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Das jüdische Literaturblatt · 1894-04-20 · N° 16/17. (20.4.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 16/17. (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Beilage zu Nr. 16/17 des ״Jüd. Literaturblattes“ Recensionen. Geras from the Talmud, translated in to English verse by Rev. Isidore Myers, B. A., London: Simpkin, Marshall, Kent and Co. Limited. 1894. Der selige Emanuel Deutsch war einer der ersten jüd. Gelehrten in England, der das Wesen und den ethischen und literarischen Wert des Talmud nach verschiedeneu Richtungen hin beschrieb, und seiner Initiaüve haben wir es zu verdanken, dass dieses altebrwürdige Geistesprodukt so vieler jüd. Koryphäen des Altertums mehr gekannt und gewürdigt wird, als cs vor ihm, namentlich in England und Amerika, der Fall gewesen ist. Sein vor einer Reihe von Jahren in der Londoner ״Quarterly Review“ erschienener Aufsatz über den Talmud, der nachher in verschiedene andere Sprachen übersetzt wurde, hat seiner Zeit in den gebildeten jüdischen wie nichtjüdischen Kreisen, in denen die englische Sprache die Umgangssprache bildete, ausserordentliches Aufsehen gemacht Man bewunderte den englischen Styl nicht weniger als den gediegenen Inhalt desselben. Denn jener war anziehend schön, anmutig und klassisch zugleich, und dieser eröffnete den Lesern eine Fundgrube, worin köstliche Schätze des jüd. Geistes der Vorzeit verborgen waren, von deren Existenz sie kaum eine Ahnnng hatten, und die ihnen, wie ein deus ex machina, plötzlich und ganz unerwartet mit ihrem Schimmer so frisch entgegenleuchteten. Seitdem haben manche berufene und unberufene jüd. und christliche Literaten und Prediger dasselbe Thema in englischen Fachblättern oder in ihren Vorlesungen manigfach behandelt, von denen der Eine oder der Andere den Talmud wohl niemals in der Ursprache gelesen haben dürfte. Einer dieser Unberufenen übersetzte einst in einem von ihm veröffentlichten englischen Artikel über den Talmud den bekannten technischen Ausdruck תורה שבעל פה mit: ״Die Lehre, dessen Eigentümer der Mund war“ (er hielt die zusammengesetzte Präposition בעל für ein Hauptwort). Zu solchen unberufenen Schreibern und Vortragenden über den Talmud gehört jedoch keineswegs Rev. Isidore Myers, der Verfasser des oben angezeigten Buches. Derselbe ist nicht allein ein tüchtiger Hebräer, der den Geist des Talmud in sich autgenommen und dessen Jdiom verstellt, sondern er kann sich auch schön und poetisch in der englischen Sprache ausdrücken, und dieser Umstand berechtigt ihn, als würdiger Exponent des ethischen und poetischen Inhalts jenes Riesen- Werkes in Wort und Schrift aufzutreten. Nachdem Mr. Myers in London und in der Provinz öffentliche Vorlesungen über den Talmud mit grossem Beifall gehalten, worin es namentlich die ethischen Stücke in demselbem ausführlich behandelte, und auch auf die her, liehen Blüten der neuhebräische Poesien aufmerksam machte, die, wie bescheidene Veilchen im Garten der Agada verborgen duften, entschloss er sich, eine Sammlung derselben als Blütenkranz der Oeffentlichkeit zu übergeben. Das Werkchen liegt uns vor, und wir können uns nur lobenswerth darüber aussprechen. Es enthält dreihundertundsechzig bald grössere, bald kleinere ethische Sprüche und Poesie-Blüten, die aus dem ganzen Bereiche der Talmud-Literatur vom Verfasser in geschmackvoller Auswahl ausgesucht und zusammengestellt wurden. Diese Auszüge haben vor ähnliehen Versuchen den Vortheil, dass die Originaltexte punktirt gegeben sind, und die gegenüberstehende leicht fliessende englische Uebersetzung mit gefälligen Endreimen die Gedanken des Originals klar und deutlich wiedergeben. In Deutschland sind derartige Versuche schon vielfach mit Erfolg gemacht worden, aber in England dürfte die kleine vorliegende Sammlung die erste sein, die bisher unternommen worden ist Um den Lesern dieser Blätter einen Begriff von der Art und Weise zu verschaffen, wie M. Myer in dieser seiner Arbeit zu Werke ging, sollen hier zwei kleine Aphorismen folgen, und zwar wie sie im Original lauten, und wie klar und deutlich der Verfasser ihren Sinn hervortreten lässt. בהרי הוצא לקיא ברבא ״Together with the useless thorn The useful plant is plucked and torn.“ (Oft erhält mit dem stechenden Dorne zugleich Manche edle Pflanze den Todesstreich.) אסא דקאי ביני חלפי אסא שמיה ואסא קרו ליה: ״A Myrtle, which among the thorns does grow, Is still a Myrtle, and all call it so.“ (Die Myrthe, die zwischen Dornen steht verbannt, Wird dennoch von J edem Myrthe genannt.) Zum Schluss sei noch auf die schöne Ausstattung des Büchleins aufmerksam gemacht, und kann daher die Anschaffung desselben allen Freunden der Talmud- Literatur bestens empfohlen werden. Belfast, Dr. C h 01 z n e r. Brüstiger, Isidor פרחי אביב — Jugendblüthen Erzählungen und literarische Beiträge. Lemberg 1892. Kl. 8° 70 S. Der Verfasser veröffentlicht in seinem flott geschriebenen Büchlein 15 kleinere Aufsätze über verschiedene Materien. Seine Arbeiten bekundeu allesammt, dass der Verf. mit unverkennbarer Gewandtheit und Leichtigkeit die hebräische Sprachform handhabt- Da uns ״Jugendblüthen“ hier vorgeführt werden, würde es nicht der Billigkeit entsprechen, an die Leistungen, welche in diesem Büchlein niedergelegt sind, einen streng kritischen Maasstab anzulegen. Der Dichter und Uebersetzer kommen hier zu Worte. Wir lernen die geistige Qualität des Autors von der productiven und reproductiven Seite kennen. Wir tragen keinen Augenblick Bedenken zu bekennen, dass wir seinen reproductiven Leistungen vor seinen productiven Schöpfungen den Vorzug geben, dass der Uebersetzer den Dichter bei weitem überragt. H. B. hat sich beim Uebertragen die Sache nicht leicht gemacht. Er hat sich an Arbeiten herange .vagt, die einer Uebersetzung in’s Hebräische nach Form und Inhalt wegen ihrer modernen Gedanken in abstracter Form erhebliche Schwierigkeiten bieten. Schiller’s ״Spaziergang unter den Linden“, ein philosophisches Zwiegespräch zwischen einem Optimisten und Pessimisten, Schiller’s akademische Antrittsrede: ״Was heisst und zu welchem Ende studirt man Universalgeschichte?“ — sind — wie der Kundige wohl einräumen wird — gewiss lohnende, aber für eine Uebersetzung ins hebräische nicht gerade geeignete, sehr spröde Arbeiten. H. B. bietet uns eine freie Uebertragung in’s Hebräische. Man darf diese Uebertragung eine gelungene nennen. Man kann dasselhe Urtheil auch bei anderen streng modernen Piecen aufrecht erhalten. So findet sich in diesem Büchlein ein ganz lesenswerther Aufsatz über ״Tod und Scheintod“. Auch hier haben wir es mit der freien Uebertragung und Bearbeitung eines deutschen Aufsatzes nach den ״Musestunden“ zu

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