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Das jüdische Literaturblatt · 1894-04-20 · N° 16/17. (20.4.1894) · p. Seite 66

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 16/17. (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
Seite 66 (sequence 9)
Language
German
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66 — thuen. Zur Steuer der Wahrheit heben wir ausdrücklieh hervor, dass nicht alle Uebertragungen gleichmassig sind. So lässt der üebersetzer sich bei manchen Uebertragungen mit einer gewissen Nonchalance gehen und überhebt sich der Mühe, gewisse moderne, uns geläufige Stich- und Schlagwörter, wie Communismus, Sozialismus usw. in hebräischer Sprache wiederzugeben. ״Sozialismus“ mit ״ ,הזאצואליסםhistorische Wahrheit“ mit אמתת ההיפטאריע zu identificiren aalten wir für sehr bequem, für alles mögliche, nur nicht für eine Uebertragung ins Hebräische, eher für den ungesunden Keim einer babylonischen Sprachenverwirrung. Es wäre Herrn B. bei seiner unläugbaren Gewandtheit in der Beherrschung der hebräischen Sprachform leicht geworden, auch diese und ähnliche moderne Redensarten sinngemäss zu paraphrasiren. Sohrau O.-S. Dr. Immanuel Deutsch. Wagner, Martin, Oberlehrer am fürstl. Gymnasium zu Sondershausen. Die Parteiungen im jüdischen Volke zur Zeit Jesus. (Pharisäer und Sadducäer). Hamburg, Verlagsanstalt und Druckerei A. G. 1893. (Sammlung gerneinverständlicher wissenschaftlicher Vor• träge, Heft 178). Der Herr Verfasser hat allerdings zumeist aus neutestamentarischen Quellen die Auffassung begründet, dass die Pharisäer eine religiöse, die Sadducäer eine p 0 1 i ti sc he Partei waren. Besser würde der Gegensatz gekennzeichnet worden sein, wenn erstere Partei als die der Geistesaristokratie, die leztere die der Stellungs- und Priester-Herrschaft bezeichnet worden wäre; da beide Parteien sowohl im wechselseitigen Kampfe, als auch im gemeinsamen Aufstande gegen die Römer wohl einen politischen Charakter hatten. In keinem Falle aber würde es ausreichend sein, die Pharisäer als Orthodoxe und die Sadducäer als Liberale, der bisherigen Annahme nach, zu erklären. Durch den Verzicht auf den Glauben an die religiöse gedanklich so wohlmotivirte Heilswahrheit der Unsterblichkeit der Seele und des jenseitigen Lebens haben die Sadducäer keineswegs sich das Recht erworben, auf religiösem Gebiete für freisinnig zu gelten. Auch ist, wie Leopold L ö w in seinen Werken*) (II. Band S. 472) richtig erkannte, den Parteiungen nicht die Bedeutung auf die Bibelrecension beizulegen, welche ihnen Abraham Geiger in seiner ״Urschrift“ beigelegt hatte. — Der Herr Verfasser trifft in seinem Vortrage das Richtige bei Beleuchtung und Schilderung der Parteien. Gerade deshalb aber hätte er dem israelitischen Volks- | leben wohl eine hohe Bedeutung für die Kulturentwick- | lung im Allgemeinen, zuerkennen müssen (Vgl. S. 3.) 1 Auch verkennt der Verf. (S. 11) die Schrittgelehrten, wenn er denselben die Bevorzugung des Ceremonialgesetzlichen vor dem Ethischen zuschreibt. Vielmehr hat die Regelung und Heiligung der Lebensführung im ן Einzel- und Gesauimtleben nur den Zweck der Reinheit ׳ der ethischen Persönlichkeit vor dem ewigen Richter '4 der sittlichen Wahrheit und wahren Sittlichkeit. Wer!1 den sittlichen Zweck der Religion leugnet, hat eben keine | Religion, nach Ansicht d e r Schriftgelehrten, welche für das Judentum massgebend geworden sind. — Hinsichtlich '} des Königtums ist gegenüber (lein Herrn Verf. (S. 8) * zu bemerken, dass der König vor dem Hohenpriester und dem Gottesgelehrten Stellung hat (Sotah 42a), und in Bezug auf die Ehe (S. 11), dass bei einer Trennung; derselben der Altar des Herrn Thränen weint. (Gittin 90b) f Der Vortrag ist recht Wissens- und beachtenswert. Dr. S. Nascher. Literarische Notiz. Nochmals über die älteren hebr. Grab- Schriften. — In No. 10 des Literaturblattes bringt Herr Cohen-Rees eine Fülle von Material, um die Ansicht in No. 3 über die älteste Inschrift zu widerlegen. Ich bin Herrn Cohen sehr dankbar dafür, dass er mit grossem Interesse den Gegenstand der Besprechung verfolgt und würde ich mich auch sehr gern belehren und bekehren lassen, wenn die angeführten Quellen eine Widerlegung rechtfertigten. Das angeführte Material spricht aber vielmehr für die unsbekaunte älteste Inschrift (1103), als dagegen. Levysohns Grabschriften sind v. Rapaport genügend beleuchtet und angefochten worden, (Vergl. R. S. 25 bis 35 in Gal-ed.) Herr Cohen führt Zunz ״Zur Gesch. der jüd. Liter.“ S. 394 an, ״der nur (von Alfasi’s Inschrift) als von der ersten erhaltenen Grabschrift von Belang redet, trotzdem er früher ältere Grabschriften passiren lässt. Wenn Z. trotzdem von der Inschrift vom Jahre 1103 als von der ״ersten erhaltenen Grabschrift von Belang“ spricht, damit hält er diese für wichtig, während er scheinbare ältere Inschr. nur ״passiren“ lässt. Ferner werden angeführt Löws ״Graphische Requisiten“ S. 71. B. 1. über Funde der Denkmale in Aden. L. will durchaus nicht mit Bestimmtheit die Zahl 718 als feststehend annehmen. Vielmehr sagt er ״Allein die Be- Stimmung, dass dasselbe(Denkmal) dem Jahre718 angehört, beruht auf der Voraussetzung, dass im Datum des Steines 29 der der seleucidischen Aera, nur das Tausend weggelassen wurde. Ist es aber nicht möglich, dass der Verf. der Inschr. auch das Jahrhundert in dem er schrieb, als selbverständlich betrachtete und es daher hinreichend fand, die Zehner und Einer anzugeben? ״Es bedarf mithin einer erneuten Untersuchung, um das Jahrhundert des Adenischen Steines zu ermitteln.“ Ueber d:e 1864 gefundenen Grabsteine zuTschufut- Kaie in der Krim sagt Löw: ״Wäre dieses Plädoyer gelungen, und gehörten diese Epitaphien wirklich der Epoche an, welcher sie zugeschrieben werden, so wären sie in chronologischer u. geogr. Beziehung eine ganz aussergewöhnliche Merkwürdigkeit.“ . . Die Kritik ist der paläographischen Schätzungen mit einer gewissen Schüchternheit entgegengekommen. Tschuful-Kale ist ein Flecken, welchen man früher Kyrk nannte. Es fragt sich mithin zuvörderst, ob es in dem ersten Jahrhundert bereits erbaut war. Zweitens, ob Kyrk zu jener Zeit eine so bedeutende jüd. Population besass, die es angezeigt finden konnte, einen eigenen Leichenhof anzulegen. DieErörterung dieser Fragen müsste der Untersuchung des Inhaltes und der Form der Epitaphien vorangehen, was aber bisher nicht geschah. Auch mein sei. Lehrer Dr. David Cassel sagt in seinem Lehrbuche der jüd. Gesch. u. Liter. S. 216: ״Die Fuude von Grabsteinen, die in neuerer Zeit gemacht wurden und die das hohe Alter der Karäer auf der Halbinsel Krim beweisen seilten, haben von Anfang an bei besonnenen Forschern Misstrauen erregt.‘׳ Uebrigens will ich bemerken, dass ich in No. 3, unter 3 die uns bekannte älteste Inschrift Alfasi’s anführte, in derselben No. aber unter 4. und 5. selbst Bedenken hatte, dieselbe als unbedingt älteste hinzustellen._Auerbach« Dresden. Berichtigung. Iu der Erzählung ״Michelet Uber Anselm Rothschild“ (jtid. Famüienblatt No. 14, ä. 6ö) muss es Z. 2 statt ״Finanzmann“ heissen ״Geschichtsschreiber“. Jules Miebelet war 1798 geb. und starb 1874.) Briefkasten der Redaktion. Herrn Rabbiner Dr. <4 in B. T. Ihre gelehrte Studie Uber B ub er 8 neueste Midrasch-Edition begiuut iu nächster Nr. Dr. B. K. Recens. Uber Gornill — desgleichen Herrn Rabbiner Dr. H.'Mit ihrem Vortrage ebenfalls. (Auf .Separatabziige ist aber die Druckerei nicht eingerichtet.) *) Herausgegeben von seinem Solino Dr. Jmmanuel Löw. _ Verantwort!. Redacteur; Dr. Rahner Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Comp., Magdeburg. Verlag Kob. Friese Leipzig.

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