Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 2. (12.1.1894)
- Date
- 1894-01-12
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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8 deren Schall die Stimme des schreienden Kindes übertönte, so dass der Vater sie nicht hören und sein Mitleid mit dem Kinde nicht rege werden sollte. Der Standort dieses Götzen wurde בן הגם genannt von dem Jammergeschrei des Kindes oder von dem Ruf der Umstehenden, ״Möge es Dir Nutzen bringen!“ d. 11. ״Möge es Dir wohlthun und Dein Mahl würzen.“ (Das hebräische Wort für ״Schreien“ und ״Nutzen“ soll eine gewisse Aehnlichkeit mit ״Hinnom“ haben — הנאה?) Nach Raschi bestand das Götzenbild aus Erz und *ein Standort hies תופת von dem Worte תף, welches Trommel oder Pauke heisst. Die Wortform תופת zeigt jedoch einen fremdländischen Ursprung. Vielleicht stammt das Wort von dem alten assyrischen ״Taftan“ verbrennen. Die Ableitung von dem alten chaldäischen ״tuf ausspucken“ ist unhaltbar, da die Verehrer des Moloch dem Orte keine so verächtlichen Namen gegeben haben werden.*) Das Targum zu Jesajah 30,33 hat für das Wort תפתה, gleichbedeutend mit תופת, die Uebersetzung גיהנם, woraus ersichtlich, dass dieses Wort eine der späteren Benennungen für ״Hölle“ ist. Nach den Kabbalisten giebt es 2 Höllen oder 2 Ar* ten des Gehinnom, die obere und die untere Hölle, eine für den Körper in dieser Welt und eine für die Seele in der zukünftigen Welt, in welch letzterer die Seele vollständig gereinigt werden wird. Der für dies e bestimmte Ort heisst ארקא Arka, in welchem es 7 Abtbedungen für die Seelenpein der Verdammten gibt, nämlieh: גיהגם .חצרמות צלמות ,באר שחת,טיט היון ,אבדון ,שאול So schreibt Josephben Abraham Gikatilla in seinem Buche ״Gan Egos“, dem Hauptwerke der kabbalisti- Theologie. Die Strafen in jeder dieser Abtheilungen richten sich genau nach den Sünden der Verurteilten. Diese Abtheilungen befinden sich unter- 1־esp. übereinander und je nach Verschiedenheit derselben richtet sich der Grad des in ihnen lodernden Feuers. Unser gewöhnliches Feuer hat nur 1/60 (im Vergleich zu Hölle der Moslemen ’*70) von der Hitze des Gehinnom-Feuers, dieses von (lern des Chazarmowes, dieses 1/g״ von dem des Zalmowes und so fort bis Abaddon, dessen Hitze 1(0״ von der der Schoel-Feuers beträgt. Diese Angaben können, wie Joseph bei! Abraham sagt, von Niemandem bestitten werden. Der leichte Sünder wird in schwachem, der hartnäckige aber in starkem Feuer brennen; die Strafe wird sich aber stets nach dem Vergehen richten, was nicht zu bezweifeln ist. So ist z. B. der Platz Absaloms in der zweiten, der Korachs in der dritten, der Jerobeams in der vierten, der Aliabs in der fünften und der Micha’s in der sechsten Abtheilung. Die obere Hölle stimmt in ihren Abtheilungen und allen andern Einrichtungen genau zu der untern, nur mit dem Unterschiede, dass die Seele dort in einem viel ferneren Feuer geläutert wird. Nach der Trenuung der Seele vom Körper geniesst dieser die Früchte des Leilies und der körperlichen, und jene die Früchte der Seele und der zukünftigen geistigen Welt. So lehrt der Kabbalist Jos. b. Ahr. Gikatilla. Die Kabbinen fügen noch hinzu,!lass die obere Hölle für die Sünder aus .Israel bestimmt ist, welche das Gottesgesetz übertreten, ohne ihren Fehltritt zu bereuen, die untere aber für Ungläubigen. (Forts, folgt.) *) Eher scheint es mit dem syrischeu n<sr ״Feuertojif oder tragbarer Herd“ verwandt zu sein. (Vgl. Levy, Wörterbuch der Tanruinim“ Br. II, S. .r148.) Recensionen. מדרש אגדה. Agadischer Commentar zum Pentateuch nach einer Handschrift aus Aleppo zum ersten Male herausgegeben und mit Erläuterungen versehen von Salomon Bub er. Wie 1894, Druck und Verlag von A. Fanto II. Dem rasllosen Arbeiter und wohlbekannten Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur, der durch die Herausgabe verschiedener Midraschim in der correctesten Form auf Grundlage von handschriftlichen Codices diverser Bibliotheken, sowie durch seine, denselben beigefügten, von tiefer und umfassender Gelehrsamkeit und kritischem Sinne zeugenden Bemerkungen schon längst in der Gelehrtenwelt einen ruhmvollen Namen sich erworben hat, hat eine günstige Fügung ein bis jetzt noch nicht im Druck erschienenes und überhaupt in keiner Bibliothek zu findendes Midrasch- Manuscript zugeführt, dem er seinen Forscherblick zuwandte und durch dessen kritische, mit werthvollen Anmerkungen versehene Herausgabe er allen Freunden dieses Wissenszweiges eine unaussprechliche Freude bereitete. Er hat dem Werke den Namen מדרש אגדה beigelegt. Denn dem Manuscripte selbst fehlt jede Namensbezeichnung, noch ist in demselben irgend eine Andentung zu entdecken, die auf den Namen und die Zeit des Verfassers schliessen oder vermuthen liesse. Diese sind aus dem Manuscript darum nicht zu ermitteln, weil die letzten Blätter des 5. Buches Mose’s im Commentare gänzlich fehlen, an deren Schluss man gewöhnlich den Namen des Autors anzatreffen pflegte. W'as den Midrasch selbst betrifft, so zeichnet er sich durch eine ansprechende, anziehende und leicht dahinfiiessende Sprache aus, die so sehr in die Augen springt, dass man sich dem Urtheile nicht entziehen kann, dass gerade diese Eleganz der Sprache eine in der Zeit herabgedrückte Entstehung des Buches nicht verkennen lässt, und man kommt gleich auf den Gedanken, dass man es hier mit einem Pentateuch-Commentar zu thun hat, der in der Weise wie das יסוד des R. Mose Hadarschan von dem Verfasser redigiert worden ist. ln der That hat wohl dieses Moment auch dabei mitgewirkt, dass der geehrte Herausgeber, wie er dies selbst 111 seiner Vorrede erwähnt, durch den Gleichlaut vieler Stellen dieses Midrasch mit dem von Raschi in seinem Commentare in Namen des R.!Mose Hadarschan angeführten Erklärungen auf einen Augenblick zur Annahme sich hingeneigt fühlte, es wäre diesei׳ Midrasch-Commnntar das genannte יסוד selbst. Indessen ist er bald, wie es von einem so gewissenhaften und wahrheitsliebenden Forscher und Gelehrten nur zu erwarten war, von dieser Ansicht zurückgekommen und urtheilt mit vollem Rechte sehr richtig, dass dei׳ Verfasser dieses Midrasch ausser Talmud, Mechiltlia, Sifra, Sifre und den übrigen Midraschquellen auch schon den Raschicommentar gesehen und benutzt haben muss. Diese Muthmassung des Herausgebebers kann durch eine Stelle aus dem eben edirten מדרש* אגדה selbst fast bis zur Gewissheit erwiesen werden. Es heisst nämlieh im Abschnitte Mikez (Genes. 43,16): והבן, ו׳ שימת גבלות, ה׳ חמשה דברים המפסידים את השחיטה, בן שבעים טרפות, הנה והבן. Nun, die Zahl 70 der Trephot hat vor Maimonides niemand aufgestellt, auch wurde diese Zahl von vielen gleichzeitigen und späteren Decisoren durchaus nicht angenommen (S. Mahn. Mischne Thora, Hilch. Schechita und ב*מ zur Stelle, so wie Seplier Hachininich I» 73).(Schluss folgt.) Verantwort! Kedactwnr I)r. Rahmer, Magdeburg. Druck Friedrich Rasche & Co., Magdeburg. Verlag Kob. Friese, I.ei!!zg.