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Das jüdische Literaturblatt · 1893-12-01 · N° 48. (1.12.1893) · p. Seite 189

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 48. (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 189 (sequence 3)
Language
German
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— 189 — « ihrem richtigen Baue konstruieren und hinter אמר אסרה ein recht kräftiges Komma setzen und die Mischna wird selbstredend sich erklären ohne jedwede Schwierig* keit oder Unebenheit Sie muss nämlich, um verstanden zu werden, folgendermaassen lauten:אמר(או) אמרה, פרה זו הריני אגי גזירה אם עומדת. אסר, דלת זה הריני אני נזיר אם נפתח וכר d. h.: ״Wennein Mann oder ein Weib sagt (entsprechend und analog dem Schriftverse איש או אשה כי יפליא לנדר נדר): ich versage mir den Genuss dieses Tieres mittels eines Nasiräergelübdes, falls es sich von selbst aufrichten und erheben wird; oder es sagt ein Mann (אמר): ich versage mir mittelst eines Nasiräer-Gelübdes die Benutzung dieser Thüre1), wenn sie sich öffnen wird“ (oder ganz wörtlich: ״Wenn ein Mann oder ein Weib sagt, ich werde eine Nasiräerin*), wenn diese Kuh von selbst sich erheben und aufrichten wird; oder es sagt ein Mann (Jemand), אמר*), ich werde ein Nasiräer, wenn diese Thüre sich öffnen würde; da meint das Lehrhaus Schamäi’s, es tritt das Nasiräertum jedenfalls ein, so die Bedingung sich eingestellt hat; das Lehrhaus Hillels aber ist der Ansiebt, es könne hier durchaus kein Nasiräertum stattlinden.“ Die beiderseitigen Begründungen des Streit- Punktes bleiben dieselben und diese Erklärung hat weder auf sie noch auf die Halacha irgend welchen veränderten Einfluss. Nach dieser einfachen Auslegung der Mischna wollen wir auch beweisen, dass der jerus. Talmud thatsächlich eine solche Auffassung der Mischna hatte. Schon der Umstand, dass die jerus. Gemara weder die Frage פרה מי הא משתעיא? aufgeworfen, noch irgendwie eine Erklärung der Mischna in dem Sinne wie Rami bar Chami im bab. Talmud sie gegeben, zeugt davon, dass es der jerus. Gemara nie eingefallen ist, den Wort• laut der Mischna so aufzufassen, als würde אמרה auf פרה sich beziehen. Allein wenn dieses als schwacher indirekter Beweis sich erweisen sollte, so steht uns noch ein ganz direkter Beweis zur Verfügung, der das von uns Behauptete unerschütterlich festzustellen vermag. Wir wollen zu diesem Zwecke eine Stelle aus dem jerus. Talmud, die auf diese Mischna Bezug hat, hier anführen. (Schlots folgt.) Recensionen. Isaac M. Wiae. An Introduction to the Theology of Judhism. Delivered at the World’s Congress of Religions, 22 S. 1893. Dem Chicagoer Religions-Weltkongress gelegentlieh der amerikanischen Ausstellung hat der bekannte Verfasser diese Einführung in die Theologie des Judaismas übergeben und bei dem heute so stark herrschenden Mangel an Systemarbeiten auf dem Gebiete unserer Religionsphilosophie und Theologie muss jede noch so geringfügige Gabe dankend entgegengenommen werden. Inhaltlich berechnet lässt die Arbeit Wise’s allerdings kaum die Klage der Geringfügigkeit aufkommen: denn sie enthält in sich eine ganze Anzahl der schwierigsten Probleme in Kürze zusammengepresst Da ist gleich am Anfänge als Prolegomenon die Frage aufgeworfen, ob es überhaupt eine Theologie des Judaismus gebe, >) mc nnd n*n io der Hiachmi werden demnach keine Sabj. im Nomin., sondern Accus, der Beziehung sein.; גזירה ף bezieht sich auf das Subj. מרה« (wenn ein Weib sagt) daher das femin., weichet hier nach dem bekannten Satze ,כמד nr* דס״ם gebraucht wird. Zum Snbj. אמר kann man lieh leicht als Er: ghnznng hinzudenken הריני אני נזיר in der Maic.-Fonn, 8) So nach L.-A. der Mischna im ierut, Talmud, nicht אזמר wie in Babli. (Ueber diese Verschiedenheit der L.-A. wird weiter noch die Bede!ein.) da doch Theologie Dogma, Judaismus aber Gesetz sei. Natürlich lautet die Antwort, das Gesetz sei noch nicht die Religion, sondern nur eine Form derselben, die zugrunde* liegenden Gedanken und Prinzipien seien vielmehr die Hauptsache, die Theologie, die Dogmatik des Judaismus. Der ganze Ihvh- Monotheismus der hl. Schrift mit seinen Lehren von der Schöpfung, Offenbarung und Inspiration, von der Vorsehung und sittlichen Weltordnung, von Lohn, Strafe und Versöhnung: Das alles seien eigenartige dogmatische Voraussetzungen, die nichts gemein haben mit irgend einer anderen Art von religiösem oder philosophischem Monotheismus. Giebt es also a priori eine Theologie des Judaismus, so fragt es sich zunächst, was Theologie, was Judaismus ist Theologie erklärt nun der Verfasser als Wissenschaft der religi- Ösen Erkenntnis; darin liegt ihr einziger Einigungspunkt mit der Philosophie, dass beide als Wissenschaften das Werk der Verstandeskraft sind. Dieser Einigungspunkt ist aber ein so formaler, dass Philosophie und Theologie selbst in ihrer Behandlung und Methode sich gänzlich unterscheiden und sonst gar nichts gemeinsam haben. Die Theologie baut sich auf dem übereinstiminenden Wissen aller Menschen auf: das Wissen ist in jedem Einzelfall ein Syllogismus, dessen Vordersätze die Philosophie zu ergründen sucht, aber noch nie ergründet hat Ganz besonders ist dies der Fall bei den 4 Postulaten, die stets im Wissen aller Menschen waren: Gottes Dasein; Offenbarung und Anbetung; Gewissen, Moral und Aesthetik, Unsterblichkeit, Lohn und Strafe, dies seien die Dogmen der Menschheit, die Axiome der Theologie; dem Bewusstsein immanent und transcendent brauchen und haben sie keinen Beweis. Sie seien die unantastbare Grundlage jeder Theologie; nur ihre Auslegung durch die Vernunft sei eine verschiedene, meistens auf historischen Gründen beruhend, d. h. auf Ueberein- Stimmung eines Teiles der Menschen in ihren heiligen Schriften und Uederlieferungen und deshalb auch der Prüfung durch die Vernunft unterworfen, Demgemäss ruhe also die Theologie des Judaismus auf den 4 Axiomen und berücksichtige zugleich dessen Traditions« quellen. Was aber ist Judaismus? Als Wort betrachtet ein schlechter aber gebräuchlicher Ausdruck statt Religion Israels oder statt Jehova Verehrung (יראת יהוח) bezeichne es inhaltlieh den ganzen Complex der in Israel herrschenden und in Uebereinstimmung mit seiner jehovistischen Gotteserkenntniss zu Begriffen verarbeiteten religiösen Empfindungen. Diese jehovistische Gotteserkenntnis d. h. monotheistische Ihvh-Anschauung Israels, vor Abraham ein esoterischer namenloser Glauqe von da an als entschiedene Offenbarung durch die Stammväter, Josef, die Aeltesten Israels in Egypten und Moses fortschreitend zu seiner Höhe entwickelt, bilde das einzige Dogma des Judentums, als Bekenntnisformel niedergelegt in ה׳ אלהיגו ה׳ אחד, als kategorischer Imperativ ir אחרי ה׳ אלהיכם תלכו• Theologie des Judaismus ist also die Wissenschaft der religiösen Gotteserkenntnis in Israel und seiner Gottesanschauung mit allen ihren lehrhaften, ethischen und praktischen Fol* gerungen. Sie gründet, sich auf die 4 Postulate im allgemeinen Wissen aller Menschen, auf die Thora- Offenbarung im allgemeinen Wissen eines Teils der Menschen, endlich für alle anderen Lehren auf Vernunft und Geschichte; sie hat 2 Hauptteile: Die Offenbarungen der Thora über Gott und seine Attribute und die Konsequenzen aus dieser Gottesanschaunng. Was das erste anbelangt, könne man von Gott und seinen Attributen nur das aussagen, was er selbst darüber geoffenbart, und nur die wenigen Schriftstellen also heranziehen, in denen er von sich selbst spricht Alle für uns mögliche Kenntnis Gottes und seiner Wesens-

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