu S. 207 $ 36). Will der Verf. die Ansicht wirklich vertreten, dass Benennungen, wie למעה (Ps. 90) auf den Dichter hinzielen sollen? Es ist damit doch höchstens gemeint ״im Sinne M’s.י) ‘־ comparativum)! - Erwähnen will ich noch zum Schluss, dass Dal man, bei Besprechung des ״Handcommentars z. A—T II, 2: Psalter herausgg. v. Baethgen, in ״Theol. Literaturztg.“ 1893, Nr. 21, S. 518 ob. vorschlägt, סלה durch griech. as/i; ״spatium inter lineas“ zu erklären. Darauf wiese das Stama/.pa dev LXX hin und Augustin’s Vorschlag griechischer Deutung des Wortes.*) Ich stelle es jedoch mit dem Ps. 68,5 verkommenden סלו zusammen, das, entsprechend den übrigen dort gebrauchten Ausdrücken ועלזו ,זמרו,•עירו, nicht ״den Weg bahnen“, sondern nur ״laut singen“ bedeuten kann. סלה scheint mir gleichbedeutend mit הללויה zu still. — Bemerkt sei noch, dass nach dein Erscheinen des Buches gar Mancherlei über das Snbject in den Psalmen erschienen ist; vgl. u. a. G. Beer, Individual- und Gemeindepsalmen. Auch zum Capitel von der Sammlung des Kanons (S. 279 ff) wäre mancherlei zu bemerken resp. zn ergänzen. Doch ich muss hier davon absehen. Vermisst habe ich die Habilitationsschrift Dalman’s: Traditio rahhiuica veterr. de librr. VT online atque origine. Lpzg. 1891. Bemerken will ich noch, dass ein kurzer Ueberblic-k über den Entwickelungsgang der at. Literatur (S. 313), sowie ein umfangreiches Sachregister (S. 316 ff) dem Leser in dankenswerther Weise zu Hilfe kommt. *) Wir werden nächstens die neueste Erklärung:!les noch immer räthselhaften r.'C (von Dr. Johannes Bachmanu) bei Besprechung seiner jüngst erschienenen ״Alttestamcntl. l'utcrsnehungen“ bringen, obwohl dieselbe, wie wir im Voraus schon sagen können, völlig unhaltbar ist. (Reil.! Briefkasten der Redaktion. W. iaB. Wir werden Uberdas Buch,'von Xotowitscli (״ein unbekanntes Leben Jesu’s“) noch einen Artikel bringen; Uber Tscli ernichoff'8 Broschüre schon in der nächsten Xr. der ״Wochenschrift“. 'Verantwort!. Kedactenr; Dr. Rah 111er, Magdeburg, Druck Friedrich Rasche & Comp., Magdeburg. Verlag Hob. Er i ese Leipzig.

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