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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-23 · N° 8. (23.2.1894) · p. Seite 32

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 8. (23.2.1894)
Date
1894-02-23
Page
Seite 32 (sequence 4)
Language
German
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— 32 — deren in folgender bezeichnender Stelle beantwortet, die wir ob der zweifellos beabsichtigten besänftigenden Wirkung, die sie ausüben sollte, in deutscher Ueber- Setzung wiedergeben. Im Wochenabschnitt תולדות sub voce יעבדוז עפים wird bemerkt: Rabbi Jose Sohn Rabbi Simeons, Sohn Lakunia’s fragte den Rabbi Eleaser: Hast Du nie von Deinem Vater eine Erklärung darüber vernommen, wanim nicht in Erfüllung gegangen sind die Segenswünsche, mit welchen Isak den Jakob gesegnet hat, während doch die Segenswünsche mit welchen Isak den Esau gesegnet allesammt in Erfüllung gegangen sind?! Darauf antwortete er ihm: Alle diese Segenswünsche (für Jakob) sie haben noch Bestand (harren noch der Erfüllung) sowie auch die anderen Segensverheissungen, mit denen Gott selbst den Jakob gesegnet hat; allein Jakob nahm sie (die Segensverheissungen) — nachdem er sie empfangen — sogleich für die höhere Welt in Anspruch und Esau nahm sie für die niedere Welt. Hernach aber, wenn erstanden sein wird der messianische König, wird Jakob sie nehmen für die höhere und für die niedere Welt und Esau wird von Allem hinwegschwinden und er wird keinen Anteil und kein Erbe und kein Gedenken haben in der Welt, wie es heisst (Obadja I 18): ״Und es wird das Haus Jakobs zu einem Feuer werden und das Haus Josephs zu einer Flamme und das Haus Esau zur Stoppel u. s. w Weil Esau von allen hinwegschwinden wird, so wird Jacob beide Welten in Besitz nehmen: Diese Welt und die kommende Welt Und von dieser Zeit heisst es: (ibidem 21) ״Und es werden hinaufziehen die Helfer auf den Berg Zion, um zu richten den Berg Esau’s und des Ewigen wird die Herrschaft seindie Herrschaft, die Esau sich zugeeignet in dieser Welt, wird dann dem Ewigen allein gehören. Aber wie denn?Hat er (Esau) denn nicht jetzt seine Herrschaft auch von Gott? Allein (es verhält sich so): Obschon Gott herrscht in der höheren und in der niederen Welt, so gab er doch den anderen Völkern jedem einzelnen einen Anteil und ein Besitztum in dieser Welt, dass sie sich dessen bedienen; aber in jener kommenden Zeit wird er von Allen die Herrschaft nehmen und sie wird ganz und gar ihm gehören, denn es steht geschrieben: ״Und des Ewigen wird die Herrschaft sein“, ihm allein, und es heisst auch: ״Der Ewige wird werden zum König über die ganze Erde, an diesem Tage wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig.“ Eine ähnliehe Darstellung besänftigender Zukunftshoffnungen findet sich im Wochenabschnitte וישלח in Anknüpfung an den Schriftvers עד אשר וב׳ אל אתי שעירה אנא אסבול גלותא דילך עד דייתי ויפטי זמנא דילי לשלסאה על הר עשו בד״א ועלו פושיעיש ובו׳■ — Das vorwaltende Streben: den Lebensmut Israels im Exile zu heben und zu befestigen, die sicheren Kennzeichen der unwandelbaren göttlichen Liebe und des göttlichen Erbarmens für Israel iu seiner Gesammtheit wie in seinen einzelnen Bekennern zu erweisen, drückt sich im Sohar durch die Vorführung stets neuer oder gelegentlich auch mit anderen Worten wiederholter Gesichtspunkte aus. Wochenabschnitt לך לך pag. 90a (Seite 179 d. neuen WilnaerAusgäbe):פתחר׳ חייא ברכוה׳ כל מלאביו ונו׳ זבאיו איבון ישראל ובו׳ Die gewaltige Fülle der göttlichen Liebe und göttlichen Erbarmens für Israels, das im Exile lebt, drückt am bezeichnendsten eine Soharstelle zum Wochenabschnitte שפות aus (pag. ob Seite 10 d. W. Ausgabe) אמר ר׳ יהודה אלמלי הוו ידעין בני נשא רחיפותא דרחים קב׳ה לישראל ובו׳. Auch für jeden Einzelnen in Israel gebe es ein sicheres Kennzeichen seines Wohlgefallens bei Gott. Wenn der Mensch die Liebe Gottes erworben hat, so sendet ihm Gott ein Geschenk; das ist die Gelegegenheit, an Arme Wohlthätigkeit zu üben (Sohar pag. 104a) Die Beschäftigung mit der Thora insbesondere erhebe die einzelnen Bekenner des Judentums zum Range der Engel 1 Vorede zum Sohar pag. 12b.). Weil nun Israel aber erst am ״Ende der Zeiten“ und im kommenden Leben einen unvergleichlichen Lohn für die erlittenen Drangsale, für die Beschäftigung mit dem Gottesgesetze und :rir die Erfüllung der göttlichen Pflichten erhalten werde״ darum schärft der Sohar durch Lehren und Beispiele stets von Neuem ein, die Zeit des Lebens mit An- Spannung aller Kräfte auszunützen, er erzählt Beispiele von Männern, die sich des Nachts von ihrem Lager erheben, um sich dem Stadium des Gottesgesetze zu widmen — exempla trohant —: die Leiden des Exils sollen mit Ergebung ertragen werden; je mehr Entsagung, desto grössere Anwartschaft auf den ewigen himmlischen Lohn. Als höchster Repräsentant einer solchen vollendet heiligen Lebensführung erscheint Rabbi Simon ben Jochai in seiuer bewunderungswürdigen Weltabgeschiedenheit und Entsagung, daher erklärt sich die ungewöhuliche Gloriflcirung Rabbi Somon ben Jochai’s und seines Schülerkreises im Sohar uud die Schilderung der Theophanien bei seinen Vorträgen insbesondere vor seinem Heimgange in der ״Idra.“ Schon aus diesen einzelnen Hinweisen, die wir hier gegeben haben, ergibt sich zur Genüge, dass es eine vollends unzutreffende Behauptung ist, dass der eigentliehe Grundgedanke des Sohar nur der ist, ״dass die Erzählungen und Gesetze der heiligen Schrift keinen einfachen wörtlich zu nehmenden, sondern einen geheimnissvollen Sinn haben.״■ Eine erneute objective und eingehende Prüfung dieses grossen Schriftwerkes würde überhaupt so manches Ergebniss früherer Untersuchungen berichtigen, namentlich zu einer besseren Würdigung seines ethischen Gehaltes gelangen. Zum Schlüsse möchten wir den Wunsch ausspreche1׳r dass der Herr Verfasser seiuer sonst trefflichen Edition des ספר המעלות eine deutsche Uebersetzung hinzufügen möge, damit der Inhalt dieser so schätzenswerten Schrift Falaquera’s auch in weiteren Kreisen des Judentums bekannt werde. Literarische Notiz. Der greise Oberrabbiner Mantua’?, Cavaliere Marco M ortara, veröffentlichte soeben seine Rede, die er am Tage des 50jährigen Bestandes der grossen Synagoge gehalten. Der Titel dieser interessanten Rede ist: Nel Lm0 anniversario della consacrazione del Tempio Maggiore israelitico Marco Mortara ai moi benamati fratelli, Publicata dalla Coramissione Israelitica di Culto e Beneficenza. Diese ganzen 50 Jahre predigte Mortara in dieser Synagoge, die er auch einweihte, und er begann seine Rede mit einem Satze, den er vor 50 Jahren gesprochen. — Aber nicht nur homiletisch, sondern auch historisch-literarisch ist diese Rede von Interesse. Seite 11 finden wir ein Verzeichnis der um die Mantuaner Gemeinde verdienten Männer. Seite 12—15 ein äasserst wertvolles Verzeichnis sämmtlicher Arbeiten des unermüdlichen Autors. 113 Arbeiten werden angeführt, darunter 24 grössere selbstständige Schriften, 10 Publicationen von verschiedenen Handschriften. — Die bedeutendsten italienischen Gelehrten nennen ihn: la gloria di Mantoa (Mantua’s. Ruhm׳) (Diese Notiz, schon vor 4 Wochen gesetzt, aber Raummangels wegen wiederholt zurückgestellt, wird nun zum ״Nekrolog“ des am 2. Februar nach kurzer Krankheit im 79• Lebensjahre verstorbenen Nestors der Rabbiner Italiens, dessen ganzes Leben — vom 21. Lebensjahre an. — der Wissenschaft des Judentums geweiht war, in deren Annalen sein Namen allezeit glänzen wird. —!זכר צדיק לברכה Red.) Verautwortl. Redacteur. Dr. Rah iner Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Comp., Magdeburg. Verlag Hob. Friese, Leipzig.

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