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Das jüdische Literaturblatt · 1893-10-27 · N° 43. (27.10.1893) · p. Seite 169

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 43. (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
Seite 169 (sequence 3)
Language
German
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Mit diesem Teile schliesst Maimonides sein Sendschreiben, indem er noch zuletzt die Bitte hinzufugt, das Original dieses Schreibens zu vervielfältigen und in alle Gemeinden der Juden zu schicken, um dadurch ihren Glauben und ihr Vertrauen auf Gott zu stärken und zu befestigen. Eine alte Synagogenordnung. Von Rabbiner Dr. G o 1 d f a h n. (Schluss.) Deutliche Spuren der zweierlei Perikopen für den Schabbath Parascliath Schekalim hat auch die Pesikta dr. Kahana1) erhalten, welch letztere neben der Piska 2כי תשא) auch eine Piska את קרבני לחמי enthält. Die letztere müsste eigentlich unmittelbar nach der ersteren folgen, ist aber entweder durch Verschiebung der Blätter3) oder durch Irrtum der Copisten nach החודש gesetzt worden. Weiss doch selbst der gelehrte und geistreiche Herausgeber der Pesikta rabbati, M. Friedmann, nichts mit dieser Piska את?רבני anzufangen. Während er zu Beginn der Piska 4כיתשא) richtig bemerkt, dass die ursprüngliche Paraschath Schekalim gewesen war, ergeht er sich zu Beginn der Piska את קרבני in vage Vermutungen und •eine aufgesprungene pilpulistische Ader betäubt den sonst hellsichtigen Gelehrten so sehr, dass er zu der Annahme, es wären ursprünglich fünf Parasehijoth im Gebrauche gewesen, seine Zuflucht nimmt, weil es in der Mischna5) heisse, ״am fünften, das ist an dem Sabbat nach den ״vier Paraschijoth“ kehre man zur regelmässigen Perikopenordnung zurück. Die Mischna, so meint Friedmann, wolle damit die angeblich im Gebrauch gewesene ״fünfte“ Parascha abschaffen. In seinem populistischen Eifer hat aber Friedmann an die Bedeutung und die Bestimmung der ״vierten“ Parascha ״Hachodesch“ nicht gedacht. Diese Parascha verdankt ihre Einführung dem uralten Gebrauche6), spätestens einen halben Monat vor dem Pessachfeste mit den Belehrungen über die Bestimmungen des Pessach zu beginnen, welche Belehrungen in den Synagogen und in den Lehrhäusern bis zum Schlüsse des Pessach fortdauerten. Mit Rücksicht darauf bestimmt die fragliche Mischna, wenn auch die Belehrungen über das Pessachfest vom Schabbath Paraschath Hachodesch bis zum Schlüsse des Pessach fortdauern, so müsse doch nach dem Schabbath Paraschath Hachodesch die unterbrochene regelmässige Perikopenordnung wieder auf'genommen werden. Denselben Gebrauch, der mit dem Anfang des Monats Nissan resp. vom Schabbath Parascliath Hachodesch beginnenden und bis zum Schlüsse des Pessachfestes dauernden Belehrungen über die Be- Stimmungen und die Gebräuche des Pessachfestes reflektieren auch die Mechilta7) und die Pessachhagada8) in ihren Deutungen zu den Worten der Schrift: ״Und Du sollst sagen Deinem Sohne an diesem Tage: Um dessentwillen hat der Ewige mir Gutes gethan, als ich auszog *) ed. Buber Lyk 1888. Die entsprechenden Piskoth in der Pesikta rabb. sind, wie Buber Einleitung S. V richtig bemerkt, von den Copisten unrechtmässig eingereiht worden. ’) Das ist die eigentliche Bezeichnung, wie aus dem Aruch und der Pesikta rabbati zu ersehen ist. 8) Vgl. Buber Einleitung S, XLVII über Manuscript Carmoly. י) S. 83a Anm. 1. b) p. 79b Anm. 1. «) Megilla III, 4. ’) Vgl. Pessachim babyl. folio 6ab; jerus. folio 27b; Schekalim t. 41b nebst Parallelen. Vgl. noch Sifre zu 4. M. § 66 u. 08 and ZU 426^ § m1t der Tossephta Synhedrin 7,7 ed. Zuckermandel 8) ed. Friedmann p. 21a. aus Egypten9;. ״Du sollst sagen Deinem Sohn“ könnte so verstanden werden, dass die Erzählung schon am Neumonde (bezw. am Sabbat vor dem Neumonde) beginnen soll, weil ja die Belehrungen über das Pessachfest in den Bet- und Lehrhäusern über die Bedeutung am Neumonde bezw. am Schabbath Paraschath Hachodesch beginnen, darum sagt die Schrift ״an diesem Tage“. ״An diesem Tage“ könnte aber so verstanden werden, dass die Erzählung am Festtage, d. i. am Tage, wann auch in den Bet- und Lehrhäusern über die Bedeutung des Festes gepredigt wird10 *), erfolgen soll, darum sagt die Schrift ״um dessentwillen“. Um dessentwillen kann aber nur gesagt werden, wenn Mazza und Maror vor Dir auf dem Tische liegen. ‘ — Die fragliche Deutung will sagen, es genüge nicht die Belehrung in den Bet- und Lehrhäusem, sondern die Eltern sollen die Gebräuche den Kindern vormachen und daran die Erzählung und Be-!elirung anknüpfen. Die Pesikta dr. Kahana hat uns auch noch anderweitige Spuren älterer von einander abweichender Paraschijoth- und Haphtaroth-Ordnungen aufbewahrt, worauf ich, s. G. w., ein anderes Mal zurückkomme. Hier will ich nur noch auf die Bedeutung einer Piska, auf die Bestimmung der Piska Dirschu, aufmerksam machen. So viel ich weiss und so weit ich mich entsinnen kann,so hat bisher noch niemand die richtige Bestimmung der Piska Dirschu erkannt. Buber a. 1. verweisst einfach auf die Tosaphoth12 *) und den Tur18), ohne selbst eine bestimmte Erklärung abzugeben. Den Casuisten haben die zwei Haphtaroth für den einen Buss-Sabbat viel vergebliches Kopfzerbrechen bereitet Es war allen entgangen, dass die zwei Haphtaroth bezw. zwei Piskoth für Buss-Sabbate den vor Einführung unseres ständigen Kalenders vorkommenden Fall reflektieren, wonach es möglich war, dass in den Busstagen zwischen Rosch- Haschana und Jom-Hakkipurim zwei Sabbate waren. Wenn Rosch-Haschana auf einen Freitag gefallen war, gab es zwei Buss-Sabbate, am zweiten und am neunten Tischri, nachdem Rosch-Haschana nur einen Tag gewesen war. Dann wurde דרשו am ersten und שובה am zweiten Sabbate gelesen14). Dass die Pesikta dr. Kahana den Fall voraussetzt dass Rosch-Hoschana am 8) Dieses Stück wurde Dicht vor der Mitte des zweiten Jahrhunderte ü Z. verlasst, denn die Worte בעבור זה לא אמרתי אלא בשעה וכי reflektieren deutlich die Anordnung des R. Gamligl II, die Bedeutung der drei Wärter מעה וגי not ausznsprechen und genau zu erklären (vgl. meine Bemerkung Ltbl. 1886 8 167a). Ich halte auch die Rezension der Pessachbaggada,tür die ältere, aus welcher die Mischua Pessachim X, 5 nur einen Auszug bietet. Gegen Bacher Agada der Tannaiten I, 94 Anm. 2. (Weiss, den Bacher zitiert, steht mir nicht za Gebote.) 12 (״. M. 13, 8. >') Wie bereits R. Zidkijahu im שכלי הלקט ed. Buber § 118- S. 119 richtig erklärt. Die Erklärung der Pessachhagada aus dem שבלי הלהט ist auch separat mit der aus dem מחזור ויטרי und dem Texte der ״H&ggada“ Wilna 1886 erschienen. ls) Im שבלי הלקט wird מעוד יום auf dem Rüsttag des Pessach, auf die Zeit des Schlacbtens des Pessachopfers, bezogen und behauptet, die ursprüngliche Formel hätte gelautet: בשעה שם0ח ומעה ומרור u. 8. w. gelautet hätte. Ich habe jedoch bereits oben Anm, 9 augedeutet, dass dieser Passus erst in der Mitte des zweiten Jahrhunderts ü. Z. verfasst wurde, dass wir also die ursprüngliche Formel: שמעה ומרור besitzen. >3) Zunzens ״Gottesdienstliche Vorträge“ stehen mir hier nicht zu Gebote. Ich habe bereits vor 23 Jahren geschrieben (Litbl, der ״Jüd- Presse“ No. 4 S. 16, 1870), es müsste im Interesse des wis• senschaftlichen Studiums der ״Agada“ eine neue, billige Ausgabe der ״Gottesdienstlichen Vorträge“, vermehrt mit einem Literatur- Verzeichnisse zu den einzelnen Kapiteln veranstaltet werden. Die neue Ausgabe ist erschienen; ein ״Literaturverzeichnis“ dürfte in dem ״Supplemente“ (vgl. Dr. A. Berliner Magazin 1891 S. 301) erscheinen, aber der Preis ist zu hoch (10.50 Mk.). Die Thorabeflissenen erfreuen sich zumeist noch der Seligkeit, deren die Bareitha. Aboth VI, 4, gedenkt. 14) Megilla 31b. '•) I, Kapitel 428.

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