Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 8. (23.2.1894)
- Date
- 1894-02-23
- Page
- Seite 31 (sequence 3)
- Language
- German
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— 31 Aelmliche Familiennamen, die sich bei den Aschkenasim nicht finden, sind: מכורך (der Gesegnet0), משולם (der sichV ervollkommnende“),2' משיח) (der Gesalbte),עוזיאל (Usiel meine Macht ist Gott) u. a. Dass die Namen מלמד (Lehrer), Schamascb (Diener, Tempeldiener), חזן (Vorbeter), םזמר") (Vorsänger) מעמד (der Bestand, religiose Obhut),נבון (Naim =״verständig)" auf die Kenntniss der Thora und aut liturgische Thätigkeit zurückzuführen sind, erhellt aus der Uebersetzung dieser Worte von selbst. Wie bei den Muhamedanern, erhielt jeder Sefardi, wenn er auch nur einmal in Palästina gewesen und die heiligen Städte Jerusalem, Hebron und Tiberias besucht, für sein Leben lang das Epitheton ornans Ch ad sc hi (der Pilger) Siehe Jellinek, a. a 0. p. 12 (s. v.אני מאגו) Die Xamend er spanischen Frauen sind voller Poesie in orientalischer Farbenpracht, da glitzert Oro (Gold), da zwitschert Polomba (die Taube), hier erscheint Masel (מזל) das Glück, dort lächelt Ventura (das Glück in spanischer Sprache), hier begegnen wir einer ״Bose“ (Rosa) dort wiederum einer Zimbul (türekisch Lilie) bald lächelt uns Luna (derMond in Frauengestalt) an, dann tritt Balisa (die Herrin) auf. (Fortsetzung folgt). Recensionen. Venetiane!• Ludwig, Dr.: Das Buch der Grade (ספר המעלות) von Schentob B. Joseph ibn Falaquera. Berlin, Verlag von S. Calvary & Co. 1894. besprochen von Dr. Krakauer-Leobschiltz. (Schluss.) Der Herr Herausgeber spricht nun aber auch in seinen einleitenden Bemerkungen von dem eigentlichen Grundgedanken des Sohar“, der nach seiner Meinung kein anderer ist, als ,,dass die Erzählungen und Gesetze der heiligen Schrift keinen einfachen wörtlich zu nehmenden sondern einen geheimnisvollen Sinn haben.“ Der Herr Herausgeber befindet sich mit dieser seiner Meinung in voller Uebereinstimmung mit der Auffassung meines hochverehrten sei. Lehrers Grätz, der im 7. Bd. seiner Geschichte S. 224 sich in ähnlicher Weise äussert: ״Der Grundgedanke des Sohar (wenn man überhaupt dabei von einem Gedanken sprechen darf) beruht darauf, dass die Thora mit ihrer Geschichte und den religionsgesetzlichen Vorschriften keineswegs den einfachen Sinn bezweckt habe, sondern etwas Höheres, Geheimes, Uebersinnliches.“ Diese höhere Auffassung der Thora, ihrer Erzählungen und ihrer Gesetze ist thatsächlich in den von Grätz citirten Stellen Sohar 111. Teil pag. 148, 152a in bestimmter und umfassender Weise zum Ausdruck gebracht. Es kann aber bei eingehender Erwägung nur Verwunderung erregen, dass der Verfasser des Sohar, wenn dies der leitende Grundgedanke seines Werkes gewesen sein sollte, denselben erst in den späteren Parthien seines umfangreichen Werkes (im Wochenabschuitt בהעלותך) in bestimmter Weise zum Ausdruck bringt, während es ihm doch daran gelegen sein musste, diese Ueberzeugung möglichst früh, also auf den ersten Blättern seiner Darstellung, zu entwickeln und sie immer wieder in dem Gemüte des Lesers zu erwecken und zu befestigen. Thatsächlich tritt aber ein wesentlich anderes Moment stets in den Vordergrund der Betrachtung und wird mit unverkennbarer Wärme des Gefühls ob seiner Bedeutsamkeit stets unter 11) Wörtlich: Der vervollkommet wurde. 12) Dieser Name stammt sicherlich aus der Zeit des שבתי צבי, in der dessen Anhänger und Verehrer sich diesen Namen beilegten. 13) Der l’raecentor, der dem Cantor untergeordnet ist, führt diesen Namen. neuen Gesichtspunkten beleuchtet, es ist die feststehende Ueberzeugung: Israel sei und bleibe stets trotz aller Verfolgung und Bedrückung und Verunglimpfung das auserwählte, von Gott geliebte Volk; sein Glanz und seine Grösse sei aufbewahrt für die messianische Zeit und für die kommende Welt und nur durch die getreueste Erfüllung der göttliehen Gesetze, durch stets tieferes Eindringen in den Inhalt der Thora, die auch einen geheimnisvollen Sinn für jeden Satz ja für jedes Wort derselben in sich berge und darum eine ewige und unergründliche Fundgrübe religiöser Erkenntniss sei, können die einzelnen Glieder dieses Volkes einer solchen Zukunft theilhaftig werden und ihr Herannahen beschleunigen. Die tröstende und aufrichtende Kraft, die in dieser stets von Neuem zum Ausdruck gebrachten durch Beweise aus Bibelstellen begründeten Zuversicht zum baldigen und ergreifenden Ausdruck gelangte, erklärt uns die überaus rasche Verbreitung des Sohar seit den Tagen seines Bekannt- Werdens in den Kreisen des Judentums. Der Sohar, -der seine Betrachtungen an den bekannten Inhalt der Wochenabschnitte anknüpfte, der in diesen Betrachtungen den verfolgten jüdischen Stamme die vielgestaltigen, in ihrer Wucht und in ihrer steten Erneuerung Unverstandliehen Leiden dieser Welt erklärte, der die den Verfolgern und Bedrückern Israels gegebene irdische Macht als eine göttliche A b 10 h n 1111 g derselben in dieser Welt beleuchtete, der gegenüber den Ausdrücken des Hohnes, der Verachtung und der Verwerfung, die aus dem Munde der Bedrücker Israels erklangen, aut die höheren Zeichen göttlicher Liebe und Erbarmens und unter anderem auch auf den Glanz der Schechina hinwies, der die Gesetzesforscher bei der Beschäftigung mit den Lehren der Thora unsichtbar umschwebe, musste, wie leicht begreiflich, in drangsalsvollen Zeiten den aufgeregten Gemüthern eine Quelle des Trostes und mächtiger innerer Erhebung, ein viel gelesenes Erbauungsbuch werden und die Beschäftigung mit der rationalistischen religionsphilosophischen Literatur bis auf ein kleines Mass zurückdrängen. Schon die einleitenden bedeutungsvollen Worte, die eiuen lebhaften Wiederklang in den Gemüthern erwecken mussten, lassen die Tendenzen des Sohar erkennen : רבי חזקיה פתה כתיב כשושנה בין ההוחים מאן שושנה דא כנסת ישראל מה שושנה ובו׳. Wird nun hier gleich am Eingänge das Bild von der Rose unter den Dornen für die Charakterisierung Israels und für die Erklärung seiner Schicksale zu beziehungsreicher Deutung vom Verfasser des Sohar benutzt, so begegnen wir noch vielen anderen bezeichnenden Vergleichen, unter denen die im Sohar שמות B pag. 5b (S. 10 der neuen Wilnar Ausgabe) dargestellten Schriftungen ob der daselbst veranschaulichten Gegensätze besonders hervorgehoben werden mögen: ממעונות אריות אלין אנון עמין עעכום דדמיין לאריוותא ונמרץ דמענין להון (לבני דהמנותא) und einige Zeilen weiter heist es: ר׳ יודן אומר ממעונות אריות אלין אינון ת׳ח דעסר\ באוריתא ממעונות המדרשות ובבתי בנסיות דאינון אריון ונמרים באודיחא. Die Bezeichnung von ״Löwen“ sei ebenso anwendbar auf die Bedrücker Israels, wie auf die Gesetzesforscher und Gottesmänner in Israel nur mit dem durchgreifenden Unterschiede, dass den Ersteren dieser Name ob ihres gewaltthätigen beutegierigen und raubtierartigen Gebahrens zukomme, während die Letzteren ob ihrer Thatkraft und Ausdauer, die sie in den Lehrhäusern und Gotteshäusern bekunden, im rühmlichen Sinne mit ״Löwen“ bezeichnet werden können — Die Frage nach dem Grunde der andauernden Bedrängniss und Bedrückung Israels durch die seinen Widersachern zu Teil gewordene Macht und Gewalt wird im Sohar unter An*