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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-02 · N° 5. (2.2.1894) · p. Seite 19

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 5. (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
Seite 19 (sequence 3)
Language
German
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gen1) u. a. m. beugten weise jeder um sich greifenden allgemeinen Kalamität vor, welche Volksaufstände zur Folge haben. Der Anarchismus d. h. der Eintritt gesetzloser Zustände fand daher keine bleibende Stätte daselbst. Wenn in gewissen Zwischenzeiten bei RegierungsWechsel sich dennoch gesetzlose Verhältnisse geltend machte», so waren dieselben bald vorübergehend und wurden mit verdienter Entrüstung von den Geschichtsschreibern gekennzeichnet. So heisst es in Richter Kap. 6,6; 21,25. ״Und in diesen Tagen gab es keinen König in Israel, Jeder that, was in seinen Augen recht war.“ — Sehen wir uns weiter in der Geschichte um, so gab es am Ende des zweiten jüdischen Staatsleben in Palästina in den Jahren der Nationalerhebung der Juden gegen die römische Herrschaft daselbst eine Kriegspartei, die der Zeloten, ״Kannaim“ genannt,2 3! welche jede Herrschaft des Menschen über Menschen verwarf und zu ihrem Wahlspruch hatte: ״Gott allein ist Herr“8). ״Keinen Menschen soll man ״Herr“ nennen!4״). Man wäre geneigt, die Anhänger dieser damaligen Kriegspartei als die Anarchisten des jüdischen Staates zu bezeichnen und so für den Anarchismus ein hohes Alter zu vindiziren. Aber eine nähere Prüfung der Berichte darüber bei Josephus, den zeitgenössischen Geschichtsschreiber, zeigt klar, dass sie mit diesem Rufe nur die Vernichtung der Römerherrschaft. in Palästina im Auge hatten und für die Wiederherstellung des alten jüdischen Staatswesens, der Theokratie, des Mosaismus den Kampf aufnahmen. Ausdrücklich wird berichtet, dass dieselben mit Dolchen bewaffnet umherzogen, um die Römerknechte, Römerlinge, als Feinde des Vaterlandes schonungslos niederzustossen5 6). Die Zeloten in der Geschichte des jüdischen Krieges gegen Rom waren daherr keine ״Anarchisten“ im heutigen Sinne. Es wetteifern vielmehr die Lehren und Aussprüche in dem Schriftthum der Bibel und der Talmuden miteinander in der Einschärfung der Ehrfurcht vor der Obrigkeit und ihren Organen jedes Landes. Wir bringen von denselben einige: ״Fürchte, mein Sohn, Gott und den König und lasse Dich nicht mit Aufrührern ein“*); ferner: ״Fluche nicht der Obrigkeit und den Fürsten des Volkes sollst Du nicht verwünschen7); ״Fördert das Heil des Staates, wohin ich euch gewiesen und betet für ihn zum Herrn, denn in seinem Wohle wird auch euch wohl sein“8); ״Dienet dem Könige von Babel und ihr werdet leben!“ lauteten die Mahnungen des Propheten Jeremia an die Exulanten in Babylonien9). (Schluss folgt.) Die Hölle in der hebräischen Litteratur. (Schluss.) Das Feuer der Hölle hat keine Gewalt über die Gottesgelehrten, was an dem Salamander bewiesen werden kanu. Da jeder, welcher sich mit dem Blute dieses aus Feuer hervorgegangenen Thieres bestreicht, unverbrennbar wird, ebenso sind die Schüler der Weisen, deren Körper ganz aus Feuer besteht, ״Sind nicht meine Worte wie Feuer“ spricht der Ewige, (Jeremijah 23,29) a fortiori gegen seine zerstörende Kraft geschützt. Resch Lakisch sagt, das Feuer der Gehin״ 1) Siehe äie betreffenden Artikel daselbt.s 2) Vergl. daselbst 11. Artikel ״Zeloten.“ 3) Josephus b. j. 7. 10. 12. 4) Daselbst Antt 18. 1. 6. 6) Josephus Antt. 20. 8. 5. 6) Spr. Sal. 24,23. 7) 2 Mose 22,27. 8) Jerema 29, 5,17. 9) Das. 27,17. nom habe keine Gewalt über die Gesetzesübertreter aus Israel. Den Beweis zur Begründung dieser Behauptung entnimmt er dem Altar. Obschon dessen Metallüberzug nur so dick war wie ein Dinar, widerstand er dennoch während vieler Jahre der Zerstörung durch Feuer; um wie viel weniger wird das Feuer eine Gewalt über die Sünder aus Israel haben, die so voll des dem Golde gleichen Gotteswortes sind, wie der Granatapfel an Körnern ist. So heisst es am Schlüsse des Trackats Chagiga. Was nun in diesen Stellen unter Gewalt gemeint ist, das ist die Gewalt zu verbrennen, wie aus andern Stellen und besonders aus Jesajah (43,2) erhellt, wo es heisst: ״Wenn Du durchs Feuer gehst, wirst Du nicht verbrennen und die Flamme wird an Dir nicht zünden.“ Ein Grund für diese Beschränkung der Feuersgewalt ist, dass die Seelen der Israeliten alle einem heiligen Orte entstammen. Das Feuer der Hölle wird sie nur beunruhigen und erschrecken; und wenn auch einige eine zeitlang ihrer Uebelthaten wegen dessen zerstörende Kraft empfinden müssen, so wird Abraharn, der Gotteswort erfüllte und um der Heiligung seines Namens willen sich in den Feuerofen hat werfen lassen, herniedersteigen und durch sein Verdienst sie aus der Hölle befreien; denn Gott zeigte dem Abraham die Hölle und die Gefangenschaft, von welchen dieser für seine Kinder die letztere wählte. Es heisst auch, dass Elias am Ausgange des Sabbaths diejenigen aus der Hölle heraufbringen wird, deren Sünden vergeben wurden und dass er ihre Strafe auf sich selbst nehmen wird. Hieraus geht hervor, dass die erniedrigteil Seelen durch Vermittlung der Gerechten dem ewigen Leben zugeführt werden können, wenn sie von ihren Leidenschaften gereinigt zu ihrem Ursprünge zurückkehren. Zwölf Monate lang sucht die Seele in jeder Woche den Körper wieder auf und sieht zu, ob sie wieder in denselben zurückkehren kann: jedoch am Beginne jeden Monats und am Ende jeden Jahres stellt sie diesen Versuch noch besonders an. Desshalb haben die Portugiesen den Gebrauch, während der Trauerwoche um einen Verstorbenen, am Ende des ersten und elften Monats, sowie jedes Jahr am Sterbetage ein besonderes Gebet (השכבה) für die Seelenruhe des Todten zu verrichten. Ausserdem wird in den ersten 11 Manaten an jedem Sabbath - Nachmittag eine ״Haschkabah“ gesprochen. Auch die Wirkung des ״Kaddischgebetes“ ist sehr gross. Ein frommer Sohn kann durch Verrichtung dieses Gebetes beim öffentlichen Gottesdienste seine .Eltern aus der Hölle befreien. So befreite schon Abraham seinen Vater Terach. (Nach einem Commentar zu Gen. 15,15). Das Kaddischgebet wird nur 11 Monate gesprochen, da nur die Sünder 12 Monate der Strafe unterliegen. In der Zukunft wird Serubabel dieses Gebet vor dem Herrn verrichten. Seine Stimme wird von einem Ende der Welt bis ans andere gehört werden und alle Erdbewohner werden, wie die Bewohner der Hölle ihr ״Amen“ ertönen lassen. Sobald Gott dieses hört, wird er den Engeln Michael und Gabriel Schlüssel geben, die 40,000 Thoren der Hölle zu öffnen (Jesajah 26,2). Sobald dieses gesehen, werden die Engel ihre Hände den Bewohnern der Hölle entgegenstrecken und sie aus der Tiefe herausholen, wie wenn Jemand einen in den Brunnen Gestürzten an einem Seile heraufzieht (Ps. 40,3). Hierauf werden diese Engel sie baden und salben, ihre Wunden heilen, sie in reine Gewänder hüllen und sie vor den Thron Gottes führen. Andere Gelehrte sagen, dass sie bi

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