Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 46. (17.11.1893)
- Date
- 1893-11-17
- Page
- Seite 180 (sequence 2)
- Language
- German
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180 — Hali und Gut, was ihm genommen worden, klein und gross, w׳enig oder viel, für ewige Zeiten Verzicht leisten und für Erledigung aus der Haft dem Herzog 41100 Schock neue schuldigte Groschen Freiberger Münze bezahlen. Alle Briefe, die er vom Herzog und ״unserer gnädigen Frau von Sachsen“ in den Händen hatte, gleichviel ob sie Geldschulden oder andere Dinge betrafen, musste er herausgeben, ebenso wie die Briefe der fürstlichen Räte, welche nicht auf Geldschuld für ihre Personen beruhten. Was nicht zurückgegeben wurde, sollte allerwärts kraftlos und todt sein. Alle übrigen Schuldbriefe musste Abraham beim Rate zu Leipzig deponieren und die Hauptschuld einmahnen. Wegen der Schuldbriefe der Herren Grafen, Ritter und Knechte behielt sich der Herzog mit seinen Räten den Bescheid vor und was die Schuldbriefe der Riirger und Bauern anlangte, so wurde das Erkenntnis den Amtleuten und Verwesern übertragen. Puschmann musste die in seinen Händen befindlichen Schulddokumente ebenfalls den Räten und Behörden vorlegen. Alle Briefe in Abrahams Besitze, ausser denen, die er nach Leipzig geben sollte, insofern sie den Herzog und der Herzogin oder ihren Unterthanen Schaden bringen konnteil, wurden ebenfalls kraftlos erklärt. Endlich mussten Abraham und sein Weib geloben, in keinen anderen Städten oder Enden sitzen, wohnen oder Wesen halten zu wollen, als im Lande Sachsen, bis obengenannte Geldsumme bezahlt sei. Nach dieser Zahlung sollte es ihm freistehen, sich zu wenden wohin sie wollten, jedoch höchstens sechs Meilen innerhalb der sächsischen Grenzen. Wenn die 4000 Schock schuldigte Groschen bezahlt wären, sollten die deponierten Schuldscheine geprüft und was Abraham zustande, ihm ohne Hindernis verabfolgt werden. Abraham muss ein sein־ reicher Mann gewesen sein und war jedenfalls Hofbankier, der seiue Stellung gewiss zu benutzen verstand und aller Welt gegen gute Sicherheit mit Gelddarlehen zur Hand ging, bis in die ganze Geschichte ein Krach kam. Schon 1434 hatten Abraham und die Leipziger Geschäftsleute Lueas Waldheim, Heinrich Kudort und Nikel Hotritt, eine Schachergesellschaft gebildet, der jedes Mittel gerecht war, Geld zu machen, ein Geschmeiss, das besonders aucli durch Kriegslieferungen Schwindeleien beging. Während eines daraus entstehenden Prozesses wurden sie und ihre Familien, bis zum Austrag der Sache in den Kirchenbann gethan, was jedenfalls Abraham und die Seinigen am wenigsten inkommodiert haben wird. Die Quittung über obengenannte 4000 Schock Groschen enthält ein noch vorhandenes halbvermodertes Stück Papier. Er bezahlte binnen kurzer Frist das Geld in vier Kateu und es wird seiner dann nicht wieder gedacht. Ungerechte Beschränkungen der Juden scheinen erst im 17. Jahrhundert eingeführt worden zu sein. So hatte man ihnen früher gestattet, Gottesdienst zu halten, wie sie denn auch am 11. Oktober 1683 in der Nikolaistrasse, beim Bäcker, öffentlich in Hütten von grünem Reisig ihr Lauberliüttenfest feierten; aber zur Neujahrsmesse 1705 erschien ein landesherrlicher Befehl, der die Ausübung aller jüdischen Religionsübungen, öffentlich oder heimlich, streng untersagte. Ferner durften sie, mit Ausnahme der Federjuden, welchen innerhalb der Häuser ein notwendiges Verkaufsloka gestattet war, kein Gewölbe nach der Strasse zu aufthun und mussten ihre Waaren in den von ihnen bewohnten Stuben und Kammern verkaufen. Dann mussten sie auf ihren Geleitszetteln nachweisen, dass sie auf ihrer Reise nach Leipzig nicht von der vorgeschriebenen Stapelstrasse abgewichen waren. Ihre Weiber und. Diener und die Rabbiner wurden gehalten, einen Leibzoll zu entrichten, wovon man nur Kinder und trotz eifriger Verwendung des braven Elias Berend. nicht eiumal die armen Betteljuden und ihre Weiber befreite. Ausser den Judenpässen sollten den israelitischen Handelsleuten keine Freizettel erteilt werden und nur Pässe giltig sein, die königliche Majestät selbst unterschrieben hätte, oder welche sich im Besitz von Münzjuden oder polnischen Kammerjuden befänden. Spuren ausgesprochener Humanität gegen das unterdrückte Volk findet man erst in der Mitte des vorigen Jahrhundert«, wo die Beamten bei der Post, der Waage, der Accise uud dem Zollwesen angewiesen wurden, die Juden glimpflieber als bisher zu behandeln, und man ihnen auch gestattete — seit 1764 — sich ausserhalb der Messen, jedoch nach bestimmten Verordnungen, in Leipzig aufzuhalten. Diese Verordnungen wurden mit besonderer Genauigkeit überwacht und die Zuwiderhandelnden streng bestraft. Samuel aus Babenberg. Von Rabbiner Pr. A. Eckstein in Bamberg. Samuel aus Babenberg,, ein hervorragendes Mitglied der deutschen Tosafistenschule, war in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts Rabbiner in Bamberg. Die Zeitbestimmung ergiebt sich daraus, dass Jos. Karo (Tur orach chajim cap. 602 Ende) im Namen des Tascbbez von einer Kritik des Samuel gegen R. Elieser b. Joel ha-Lewi, mit dem er auch in Korrespondenz steht1), berichtet:2 3והיר שמואל מבונבערק אומר דלא דק), nun hat Elieser gelebt Anfang des 13. Jahrhdts8) und Samuel war sein Zeitgenosse. Die Zeitbestimmung ergiebt sich ferner aus dem Umstand, dass Samuel ein Kollege und Freund des Simcha aus Speyer gewesen, mit dem er in Korrespondenz stand und der gleichfalls um dieselbe Zeit blühte4). So berichtet Mordechai in seinem Kommentar zu Aboda sara § 859: שאל ה״ר שמואל את רבינו שמחה, und ebenso das. Cholin § 720. Samuel stammte aus Mainz, wo er an der für jüd. Gelehrsamkeit in jener Zeit hervorragenden Hochschule herangebildet wurde unter der Leitung seines Vaters, des berühmtenHalacListen und Dichters5) Baruch b. Samuel, des Verfassers des Sefer ha-Chochma. So sagt einmal gelegentlich der bekannte Schüler unseres Samuel, R. Meir aus Rothenburg (G.-A. ed. Prag Nr. 506): ״Also bezeugte R. Baruch, der Vater meines Lehrers.“ Der oben erwähnte Freund des Samuel, Simcha aus Speier, war ein Schüler seines Vaters Baruch (s. das. Nr. 739:שאל רבינו שמחה לרנינו ברוך יורנו רבינו). Der Lehrer des Samuel war Elieser aus Metz, der mit seinem Vater Baruch in Korrespondenz steht6). So heisst es im Kommentar des Mordechai zu Beza .וכן קבל הר׳ש מבוגגורק מפי ר׳א ממיץ :674 § Die Talmudschule, die Samuel in Bamberg geleitet, kann nicht unbedeutend gewesen sein, da aus derselben manche Autorität hervorgegangen. Nar wenige seiner Schüler sind mit Namen bekannt, der berühmteste unter ihnen war Meir b. Baruch aus Rothenburg, ein Verwandter seines Lehrers, der sich in seinen Entscheiden oft auf ihn beruft und ihn citirt als 7מורי קרובי), als seinen Lehrer und Verwandten. Ein anderer Schüler von ihm war R. Salomo aus Wien, der aus der Ferne ') S. Mordechai ed. Sulzbach zu Kidd. § 527, 2) Die Stelle iBt auch citirt bei Jesaia Hurwitz (של״ה ed. FürttS.S7a) 3) Zuuz: Zur Geschichte u. Lit. S. 36. <) Das. S. 193. 5) Zunz: Synag. Poesie S. 268. *) S. G. A. des Meir aus R. ed. Prag Nr. 591. Zuuz: Zur Geschichte S, 31. 7) S. Mordechai zu Gittin § 393 u. 402 (in den Edit. sind die Lesarten corumpirt), ferner G. A. des Meir aus R. ed, Oremona N'r. 8 u, 14, ed. Prag Nr. 957 u. 988 u. ed. Bloch I S. 229.