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Das jüdische Literaturblatt · 1894-04-20 · N° 16/17. (20.4.1894) · p. Seite 62

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 16/17. (20.4.1894)
Date
1894-04-20
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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— 62 — man bei unerwartet eingetretenem Besuch, sowie in Rücksicht auf die Eilfertigkeit reisender Gäste, die sich nur kurze Zeit aufhielten, Mazzoth bereitete. Es war dies ein eilfertiges Brot zur ״fliegenden Tafel“ für einen Besuch auf kurze Weile. Aus der spätem Zeit lesen wir von Mazzothbereitung bei verschiedenen Gelegenheiten, bei allen aber aus Eilfertigkeit hervorgerufen, so dass man sofort erkennt, das dies ein uralter allgemeiner weltlicher Gebrauch gewesen; so bei Gideon, der dem ihm erschienenen Engel, von dem er fürchtete, er werde sich bald entfernen, Mazzoth bereitet, ebenso bei der Zauberin von Endor, die das Gleiche für den eiligen König Saul that Vermuthlich waren auch die ״Uggoth“, die Abraham den Engeln vorgesetzt, sowie die Uggoh, welche der Prophet Elia von der Frau von Zarfath verlangt und erhalten, gleichfalls Mazzoth. Es musste demnach für Israel in Aegypten das überzeugendste Symbol für den alsbaldigen Auszug sein, wenn ihm so- Zusagen zu der ״fliegenden Tafel“ des Passalammes, die Bereitung des für ״Reiseeilfertigkeit“ damals allgemein gebräuchliche ungesäuerte Brot geboten wurde. — Wenn überdies das Mazzagebot erst durch das zufällige Ungesäuertbleiben des Teiges und des Backens desselben zu Mazzoth auf der Station Sukkoth veranlasst wäre, dann würde sicherlich analog dem Fall von Jakob, wo dessen Verrenkung beim Ringen als Anlass für das Verbot der Spannaden mit den Worten angegeben ist.: .על בן לא יאכלו בג־י את ג׳ד, auch hier bei dieser Er- Zahlung Anlass genommen worden sein hinzuzufügen: ״ על בז יאבלו בנ׳י את המצות בחג הפסחdarum essen die Kinder Israel am Pessachfeste die Mazzoth.“ Es ist übrigens ganz gleich, ob sie am Abend in Aegypten Mazzoth gegessen, oder nicht, es handelt sich blos um den Nachweis, dass das Mazzagebot schon für jenen Abend in Aegypten bestimmt gewesen. Und weil es so allgemein heisst: ,,Sie bucken den Teig, den sie aus Aegypten mitgenommen,“ als ob jedes Haus an dem kritischen Zeitpunkte solchen gehabt hätte — was doch ohne irgend eine allgemeine Veranlassung nicht zu verstehen wäre - so ist zu vermuten, dass dies ebun ein Rest von dem Teig war, den alle Häuser bereitet hatten, um von einem Teile die gebotenen Mazzoth zu machen, von dem andern Teile sich die Wegzehrung zu bereiten. Aber auch bei diesem letztem Teile, welchen sie wie der Wortlaut: ״Denn er hatte nicht gesäuert — und sie nicht verziehen konnten“ — vermuten lässt, die Absicht hatten, aiisreifen zu lassen, und Zehrung für die Reise zu haben, ist es nicht zum Ausreiten gekommen. Während also das Passah in begrenztem Sinne das Symbol des Hinwegschreitens über die Erstgeborenen ist, so ist die Mazza im umfassenden Sinne das Symbol des Hinwegschreitens (Auszuges) der Gesamintiieit Israels aus Aegypten. Das Deuteronomium lü, 3: ״Sieben Tage sollst du dabei (bei dem Passahopfer) Mazzoth essen, Brot des Elends, בי בהפזון, denn in Eilfertigkeit bist du aus dem Lande Aegypten gezogen,“ scheint nun auch ins Auge gefasst zu haben, dass das Passah als solches mit seiner besondern Beziehung auf die Erstgeborenen nur in begrenztem Sinne die Errettung Israels aus Aegypten bezeichnet, es sucht daher — in prophetischer Voraussicht der Zeiten, da die Mazza das alleinige Denkzeichen des Auszuges sein wird — das Wesen der Mazza erklärend, diese unter den Gesichtspunkt der absoluten Grundbedeutung des Wortes הפז—פהז=פזח=פבח zu stellen, zugleich dieselbe als das Sinnbild des allgemeinen Elends, von den sie allegesammt unmittelbar.betrotfen wurden — לחש עוני — zu bezeichnen und sie so für alle Zeiten als ein Denkmal der allgemeinen Errettung des g e s a m mten Israels zur Geltung kommen zu lassen: damit du gedenkest des Tages deines Auszuges aus dem Lande Aegypten für alle Tage deines Lebens. Das Ganze ist ein Beispiel dafür, welch’ hohen Wert die Halacha neben ihrer Qualität als religiöse Lebensnorm auch nach der bibelkritischen Seite hin für uns hat, da sie sich zugleich als ein Bollwerk für die Integrität der Thora gegenüber der ״höheren Kritik“ erweist. Die alte Passach-Hagada hat daher ganz Recht, wenn sie den חבש mit seinen höheren kritischen Untersuchungen: רה העדות — durch die ״Halacha“ belehren lässt: וא,כ אתה אמור לו ב ד.לבות הפסח Rösel’s Juden- und Christenverfolgung bis in die erst8n Jahrhunderte des Mittelalters. Besprochen von Dr. Singer-Coblenz. Der Verfasser beschränkt sich durchaus nicht auf die erwähnten Jahrhunderte, um angeblich nachzuweisen, dass die Juden die Verfolgungen begonnen und solche zur Wiedervergeltung herausgefordert haben, und legt sich nur weise ״Zurückhaltung“ auf, wenn er die Kette seiner Beweisführung nicht bis auf die Juden (?) Heine und Börne — ausdehnt. Es ist deshalb thatsächlich unerfindlich, warum die Christenheit sich immer noch mit Judenbekehrung abgiebt und für Missionen schwere Gelder ausgiebt, wenn die Bekehrten nur dann zu den Christen gezählt werden, ja sogar als ״Autoritäten“ gelten, wenn sie gegen׳ ihre Namens- und frühere Glaubensgenossen eifern, sonst aber unentwegt zu den Juden gezählt werden. Wer denkt da nicht an das Schillersche Wort: ״Den Schweden soll sein Wort für Deines gelten. Und Deinen Wiener Feinden nicht?“ Wenn man sich durch dieses Buch durchgearbeitet hat, kommt man zu dem Resultate, mit wie wenig Verstand doch ein Buch geschrieben werden kann! Man braucht nur die unerwiesene Behauptung von der Tat eines Einzelnen als typisch hinzustellen — es ist nur nö ig, alle Vermutungen zu sammeln, seine eigenen hinzuzufügen und Alles als wahr anzunehmen, oder sich den Anschein zu geben, als glaubte man es — und verschmäht man es nieht, auch noch lügenhafte Citate anzuführen, in der Voraussetzung, dass sie Niemand controlliert, wie dies mit des Verf, Hinweis auf Grätz geschieht, der kein Wort von dem erwähnt, was ihm in den Mund gelegt wird — und das Hexen-Einmaleins ist fertig. Ja selbst die Verfolgung der Christen, deren sich Saulus schuldig gemacht haben soll und die eralsPaulus selber erzählt, schreibt er den Juden aufs Conto. Wenn hingegen dieser Paulus von den Heiden verfolgt wird, dann kann'es nur auf Anstiften den ״Juden“ geschehen sein, wenn es aber trotz aller Anstrengung keine Juden vorfindet, dann nimmt er die Heiden dennoch liebevoll in Schutz mit den Worten: ״Allenfalls war es bei ihnen, wenn sie nicht durch Juden aufgewühlt wurden, nur Aerger über Gewerbe- Schädigung.“ Dieser Satz spricht Bände über Charakter und Tendenz dieses Machwerkes, dem wir aber noch einiges Andere anreihen wollen Bei Besprechung der den ersten Christen vorgeworfenen Blutbeschuldigungen und thyestäischen Mahle bricht der Verf. in die entrüstete Frage aus: ״Wer aber hat diese Dinge den Heiden ein geredet?“ — und giebt aut diese fettgedruckte Frage sich selbst die Antwort, dass es nur Juden gewesen sein können, ״denn so kindisch und verbrecherisch zügellos war weder die Phantasie noch die Gesinnung

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