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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-23 · N° 8. (23.2.1894) · p. Seite 30

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 8. (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 30 (sequence 2)
Language
German
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— 30 Traum tlaliin, dass jener bald wieder den Weinbecher seinem königlichen Hern! und Gebieter darreiclien werde. Dies würde aber ein Ding der Unmöglichkeit sein, wollte man Herodot Glauben schenken, welcher behauptet, dass die alten Aegypter weder den Wein noch überhaupt die Kultur desselben gekannt haben. Dem widersprechen jedoch die in neuester Zeit entdeckten Inschriften, welche besagen, dass die Aegypter des Altertums den Weinban gepflegt und die Produkte desselben teils verbraucht, und teils in Krügen und Flaschen aufbewahrt haben. Schliesslich sei hier noch auf einen wichtigen Punkt hingewiesen, der schon in der Einleitung zu diesen Bemerk- Uugen kurz berührt wurde,nämlich das Vorhandsein v<!ngrie• chischen Wörtern in der Bibel. Dieser Umstand wird von manchen modernen Bibelkritikern als Beweis angeführt, dass das altehrwürdige Buch in einer viel späteren Zeit abgefasst worden sein musste, als gewöhnlich angegeben wird. Aus den Inschriften mancher neu entdeckten Monumente geht jedoch hervor, dass Viele der ältesten Griechen mit den ältesten Einwohnern von Palästina lange noch vor der biblischen Zeitepoche in Geschäftsverkehr gestanden haben, welche Thatsache die Existenz, griechischer Wörter in den heiligen Schriften wohl erklärbar macht. Freilich ist es wohl kaum anzunehmen, dass diese und ähnliche Gegenbeweise, die Revolutionäre auf dem Gebiete der modernen biblischen Kritik veranlassen werden, sich überzeugt oder gar besiegt, zu erklären. Jedenfalls aber werden diese neu aufgefundenen ״redenden Steine“ einen Danun für den Redefluss vieler moderner Bibel-Kritiker bilden, der alle Schranken der Veneration für das Buch der Bücher zu durchbrechen droht. Belfast, Februar. Br. C ho teuer. Spanisch-jüdische Familiennamen. Von Dr. M. Grüuwald, Grossrabbiner von Bulgarien. 11. Dass die Familiennamen ursprünglich teils aus Eigennamen d. h. Vornamen, teils aus Ortsnamen entstanden, ist eine fast, selbstverständliche Sache, mag jedoch hier hervorgehoben werden, weil wir gezwungen sind, auch die spanisch-jüdischen Vornamen einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Eine Eigentümlichkeit der italienischen und spanischen Juden ist es, dass sie einen rein hebräischen und daneben grösstenteils einen äquivalenten itaieuischen resp. spanischen Nanulti haben. So heisst z. B. "״ חזקיden Gott gestärkt hat“ in italien. Sprache Kreole (Hercules), so in spanischer Sprache. ״ יקירtheuer“ Preciado1). Die jüdischen Familiennamen 011ע)םן האדומים den Rothen) — dei liossi,מן החזנים (von den Vorhetern) dei Oautori, מן העניים (von den Bescheidenen) dei Mansuati zeugen dafür, dass die Juden romanischen Ursprungs auch in Bezug auf ihre Familiennamen der Sprache und den Sitten des Landes Rechnung trugen. Den! italienischen Familiennamen dei Rossi entspucht der Bedeutung nach 1) Der Kosename Preciado ist Pisko; die Silbe ״ko״ ist ein bulgarisches Suffix. — Die Dimiuutiva und Kosenamen sind für den Fremden ganz unverständlich; so ist z. B. Matscbuu das Diiuinutivuui von dein Worte Abraham. Es ist nämlich im Orient Sitte dem Vornamen die Sjlbe atschi oder etsebi hinzuzufügeu. In solcher Weise entsteht aus dem Worte Abraham das Wort Abraliamatschi; nun fällt aber dem bequemen Orientalen das fünfsilbige Wort schwer, und er sagt an dessen Stelle mit 11 in Weglassung des wesentlichsten Teiles(Abralta) nur Matschji und ai’s Matschi wird, um es volltönender zu machen, Matscbuu. — In ähnlicher Weise wird aus dein Worte .lizehak (Jtz)ckakutsclio, daun Chukutscho, und aus diesem Worte wiederum: liakum, kakum. — Aus Colibi (bulgarisch Tschorbad.sclii) — llochaugeseheuer wird der Kosenamen: Tschibi. das spanische Russo, ein Name, der im Orient und auch in Wien einen guten Klang hat. Den Namen Consate (Tröster) erhält der Knabe, der nach dem Ableben seines Vaters geboren wird; nach Jellineks oben citirter Schrift קונטיס המזכיר (Wien, 1877 p. 13 sub voce מורינו) erhält in einigen Gegenden des Orients ein nach dem Ableben seines Vaters geborene Knabe den Namen מורינו Moreno und ein Mädchen den Namen Morena. Für die sephardischen Juden Bulgariens und Serbiens gilt dies nicht, obwohl Dr. Jellineks Gewälnsmann kein Geringerer als Rabbi Mosche ihn Clialib, Verfasser des Werkes יממות הגטין ist. Der in der hebräischen Literatur wohlbekannte Name Gi katil 10 (richtiger Chicatillo)!)«deutet urspriinglieh ״der Kleine, der Gelinge“ und entspricht dem hebräisclien הקטן oder הצעיר, ein Epitheton, das wir bereits in den Sprüchen der Väter finden, und das sicherlich auf Amos (Cap. Vll V. 8). ״Wie wird Jakob bestehen, da er doch klein ist,“ zurückzuführen ist. Die Namen Mercado (gekauft), Comprado (gekauft) erklären sich aus der Sitte, dass wenn nach dem frühzeitigen Tode mehrer Kinder einer Familie ein Knabe geboren wird, die Nachbarinnen kommen und ihn abkaufen (als ob er nicht diesen Eltern gehören würde), damit er am Leben bleibe. (Es erinnert diese Sitte an die Namensänderung, die in Fällen schwerer Krankheiten nicht nur bei Aschkenasim und Sefardim, sondern auch bei allen Völkern vorkommt.) Als den Sefardim eigentümlich muss ferner der Umstand hervorgehoben werden, dass dieselben sich nicht nur nicht scheuen, die Namen lebender Angehörigen ihren Kindern zu geben, ,dass es vielmehr, wie bei den Christen, für einen Akt der Höflichkeit und Dankbarkeit gilt, den erstgeborenen Knaben nach den Namen des lebenden Vaters zu benennen. Namen wie ששון•• (Wonne), חביב (Liebling),1רחמים) (Barmherzigkeit),2מצליה) (Der Glückliche), 3נסים) (Wunder), 4 5מיוחם) (der Adelige), ירוחם (dem Erbarm ung zu Theil wird), 6 7 8 9בבור) (der Erst• geborene), סימן טוב*) (gutes Vorzeichen), דבלי) (Kaleb), 8עובדיה) (Diener Gottes),ישבת) (Schabbat), —nicht wie hei den Aschkenasim שבתי Schabbatai, wie z. B. der erste jüdische Bibliograph Sabbatai Bass10; hies, — dürfen als spezifisch sephardische Vornamen bezeichnet werden, obwohl dieselben rein jüdischen Ursprungs sind und ursprünglich vollkommen hebräisch lauten. 1) Es sei gelegentlich hier bemerkt, tla-8 der Monat!אי1וי bei den Sefardin ״ רחמיםMonat des Erbarmens“ genannt wird. 2) מצ^יח ist gewöhnlich ein Beiname von Josef, weil von Josef, dem Sohne des Patriarchen Jacob, dieser Ausdruck gebraucht wird (Genesis, Cap. 39 Vers 3). 3) Die im Monate ניסן geborenen Kiuder erhalten den Namen Nissim, wie die im Monat רחמים geborenen Rach am im heissen. Kachamim ist übrigens auch ein Familienname. 4) מיוחס entspricht dem talmudischen ״ בר אבוחן ובר אורייןSohn vou Vätern und Sohn erleuteter Männer.“ Schon Dr. Güdemaun hat darauf hingewiesen, dass hidalgo die Bezeichnung für spanischen Adel nichts weiter als ״ijo de algo“, (Jemandes Sohn) ist 5) Jeder Erstgeborene erhält, wenn sein Vater bei der Gehurt noch am Leben ist, den Namen Bechor. t») Bei jedem freudigem Ereignisse (bei Geburten, Verlobungen, Hochzeiten) wird den Verwandten ״ כסימן טובunter gutem Vorzeichen“ zugerufen. 7) Nach Kaleb, dem Sohne Jephune’s, dem wackern Genossen Josua’s. 8) Name des Propheten Obadjah, der durch die zwei Rabbiner Bertiuoro und Storno in der jüdischen Litteratur berühmt ist. 9) שכת (Scbabbat) ist vielleicht im Gegensätze und zur Diflferenzierungvon שבתי צבי (Sabbatai Zewi) entstanden. — Übrigens werden, wie man mir mitteilt, die am Sonnabend (Schabbat) geborenen Kinder so benannt. 10) Vgl. meine Schrift: Zur Geschichte der jüdischen Gemeinde Dyhernfurth. Breslau 1832.

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