Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 23 (1894)
- Issue
- N° 1. (5.1.1894)
- Date
- 1894-01-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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- Homer 1× ep/1025156
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3 wirft diese beiden Deutungen and lässt das Wort von dem alten scandinavischen ״hoel“ abstammen, da der Begriff ״Tod“ dem Begriffe ״Hölle voranging und die ersten Menschen wahrscheinlich eher eines Wortes für ״Tod“ als eines solchen für das Reich Plnto’s oder den Aufenthalt der Todten bedurften. שאול im biblischen Sinne ist, wenn wir von der Polemik der Theologen absehen, wie schon aus verschiedenen Stellen des A. T. hervorgeht, in mancher Beziehung gleichbedeutend mit der Hölle Homer’s und bedeutet ״unterirdischer Ort, Unterwelt, tiefer, dunkler Ort“ Die Poesie übertragt es mit ״Thor und Riegel,“ z. B, ״in die Thore der Unterwelt•‘ (Jesaias 38,10). ״Wenn die Gebeine, d. h. Riegel des Körpers, in die Gruft sich senken“ (Job 17,16). In der Matapher wird Scheol anch mit ״Thal“ übersetzt Als ״Eifersucht“ ist sie grausam. ״Fest wie die Unterwelt ist die Eifersucht, d. h. grausam“ (Cant 8,6). Sie ist unersättlich wie der unfruchtbare Mutterschoss, die Erde und das Feuer, indem sie ihren Schlund öffnet ohne Mass, zu verschlingen alle Herrlichkeit, alle Tapferkeit und allen Erdenruhm. Sie ist das Land des Sonnen- Untergangs, wo Alles vergessen wird, der Ort der Dunkelheit, Untätigkeit und Trübsal, wo es weder Thaten noch Klugheit, noch Erfahrung giebt Sie ist der Aufenthalt der רפאים (Prov. 21,16, wo es die LXX mit ״Ort der Riesen“ übersetzen), der Sammelplatz der Todesschatten, der Bäume Edens, der Zedern des Libanon, Aschur’s und Elam’s, Tubals und Meschech’s, Pharao’s, der Zidoniten and Edoms (Jechesk. 32); sie ist der Aufenthaltsort sowohl der Guten wie der Bösen; sie ist das Grab im weitesten Sinne des Wortes, mehr ein Zustand als eine Oertlichkeit, kein Behältuiss von Stein oder Holz, weder im Erdboden noch im Wasser; sie ist fast dasselbe, was der Tod oder besser die Todesdauer ist Von Personen, die im Feuer verbrannt oder von Tigern zerfleischt wurden, kann man sagen, dass sie sich im Scheol befinden. Jakob sprach: ״Ich werde trauernd zu meinem Sohne in Scheol hinabfahren, denn ein wildes Thier hat ihn zerrissen.“ (Fortsetzung folgt) Recensionen. Einiges Christenthum. Herausgegeben von Prof Lehmann-Hohenberg in Kiel. (Besprochen von Dr. S i n ge r - Cöblenz.) ״So wie man nicht kennt den Weg, den der Wind nimmt,“ so unmöglich ist es, die Geburtsstunde und das Wachsthum einer Idee genau zu bestimmen. Hingegen lassen sich Anfang und Fortschritt der Vermischung antisemitischer Phrasen mit den Egidy’schen Bestrebungen von dem Momente an, da E.’s Schüler die Angelegenheit in die Hand genommen, mit ziemlicher Sicherheit feststellen, und seinem Laisser aller wird Herr v. Egidy es zuzuschreiben haben, wenn mit dem geisterhaften Spuke auch sein ernstes Wollen in Nebel zerfliessen wird. Jedermann ist ihm ohne Prüfung und Wahl willkommen, der in sein Horn stösst; hier wie dort treten plötzlich Neulinge auf, deren Unbescheidenheit und Wichtigthuerei nicht im entferntesten Verhältnisse zu ihrer Unbedeutendheit stehen, sie brauchen sich blos mit Egidy’s Farben zu bemalen, und — zu spät wird er es erst erkennen, dass sie seine Bewegung prostituiren uud er wird die Geister, die er gerufen und geduldet, nicht mehr bannen können. Das vorliegende Heft gleicht dem Heft I und seinen Vorläufern aus E.’s Hand so wenig, als wenn sie verschiedenen Parteien dienten, und diesem Umstande ist es wohl zu danken, dass die dicken Hefte baldigst za dünnen Wochenblättchen sich entfetten werden. Letztere will Herr v. E. angeblich selbst redigiren — vielleicht wird die ursprüngliche wohlthuende Einfachheit und Vornehmheit des Styls zurückkehren, aber es wird schwer halten, das verlorne Terrain wiederzugewinnen und alle Irrthümer, die sich mittlerweile, während E. mit scheinbar wichtigeren Sachen beschäftigt war, angehäuft haben, zu bannen, welche Alles eher waren, als ein Versuch zur Wiedergewinnung des reinen Gottesbewusstseins, von dem schon in der Genesis Gap. IV, 26 die Rede ist, nicht aber, wie es auf Seite 8 heist, erst im Cap. VI, 9. Wir 8i.1d aber, in die Defensive gedrängt, schon längst nicht mehr in der Lage, auf Berichtigung solcher kleiner Schnitzer uns zu beschränken, sonst würden wir daran erinnern, das nicht 600 Jahre v. Chr. von Loo-tse die Liebe und die Gotteserkenntnis den hohen Grad erreichte ״der nahe an denjenigen des schlichten Nazareners reichte,“ sondern dass Mosps, dem wir den Leviticus XIX, 18 verdanken, schon 1000 Jahre früher gelebt hat — eine solche Anerkenntnis würde aber mit dem Tone des Buches nicht in Einklang zu bringen sein, darum wird sie einfach unterschlagen und hierzu (S. 24) geseufzt: ״wahrlich stolz und glücklich dürfen wir aber erst dann sein. wenn wir Gerechtigkeit und Wahrheit lieben und Liebe üben.“ Ja, der Verf. hat Recht: ״Jesus“ — der so viele Lehren der Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit aus der Lehre Mosis schöpfte, welche seine Nachfolger uns trotz Ursprungs-Attestes einfach wegescamotirten — steht auf einsamer Höhe.“ Erhebt Euch doch zu ihm, anstatt ihn herunterzuzerren, anstatt Andere heuchlerisch zu ermahnen: ״Arzt heil Dich selber 1“ (Schluss folgt.);השרו Magazin für jüdische Geschichte, Literatur und Wissenschaft. Herausgegeben von Gustav Bade r-Lemberg und Manuel Maile s-Piriatyn. I. Heft 88 S. 8. Krakau 1893. Eine Monatsschrift in hebräischer Sprache! Sie kündet sich eher geräuschvoll und viel verheissend, als scheu und blöde an. Volltönender klingt auch dem timbre der heiligen Sprache entsprechend der hebräische Titel. Nicht weniger, als 16 bald grössere, bald kleinere Abhandlungen aus 8 verschiedenen, hochbedeutsamen Gebieten des Wissens werden uns vorgeführt Stellung wollen diese Blätter nehmen zu den Juden und Judentum berührenden Zeitfragen. Auch die israelitische Geschichte aller Zeiten soll nicht zu kurz kommen, die Bibelexegese und die Erläuterung mancher Aggadahstellen nicht leer ausgehen. An Liedern und Gedichten, an Novellen und Romanen soll es nicht fehlen und — last not least — auch die moderne Naturwissenschaft und Heilkunde muss hier ein Unterkommen finden. Das ist wahrlich viel, sehr viel auf engem Raume. Und doch — und doch! Stehen diese vielseitigen Leistungen auf der Höhe ihrer Aufgaben? Unsere Empfindung beim Lesen der ersten Blätter reifte sich, je tiefer wir in den Inhalt dieser Abhandlungen eindrangen, desto mehr zur Ueberzeugung aus: Weniger wäre mehr. Die Monatsschrift ist ein Organ — wohl nicht das einzige — der in Galizien und Russland sich bemerkbar machenden Bewegung der Nationalisten, Zionisten oder wie sonst wohl der officielle Name lautet. Die Existenzberechtigung dieser Bewegung wollen wir hier nicht discutieren. Wir wollen auch hier nicht untersuchen, ob nach Form, Umfang und Inhalt dieser Bewegung schwerwiegende Bedenken praktischer, prinzipieller, politischer und socialer Natur nicht gegenüber stehen. Wenn wir uns aber die die majorum gentium, die officiellen Redner, welche hier zu Worte kommen, näher betrachten