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Das jüdische Literaturblatt · 1894-01-19 · N° 3. (19.1.1894) · p. Seite 11

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
23 (1894)
Issue
N° 3. (19.1.1894)
Date
1894-01-19
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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— 11 — feurigen Ausdünstung, welche die Scheu der den Wagen ziehenden Thiere verursachte, entstanden seien. Wohin werden diese gehen? R. Sutra bar Tobia sagt, sie werden sich auf die Häupter der Bösewichter in der Hölle stürzen nach den Worten des Propheten Jeremijah (23, 19): ״Seht, des Ewigen Zornwind fährt dahin, ein Sturm sich wirbelnd, und stürzte sich auf der Frevler Haupt.“ Wahrscheinlich hatte Elias dieselbe Ansicht des R. Sutra, als er von der Hölle über dem Firmament sprach. Zwischen dem Paradies und der Hölle ist nach der Auslegung der Worte וםביביו נשערה מאוד (Psalm 50, 3) nur eines Haares Breite. Die Kabbalisten weisen diesem Feuerstrom seinen Platz in der dritten Abtheilung der Erde an (Sohar Bereschith p. 40), von wo er sich über die Häupter der Verdammten ergiesst. In diesem Feuerstrome müssen alle Todten. sogar die gerechten geläutert werden, mit Ausnahme derer, welche um der Heiligung des göttlichen Namens willen den Tod erlitten, weil diese mit Freuden den Leidenskelch um Gotteswillen geleert haben. Nach den Kabbalisten ist Samm.ael das Oberhaupt der bösen Geister und ferner auch Aschmodai (Asraodäus), und wird ersterer als in der Hölle über die Verdammten die Zähne fletsehend dargestellt. Am Tage der Wiederauferstehung werden Körpeir und Seele gemeinschaftlich gerichtet werden. Eine geistreiche Unterredung zwischen dem Kaiser Antonnus und Rabbi wird in Tractat Synhedrin mitgetheilt. Der Kaiser behauptete nämlich dem jüdischen Gottesgelehrten gegenüber, dass sowohl Körper als Seele Gründe zu ihrer Rechtfertigung Vorbringen werden. Der Körper wird sagen: ״Die Seele ist schuldig, denn von dem Tage an, da sie sich von mir trennte, lag ich leblos in meinen! Grabe wie ein Steiu.“ Die Seele wird dagegen ein wenden: ״Der Körper ist schuldig, denn von dem Tage an, da wir uns trennten, schwebte ich in der Luft wie ein Vogel.“ Rabbi antwortete dem Kaiser: ״Wem soll ich dieses vergleichen?“ Dann fuhr er fort: ״Ein König hatte einen herrlichen Garten mit prächtigen frühreifen Früchten. Zur Bewachung desselben hatte er einen Blinden bestellt, der bei dem leisesten Geräusche schreien und einen Lahmen, der immer auf der Lauer stehen sollte. Da sprach der Lahme zu dem Blinden: ״Ich sehe herrliche frühreife Feigen in dem Garten; komm, trage mich hin und wir wollen uns an denselben gemütlich thun.“ Sie thaten dies. Nach einigen Tagen kam der König in den Garten und fragte die Wächter: ״Wo sind die herrlichen Feigen geblieben?“ Der Lahme antwortete: ״Habe ich etwa Füsse, dass ich hingelien könute, sie zu pflücken?“ Der Blinde antwortete: ״Habe ich etwa Augen, dass ich sie sehen könnte?“ Was thath nun der König, der die List durschaut hatte? Er setzte den Lahmen dem Blinden auf die Schultern und Hess sie miteinander auspeitschen. ״So wird“, sprach Rabbi, ״der Heilige, gelobt sei er, die Seele mit dem Körper vereinigen und sie mit einander bestrafen,“ wie es heisst: ״Er wird zum Himmel rufen oben (d. i. die Seele) und zur Erde unten (d. i. der Körper) sein Volk zu richten.“ (Ps. 50,4.) Nach der gewöhnlichen Ansicht des Alterthums befindet sich die Hölle, in der Vulgata ״Infernus“ genannt, unter der Erde. Nach einer andern, von der Schule E1 i a h’s überlieferten Tradition befindet sie sich über dem Firmament und wieder nach andern hinter den finstern Bergen. Einige versetzen sie auch in das Centrum des Weltalls. Hierunter darf man sich jedoch nicht ein untheilbares mathematisches Centrum (mathematischen Punkt) vorstellen, denn die Ausdehnung der Hölle ist sehr gross. Die Rabbiner sagen: Egypten hat 400 Quadratmeilen. Aethiopien ist 60 mal so gross als Egypten uud die Welt 60 mal so gross als Aethiopien. Dieselbe hat nach R. Gedaljah im Schalscheth hakabbala (Fol. 86) eine Länge von 520 und eine Breite vonn 500 Jahrreisen und beträgt ihr Raum nur 1׳co Tlieil des Paradieses- oder Himmelsraumes und dieses nur ‘/fi0 Theil des Gehinom oder der Hölle. Thatsächlieh ist die ganze schwebende Welt nur wie der Deckel eines Topfes im Vergleich mit der Hölle. Einige sagen dagegen, dass man das Mass der Hölle nicht bestimmen könne. Nach den Kabbalisten ist das Reich der Hölle im Norden. Hier wohnen die Teufel, die Erdbeben, die Dämonen, die Blitze und der Donner. Von dort kommt auch alles Unglück über die Welt, wie es heisst: ״Aus Norden wird das Unglück hereinbrechen.“ (Jeremijah 1,14) R. Jirinijah b. Eleasar sagt: das Gehinnora hat 3 Tliore und zwar eines in der Wildniss (Wüste), durch welches Korach und sein Anhang in die Scheol sanken, wo die Erde sie bedeckte, ein anderes in der See, denn der Prophet Jonas sagt: ״Aus dem Innern des Scheol schrie ich“ (Jonah 2,3) und ein drittes in Jerusalem, wie es heisst: ״Es spricht Gott, dessen Feuer ist in Zion und dessen Brennofen ist in Jerusalern“ (lesajah 31,9) Nach einer Tradition der Schule R. Ismaels wird unter dem Feuer in Zion das Gehinnoin und unter den Brennofen in Jerusalem das Thor der Gehinnom verstanden. (Nach Tractat Sabbat erwärmt das Feuer der Hölle die Bäder zu Tiberias.) Ueber die Zahl dieser Thore herrscht aber unter den Gelehrten eine Meinungsverschiedenheit Einige sagen, es gibt deren 8000, andere 1000 wieder andere 50 und noch andere 7. Diese letzte Zahl finden wir auch bei der Hölle der Moslemim und zwar in der Sura Alhija oder von dem Himmel der Christen. Auch die Hindus nahmen 7 Höllen an. Im Machbereth des Jmanuel b. Salomon aus Rom finden wir eine graphische Beschreibung der Hölle Wie Dante oder Aeneas hat auch Jmmanuelseinen Führer — er heisst: Daniel — welcher ihn unter Hinzufügung der nötigen Erklärungen, die Brücke, den gewundenen Pfad, die scedenden, mit geschmolzenem Erz, Eisen, Zinn und Blei gefüllten Töpfe und viele andere merkwürdige Dinge, die hier nicht alle angeführt werden können, zeigt und in deren Nähe jämmerliches < leschrei und Feuerregen wahrgenommen werden. Hier sieht der Rabbi den Aristoteles, weil er an die Ewigkeit der Welt glaubte, den Plato, weil er seine Worte für prophetische Ansprüche hielt, den Hippokrates, weil er mit seinem Wissen geizte und den Galenus, weil sich an ihm vollziehen musste, der Spruch, der auch im Tractat Kidduschin steht: ״Derbeste der Aerzte ist für die Hölle bestimmt.“ (Den Grund hierfür findet Raschi darin, weil die Aerzte gar wenig auf Gott vertrauen, oft die Menscheu tödten und die Armen nicht heilen, wo sie im Stande sind, dieses zu können. Aehnlich sagt eiu lateinischen Sprichwort: ״Ubi tres medici, duo atheisti Unter 3 Aerzten sind 2 Gottesleugner.“) (Schluss folgt.)' Erklärung der schwierigen Stelle Deuteron. 33,21. In Stade’s ״Zeitschrift für altt. Wissenschaft“ (1887 S. 292) schlägt Giesbrecht vor, ספון ויתא (Deuteron. 33,21) umzustellen und, nach dem Vorgang der LXX ויתאספון zu lesen. Diese Conjectur scheint sehr bestechend. Zustimmen können wir derselben doch nicht, weil dieser Mittelsatz — ויתאספון ראשי עם — mit dem ersten

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