Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 13. (30.3.1894)
- Date
- 1894-03-30
- Page
- Seite 50 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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50 aus, dass auch ich diesem Jahrbuch einen längerem Beitrag über ״Theodor Körner in Wien“ zugewendet habe. Dieses Gedicht ist um so interessanter, als der greise Dichter darin gewissennassen eine poetische Selbstlebensgeschichte veröffentlicht; wie. er jung an Jahren schon die Welt kennen lernte. Er sah Italiens Paläste, besuchte die vom Nordlichtsglanz umflossenen Dänder, die Ruinen Jerusalems, die Pyramiden Egyptens, — aber stets sehnte er sich zu der kleinen, stillen lleimath zurück. Darin spricht sich ein echt jüdischer Zug aus, der ihm allezeit eigen war, eine innige, glühende Diebe zur Mutter, denn er singt: l’ml ich sah dev Mutter Walten. Fromm des Hauses Ordnung halten, Sorgen, schalten o nie H11he. Alle ihre Lchenstagi•. Von dom ■ ,clikan die Sage Machte wahr ihr treues Thun. . . ln seiner Jugend lernte er das böhmische Ghetto in seiner ganzen nieiisclienumvttidigeii, düsteren Scheussliclikeit kennen. Die traurige Lage der Juden vor (len Miirztagen 184s, in Verein mit einer freiheitsglühenden. stiii mischen Jugendhegeisterung war wohl die Haupt- Ursache, dass der junge Dr. der Medizin — er holte sich den Doktorgrad <111 der Universität zu Padua — sich an der revolutionären Bewegung des tollen Jahres beteiligte. Sein Name ist mit jenen Ereignisse unzer• trennli׳•!! verknüpft., denn sein Gedicht: ,,Universität,•‘ welches am 15. .März 1848 als erstes censurfreies Blatt in Oesterreich erschienen war. erregte damals beispielloses Autsehcn und wurde von nicht weniger als 17 Componisten in .Musik gesetzt. Allezeit empfand er in seinen zahlreichen, lyrischen epischen Dichtungen wann und begeistert für Oesterreich u. Deutschland, sowie die idealen Ziele der Menschheit.:am sympathischsten aber berühteu die Saiten seines Genius, wenn er von Israel sagtund singt, wenn er unsere Vorgangenleit. unserer Geschichte unserer Helden und Märtyrer, unserer Schmerzen, unserer Geistesgrössen und unseres Gottes gedenkt. Mau lese nur seine ״Sagen aus dem Morgenlande•‘, sein biblisches Gedicht: ״Rachel,“ sein poetisches Eamilienbnch: ״Libanon“, seine hehr. Elegien ״Nach der Zerstörung•‘, seine zweibändigen Reiseberichte ״Nach Jerusalem“, seine epische Ghettogescliichte ״Der Primator•‘ und andeie Werke Frau und man wird von dem Sinn und der sorgsamen Liehe dieses genialen Poeten zu seinem Volke aufs Mächtigste sich ergriffen fühlen. Nie schämte er sich seines Judensums, und selbst als er mit Würden, Titeln und Aus- Zeichnungen überschüttet wurde, vergass er nie seines Eisprungs. — Der erbliche Adel, welcher ihn verliehen wurde, einte, wie nur selten, ein wirkliches, unsterb liclies Verdienst, und sein Prädikat, .,Ritter von Hochwart“ ist gleichfalls bezeichnend; er erhielt es in Rücksicht auf die durch ihn auf der Hohenwarte bei Döbling ins Leben gerufene israelitische Blindenanstalt, wozu er ein Grundkapital von :5411,000 Guldenzusammeubrachte. Dieser .Meister des Werkes war eben auch ein Held der Th nt. Nicht mir in der Literatur, sondern auch im Buche der Humanität ist sein Name auf goldenen Lettern verzeichnet. Aus der Fülle seiner edlen und hochherzigen Ruhmesthaten auf dem Felde der Wohlthätigkeit und der weihevollen Pietät seien noch einige Züge hier hervoi geholten: 111 Folge seiner rastlosen Bemühungen erhielt das Wiener Musikconservatorium, das sieh trüber nur von schwachen Einkünften mühsam erhalten musste, von der!Stadt Wien und vom Kaiser Franz Joseph von Oesterreich bedeutende Jahreszuschüsse. Er bewog den Wiener Reiclisrat zu jährlichen Stipendien von 24 000 Gulden für Künstler, Dichter und Musiker. Das Granit-Denkmal des grossen Componisten Ritter von Gluck in Wien wurde dnreh ihn in’s Leoeu gerufen, ebenso das erste Standbild Beethovens in Oesterreich, in Heiligenstadt neben Wien. Auf seine Veranlassung wurd:n die Medaillen auf Hammer-Purgstall, Giacot.io Meyerbeer und Anastasius Grün geprägt. Allgemein bekannt sind seine Verdienste, welche er sich um das Zustandekommen des Schillerdenkmals in Wien und neuerdings um das Grün-Lenau-Monument erworben hat. Nicht nur in seinem Vaterlande übte er nicht genug anzuerkennende Werke edler Menschlichkeit. sondern auch in unserem heiligen Lande. Im März 1850 unternahm er, veranlasst durch den ihm gewordenen Auftrag, eine Lehr- und Wohltliätigkeitsanstalt zu Jerusalem in’s Leber! zu rufen, eine Reise nach Palästina und löste, trotz zahlt eichet Hemmnisse und Schwierigkeiten, welche sich ihm in den Weg stellten, seine Aufgabe aufs Glücklichste, im Interesse unserer Glaubensgenossen. Mächtig zog es ihn seitdem nach dem heiligen Lande; 1805 unternahm er eine neue Reise nach Palästina — und wie segensreich sein zweites Wirken war. beweisst schon der Umstand, dass die dortigen Städte Zaphet. und Tiberias am gdiläischen Meere dem aufopferungsvollen Manne ebenso wie die Hauptstadt der österreichischen Monarchie und sein GebnrtsortChrast dasE 11 r e 11 b ü rg e rrecli t verliehen haben. Es ist bekannt, dass er sich auch um das jüdische Gemeinleben unverwelklic.iie Verdienste, etrungen. Seit 1868. als er die, Stelle eines Sekretärs an der Wiener israelitischen Gemeinde erhielt, bis zu seiner Erwählung zum Präses der dortigen Ciillusgemeinde im Jahre I80ö und bis zu seinem letzten Athemzug war er eifrig bemüht, die Gemeindeinteressen tliatkräftig zu fördern, was ihn auch in jeder Beziehung bestens gelang 186:4 konnte er die Feier seiner, 25jährigen Dienstzeit als Archivar der Wiener israelitischen Gemeinde festlich begehen. Bekannt ist, dass Leopold Kompert ihn seine ״Ghettogeschichten“ widmete, und ebenso, dass er eine sehr wertvolle ״Geschichte der Juden in Wien“ schrieb. Ich stand mit dem Dichter in den letzten Jahren in regem st hriftliclien Verkehr, doch eignen sich nicht alle seine Briefe zur Veröffentlichung — da dieselben manches Vertrauliche und Persönliche enthalten. U li mache eine Ausnahme mit einem 4 Seiten langen Briet welchen L. A. Frankl mir aus Weimar 1861 schrieb. Ich hatte ihm nämlich meine bei Reclam in Leipzig (Universal-Bibliothek) erschienene Biographie Giacomo Meyerbeers eingeschickt und ihn zugleich gebeten, Einiges über seine Beziehungen zu Meverneer und derartiges mehr fuhr ein anderes grösseres Werk über den gross tu jüdischen Tonkiinstlor mir mitzuteilen. Er entsprach in liebenswürdiger Weise meinem Wunsche in einem eigenhändigen Schreiben, welches bisher noch nicht gedruckt ist und also lautet; 1 Schluss folgt) üer Bann im alten Testamente. Von 8. M a 11111, caml phil II. (Fortsetzung.) Im Buche Josua 4, 5, 6, 1711'. wird der Bann in dem Sinne, wie wir ihn aus Deut. 11, 34 .4, 0 kennen gelernt haben, angeführt. Im 0. 6 giebt Josua den geschärften Befehl hierüber, worin sielt abermals der in Lev. 27 entwickelte Begriff über Cherem darstellt; blns mit der Moditicirung, dass hier alles Silber und Gold anstatt den Priestern dem Schatze des Ewigen geweiht wird. Dieser Befehl wird mm erfüllt, doch ein gewissei• Acltan vom Stamme Juda der sträflich vom gebannten Schmucke entwendet, verfällt dem Cherem, indem er und all seine Habe verbannt wird.*j *1 Vgl. Dilluiaun zu Jos. 6. 17 fi.