Das jüdische Literaturblatt
- Journal
- Das jüdische Literaturblatt
- Volume
- 22 (1893)
- Issue
- N° 43. (27.10.1893)
- Date
- 1893-10-27
- Page
- Seite 170 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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170 einen Freitag fällt ersieht aus der Piska zum Bosch• Haschana15) בחדש השביעי, wonach der erste Schöpfungstag Sonntag am 26. Elul gewesen wäre und Freitag am ersten Tischri sei Adam erschaffen, verurteilt und auch freigesprochen worden; da habe Gott gesagt zu Adam: ״Du bist ein Typus für Deine Nachkommen, wie Du an diesem Tage vor meinem Gerichte gestanden und freigesprochen wurdest, so sollen Deine Kinder an die• sem Tage vor mir zu Gerichte erscheinen und frei aasgehen. “ Recensionen. Baber, Salomon. Midrasch Mi sch le. Wilna, Wittwe und Gebrüder. Rom 1893. Baber,Salomon. Midrasch Samuel. Krakau, Josef Fischer 1893. Der unermüdliche Forscher auf dem Gebiete der agadischen Litteratur hat uns im Laufe dieses Jahres mit zwei gleich wertvollen Gaben seines reichen Geistes bedacht. Durch seine Editionen hat er zwei Midraschim lesbar und geniessbar gemacht, die bisher in einem ^aum glaublichen Zustande der Verwilderung und Ver• stümmelung geblieben waren. Der Midrasch Mischle ist nach dem Codex 152 in Paris im Vergleiche mit cod. 44 Born und cod. 616 Parma, sowie mit der sditio princeps (Constantinopel 1612), der Midrasch Samuel hingegen nach den Editionen Constantinopel 1622 und Venedig 1686 im Vergleich mit einem cod. Parma 563 kritisch bearbeitet und commentirt worden. Wie in allen früheren Werken Bubers bilden die lichtvollen Einleitungen Glanzpunkte seiner emsigen und gewissen• haften Forschungen, bei welchen kein Hilfsmittel der Kritik unbenutzt bleibt Die Neigung, den von ihm be• arbeiteten Midraschim trotz mancher Anzeichen verhaltnismässiger Jugend, ein möglichst hohes Alter zu vindiciren, entspringt aus aus der ungemeinen Hingebung, mit welcher sich der Meister mit dem Buche unter seinen Händen beschäftigt. Im Uebrigen kann den gefundenen Resultaten in keinem Punkte widersprachen werden. Aus Missverstand der Drucker ist der Name שוחר טוב, der nur dem Midrasch Tehilim zukommt, auch auf die Midraschim Samuel und Mischle bezogen worden. Die richtige Bezeichnung ist מדרש oder אגדת משלי. Die Abfassungszeit ist weder mit Zunz so spät (600 der übl. Z.), noch so früh mit Buber (300) anzusetzen. Babylon ist das Vaterland dieses durch kernige Exegese sich vorteilhaft von anderen agadisehen Werken einer späteren Zeit sich unterscheidenden Midrasch. Es ist aber anzunehmen, dass der ursprüngliche Text durch Zusätze aus späterer Zeit und aus anderen Werken, z. B. den Hechalot, erweitert wurde. Mit Ausnahme des Talmud jeruschalmi hat der Verfasser die älteren Agada's in Mischna, l'osefta, Mechilta, Sifra und Sifre sowie im bab. Talmud und den alten Midraschim Bereschit rabba Pesikta, Wajikra rabba, Schir haschirim, Kohelet und Abot di B. Natan benetzt Sehr dankenswert ist die Zusammenstellung der Autoren von Aussprüchen ia diesem Midrasch, deren Namen seit- “) Dus die Pieke סיייחזת keine selbstständige Pieke eei, eondern in דרשו gehöre, hebe ich im Litbl. der ״Jttd: Presse“ 1870 Nr. 4, S. 18 nhchge wiesen. ”) ed. Baber p. ISO; vgl. die Anmerkungen 2—19. Pesikte rabbathi ed. Friedmann 188b iet eine Q101se, welche die fragliche Agada mit der Bestimmung unseres Kalenders, wonach R. H. nie anf einen Freitag fallen könne, sussugleichen bestrebt ist Den Commentar R. David Laria’s cn den Pirke 4r. Elieser, auf den Friedmann hinweist (1. c. Anmerkung 1), konnte ich nicht einsehen. samerweise in der Ausgabe Venedig 1544 unterdrückt wurden.*) Die tabellarischen Uebersichten, welche alle Editionen Bubers zieren, die für den immensen Fleiss des Antors zeugen und die Benutzung der bearbeiteten Midraschim so sehr erleichtern, fehlen auch in den beiden neuen Editionen nicht Ein Trümmerfeld ohne Gleichen und eine kaum durchdringliche Wildnis bildete bisher der Midrasch Samuel. In dieses Chaos Ordnung und System gebracht zu haben, bleibt ebenfalls Bubers unvergängliches Verdienst. Vielleicht kein anderer Midrasch war von so vielen Abschreibefehlern, Verkürzungen und Verrenkungen des Textes entstellt und nun präsentirt sich auch dieser Midrasch als eine kostbare Perle der agadischen Literatur. Sein Vaterland ist Palästina und darum auch tritt der palästinische Talmud als Quellenschrift bedeutend in den Vordergrund, Midrasch Ruth, Ester. Tehillim lagen dem Autor neben den älteren Agadot vor. Hieraus muss notgedrungen auf eine verhätnissmässig spätere Abfassungszeit geschlossen werden. Raschi citirt den Midrasch mit seinem vollen Namen אגדת מדרש ס׳ שמואל (Genesis 66,3) und öfter im Pentateuchwie im Talmudcommentar. Vom Jalkut wird der Midrasch Samuel 119 mal citirt. Die Anmerkungen Bubers sprachlichen, sachlichen und textvergleichenden Inhalts zu beiden Midraschim sind in demselben Geiste gehalten, wie in den vorhergehenden Editionen, sie geben uns ein anschauliches und überraschendes Bild von dem Zusammenhang und der Verzweigung der gesammten agadischen Geistesarbeit während eines halben Jahrtausend. — Zum Schlüsse dieser Bemerkungen können wir die Freude nicht unterdrücken, recht bald ein neues Geisterprodukt dös unermüdlichen Forschers zu begrüssen. Seit einem Jahre arbeitet er an dem Midrasch Echo rabba und was wir von dieser Arbeit gesehen haben, verspricht alle bisherigen Leistungen dieses genialen Mannes übertreffen zu wollen. Gott verleihe der Zierde unserer Gemeinde und unseres Stammes Kraft und Gesundheit bis zu den spätesten Lebensjahren. Caro- Lemberg. Literarische Notizen. ״Aas der Mischpoke I. Das literarische Berlin (1887 bis 1592.] Offenherzige Briefe an den Benquier Itzig Teiteles in Posen von Dr. Isidor Feilchenfeld“ — also ist eine Schrift des bekannten Leipziger Hochantisemiten Herrn Dr. Erwin Bauer betitelt, in welcher das Cliquenwesen des Berliner j tt - d i s c b e n Journalismus gegeisselt wird. Dieses Buch und Bauer’s Roman ״Aut Caesar aut nlhii“ wird in Nr. £44 der Baue r’schen ״Neuen Deutschen Zeitung“ von Herrn Friedrich Brandes gelobt, dessen Ubland-Ausgabe wiederum Herr Dr. Erwin Bauer in Nr. 232 der ״Neuen Deutschen Zeitung“ gepriesen hatte. Soviel — aus der ״christlichen Mischpoke“ des Herrn Dr. Erwin Bauer, deren sich seine satirische Ader hoffentlich auch einmal erbarmen wird. Es ist die alte Geschichte vom Balken im eigenen und dem Splitter in des Andern Auge. Bsurthollfin&m■. In einem Artikel über den Ursprung der Redensart vom ״Barthel, der den Most holt“, kommt der Bibliothekar Richard v. Strele auch anf den Apostel Bartholomaus zu reden und sagt u. a. : ״Die Legende lüsst ihn sogar eineu Sohn des Königs Ptolom&us sein.“ Die Legende ist wohl auf die Etymologie zurückzuftthren, denn der Name ist Ja aus <ota בד (Bar Tholmai) entstanden und 'öSn die talmudische Wiedergabe des Eigennamens ״Ptolomaeus.“ R. *) Auch Wünsche hat nach dieser Ausgabe mit unterdrflkten Autorennamen übersetzt. B e richtigung: In meiner Besprechung des ״Brenn• schon Kalenders“ (No. 88 des Lit.-BL S. 150 b) muss es Z. II statt 61 heissen; 490! bis 55 Grad und ist ״Meridian von Breslau“ zu streichen. L. Cohen. Verantwortl. Redacteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck Friedrich Rasche 4t Co., Magdeburg. Verlag Rob, Friese, Leipzig,