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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-16 · N° 7. (16.2.1894) · p. Seite 27

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 7. (16.2.1894)
Date
1894-02-16
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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— 27 müht, gegen Wellbausen die Continuitätder mündlichen und der schriftlichen Thora zu erweisen (S. 134 ff). Seine Beweise erscheinen mir nicht stichaltig, wenn er sagt: ״Die mündliche Thora beruhte nun aber auf der Gottesoffenbarung, Num. 7,89, die den Priestern als Gottes Stellvertreter fortgesetzt zu Teil ward. Man denke nur an die weissagenden Aeltesten Num. 11,16, deren Zahl laut Vers 26 von 70 auf 72 erhöht wurde“. Das Erstere ist wohl richtig, dass Num. 7,89 eine Gottesoffenbarung an Mosche h skizziert; aber die ״Aeltesten“, von denen Num. 11,16 berichtet wird, bekamen keine Mitteilungen über die ״mündliche Thora“, sondern wurden, wie ich oben dargethan, nur daüber belehrt, welch’ ein wunderbares Ereigniss bevorstand, das sie dem Volke zu dessen Beruhigung mitzuteilen hatten. (Eldad und Medad scheinen zu den 70 gehört zu haben und nicht Num. 71 und 72 gehabt zu haben, wie nicht nur der Verf, sondern auch die alten jüdischen Quellen annehmen. Sie weissagten auch im Lager Israels.) Auch ein priesterliches Richteramt war nicht vorhanden; weder die Aeltesten noch die Richter waren priesterlichen Geschlechts und wo die Priester (vergl. Deut. 17,9) entscheidend auftraten, so geschah dies nicht auf Grund von ihnen gewordenen Offenbarungen, sondern entweder, wie ich angeführt, durch die Einsicht in das ihnen anvertraute Gesetzbuch oder die ihnen durch Moscheh gewordene besondere Belehrung. Göttliche Mitteilungen, welche den eigentlichen Inhalt der dauernd kräftigen ״mündlichen Lehre“ bildeten, ergingen nur an Moscheh. Alles andere ist Phantasie. (Fortsetzung folg•) Recensionen. Venetiaaer Ludwig, Di*.: Das Buch der Grade (ספר המעלות) von Schemtob B. Joseph Ibn Falaquera. Nach Handschriften herausgegeben und mit einer Einleitung versehen. Berlin, Verlag von S. Galvary & Co. 1894. Besprochen von Dr- Kr*kaner-Leobschtltz. Mit lebhafter Freude begrüssen wir die von sachkundiger Hand bewirkte Herausgabe dieses Buches, die, längst ein desideratum, bereits von dem verewigten Zunz beabsichtigt war, jedoch von demselben, da er nur eine Handschrift aufzutreiben vermochte, unterlassen wurde. Herr Dr. Venetianer war jedoch in der glücklicheren Lage, seine Edition durch eingehendes Studium dreier Handschriften, des Codex Saraval no. XIX, des Cod. München no. 402 und der Zunz’schen Abschrift von einer Handschrift des Jakob Roman, bewerkstelligen zu können und hat er, was wir gern hervorheben, bei der Wahl der des öfteren differirenden Lesearten für die Feststellung des Textes, ein tieferes Verständniss für die Erfassung des Gedankeninhaltes bekundet In der deutsch geschriebenen Einleitung, die der Herausgeber dem hebräischen Texte beigefügt hat und in welcher ersieh über das Zeitalter Falaquera’s und über dessen wissenschaftliche Bestrebungen sowie über den Charakter des Sepher Hamaaloth verbreitet, vermissen wir jedoch eine kurze Orientierung über den Gedankengang des Buches gleichsam eine Aufklärung über die, dem ersten Anblike nach, eigentümlich erscheinende Bezeichnung ״das Buch der Grade.“ Wohl heisst es daselbst S. 14: ״Das Buch der Grade ist die erste wissensch aftliche Ethik in der Literaturgeschichte der arabisch-jüdischen Philosophie,“ allein Niemand erräth ohne weiteres, dass daselbst drei Menschenklassen nach ihren Besrebungen und nach den verschiedenen Zuständen ihres Seelenlebens gekennzeichnet werden, and von welcher Art diese Gradunterschiede sind. Sodann sagt der Herausgeber in der Einleitung: ln diese Zeit (in das 13. Jahrhundert) fällt das Aufblühen der Kabbala uud die Entsteheu, des Sohar . . Wenn diese geschichtliche Bemerkung von der ״ Entstehung des Sohar“ in dieser Zeit in ihrem einfachen Wortverstände genommen werden soll und damit nicht die Auffassung von einem Erscheinung, einem Bekanntwerden oder einer Herausgabe des Sohar verbunden werden darf, so hat diese geschichtliche Bemerkung unserer Meinung nach noch nicht einen unanfechtbaren Anspruch auf volle wissenschaftliche Berechtigung. Selbst auf die Gefahr hin, dass die ganze Soharfrage — diese besteht, unserer Meinung nach noch immer wieder — aufgerollt wird, was im Jnteresse der historischen Forschungnur zu wünchen wäre und dass wir des Irrtums überlührt werden mit unserer Behauptung, dass noch keine zwingenden Beweise dafür vorhanden sind, dass Mose de Leon der Verfasser des Sohar im eigentlichen Sinne sei — sei hier hervorgehoben, dass über die Zeit ״der Entstehung ees Sohar“ noch nicht mit wissenschaftlicher Genauigkeit geredet werden kann. Das ganze Beweismaterial. dasGrätzim 7. Bande seiner Geschichte Note 12 für die Autorschaft des Mose de Leon verführt, erscheint bei eiugehender Prüfung so frei von Anfechtu ng nicht. Der ganze Bericht über die Unterredung der Frau des reichen Rabbi Josef mit der in Armuth zurückgelassenen Wittwe und Tochter des Mose de Leon, nach welchem die Erstere der Wittwe des Mose de Leon lebenslängliche Versorgung und ihrer Tochter die Hand ihres eigenen Sohnes anbietet, wenn sie das alte Soharmanuskript, das ihr Vater besessen haben will, vorzeigen oder herausgeben würden — dieser ganze Berieht trägt unverkennbar den Charakter des Unwahr• scheinlichen an sich, weil er so zu sagen den psycholischen Erfahrungen nicht entspricht. Eine Mutter, die Gattin eines reichen Mannes ist, lässt sich nicht so leicht dazu verleiten, sich in eigener Person um die Eruirung einer alten Handschrift zu bemühen und dabei gleichsam mit dem Glücke ihres Sohnes zu spielen. Wie nun, wenn man ihr möglicherweise doch eine Handschrift des Sohar. deren Alter gar nicht festzustellen war, vorgezeigt oder herausgegebeu hätte, war sie da nicht durch ihr gegebenes Wort verpflichtet der Wittwe des Mose de Leon lebenslängliche Versorgung zu gewähren und musste dann nicht auch ihr Sohn die Tochter Mose de Leons zum Weibe nehmen? Nachdem nun die Frau des reichen Rabbi Josef aus dem Munde der armen Wittwe die so überrsachende, durch einen Schwur erhärtete Auskunft empfangen haben will, dass Mose de Leon es auf einen Schwindel angelegt habe, um sich zu bereichern, geht nach demselben Berichte die Frau des Rabbi Josef auch noch au die Tochter Mose de Leons heran und diese sagt ihr dasselbe, ״ •לא פחות ולא יותרNicht mehr und nicht weniger.“ Nun fragt es sich: Entspricht es den psychologischen Erfahrungen, dass nach Empfang einer solchen höchst überraschenden Auskunft, die doch von verblüffender Klarheit war, die Frau des t eichen Rabbi Josef noch des Besonderen darangeht, die Tochter auszuhorchen und auszuforscher.? Wenn die Mutter ihre Mittheilung durch einen Schwur erhärtet, wozu noch das Zeugniss der Tochter? Wozu bedurfte es überhaupt eines Schwures seitens der Gattin Mose de Leon’s, wenn sie die Wahrheit von dem Schwindel ihres Gatten eingesteht? Und was bedeuten die Worte des Berichts, die Tochter Mose de Leons habe dasselbe ausgesagt .לא פחות ולא יותר ״Nicht mehr und nicht weniger“? Je mehr wir uns die in dem Berichte dargestellte Situation klar zu machen suchen, desto romanhafter und unwahrschein״ lieber erscheint dieselbe, desto mehr erkennen wir den

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