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Das jüdische Literaturblatt · 1894-02-02 · N° 5. (2.2.1894) · p. Seite 20

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 5. (2.2.1894)
Date
1894-02-02
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 — zur Wiederauferstehung warten müssen, wo alsdann der Sohn Davids, Moschiach (Messias), sie befreien wird. Die Dauer der HöUe scheint nach Ansicht der Juden eine begrenzte zu sein. ״ גיהנם כלהDie Hölle hat ein Ende“ heisst es im Talmud. Nach dem jüngsten Gericht wird die Hölle aufhören, aber eine andere Hölle wird aus der Sonne entstehen. Die Hitze derselben wird im gewöhnlichen Leben jeden Morgen vor ihrem Aufgange in einem Wasserpfuhle gemildert; es würde sonst die Welt durch ihre glühenden Strahlen in Feuer aufgehen. Am Tage des jüngsten Gerichts aber wird Gott sie ihrer Hülle entkleiden und die Bösewichter werden allesammt von ihrer Glut verzehrt verden. Von einer solchen Hölle heisst es Ps. 19,5 ״Der Sonne hat er darin ein Zelt bereitet“ Zu jener Zeit werden die Tugendhaften im Schatten des Gesetzes Schutz finden, wie es inMaleachi 3,2 heisst: ״Den Gottesfürchtigen wird die Sonne der Gerechtigkeit aufgehen und Heilung uuf ihren Flügeln tragen.“ Ferner heisst es: ״Nach den Tagen des Messias, wenn der Leviathan und der Schor Habor (zwei mystische Thiere) verzehrt sein werden, wird die ganze Welt aufs Neue erstehen, der Jezer hara (böse Trieb) wird geläutert zum heiligen Engel werden, ja selbst die Hölle wird zum Heiligthum werden und ihren Platz erhalten an der Pforte des Paradieses. Beiträge zur Erklärung unklarer Bibelstellen. Von Dr. Herzel-Brody. IV. Samuel 1. B. Cap. 1 V. 3:1 ״ אך יקם ה׳ את דברוGott erfülle sein Wort! Hier drängt sich die Frage auf: Was hat denn Gott versprochen, das er halten soll? wem hat Gott etwas verheissen, dass er ihm die Verheisung erfülle? Die Verheissung Eli’s an die unglückliche Channa, dass Gott der Herr ihren stillen, ja geheimen Herzenswunsch gewähren möge, war doch durch die Geburt Samuels in Erfüllung gegangen? Ich vermute hier einen ganz anderen Wunsch und einen ganz anderen Gedanken. Das charakteristische Merkmal des wahren Gottespropheten zum Unterschiede vom Lügenpropheten war bekanntlich, wie es in 5 B. Moses Cap. 18, V. 20—22 angegeben ist, das bestimmte Eintreffen alles dessen, was der wahre Prophet im Namen Gottes verkündet hatte, während das, was der Lügenprophet vorhersagte, nicht zur angegebenen Zeit eintraf. Elkana und sein Weib Channa sind überglücklich durch die Geburt ihres Sohnes Samuel und dankbaren Herzens will ersterer, wie in früheren Jahren, zur Festeszeit zum Zelte Gottes in Schiloh wandern, um dort die Festesfreude zu gemessen und seiner Glückseligkeit in Dankopfern und Dankesworten vor Gott Ausdruck zu geben. Die um ihren zarten Sprössling überaus besorgte Mutter will nicht mit ziehen, sie bleibt um des Kindes willen zuhause, sie will es liegen und pflegen, bis es gross genug sein wird, seinem künftigen Berufe zugeführt zu werden. Elkana stimmt der Gattin zu, und wünscht, dass Gott dem geweihten Sohn seinerzeit, wenn er dem Dienste des Herrn zugeführt wird, stets das Wort in Erfüllung gehen lassen, d. h. dass Samuel ein wahrer Prophet werden möge! Darauf beziehen sich die Worte ״ אך יקם ה׳ את דברוGott erfülle sein — des Samuel — Wort jederzeit,“ Und so war es wirklich, denn im Buche 1. Sam. Cap. 3 V. 19 lesen wir: ״Samuel wuchs heran, Gott war mit ihm und er liess keines seiner (des Samuel)- Worte zur Erde fallen“ (ולא הפיל מכל דבריו ארצה) d. h. es blieb keines unerfüllt. Recensionen. Kraus F. S. Böhmische Korallen aus der Götterweit Wien, Verlag der Gebr. Rubinstein 1893. Der rühmlichst bekannte Sprachforscher und Ethnolöge hat eine Arbeit geliefert, der er das Motto voransetzt ״his temporibus satiram scribere non difficile.“ In erfrischender und herzerfreuender Weise hat er seine Erlebnisse an eingebildeten Gelehrten und Antisemiten aus gekränktem Ehrgeiz und auf vielen anderen Gebieten gezeichnet und wehe den Betroffenen. Er zermalmt sie, dass sie von den drolligen Schlägen sich nicht mehr erhohlen werden, er kitzelt sie dabei, dass sie trotzdem Thränen der Wuth und der Scham lachen müssen, er tötet sie, galvanisirt sie gleich darauf und lässt sie dann gleich Gliederpuppen nach seinem Commando tanzen, bis sie ausser Athem kommen. Zu dem Köstlichsten, was er geschaffen, gehört die droUige Episode ״Veckenstedt“, die nicht geschildert, sondern öfters gelesen werden muss. Und doch genügt es nicht, bei alledem zu lachen, man müsste es denn von der Spitze des längsten Haares bis zur kleinsten Zehe thun, denn er taucht uns ganz in Humor ein. Wer sich jährlich vier Wochen lang amüsieren will, der kaufe sich das Buch, — das man immer wieder lesen kann — in welchem die Satire zur Wissenschaft erhoben wird. Dr. S inger-Coblenz. Sechs leichte geistliche Lieder für gemischten Chor componirt von Carl Bratfisch. Verlag von Georg Bratfisch in Frankfurt a./0. Herr Bratfisch ist seit vielen Jahren als Organist und Chordirigent in der Glogauer jüdischen Gemeinde thätig und hat sich dort ein genaues Verständnis für synagogale Musik erworben. Da er nun ausserdem eine hervorragende musikalische Begabung besitzt, so ist er vorzüglich geeignet, durch selbstständige Leistungen dem synagogalen Gesang zu dienen; er hat Lieder komponirt, die in jüdischen Gotteshäusern heimisch sind, Lieder zu den hohen Festen, zu Kaisers Geburtstag u. s. w.; diese Lieder sind durchweg melodiös, leicht singbar, erbaulich, stimmungsvoll; sie können aufs Wärmste empfohlen werden. - Literarische Notizen. C 11 r 0 u 0 1 g i s c h e 8. In der 2. literarischen Notiz, S. 12 des Lit. Bl. uuter 2) sagt Herr Auerbach-Dresdeu: ״Die älteste Inschrift, welche uns bekannt ist, ist diedesIsaacAlfasi (gest. in Lucena 1103)“. Da nun Herrn Auerbach Lieben’s ״Gal Ed“ Vorgelegen, so ist es auffallend, dass die in diesem Buche angeführten 2 ältern Grabschriften, nämlich Nr. 1 des Josua Sohn Juda’s (gest. 941) unb der Schünde 1, Gattin Gabriels (gest. 979), übersehen worden sind. Das Alter dieser Grabsteine ist weder von Hock noch Ra]1 poport beanstandet worden. — In Lewysolm’s נפשות צדיקים finden wir unter Nr. 1 die noch ältere Grab- Schrift der Sagira, Tochter des Samuel, mit der Jahreszahl 905. Wie wird mau aber erst ei staunen, die Inschrift zu einem Grabsteine zu linden, die das Datum ח׳ ו' מרהשון לאלף השלישי hat, also bis in das Jahr 1574 vor d. g. Z. hinabreicht! Diese Inschrift ist abgedruckt in allen mir bekannten älteren Ausgaben der *מנהגי מהרי'י am Schluss der הלכות שמח,.ת und vom מהרי'ל זל für den Grabstein seiner Gattin bestimmt worden. Ob derselbe vorhanden ist, ist mir zweifelhaft, da in Lewysoha’s נפשות צדיקים seiner nicht Erwähnung geschieht. Natürlich ist das Jahresdatum falsch und muss es statt לאלף השלישי heissen לאלף חששי, denn die Gattin des מהרי ל starb am 6. Marcheschwan 5186 — 1426 d. g. Z. — Haben auch die neueren Ausgaben denselben Lapsus? Es wäre dieses dann ein Beweis für die auf den Titelblättern so hoch gepriesene Sorgfalt mancher Correctoren. L. Gehe n-Rees. Verantwortl Redacteur: Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg. Verlag: Rob. Friese, Leipzig.

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