Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 11. (16.3.1894)
- Date
- 1894-03-16
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 42 besagten Falle luv.i;leite es sich ediglich um religiöses nicht etwa um Parteinteresse.*; Für die Verschiedenartigkeit des Bannes bezüglich der Grade und Stufen, mag zur vorläufigen Oirentirung genügen, dass im Entwickelungslauf des Cherem wesentliehe äussere Einflüsse auf die Bedeutung desselben massgebend wurden; es kam eben darauf an, wo, wie und hauptsächlich von wem der Bann ausging. Der Bann war ein geistiges oder wenn inan will ein geistliches Hillsmittel und er dankt sein Entstehen zum nicht geringen Teile dem Bedürfnisse, die Ehre der Thora und ihrer Vertreter zü wahren. Obenan unter den 24 Punkten wonach Bann erfolgte, heisst es; Wer einen Schriftgelehrten schmäht, selbst naelylessenTode. (Vgl. III Th.§ 2) Es eröffnet sich nun bei solchen mehr praktisch-reli. giösen Motiven ein freier Spielraum für die Ansichten der Gelehrten; diese zu schlichten soll im Vorliegenden versucht werden. Es sei blos das vorweg bemerkt, dass es bei Synagogenbann ausser dem Gebannten durch Geistliche auch einen solchen durch Laien giebt, eine Thatsache, welche in der Folge als ganz eharaeteristiseh erscheinen wird; wie denn überhaupt die religiöse Weihe im Judenthum bekanntlich nicht so sehr auf Einzelne überging, wenigstens von Alters her nicht. Als nicht mfnder wichtig für die Erkenntniss der historischen und wesentlichen Beschaffenheit dieses 111stituts sind die Zeitabschnitte des späteren Nassiats und der Amoräer. Wir kommen hierauf eingehender zurück, weil diese Periode wie in so vieler Beziehung grundlegend für das engere jüdische Gemeinwesen, auch hierin einen merklichen Wendepunkt bildet. Ausserdem wird zu beachten sein, dass jerusalemische und babylonische Anschauungs- und Ausdrucksweise auch hier von Einfluss waren, wie wir es denn sofort an dem dies heziiglichen Unterschied der Dauer und Bedeutung der Nesifah deutlich sehen können. (S. III Th. § 3.) Was nun das Banninstitut als solches betrifft, ist es sehr wahrscheinlich, dass dieses als Gerichtsverfahren vorwiegend in Babylonien Geltung fand, und zwar in dem Sinne wie es der alte Cherem an sich forderte, welcher als gefürchtetes unnahbares Etwas dastand und welchen wir von eben dieser Seite aus noch späterer Zeit kennen lernen werden. So lange Israel Gottesstaat sich nannte, war dieses gefürchtete Institut ebensowenig notwendig wie bei dem mächtigen römischen Rechtsstaat. Hier wie auch dort wäre der Cherem nicht am Platze, da er bei Ersterem ebensowenig begründet, als üei Letzterem von Erfolg gewesen wäre. — Wir glaubeu daher in der Annahme nicht zu irren, dass der Antang einer Herausbildung des Cherem *) Es!׳leibt, hierbei dahingestellt, ub der daselbst erwähnte Akitbja ben Mahaljlel mit. Jost, Geich. des ,1 ii leutlmms II., S.34; lUppaport, Kerem Cbemed ■lahrg. 18t t S. 171» 1V. u. a. Neueren ali Zeitgenosse lt, (iandielsdes Jüngern, oder mit Juscbasiu I 13 a und Soder Tanaiw Wamaraim s. v. als Zeitgenosse Schamai’s und Uillels zu setzen ist. Wiesner am a. O. S. 12 Amu. versucht nachzuweia-n, dass er bereits zur Zeit des Tempels existirte, deun hierauf deuten die Worte; שאץ העזרה ננע^ת in bezeichneter Mischna. Dies dürfte jedoch — abgesehen von d-r Möglichkeit einer blos metaplioren Bedeutung (s. Schürer a. a. 0. IM. 1. S. öjo, cf. Josephus Antiipi. 111 0 —10 Contra Ap. 11 27 11 6 s.!in.) — dem ונעשך אב בית דין zu Anfang der bez. Hischnah nicht entsprechen. Ein בית דין im wörtlichen Sinne hätte unseres Krachten* gleichzeitig mit עזרה keine K'iisteu/.herochtiguug, vielmehr das סנהדרין, vgl auch Schürer a. a. O. 1. S. 27h il 11 21)3 a , Bacher, die Ag.ida der Tanaiten 11 371 Amu. u. Wellhnuseu. ,,Die Pharisäer und Sadduzäer“ S. 21» If. Was Schürer a. a. O. 11 3tii aus Sclunouö Essre erhärten will, scheint nicht recht klar; der fragliche Punkt enthält keinerlei He/ug auf Rann. Bedeutsamer scheint die Thatsache, dass es schon im Tempel zu Jerusalem einen besondern Eingang für מנודה gab, wie auch die jjjscussion über Upferplliciit des Gebannten im Talmud, vgl. Moed k־lta11 p. 15. von dem Tage an datirt, wo der Tempel Israels zerfallen und der viel schwachem Synagoge den Platz räumen musste.*) — In Babylonien sowohl als auch während der späteren Diaspora war es nötig, den in Trümmer gegangene Gottesstaat oder mindestens die Idee durcli wirksame Mittel wach zu halten; dies konnte der vielumstrittenen Synagoge nur im Wege der Festigung des eigenen Glaubens gelingen. Der Bann sollte sich hierzu als wirksam und heilsam bewähren, aber nicht etwa indem er zerstörend und ausrottend, sondern dadurch, dass er aut- und errichtend in die Dienste der Synagoge trat. Wir versuchen nun die Gesichtspunkte, von denen wir in vorliegender Darstellung uns leiten Hesse;), genau anzugeben. Dieselben würden etwa in Form von Thesen folgendermassen lauten; 1. DerCheremdientsowohlnachseiuem ursprünglichen, als auch spätem Character rein theokratischen Zwecken. 2. DerBanu als solcher gehtauf den alttestaraentlichen Cherem, wenn auch nicht unmittelbar, zurück. 3. Der Bann ist auf Sünden und Verbrechen gesetzt, welche nicht speciell mosaisch verboten sind. 4. Der Bann als Strafe •ist nach Wesen und Zweck lediglich Besserungsnicht Zach nu ittel. 5. Bann (Cherem) und kirchliche Exeommunication haben trotz mancher Analogien keinerlei Gemeinschaft (Forts, folgt.) Erklärung unklarer Bibelstellen. V#n Dr. He rz 0 1 -Brody. VI. II. Buch Mose 17 V. 11. ״Wenn Mose die Hand' erhob, siegte Israel, und so er die Hand sinken lies, siegte Amalek.“ Ira Allgemeinen wird von den Exegeten diese Tliat unseres Lehrers Moses so erklärt, dass er fiehend aut dem Berge gestanden, das innige Gebet des grossen Lehrers und Befreiers Israels habe auch den Sieg verschafft. Es fragt sich nun; 1) Wenn es sich hauptsächlich um das Gebet Moses handelte, wozu nahm Moses seinen Stab mit, und dies wird ja ganz ausdrücklich betont; אגבי נצב על ראש הגבעה ופטה האלה׳ בידי 2) Warum erhob Moses nur eine Hand, wie es heisst: והיה כאשר ירים משה ידו, man betet allgemein doch mit erhobenen Händen! 3) Weshalb bestieg Moses zu diesem Zwecke eine Anhöhe, erhört denn Gott in der Tiefe nicht ebenso das Gebet der Menschen wie oben in den Höhen? 4) Wie konnte Moses, mit seinem Berichte über diesen Kampf gegen Amalek den Allgütigen als so kleinlieh bezeichnen, dass nur insolange das Gebet Moses währte, Israel siegte; in dem Momente jedoch, wo Moses zu beten aufhörte, siegte der Feind?! Ich vermute daher, dass es sich in unserem Schrifttexte durchaus nicht um Gebet und Andacht, nicht um ein zudringliches Bitten und Beten handelt, sondern um eine strategische Vereinbarung zwischen Moses u. dem Heerführer Josua. Israel wurde von Amalek in heimtückischer Weise überrascht und angegriffen. In aller Eile musste dem Gegner eine streitbare Macht, zu deren Anführer Josua ernannt wurde, entgegengestellt werden. Der Kampf fand in der Ebene statt, so das* es dem Anführer, der an der Spitze seiner wenig geschulten Streifer stand, nicht möglich war, den Kampfplatz zu übersehen und die Vor- und Nachteile der Seinigen zu ermessen und zu beurteilen. Zu diesem Zwecke bestieg Moses einen nahegelegeneu Hügel, von * Vgl. Schürer a. u. < •. ff, 362.