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Das jüdische Literaturblatt · 1894-03-30 · N° 13. (30.3.1894) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 13. (30.3.1894)
Date
1894-03-30
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Al 13» XXIII. Jahrg. Das J üdischeLiteratur blatt Zur Beleuchtung aller ledenthim und ludun betreuenden littrtriuchen Ertcheinun!«■ aut dam Bnbiete dar Philosophia, CaachtcMa, Ethnographie, Theologie, Orion• taUa, Exegeste, Homiletik, Liturgik und PUagogik. Herausgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. Magdeburg, den 30. März 1894. Bücher der ainachMgigen Literatur, welche der Redaktion zugeaandt werden, Anden in dieaem Blatte eingehende Besprechung, Bei Eineendung «on zwei Recensione- Exemplaren erfolgt einmalige kurze Graüe-Intertion. Das ״Jüdische Literatur-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen. Preis bei allen Buohhandlungren (in Leipzig hei K 0 bert F riese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift,“ die vierteljährlich bei allen Postanstilien and Buchhandlangen 3 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Literatnr-Blatt“ gratis. Inserate werden mit 25 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark berechnet und sind an die ״Expedition dieses Blattes“ za senden. Buoh- Landler und Lehrer, welche direkt oder dnreh Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 0/0 Rabatt. InHalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Erinnerungen an Ludwig Ang. Frankl. VonDr. Adolf kohut — DasAnathemaim alttesta• mentlicheu Schrifttum. Dargestellt und kritisch erläutert von S. Mandl. II. Cherem nach biblischer Anschauung. (Fortsetz.) Recensionen: Für jüdische Litteratur seit Abschluss des Kanons. Eine prosaische und poetische Anthologie mit biographischen und littesaturgeschichtl. Einleitungen unter Mit- Wirkung hervorragender Gelehrten heraus gegeben von Rabb. Dr. Winter und Prof. Dr. Wünsche. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte Ist nicht gestattet. Erinnerungen an Ludwig August Frankl. Von Dr. Adolf Kohat. [Nachdr. verb.| ״Sie wundern sich gewiss noch, dass ich lebe,“ sagte mir Ludwig August Frankl, der vor Kurzem in seinen 86, Lebensjahr verstorbene herrliche üsterreichische Dichter nnd treuer Anhänger seines äugestammten Glaubens, als ich ihm am 3, Februar 1890 an* lässlich seines 80. Geburtstages meine Glückwünsche, zugleich im Aufträge zahlreicher Berliner Schriftsteller, überbrachte. . . . ״Vor einigen Jahren schon wurde ich todtgesagt, und ich habe zu meinem lebhaften Vergnügen mit eigenen Augen höchst liebenswürdige und schmeichelhafte Nekrologe über mich gelesen, und noch dazu in solchen Organen der öffentlichen Meinung, welche früher mich recht schlecht behandelten. Wie sie sehen, ich lebe noch. Das biblische Alter ist längst erreicht aber Freund Hain scheint mich vergessen zu haben.‘־ ״Lieber Herr Professor“ — L. A. Frankl war Prof, der Aesthetik, Schulrat und Ritter von Hochwart — können Sie denn wirklich urkundlich nachweisen, dass Sie bereits acht Jahrzehnde durchlebt haben? Sie lesen ganz ohne Brille, Sie sprechen überaus deutlich und klar, schreiben so leserlich, dass jedem Leser d»s Herz im Leibe lachen muss und jetzt blicken Sie mich anch noch mit Ihren grossen, durchdringenden Augen so scharf an, dass ich an Ihrem Alter irre werde. Ich kann deshalb der Hoffnung Ausdruck geben, dass der Wunsch : Gott möchte Ihnen eine Lebensdauer ״ad meah Schonim“*) im .Interesse derWissenschaft, Literatur und des Judentums geben, sich gewiss erfüllen werde. . . ״Ja, Sie haben liecht, lieber Doktor . . . Jetzt begreife ich erst, was mir. Alexan der von Humbol dt in Berlin sagte — als ich Ende der 50er Jahre ihm mein, ihm gewidmetes, Epos: ״Christopho0 ׳ Colombo,“ überreichte. Er war schon damals sehr alt, aber sali überaus frisch und elastisch aus. Als ich ihm Complimente über seine Rüstigkeit machte, meinte er: ״Sie sind jung, und ich bin noch nicht alt. Glauben Sie mir, *) ״Bis 100 Jahre!•‘ es ist kein Glück, alt zu sein. Ich fühle mich in der That nicht alt, bin aber glücklich, schon seit langen, langen Jahren ohne Wunsch zu sein und nur meinen Erinnerungen zu lebeu“. Damals sagte ich zu Alexander von Hum* boldt: nun könnte ich ruhig sterben, denn meine zwei sehnlichsten Wünsche haben sich verwirklicht: ״Ich habe die Cedem des Libanon gesehen nnd nun Alexander von Humboldt, — und ich hätte nicht gedacht, die Last des Daseins noch weiter zu schleppen . . . Aber, wie gesagt, es ist kein Glück, alt zu sein. Ich habe keine Hoffnung, dass es besser wird — unsere Antisemiten, sie treiben es wüster und toller als in meiner Jugend, die Rowdy's in Frack und in Glacehandschuhen haben die Oberhand. Es bricht mir das Herz; wie meinen Freunden Berthold Auerbach und Leopold Komp er t. Nur bin ich krititischer veranlagt, wie diese beiden Dichter, welche zu optimistisch von dem cultuellen Fortschritt dachten, und die vis inertiae in der menschliehen Natur zu wenig berücksichtigten.“ Als ich mich von dem körperlich so frischen Jubilar verabschiedete, hätte ich nicht gedacht, dass ihm die Vorsehung nur noch 4—5 Jahre irdischer Thätigkeit gönnen werde. Ich war der festen Ueberzeugung, dass er zu den geistigen Urgreisen dieses Jahrhunderts gehören werde, welche erst mit 90 Jahren in die Lage kommen, ihre sterblichen Hüllen zu verlasseu und zu jenen lichten Höhen emporzusteigen, wo nur Gott, der Urgeist, wohnt. Ich dachte an Kaiser Wilhelm, an Ranke, an Humboldt, an Ludwig Kossuth u. a. Doch war es im Buche des Lebens anders beschlossen. Immerhin können wir uns freuen, dass es ihm vergönnt war, bis in sein hohes Greisenalter thätig za sein, ohne vom Siechthum heimgesucht za werden.. Dieser Nestor der deutschen Dichter und Schriftsteller schrieb nicht allein bis kurz vor seinem Tode eigen* bändig seine reizenden Erinnerungen aus den Maitagen von 1848 für die ״Neue freie Presse“, sondern — was noch merkwürdiger ist. — auch sein lyrischer Pegasus fühlte keine Altersschwäche und offenbarte eine Schaffenskraft, welche in dieser Art wohl einzig dasteht. — Noch in vorigen Jahre übersandte er mir in Abschrift ein später auch in diesem gesch. Blatt abgedrucktes Ge- (vgl. Nr. 9 der Israel. Wochenschrift) betitelt :״Chrast“**), einer Stadt in Böhmen bei Chrudim, wo er am 3. Februar 1810 geboren wurde und wo sein Vater, ein Jude mit Leib und Seele, bei der Tabaksverwaltung angestellt war. Er teilte mir mit, dass dieses Lied in dem Wiener Jahrbuch ״Dioskuren“ 1894 erscheinen werde, und er sprach einige Monate darauf mir seine Freude darüber **) ln 11er Beilage zur Wochenschrift (.11111. Faniilieublatt) führt cs die Ucherschrift: ״lleimath,“

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