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Das jüdische Literaturblatt · 1893-12-01 · N° 48. (1.12.1893) · p. Seite 190

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 48. (1.12.1893)
Date
1893-12-01
Page
Seite 190 (sequence 4)
Language
German
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— 190 — attribute seien ausgedrückt in den 7 in der Thora vorkommenden Gottesnamen, die zugleich eine zu immer höherer Entwicklung fortschreitende Reihe von göttlichen Offenbarungen darstellen. Diese Namen seien, אל, אלוה יה, und אלהים, אדני, אל שדי, יהוה, die daraus sich ergebenden Wesensattribute:מצאות,אחדות,יכולת,חיים,הבמה חנינה. — Als Ueberleitung von den Wesenszu den Beziehungsattributen, weil zu beiden gehörig, dient das Attribut קדש; es bezeichnet Ihvh als höchstes Ideal moralischer Vollkommenheit und es giebt so die Grundläge der nur von Israel gekannten jehovistischen Ethik, ebenfalls קדש zu sein. Die eigentlichen Beziehungsattribute sind im Dekalog und speziell in Exodus 34,5 f. offenbart; die daselbst gebrauchten Ausdrücke bedeuten nichts anderes als die unvergleichlich höchste Treue und Liebe Gottes, wie sie sicli sowohl im Leben der Einzelpersonen als der Gesammtheiten erweist. Aus diesen Anschauungen ergeben sich nun als Folgerungen die Grundlehren der Theologie desJudaismus: die Lehren von der Vorsehung, Versöhnung und Verzeihung Gottes; von der Willensfreiheit, Verantwortlichkeit und Zukunft der Menschheit; von der persiinliehen Unsterblichkeit. Die Lösung dieser Probleme ist Aufgabe der jüdischen Theologie: sie löst sie ohne Irrtum, wenn Israels Gottesanschauung das Substrat, die Thora und geschichtliche Ueberliefei ang 4as Desiderat, die Vernunft den Apparat zur Lösung abgiebt. Die ausführliche Inhaltsangabe ist in Wirklichkeit nur eine Skizze des Hauptgedankengangs und beweist am besten, wie methodisch der reichhaltige Stoff in den 22 Seiten der Wise’schen Arbeit zusammengedrängt ist, und welche mannigfache Anregungen ein jeder empfangen wird, dem die Kenntnis der englischen Sprache es erlaubt, die kleine Schrift selbst zur Hand zu nehmen. Aber derselbe Umstand verbietet auch ein näheres k r i t is c 11 e s Eingehen. Denn was vorliegt, ist in der T'hat nur eine Einfühlung, ein zusammengefügter Programmentwurf, der nur immer auf die einzelnen Punkte hinweisst, immer nur einzelne persöuliche Anschauungen darstellt, ohne sie wissenschaftlich und eingehend zu begründen. Es sind meistens nur Behauptungen ohne Beweise, Gerippe ohne Fleisch. Aus seiner eigenen geschichtlichen, theologischen und philosophischen Auffassung heraus baut der Verfasser auf Grundlagen auf. die für ihn als erwiesen feststehen, die aber in Wirklichkeit gleichfalls Schlüsse aus fälschen oder mindestens zweifelhaften Vordersätzen sind. Dahin gehören gerade die Hanptbegriffe, mit denen der Verfasser operiert: Theologie und Judaismus. Die philosophischen Erörterungen über das Wesen und die Postulate der erst ereil, die Bebauptungen, dass die Theologie ein System der Dogmen, der Judaismus in der Thora abgeschlossen sei, sind völlig unbegründet hingestellt und wirklich völlig grundlos. Den einschneidenden bibelkritischen Fragen gegenübei־, die gerade für die gesammten Erörterungen des Verfasseis über den Judaismus von ungeheurer Wichtigkeit sind, beobachtet die \rbeit das leider heute so oft beliebte Vogeltrauss-Verfahren; mit einer einfachen Fussnote ist die Bibelkritik noch lange nicht aus der Welt geschafft. Ist es so ausgemacht, dass die Thora thatsächlich nur diese 7 Gottesnamen kennt, sind gerade diese 7 Wesensattribute die grundlegenden und richtigen V Betrachtet und verwendet die Thora thätsächlich die 7 Göttesnamen als Glieder einer fortschreitenden Entwicklung'!׳ Gerade bei solch schwierigen und strittigen Fragen genügen doch nicht einfache Behauptungen oder ein paar etymologische Spielereien. Und ' wie viele Erklärungen von Bibelstellen endlich finden sich in der Arbeit, z. B. der ganze Schluss, die Erklärung von Exod. 34,5 f. enthaltend, die zwar als agadische Auslegungen, als schöngeistiger Drasch ausgezeichnet, kritisch und wissenschaftlich betrachtet aber einfache Phantasiegebilde sind. Es ist der alte Fehler unserer Religionsphilosophen von den ältesten Zeiten an bis auf die heutige (auch bei Steinheim, mit dessen Ausführungen die unseres Verfassers manche Aehnliclikeit haben), dass alles Mögliche und Unmögliche in die Bibel hinein- und aus ihr herausgepresst wird, von dem der Erklärer zuletzt nicht mehr weiss, ob es wirkliche Erklärung oder nur Auslegung ist. Das gehört auf die Kanzel, nicht aber in Arbeiten, die den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben wollen, in Wirklichkeit aber dann auf das Anlegen eines kritischen Masstabs verzichten müssen. Wünschen wir also, dass der geehrte Verf. nicht blos eine derartige Einführung, sondern ein wirklich kritisch gegründetes System der jüdischen Theologie bietet; wir sind fest davon überzeugt, dass ein solches Werk nicht nur, wie die vorliegende kleine Arbeit, die reichsten Anregungen gewähren, sondern auch von wirklichem dauerndem Werte sein wird. Fr. D. Rogenzweijf, Saloinon. ״Ruth“, ein biblisches Drama. Krakau, Fischer. 1893. Das liebliche Idyll, welches uns einen tiefen Einblick in das Gemütsleben des alten Israel bietet, hat schon oft Gelegenheit zu anmutigen Nachdichtungen gegeben. Nun kaun zwar das Original an Frische und Natürlichkeit nicht übertroften werden, aber der Autor hat es verstanden, mit dem Rahmen der alten Erzählung einen neuen Reiz zu verbinden. In fliessendem Hebräisch, in Versen, die, leicht und, gefällig, den Meister zeigen, entwickelt er moderne Gedanken der allgemeinen Menschenliebe und des universellen Gottesglaubens. Rosenzweig’s liebliche Gabe zeigt aufs neue die nie alternde und unverwelkliche Jugend unserer heiligen Sprache in ihrer ganzen Schönheit und wer sein ״Torat-Chessed“ (so lautet der hebr. Titel) gelesen hat, wird ihm herzliehen Dank nicht versagen. C.-L. Literarische Notizen. Von un»erem gesell. Mitarbeiter, dem Lemberger Rabbiner Herrn Dr. J. Caro, wird demnächst eine ״Geschichte der Juden in Lemberg“ von den ältesten Zeiten bis zur Teilung Polens, nach archivaliscnen Quellen bearbeitet, erscheinen. Lessiugs Merke, gesammelt in 6 Bänden. Neu durchgesehen von Franz Mnncker. Mit Einleitungen von Karl Goedeke. Stnttgart. J. G. Giischen’sche Verlagshaudlung. Die riihmlichst bekannte Verlagshandlung erwirbt sich mit dieser, auf Grund der Laclunann’schen Forschungen hergestellten, mit minutiösester Sorgfalt den echten Wortlaut des Dichters reproduzierenden, solid ausgestatteten und märchenhaft billigen Ausgabe der Werke des grossen Streiters filr Wahrheit. Freiheit und Grösse deutscher Kuust ein namhaftes Verdienst um das Geistesleben unseres Volkes. Diese schöne, um wenig Groschen käufliche, trefl'lich gebundene Ausgabe ist ein nachdrücklicher, hoffentlich allseitig beachteter Appell an das deutsche Publikum, ״unserem Des־ sing“ endlich in jedem Hause seinen Platz einzuräumen. Wir kennen kein passenderes Geschenk für den Baruiizwa, Koutirmandeu und auch zu Chauuka, als Lcssing's ausgewählte Werke in Prachtband iür 2 Mk. 80 Pf. l'nter der Redaktion Emmy lleine’s, der Herausgeberin der ״Lehrb. f. Handarbeiten“, steht «las im Verlage von John Henry Schwerin herausgegebene grosse Handarbeiteublatt. für die Familie, das den bezeichnenden Titel ״Frauen•Vleise‘• führt. Alles, was tenvorlageu ausgestatteten Handarbeitenblatt dargestellt, Mau abonnirt auf ״Frauen-Fleiss“ noch für dieses Qartal zu 75 Pf. bei sämmtlichen Buchhandlungen und Postanstalten. Erstere und die Expedition von ״Fraucn-Fleiss, Berlin W., verabfolgen auf Wunsch unentgeltliche Ansichtsnummeru. Berichtigung. In vor. Nr. S. 186a Z. 8 v. 0. ist zu lesen: הנה, Z. 18 ״Geblüt“, Z. 27 ״Rozeach“. Verantwort). Kcdacteur Dt׳. Kahmer, Magdeburg, Druck Friedrich Rasche & Co., Magileburg, Verlag Rob. b riese, Leipzig

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