Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 10. (9.3.1894)
- Date
- 1894-03-09
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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״3 — eingehend Kin!le1!1 und Enkeln Bericht erstatten werden, wollen wir im Gefühle der Daukbarkeit nicht zu melden vergessen: ״Keine Nacht ist so undurchdringlich finster, dass sie nicht durch strahlendes Licht erhellt werden könnte. Im nächtlichen Dunkel, welches am Ausgange des 19. Jahrhunderts in Deutschland über Juda gelagert, spendete erhellendes und erwärmendes Licht der gute Deutsche und gute Christ — Walter Pohlman.“ Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Pr. Herzel-Brody. V. 1. Buch Samuel Cap. 17. V. 34 bis 3(1. König Saul und sein Heer befinden sich durch die Lästerungen und Schmähreden des furchterweckenden liiesen Goliath, der es darauf abgesehen hatte, den mit Israel begonnenen Krieg nur durch einen Zweikampf zur Entscheidung zu bringen, in arger Verlegenheit. Der philistäische Riese hatte durch seine Erscheinung die kriegführende Mannschaft der Israeliten derart eingeschüchtert, dass es niemand wagen wollte, dem gefürchteten Gegner entgegenzutreten. Wie ein Retter in der Not erscheint der unansehnliche Jüngling David und bietet sich dem Könige an, den Zweikampf mit Goliath aufzunehmen. König Saul konnte das Anerbieten des Jünglings um so weniger billigen, als er doch eine Menge streitbarer Männer 11m sich versammelt sah, von denen es keiner gewagt hatte den Entscheidungskampf mit einem so fürchterlichen Gegner aufzunehmen. Da erzählt der mutige Jüngling seine Heldenthat von dem Kampfe mit einem Löwen und einem Bären. Nun beginnt die Verlegenheit der Erklärer dieser Stelle, da es doch unmöglich sei, dass Löwe und Bär gemeinschaftlich auf Raub ausgehen? Ferner fragt es sich, wer von beiden war der zuerst Angreifende, wer wurde erschlagen, und schliesslich auf wen bezieht sich das ויקש עלי, da doch das erschlagene Tier sich nicht wieder erheben kann? Mit Rücksicht auf die hier vorgebrachten Zweifel ist auch die mir bekannte übliche Uebersetzung dieser {Stelle eine unklare und unrichtige. (Siehe z. B. Zunz. Bibelübersetzung oder die Philippson’sche.) Nach meinerAnsioht ist diese Stelle bei genauererEinsichtnahme nicht schwer zu verstehen. Im Bewustsein der allgemeinen Entmutigung ,die im Lager der Iwrim herrschte, musste David eine ganz un gewöhnliche, mutige That dem Saul erzählen, damit er Vertrauen zu ihm fasse, und ihm den Zweikampf aufzunehmen gestatte. Und er erzählt wie folgt: Einst weidete dein Diener die Schafe seines Vaters, da kam הארי ואת הדוב ein Löwe und ein Bär. Wer den Geist der hehr. Sprache kennt, weiss doch was את heisst? Ja wol! Aber die Natur der Tiere verbietet hier ausnahmsweise את durch ״mit•‘ zu zu überersetzen! Wer zwingt uns aber zu glauben, dass die beiden Bestien, wie zwei Schulkameraden friedlich neben einander einhergehend, den Raubangrif! auf die Schafe Jischai’s unternommen haben? Ist es denn noch im Leben nicht vorgekommen, dass ein unc dei selbe Staat von zwei feindlichen Heeren, von denen das eine im Norden und das andere im Süden operirte, angegriffen wurde? Schon alles dagewesen! Ebenso konnte die Heerde Davids'zu gleicher Zeit, von zwei wilden Tieren, die von entgegengesetzter Seite kamen, irritirt werden! Wer war der zuerst Angreifende darüber belehrt uns die Massorah: Im Ketib heisst es: ״ ונשא זה כהעדרund dieser trug ein Schaf von der Heerde weg. (Nach dem Keri ״ שהund trug ein Schaf weg.״) Also זה, offenbar der zuletztgenannte, das ist der Bär,1) und David erzählt weiter: ״ich eilte ihm nach und erschlug ihn.* *) Wenn nun der Bär tot war, wer konnte aufstehen? . folglich muss sich das ויהם עלי auf den vorhergenannten jöwen beziehen. Ur ä das stimmt vollkommen, denn es heisst dann ״ וההזרתי בזסגוich ergriff ihn an der Mähne“ (höchstwahrscheinlich hatten auch im Altertume nie Löwen und nicht auch die Bären eine Mähne!) Und was meine Meinung bis zur Evidenz erhärtet, ist der letzte Satz, denn es heisst: ״ גם את הארי גם הדובSowohl den Löwen als anch den Bären erschlug dein Knecht, so wird es hoffentlich gelingen diesen gefürchteten Pelischti dem Einen gleich zu machen!“ Mit dieser seltenen Heldenthat das David gab sich auch der König zufrieden und erteilte die gewünschte Einwilligung zum Zweikampfe. Recensionen. Renan, Ernest, Histoiredu Peuple d’Israel. Tome cinquieme. Paris, Calman Levy. 1894. (Schluss.) ״In dieser Geschichte der langwierigen Kämpfe des jüdischen Gewissens gegen die Ungerechtigkeit der Welt hat der ״Prediger“ seinen bestimmten Platz. Er stellt eine Pause in dem Kampfe dar. Bei ihm findet man keine Spur von Messianismus noch von Auferstehung, keinen religiösen Fanatismus, keinen Patriotismus, keine besondere Wertschätzung seiner Rasse. Nach dem Tode ist das Nichts. Der Tag Jehova’s kommt nie. Gott ist im Himmel, er wird nie auf der Erde herrschen. Der Prediger hat die Nutzlosigkeit aller Versuche, die Gerechtigkeit Gottes mit dem Lauf der Welt in Ueberein- Stimmung zu bringen, eingesehen, und zieht die Nutzanwendnng daraus. Wenn der Mensch seine elementaren Pflichten gegen seinen Schöpfer erfüllt hat, so hat er nichts weiter zu thun, als im Frieden zu leben, das ehrbar erworbene Vermögen zu geniessen und das Alter abzuwarten, das der Prediger recht hübsch zu schildern weiss. Man merkt es ihm an, dass er, um sich bei seiner pessimistischen Philosophie zu trösten, über manches geheime Trostmittel verfügt. Wie alle Pessimisten von Talent liebt er das Leben; die Idee des Selbstmords, an den Hiob beim Anblick der Welt einen Moment denkt, kommt ihm nicht in den Sinn. Hier liegt das Hauptinteresse des merkwürdigen Buches. Der Prediger allein, absolut allein, repräsentirt einen Zustand des Geistes und der Moral, in welchem viele Juden seiuer Zeit sich befunden haben müssen. Der Ungläubige schreibt wenig und seine Schriften haben viel Chance sich zu verlieren. Da das Schicksal des jüdischen Volkes rein religiös war, so musste der weltliche Teil seiner Literatur geopfert werden. Das Hohe Lied und der Prediger sind wie ein Liebeslied und ein Aufsatz Voltaire’s, die sich in die Foliobände einer Bibliothek für Theologie verirrt haben. Das giebt ihnen einen besonderen Wert. Ja, die Geschichte Israels würde einer ihrer Hauptleuchten ermangeln, wenn wir nicht die paar Blätter hätten, die den Seelenzustand eines Israeliten schildern, der sich mit dem Durchschnittsschicksal der Menschheit begnügt, der sich den Jubel und die Hoffnung versagt, der die Propheten, wenn es zu seiner Zeit solche gab, als >) Wahrscheinlich war die richtige L.A. ונשא זה שה מהערר TR.) *) והכיתיו. Aehnlich wie bei Moses ויך את המ1רי, oder bei Simeon ויו מהם שלושים איש ,,und er erschlug 30 Mann von ihnen.“