Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 2. (12.1.1894)
- Date
- 1894-01-12
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
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I Herr L.-H. meint; ״Dass mit dem Verbot des Schächtens, ein Eingriff in den jüdischen Glauben geschehe, ist kein Entschuldigungsgrund (1) für Beibehaltung dieses Gebrauchs . . .“ Wenn Herr L.-H. so empfindlich i3t, warum ist er es nicht für die Jagdvergnügungen aller Art und begehrt deren gesetzliches Verbot? Warum zuckt er nicht zusammen bei seiner mit der Wahrheit im Widerstreit befindlichen Behauptung, dass das Schächten mit Heimlichkeit betrieben wird, von deren Gegenteil er in seinem Wohnorte und überall sich überzeugen konnte? Aber der Herr Professor begeht auch eine wissenschaftliche Unterschlagung, wenn er sagt: ״ob dass Thier kein Bewusstsein seines Todes hat, darüber können auch Gelehrte nichts aussagen.“ Weiss der Herr Professor wirklich die feststehende wissenschaftliche Erkenntnis nicht, dass mit der Anämie des Gehirns, die mit der Halsschlagader unfelhbar verbunden ist, Bewusstlosigkeit ein tritt? 3) endlich gefällt dem Herrn Prof, die Sitte der Beschneidung nicht, die er bespöttelt und absprechend beurteilt Exod. IV, 25 steht allerdings, dass Zipporah, mangels eines bessern Instruments, ihren Sohn mit einem scharfen Stein beschnitten hat, daraus folgt aber noch nicht, dass ein bedeutender Mineraloge auch auf chirurgischem Gebiete eine Autorität sein muss, und desshalb gestatte ich mir, den Herrn Prof, in aller Bescheidenheit eines Besseren zu belehren, damit er erkennt, dass die Beschneidung vom sanitären Standtpunkt aus würdige Anerkennung findet Till mann in der neuesten Auflage seines ״Handbuches der Chirurgie“ nennt die Beschneidung ״ein durchaus rationelle Operation.“ Aber auch ein berühmter innerer Kliniker, der Heidelberger Erb lässt über den Wert der Circumcision keinen Zweifel u. z. in seinem kürzlich erschienenen Vortrage ״die Actiologie des Tabes.“ Verf. erklärt die Tabes für eine spätsyphilitische Erkrankungsform resp. für eine mit der Syph. verbundene Nachkrankheit. Er hat beobachtet, dass die Bückenmarkschwindsucht wie auch Syphillis in Russland bei den Juden — infolge der Beschneidung — viel seltener vorkomme als bei der übrigen russischen Bevölkerung. Trotz seines Liebäugelns mit dem Stöcker’schen ״Volk“ dürfte der Herr Prof, die Ergebnisse wissenschaftlicher Forschung doch wohl gelten lassen. Der Herausgeber will uns unsere Einrichtungen nehmen und was will er uns geben? Andere von denen er selbst sagt (S. 37): ״Wahrlich die Sozialdemokraten haben Recht, wenn sie. unsere ״christlichen“ Einrichtungen bekämpfen.“ Wir danken, Herr Professor, und halten uns damit an ״Ihre eigene Schlussbemerkung: (S. 120) ״Wer sich auch ferner ״Katholik,“ ״Lutheraner,“ ״Calvinist,“ ״Jude,“ ״Buddhist“ nennen will, der mag es thun, wir verlangen jedenfalls für uns die Freiheit, uns einfach ״Christen zu nennen . . .“ Nun denn, Ihr oft erwähnter Mitarbeiter hat (S. 31) Unrecht, wenn er annimmt, dass wir verlangen die (uns so sehr fürchteuden und bekämpfenden) 50 Millionen Menschen sollen sich uns zu Liebe ihres Christennammens entkleiden. Wir verlangen nur, dass man uus in Ruhe lässt; wir wollen uns nicht nur Juden nennen, nein, wir wollen auch Juden sein, weil für uns aus dem Judentum die (Quelle höchster Sittlichkeit entspringt. Die Hölle in der hebräischen Litteratur. 11. Für die Bezeichnung der Hölle giebt es nach rabbinischem Commentar im Hebräischen 7 Namen: 1., אבדון Zerstörung, in dem Verse ״Soll deine Gnade im Grabe, deine Treue im Abaddon erzählt werden?“ (Ps. 88,11.) 2., צלמות — Todesschatten, in dem Verse, ״die da sitzen in Finsterniss und Zalmaweth“ (Ps. 107,10). 3., שאול Gruft, am Anfänge der Klage des Propheten Jonah, wo er sagt: ״Aus dem Schosse der Scheol flehe ich.“ (Jonah 2,3). 4., שחת oder באר שחת Verderben oder Brunnen des Verderbens, in dem Verse ״Du lässest nicht zu, dass deine Frommen das Schachath sehen.“ (Ps. 16,10). 5., בור שאון — Grube des Getöses, in dem Verse ״Er brachte mich herauf aus der Bor Scheon.“ (Ps. 40,3). 6., טיט היון sumpfig-zäher Schlamm, in demselben Verse und 7., ארץ תחתית — Unterland oder der unterste Raum der Erde in dem Verse ״Du stüztest die Bäume Edens in das Erez Tachtith.“ (Ezechiel 31,18). Hierzu können noch gezählt werden עמק הבכא ,תופת - Thal des Weines und עלופה Rossvogel oder Vampyr. (Spr. 30,15). Alle diese Namen scheinen die Hölle in ihrem ursprünglichen Sinne von ״Hades“ zu bezeichnen, — die verhüllte unsichtbare Welt — nicht die Hölle in ihrer gewöhnlichen Bedeutung als Ort der Qual. Das gebräuchliche hebräische Wort für Hölle in letzterem Sinne ist יהגם: Gehinnom, oder גי בן הנום — Ge ben Hinnom. Diese Worte bedeuten ״Thal Hinnoms“ oder ״Thal des Sohnes Hinnoms.“ Beide Benennungen finden wir im Buche Josua bei der Beschreibung der Grenzen des Stammes Juda. Nach Rabbi David Kimchi war dieses ein verachteter Ort in der Nähe Jerusalems, wohin das Volk die Leichname der hingerichteten Verbrecher und sonstige Unreinigkeiten warf und woselbst ein beständiges Feuer unterhalten wurde, um die Wirkung der mit schädlichen Dünsten geschwängerten Luft abzuschwächen. (II Könige 23,10). Aus diesem Grunde wurde nach R’dak der Ort, zu welchem die Bösewichter verurtheilt wurden ״Gehinnom“ genannt R. Elia Levita sagt in seinem Tischbi: ״Die Rabbiner nannten den Ort, wo die Bösewichter nach dem Tode ihre Strafe zu verbüsseu haben, Ge hi n n 0 m , weil das Thal des Sohens Hinnoms in der Nähe Jerusalems ein verunreinigter Ort war, wo man die Kinder zu Ehren des Moloch verbrannte. R. David de Pomis sagt in seinem ״Zemach David“: Mann verbrannte die Kinder an einer der Opferstätten, die in Jeremiah 7,31 ־- במות התפת Anhöhen des Tofeth genannt wurden. Der Jalkut, eine Midraschsammlung, beschreibt dieses Götzenbild so wie die Art, wie man demselben die Menschenopfer brachte. Die Götzentempel, sagen die Bibelerklärer, waren gewöhnlich innerhalb Jerusalems; der Moloch jedoch befand sich ausserhalb der Stadt Er hatte 7 Kammern zur Aufnahme der Opfer, den Kopf eines Stieres und die Hände vorgestreckt, wie die eines Menschen, der von einem andern etwas entnehmen will, ln seinem ausgebohrten und hohlen Innern wurde ein Feuer angezündet und jeder, der ein Opfer brachte, hatte nacli dem Werthe desselben, dieses in eine bestimmte Kammer zu legen. Für einen Vogel war die erste, für ein Schaf die zweite, für ein Lamm die dritte, für ein Kalb die vierte, für einen jungen Stier die fünfte, für einen Ochsen die sechste und für das selbst gezeugte Kind die siebente Kammer bestimmt. Der Opfernde trat hinzu und küsste das Götzenbild. Hierin findet die Stelle Hosea 13,2 ihre Erklärung: ״Sie, die Menschen opfern, küssen Kälber.“ Dann trat der Vater an den Götzen heran, legte das Kind vor demselben nieder und heizte so lange, bis die Hände des Götzen glühend waren; hierauf nahm er das Kind und legte es in dieselben. Während dieses Vorganges schlugen die Götzenpriester mit solcher Gewalt auf Trommeln, dass