Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 16/17. (20.4.1894)
- Date
- 1894-04-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M16/17. Das XXIII. Jahrg. JüdischeLiteraturblatt Zur Beleuchtung alter Judenthum und Juden betreffenden literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Philosophie, Geschichte, Ethnographie, Theologie, Orientalia, Exeqesse, Homiletik, Liturgik und Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner D1\ Moritz Rahm er. Magdeburg, den 20. April 1894. Bücher der einschlügigen Literatur, «reich der Redaktion zugeiendt werden, finden in diesem Blatte eingehende Besprechung, Bei Einsendung von zwei Recensions- Exemplaren erfolgt einmalige kurze Gratis-Insertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlung'en (in Leipzig bei .Robert F riese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift,“ die vierteljährlich bei allen Postanstd'en und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatnr-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״Expedition dieses Blattes־■ zu senden. Buohhänd'er und Lehrer, welche direkt oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ״/o Rabatt. InHalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Bibelkritik und die Halacha. Eine Pessach-Studie. Von Dr. Ludwig Pick, Rabbiner in Pyritz. — Rösel’s Juden- und Christeuverfolgung bis in die ersten Jahrhunderte des Mittelalters. Besprochen von Dr. Singe r-Coblenz. — Erklärung einer Stelle im Jad hachasakah. (Hilchot Maachaloth assuroth Abschnitt II. 11. Von J. Feinstein. — Inserate. Recensionen: Gems from the Talmud von J. Myers. — B rüstiger, Jugendbliitheu. — Die Parteiungen im jiid. Volke ^^ur^IeitjTesui^\^>n^jlIartin>W1j!׳j1er^^Altu^lerGrab8teine. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatts ist nicht gestattet. Die Bibelkritik und die Halacha. Eine Pessach-Studie. Von Dr Ludwig Pick, Rabbiner in Pyritz. Ob die Bezeichnung ״Pessach“ sich wohl mit dem Begriff und Umfang des entsprechenden Festes deckt? Dieses scheint mit seinem Lamm-Opfer, seinen Mazzotli und seinem Moraur über die Bezeichnung liinauszugreifen. ״Pessach“ bezeichnet bloss das Momen‘ des Hinwegschreitens des Verderbens über die Häuser Israels, und, da bei den Aegyptern nur die Erstgeborenen von dem Verderben betroffen wurden, so wären cementsprechend in Israel auch nur die Erstgeborenen bedroht gewesen, die Nachgeborenen, die von der Todesgefahr überhaupt ausgeschlossen waren, konnten demnach das Hinwegschreiten des Verderbens nicht mit dem eigenen persönlichen Gefiilil der unmittelbaren ״Bewahrung“ vor dem Verderben als persönliches Errettetsein empfinden. Der Name ״Pessach“ würde demnach weder dem Urnfange, noch auch der Allgemeinheit der Errettung nach die Sache des B'estes decken. Allgemeiner und umfassender ist dafür der Ausdruck ״ יציאת הצריםAuszug aus Aegypten“, welcher in den geschichtlichen und prophetischen Teilen der Bibel bei verschiedenen Gelegenheilen, in verschiedenen grammatischen Verhältnissen, gebraucht wird. — Auf Grund des Berichts im 2. B. M. 12. 39: ״Und sie bucken den Teig, den sie aus Ägypten gebracht, zu ungesäuerten Kuchen, denn er hatte nicht gesäuert, weil sie getrieben wurden aus Aegypten, und sie nicht verziehen konnten, und auch Zehrung hatten sie sich nicht bereitet“ ist die Meinung verbreitet, dass das Mazzagebot diesem Zufall sein Entstehen verdankt, sodass die Schrift an diesen Zufall anknüpfend die Mazza zum Andenken an den Auszug eingesetzt habe. Von dieser Anschauung ausgellend halten mit Eichhorn (Einleitung i. d. A. T.) manche Bibelkritiker die Vorschrift für das Passall K. 12,8 desselben Buches, woselbst auch das Essen der Mazza geboten ist, nicht an .richtiger Stelle stehend, da die Mazza erst auf der Reise — inSukkoth — von dem Teig gebacken wurde, den sie aus Aegypten mitgenommen, während sie das Passalamm schon am 14. des Abends noch in Aegypten gegessen hatten. Als Stütze für diese Auffassung, nach welcher das Passah und die Mazza ursprünglich von einander getrennt waren, mag der Kritik die Stelle im 4. B. M. 28, 16, 17: ״Im ersten Monat am 14 Tage des Monats, ist das Passah, dem Ewigen; und am 16. Tage dieses Monats ist Fest, sieben Tage soll Ungesäuertes gegessen werdenli — gedient haben. Dass die Kritik diese Stelle missverstanden hat, liegt auf der Hand. Denn diese stellt sich als knappe Skizze aus dem Kap. 12 im zweiten Buche dar, mit dein besondern Zweck, das Passafest zur Darbringung von Opfern an demselben in ein Verhältnis zu bringen und setzt das dort bestimmte: ״am Abend des 14. sollt ihr Mazzotli essen“ voraus. Zu der Auffassung, als stünde das Mazzafest zu dem Passall im Verhältnis der Nac lifo lge, hat besonders JosephusArch. 3. 20—25: TCEp.7rtrj 2e y.ai Ssxxty) 2:a2r/e־a׳. xrjv xoü llaT/a 7j xwv a£jp,ä)7 iopx/j Anlass gegeben. Allein dieser Auffassung widerstreitet die Halacha. Diese lässt das Passah- und Mazzafest als ein einheitliches auf und zwar so, dass das Mazzagebot schon für die ״Nacht der Be- Währung“ in Aegypten selbst gegolten habe. Die Misclina (Traktat Pessachim 96a) stellt nämlich die Unterschiede auf zwischen dem Pessach in Aegypten am Abend vor dem Auszuge und dem der spätem Zeiten, und die Gemara gelangt zu dem Resultate, dass die Pessaclifeier mitsammt dem Chamezverb01 schon für den Abend in Aegypten vorgeschrieben war. In positivem Sinne ergibt sich diese Auffassung von der Einheit und Gleichzeitigkeit des Mazzamit dein Passageböte aus der Kontroverse zwischen Raba und R. Acha b. Jakob daselbst 120 a. Dieselbe hat zum Gegen- ,stände ob מצה heutzutage דאורייתא oder דרבנן wobei Beide zur Voraussetzung haben, dass V. 8. K. 12 die Kinheit und (Gleichzeitigkeit von Pessach und Mazzah betone, so dass die Halacha für die Mazzapflicht jetzt (בזמ׳ה), da das Passa-Opfer nicht stattfindet, erst in dem absolut gefassten Vers 18: ״am Abend des 14 sollt ihr Mazzotli essen“ ihre Begründung findet. Ein Stützpunkt für die seitens der Halacha vorausgesetzte Einheit und Gleichzeitigkeit von Pessacli und Mazza in der Pessaclifeier in Aegypten und ein Beweis dafür, dass die Pessaclilind Mazzavorschrift K. 12 v. 8 an ihrer richtigen Stelle steht, nicht aber als eine Be- Stimmung für spätere, auf die aegyptisclie Zeit folgende, Pessachfeste anzusehen ist, liegt in dem folgenden Umstände. Die Mazza war schon lange vor der aegyptischen Nacht der Befreiung bekannt. Als die Engel zu Lot kamen, bereitete er ihnen ein Mahl und buck M a z z 01 h. Es war also schon lange vorher Sitte, dass