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Das jüdische Literaturblatt · 1893-10-27 · N° 43. (27.10.1893) · p. Seite 168

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Journal
Das jüdische Literaturblatt
Volume
22 (1893)
Issue
N° 43. (27.10.1893)
Date
1893-10-27
Page
Seite 168 (sequence 2)
Language
German
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— 168 — können sich die Worte וכבר עמד unmöglich auf Ibn Esra beziehen, der doch bekanntlich ein Zeitgenosse des Maimonides war. Schliesslich meint David Holub, Maini. schwebte der Mann vor Augen, von dem Ibn Esra in seinem Cammentare zu Daniel sagt: היוצר חיבר p ספר במועד הקץ ואני גפצתי דבריו בבלי יוצר טרם בא מועדו בי הוא מקוד. סועד אשר עבר. Denn bekanntlich hat Ib11 Esra seinen Commentar zu Daniel im Jahre 1155 in der Stadt Rhodez in Frankreich vollendet, folglich muss בן היוצר sein Werk früher verfasst und wahrscheinlich die Messiaszeit auf das Jahr 1146 festgestellt haben, in welchem gerade die Verfolgung unter Abdulmumen begonnen hatten, worauf die betr. Worte des Maim. ohne Schwierigkeit sich bezieheu durften. Er lebte aucli wirklich in Spanien. Denn בן היוצר ist nach David Holup identisch mit R. Isak Ibn Alfachar*), der in Toledo zur Zeit des Königs Alfsono von 1004 bis 1076 gelebt, und für den König astronomische Tafeln angelegt haben soll.**) Nachdem Maimonides noch ferner ausführlich besprochen, wie sehr wir uns vom Standpunkte der heiligen Schrift von solchen Berechnungen wie besonders dem Aberglamben von den Wahrzeichen der Gestirne fernzuhalteil haben, geht er dann zum letzten Theile des Briefes über, der den eigentlichen Angelpunkt bildet, um welchen sieh der ganze Inhalt des Briefes dreht. ״Was nun den Mann betrifft, sagt Maimonides, der sich rühmt, der Messias zu sein, sokann ich wohl begreifen, dass die Menge der Ungebildeten uud Unwissenden als auch der betreffende Mann selbst sich leicht hinreissen lassen zu glauben, er sei ein wahrer Phrophet und Gesandter des Erlösers, oder der Erlöser selbst. Ueber den Mann selbst wundere ich mich am wenigsten, da ich ihn für geisteskrank halte. Aber wundern muss ich mich über Dich, der Du der Schrift kundig bist und die Worte der Weisen gelesen hast, ja über Dich muss ich mich sehr wundern, Dich so leichtgläubig zu seheu. Weisst Du denn nicht, dass das Hauptmerkmal des Messias die Grösse seiner prophetischen Kraft sei, dass er der grösste aller Propheten sein muss. Schon dieses Vorgeben des Mannes, dass er eiu Prophet sei, muste Dich doch belehren, dass Du es entweder mit einem Wahnbethörten oder Schwärmer zu thun hast Du sagst, es ist bekannt, dass er gottesfürchtig ist nnd dass er einen gewissen Grad von Bildung besitzt Soll aber dieses Wenige den grossen Forderungen und An- Sprüchen genügen, die die Scliift an den Gesandten des Herr 11 stelltV Insbesondere stellen wir doch als die erste Bedingung eines Propheten auf, dass er den ersten Rang auf dem Gebiete des Wissens einnehmen, dass er die höchste Weisheit besitzen muss. Aus dem, was Du mir noch ferner berichtet hast, dass der Manu die Reidien aufgefordert hat, ihr Vermögen an die Armen zu vertheilen und zu verschenken, geht aber hervor, wie unwissend der Mann ist. Denn nicht darf ein Mann mehr als ein Füfntheil seines Besitzes an die Armen verschenken, wie unsere Weisen uns lehren.“ Wer aber dieser Mann war, der sich als Messias ausgegeben hat, ist unbekannt. Salomo Ibn Verga und ebenso Joseph Hakkohen haben diesen Messias als identisch mit David Alrui betrachtet. Der erstere bringt in seinem Schewet Jehuda am Schlüsse der Erzählung vom grässlichen Ende des David Alrui die Worte des Maimonides aus seinem Schreiben an die Weisen Marseille’s, wonach David •Alrui enthauptet worden sei, wie er es selbst gewünscht hat. Ebenso sagt der andere in seinem *) Alfachar bedeutet im Arab. was היוצר im Hebr.: ״Töpfer.“ **) Igereth Tbeman 8. 43 Anm. und S. fit» in der Ergänzung zur Anm. 202. Emek Habbacha nach der Mitteilung von David Alrui und seiner Ermordung durch die Hand seines Schwiegersohnes folgendes: ״Gegen diesen Menschen schrieb Maimonides gesegneten Andenkens, in seinem bekannten Briefe. Vielleicht hatte er aber die Thatsachen nicht so vernommen, wie sie sich wirklich zugetragen haben.“ Beide haben sich geirrt, indem sie zwei verschiedene Personen zweier verschiedener Zeiten und Länder mit einander verwechseln und identifiziren. David Alrui war in Persien und dieser, von dem Maimonides im Igereth Theman spricht, trat in Arabien auf. David Alrui hatte sich, wie Graetz sagt (Gesch. B. VI S. 291), tiefe Kenntnisse in Bibel und Talmud, sowie in der arabischen Litteratur angeeignet, der Messias in Jemen aber war, wie Maimonides von ihm im Briefe an die Weisen Marseiiles sagt, ein unwissender Mann. David Alrui trat als Messias im Jahre 1163 auf, der Prophet aus Jemen aber erst im Jahre 1172. Wiener bemerkt zu der diesbezüglichen Stelle in Emek Habbacha: Diese Angabe beruht auf einer Verwechselung des Messias, welcher in Persien aufgetreten ist, mit einem andern, der zu Maimonides Zeiten in Arabien eine Rolle spielte. Derselben Verwechselung machte sich aucli Rabbi Salomo Ibn Verga schuldig. Dasselbe wird auch von David Holub in in seiner Ausgabe des Jgereth Theman bemerkt (S, Haschachar Jahrgang 5 S. 51 Anm. 242.) So ist der Name des Mannes, der zu Maimuni’s Zeiten in Jemen die Rolle eines Messias spielte, bis jetzt noch nicht entziffert worden; auch die Namen der anderen Messiase, die Maimonides anführt, sind noch in Dunkel gehüllt. Indem Maimuni nämlich in seiner Ermahnung fortfährt und den Juden Jemens dringend ans Herz legt, dem Pseudomessias nicht Folge zu leisten, zählt er ihnen geschichtliche Thatsachen auf, in denen die Pseudomessiasse die Hauptrollen und leider stets zum Verderbender Juden gespielt haben. So sagt Maimonides, erstand eir. Mann im Judenthume nicht lange nach dem Beginn der islamitischen Herrschaft, der sich als einen Erlöser ausgab und einen Anhang von zehn Tausend Menschen um sich sammelte, die dann aus dem Judenthume geschieden sind. Er bestätigte seine Sendung durch das Wunder, das er an einem Morgen geheilt aufstand von einem Aussatze, mit dem er des Nacht* behaftet war. Aber seine Schwindeleien und Betrügereien kamen dann an’s Tageslicht und die Juden in Isfahan hatten in Folge dessen viel zu leiden und zu dulden. Ebenso ist vor 45 Jahren (1127) ein Mann in Fez erschienen, der als Vorläufer des Messias die Ankunft desselben in einem Jahre voraussagte, was sich aber wieder als Lüge herausgestellt hatte. Und wieder mussten dieJ uden ihre Leichtgläubigkeit btissen. 10 Jahre vor diesem Ereignisse 1117 trat wieder ein Mann in Cordova auf und gab vor der Messias zu sein und auch dieser hätte bald eine gänzliche Vertilgung der Juden dadurch herbeigeführt Endlich hatte vor dreissig Jahren (1087)in Frankreich ein Mann sich zum Messias gemacht, der, wie man erzählt, auch Wunder vollbracht haben soll, aber die Franzosen tödteten ihn und mit ihm auch viele Juden. Von allen diesen Pseudomessiassen hat Grätz nur einen ermittelt und zwar denjenigen, der bald nach dem Anfänge der islametischen Herrschaft erstanden ist Dieser Mann soll nach Grätz (B. V S. 167) identisch sein mit dem Sektenstifter der Isawiten, Abu- Isa-Obadia Isfahani*). *) Die Vermutung, die Grätz daselbst aufstellt (B. V Note 16 S. 440) statt בכלל im Texte des Igereth Tbeman בחיל za lesen, also ויצאו בחיל עשרת אל8יס איש מישראל scheint, nicht stichhaltig zu sein, weil aus Schewet Jehuda zu ersehen ist, dass hier einfach ein Wort ausgefallen ist und es im Texte heissen muss ויצאו מכלל הרח יי אל*ים וכוי. Die Uebersetzung in Grätz (V, 167): ״Es sollen sich 10,000 Juden um ihn geschaart haben“, ist darum ebenfalls ungenau.

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